Pressedienst


OeNB und WIFO stellen gemeinsame Studie

zu strukturellen Einflussfaktoren auf dem österreichischen Wohnungs- und Immobilienmarkt vor

Wien, 17. 10. 2003. Insgesamt gutes Zeugnis für heimische Wohnungspolitik in der Publikationsreihe "Berichte und Studien", Heft 3/2003, erschienen.


Die von OeNB und WIFO erstellte Studie analysiert die strukturellen Eigenschaften und Besonderheiten des österreichischen Wohnungs- und Immobilienmarktes. 

Langfristige Verschuldung der privaten Haushalte steigt 

Österreich gehört mit einer Hypothekarschuld von 30% des BIP im Jahr 2001 zu den EU-Ländern mit niedrigem Verschuldungsgrad. Dennoch ist eine Zunahme der langfristigen Verschuldung der privaten Haushalte zu verzeichnen. 

Starker Anstieg der Immobilienfinanzierung in Fremdwährung entspricht dem generellen Trend der Ausleihungen 

Bei unverändertem Engagement der Banken in der Immobilienfinanzierung zeigt sich – parallel zur Entwicklung bei den Ausleihungen generell – ein starker Anstieg der Finanzierung in Fremdwährung (seit 1996 um das Fünffache). 

Bankkredite und Wohnbauanleihen als wesentliche Finanzierungsquellen 

Neben Bankkrediten stellen Wohnbaudarlehen des öffentlichen Sektors die zweitwichtigste Finanzierungsquelle der privaten Haushalte dar. Bei der Refinanzierung der heimischen Kreditinstitute zeigt sich die zunehmende Verdrängung der Pfand- und Kommunalbriefe durch die seit 1993 auf dem Markt befindlichen Wohnbauanleihen. 

Weitere Diversifizierung des Angebots in der Wohnungspolitik 

Mit dem im Juli 2003 beschlossenen Immobilien-Investmentfondsgesetz wurden Immobilienfonds nun auch in Österreich zugelassen. Damit dürfte der Wettbewerbsnachteil gegenüber ähnlichen Fonds in anderen Ländern beseitigt sein. Die Diskussion um eine Zulassung von Mortgage Backed Securities in Österreich könnte ein weiterer Schritt in Richtung der Diversifizierung des heimischen Finanzierungsangebots sein. 

Leichter Preisauftrieb bei Eigentumswohnungen bleibt unter langjährigem Durchschnitt 

Im Verlauf der Neunzigerjahre verflachten die heimischen Immobilienpreise und waren gegen Ende des Jahrzehnts sogar rückläufig. Seit Mitte 2001 steigen die Preise wieder, allerdings bleibt der Preisauftrieb weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt. Zusammenfassend zeigt sich, dass in Österreich in den letzten Jahren keine Gefahr des Entstehens einer Preisblase besteht. 

Wohnbauförderung traditionell auf Objektförderung ausgerichtet 

Ein beträchtlicher Teil der österreichischen Wohnungswirtschaft wird gefördert – einerseits in Form direkter Wohnbauförderung und andererseits indirekt in Form von Bausparprämien und steuerlichen Begünstigungen. Das in seiner derzeitigen Form direkt auf Objektförderung ausgerichtete Wohnbauförderungssystem weist seit langem Reformbedarf auf. Das Bausparen, bei dem seit der Reform 1999 eine flexible Zinsgestaltung ermöglicht wurde, wird als Anlage- und Sparform weiterhin stark genutzt. 

In der Studie kommen die Autoren zum Schluss, dass die Zielsetzungen und Schwerpunkte der heimischen Wohnungspolitik im Vergleich zu anderen EU-Ländern unterschiedlich sind, aber zeigen, dass dieser Weg durchaus erfolgreich gewesen ist.