Pressedienst


Ertragslage der in Österreich tätigen Kreditinstitute im 1. Halbjahr 2003

Wien, 1. 9. 2003


Der vorliegende Bericht basiert auf Daten der Quartalsberichtsmeldung Juni 2003. In dieser Meldung werden die Ertragsdaten der in Österreich tätigen Kreditinstitute auf unkonsolidierter Basis erfasst. 
  • Im 1. Halbjahr 2003 zeichnet sich eine positive Ertragsentwicklung ab. 
  • Betriebsergebnis erhöht sich um +8,7% auf 2,17 Mrd EUR.
  • Markante Erträge aus dem Finanzgeschäft und dem Provisionsgeschäft; Nettozinsertrag und Erträge aus Wertpapieren und Beteiligungen rückläufig.
  • Erwarteter Wertberich32tigungsbedarf im Kreditgeschäft rückläufig, erwartet werden weiters Auflösungen von Wertberichtigungen für Wertpapiere und Beteiligungen.
  • Für das gesamte Jahr 2003 wird ein Anstieg des Jahresüberschusses erwartet.  

 

Im 1. Halbjahr 2003 betrug das unkonsolidierte Betriebsergebnis der in Österreich tätigen Kreditinstitute 2,17 Mrd EUR und lag mit +8,7% deutlich über dem Wert der Vergleichsperiode 2002. Somit konnte die bereits im 1. Quartal 2003 beobachtete positive Entwicklung des Betriebsergebnisses auch im 2. Quartal 2003 fortgesetzt werden. Das Verhältnis Betriebsergebnis zur durchschnittlichen Bilanzsumme belief sich im 1. Halbjahr 2003 auf 0,37% und erhöhte sich gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres um +0,03%-Punkte. Im ersten Halbjahr 2003 meldeten die in Österreich tätigen Kreditinstitute eine Steigerung der Betriebserträge um +3,0% auf 6,89 Mrd EUR. Die Betriebsaufwendungen stiegen mit +0,6% auf einen Stand von 4,71 Mrd EUR geringer an. Daraus resultierend verbesserte sich die cost-income-ratio um 1,6%-Punkte und betrug zum Berichtszeitpunkt 68,4%.


Grafik 1: Cost-Income-Ratio

Im Verhältnis zur durchschnittlichen Bilanzsumme erhöhten sich die Betriebserträge um +0,04%-Punkte auf 1,18% und die Betriebsaufwendungen um +0,01%-Punkte auf 0,81%.



Grafik 2: Die Struktur der Betriebserträge

Der Nettozinsertrag betrug im 1. Halbjahr 2003 3,50 Mrd EUR und lag mit -0,6% geringfügig unter dem Wert der Vergleichsperiode 2002. Die Relation Nettozinsertrag zu den gesamten Betriebserträgen belief sich zum Berichtszeitpunkt auf 50,8% und verringerte sich gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres um -1,9%-Punkte. Das Verhältnis Nettozinsertrag zur durchschnittlichen Bilanzsumme betrug 0,60% und blieb gegenüber der Vergleichsperiode 2002 unverändert. Die Zinsen und zinsähnlichen Erträge lagen mit 10,70 Mrd EUR um -1,16 Mrd EUR bzw. -9,8% unter dem Wert der Vergleichsperiode 2002. Allerdings verringerten sich die Zinsen und zinsähnlichen Aufwendungen mit -1,14 Mrd EUR bzw. -13,7% betragsmäßig etwas geringer als die entsprechenden Erträge. Im Rahmen der Analyse des Zinsgeschäftes erfolgte erstmals die Darstellung des Total Spreads1). Er belief sich im 1. Halbjahr 2003 auf 1,29% und blieb gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres unverändert.

Die Erträge aus dem Wertpapier- und Beteiligungsgeschäft betrugen im 1. Halbjahr 2003 0,82 Mrd EUR und lagen mit -1,6% geringfügig unter dem Wert der Vergleichsperiode 2002. Dabei ist die Entwicklung in den einzelnen Bereichen sehr unterschiedlich ausgefallen. Einerseits konnte im Bereich der Erträge aus Anteilen an verbundenen Unternehmen (+0,06 Mrd EUR) ein Anstieg verzeichnet werden. Wie bereits im 1. Quartal 2003 berichtet, ist diese Steigerung überwiegend auf die Erhöhung der Erträge von ausländischen verbundenen Unternehmen zurückzuführen. Auch im Segment Aktien und Anteilsrechte und nicht festverzinsliche Wertpapiere (+0,02 Mrd EUR) konnten Zunahmen erzielt werden. Andererseits musste im Bereich der Erträge aus Beteiligungen (-0,10 Mrd EUR) ein deutlicher Rückgang gegenüber dem in der Vergleichsperiode 2002 außerordentlich hohen Wert festgestellt werden.

Nachdem sich der Saldo aus dem Provisionsgeschäft zu den vergangenen Berichtsterminen stets rückläufig entwickelt hatte, konnte er nach einem leichten Anstieg im 1. Quartal 2003 im 1. Halbjahr 2003 um +2,6% auf einen Stand von 1,55 Mrd EUR erhöht werden. Dies ist insbesondere auf den Anstieg der Provisionserträge aus dem Zahlungsverkehr (+0,04 Mrd EUR), aber auch auf den Anstieg der Provisionserträge aus dem Kreditgeschäft (+0,03 Mrd EUR) und dem Dienstleistungsgeschäft (+0,01 Mrd EUR) zurückzuführen. Im Bereich der Provisionserträge aus dem Wertpapiergeschäft waren – wenn auch im geringeren Ausmaß als in den Vorjahren – weiterhin Einbußen (-0,04 Mrd EUR) zu beobachten. Trotz steigender Provisionserträge reduzierte sich die Relation Saldo aus dem Provisionsgeschäft zu den gesamten Betriebserträgen gegenüber dem 1. Halbjahr 2002 um -0,1%-Punkte geringfügig und betrug 22,5%. 

Der positive Saldo aus Finanzgeschäften belief sich in den ersten 2 Quartalen des Jahres 2003 auf 0,43 Mrd EUR und konnte gegenüber der Vergleichsperiode 2002 um +119,0% mehr als verdoppelt werden. Dies ist in erster Linie auf den markanten Anstieg des Saldos aus Geschäften in Wertpapieren, die nicht wie Finanzanlagen bewertet werden (+0,19 Mrd EUR), zurückzuführen. Somit konnte insbesondere im 2. Quartal 2003 von den in Österreich tätigen Kreditinstituten die gute Lage auf den internationalen Finanzmärkten genutzt werden, was sich in einer deutlichen Ertragssteigerung beim Eigenhandel mit Wertpapieren niederschlägt. Auch der Saldo aus sonstigen Finanzgeschäften (+0,02 Mrd EUR) und der Saldo aus dem Devisen-, Sorten-, und Edelmetallgeschäft (+0,02 Mrd EUR) konnten gesteigert werden. Der Anteil des Handelsergebnisses an den gesamten Betriebserträgen belief sich zum Berichtszeitpunkt auf 6,3% und erhöhte sich gegenüber der Vergleichsperiode 2002 um außergewöhnlich hohe +3,3%-Punkte. Damit hat der Eigenhandel einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Betriebserträge geleistet. 

Die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen beliefen sich auf 3,95 Mrd EUR und sind mit +1,0% geringer angestiegen als im Vergleichsquartal 2002. Hierbei stiegen die Personalaufwendungen mit +2,4% auf einen Stand von 2,44 Mrd EUR. In Relation zu den gesamten Betriebsaufwendungen erhöhten sich die Personalaufwendungen um +0,9%-Punkte auf 51,7%. Die sonstigen Verwaltungsaufwendungen (Sachaufwand) reduzierten sich im 1. Halbjahr 2003 mit -1,0% auf 1,51 Mrd EUR. Die Relation Sachaufwand zu den gesamten Betriebsaufwendungen betrug 32,0% und reduzierte sich um -0,5%-Punkte geringfügig.

Für das gesamte Geschäftsjahr 2003 erwarten die in Österreich tätigen Kreditinstitute ein Betriebsergebnis von 3,93 Mrd EUR (Schätzung 2002: 4,00 Mrd EUR). Der Wertberichtigungsbedarf im Kreditbereich wird mit 1,71 Mrd EUR um -13,2% klar unter dem Schätzwert des Vorjahres angesetzt. Er errechnet sich zum überwiegenden Teil aus den erwarteten Wertberichtigungen für Forderungen an Kunden (1,87 Mrd EUR). Die genauere Analyse zeigt, dass der erwartete Wertberichtigungsbedarf im Kreditbereich zwar gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres rückläufig ist, jedoch immer noch höher angesetzt wird als im langjährigen Durchschnitt. Bei Wertpapieren und Beteiligungen wird zum Berichtszeitpunkt 1. Halbjahr 2003 erwartet, dass mehr Wertberichtigungen aufgelöst als gebildet werden. Es wird ein Saldo von 0,05 Mrd EUR erwartet, welcher im Jahr 2003 ertragswirksam werden soll. Im Vergleichsquartal des Vorjahres wurde in diesem Bereich noch mit einem negativen Ergebnisbeitrag (0,01 Mrd EUR) gerechnet. Diese positive Entwicklung ist insbesondere auf den Anstieg der Erträge aus der Auflösung von Wertberichtigungen für Aktivposten 5 bis 8 der Bilanz – also erwartete Verkäufe von Wertpapieren, Aktien, Beteiligungen und Anteilen an verbundenen Unternehmen – zurückzuführen (0,04 Mrd EUR). 

Unter Einbeziehung sämtlicher Bewertungsmaßnahmen und Risikokosten rechnen die in Österreich tätigen Kreditinstitute im Jahr 2003 mit einem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit auf unkonsolidierter Basis von 2,27 Mrd EUR, welches mit +12,5% gegenüber der Vergleichsperiode 2002 besser eingeschätzt wird. Für das Jahr 2003 wird ein a.o. Aufwand von 0,09 Mrd EUR erwartet (2002: 0,13 Mrd EUR). Die erwarteten Steuern betragen 0,41 Mrd EUR und werden damit gegenüber dem Vergleichsquartal 2002 mit +0,03 Mrd EUR bzw. +8,5% höher eingeschätzt. Daraus folgend ergibt sich für die in Österreich tätigen Kreditinstitute für das gesamte Jahr 2003 ein unkonsolidierter erwarteter Jahresüberschuss von 1,77 Mrd EUR, welcher mit +17,1% klar über dem Wert der Vergleichsperiode 2002 liegt. Somit konnte der erwartete Jahresüberschuss gegenüber der Schätzung vom 1. Quartal 2003 (1,70 Mrd EUR) nach oben korrigiert werden. Allerdings liegt der Wert deutlich unter dem Niveau der Schätzungen in den Vergleichsquartalen 2001 und 2000.


Herausgeber:

Oesterreichische Nationalbank

Sekretariat des Direktoriums/Öffentlichkeitsarbeit

Tel.: (+43-1) 404 20-6666

1) Im Zuge dieser Berechnung werden sämtliche verzinste Aktiva mit den verzinsten Passiva verglichen. Die daraus resultierende Zinsspanne wird um den Endownment Effekt korrigiert (d. h. es werden unterschiedlich große Volumina auf der Aktiv- und Passivseite in der Berechnung berücksichtigt). Bei der Interpretation des Indikators muss bewusst sein, dass es sich unterjährig jeweils um eine Hochrechung handelt, woraus sich Ungenauigkeiten ergeben. Weiters ist darauf hinzuweisen, dass bei dieser Methode die unterschiedlichen Laufzeitstrukturen auf der Aktiv- und Passivseite keine Berücksichtigung finden.

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