Presseaussendung


Geschäftsentwicklung der in Österreich tätigen Kreditinstitute

in den ersten drei Quartalen 2003

Wien, 4. 12. 2003


Der vorliegende Bericht basiert auf Daten der Monatsausweismeldung September 2003. In dieser Meldung werden die Geschäftsstrukturdaten der in Österreich tätigen Kreditinstitute auf unkonsolidierter Basis erfasst. Monatsausweis gem. § 74 Abs. 1 BWG sowie der MAUS-Verordnung der FMA 

  • Bilanzsumme überschreitet erstmals die 600 Mrd EUR – Marke (603,90 Mrd EUR)
  • Rückgang der Fremdwährungskredite (-1,0%), Anstieg der Eurokredite (+1,9%)
  • Umschichtung innerhalb der Fremdwährungskredite: Schweizer Franken +39%, japanischer Yen -56%
  • Leichter Einlagenzuwachs (1,6%)
  • Weiterhin starker Anstieg des Auslandsgeschäftes   


Bilanzsumme erreicht Höchststand

In den ersten 9 Monaten dieses Jahres verlief die Bilanzsummenentwicklung für die in Österreich meldepflichtigen Kreditinstitute sehr erfreulich: Diese stieg nach einem Rückgang im Vergleichszeitraum des Vorjahrs (-1,4%) um 5,3% an. Die Bilanzsumme erreichte am Ende des 3. Quartals einen Stand von 603,90 Mrd EUR. 

Aktivseitig wurde das Wachstum zu mehr als zwei Drittel vom Auslandsgeschäft getragen, während die Kreditvergabe an inländische Kunden gegenüber dem bereits schwachen Ergebnis des Vorjahres weiter zurückging. Die Refinanzierung der Kreditinstitute erfolgte nach wie vor hauptsächlich mittels Einlagen von inländischen Nichtbanken, wobei allerdings auch auf der Passivseite das Auslandsgeschäft die größte Zuwachsrate erreichte. 



Rückgang der Fremdwährungskredite

Die im 3. Quartal national als auch international weiterhin anhaltende Konjunkturschwäche schlug sich auch auf die Vergabe von Direktkrediten nieder. In den ersten 3 Quartalen 2003 konnte nur ein leichtes Wachstum von 1,3% (3,11 Mrd EUR) festgestellt werden. Dieses geringe kumulative Kreditwachstum lag somit sogar noch unter dem schon letztjährigen schwachen Wachstum von 1,5% und wurde einzig und allein von den Eurokrediten getragen. Während sich diese gegenüber Dezember 2002 um 3,56 Mrd EUR oder 1,9% erhöhten, sanken die Fremdwährungsausleihungen um 1,0%. In der Vergleichsperiode 2002 stiegen die Fremdwährungsausleihungen noch um 6,0%, während die Euroausleihungen nur um 0,5% zunahmen. Der Anteil der Fremdwährungsausleihungen am gesamten Kreditvolumen reduzierte sich somit von 18,8% auf 18,4%. Diese deutliche 

Verlagerung von Fremdwährungs- hin zu Eurokrediten könnte u. a. damit zusammenhängen, dass in letzter Zeit – auch von der Oesterreichischen Nationalbank – verstärkt auf die besonderen Risiken von derartigen Fremdwährungsengagements hingewiesen wurde. 



Schweizer Franken statt japanischer Yen

Innerhalb der Fremdwährungen setzten die Kreditnehmer verstärkt auf weniger volatile Währungen. Die Schweizer Franken Ausleihungen erhöhten sich seit Jahresbeginn um 39%, während im Gegensatz dazu Ausleihungen in japanischen Yen ein Minus von rund 56% verzeichneten. 

Regional betrachtet lag Vorarlberg beim Anteil der Fremdwährungskredite am gesamten Kreditportefeuille mit 44,5% an der Spitze, gefolgt von Tirol mit 35,9%. 

Bei sektoraler Betrachtungsweise konnte bei fast allen Bankensektoren ein Zuwachs im Kreditgeschäft erkannt werden. An der Spitze lagen die Sonderbanken mit einem relativen Wachstum von 8,0%, während die Bausparkassen – als einziger Bankensektor – einen Rückgang von 2,5% aufwiesen. Der Anteil der Fremdwährungskredite an den gesamten Direktkrediten lag bei den Volksbanken bei 24,5%, gefolgt von den Sparkassen mit 21,7% und den Landes-Hypothekenbanken mit 19,9%. 

Relativ gesehen waren die meisten Eurokredite (71,4%) im untersten Segment "bis 10.000.- EUR" angesiedelt, wogegen nur rund 10% aller Fremdwährungskredite in diese Kategorie fielen. Hier befanden sich je ein Drittel im Segment zwischen "50.000.- und 100.000.- EUR" bzw. im Segment über "100.000 bis 500.000.- EUR". 

Weiterhin markant ist daher der Unterschied bei den durchschnittlichen Kredithöhen: Ein durchschnittlicher Euro-Kredit (inklusive Überziehungen von Girokonten) belief sich im September auf 31.847.- EUR, ein durchschnittlicher Fremdwährungskredit war hingegen 4,3-mal so hoch und betrug 137.447.- EUR. 

Die Wertberichtigungen bezogen auf Kundenforderungen beliefen sich per 30. September 2003 auf 3,3% und somit auf dasselbe Niveau wie zum September-Ultimo des letzten Jahres.



Leichter Einlagenzuwachs

Nach einem Rückgang um 1,0% (-1,99 Mrd EUR) in den ersten drei Quartalen 2002 erhöhten sich die Einlagen von inländischen Nichtbanken im Vergleichszeitraum 2003 bereits um 1,6% (+3,06 Mrd EUR). Im September 2003 erreichten die Einlagen von inländischen Nichtbanken einen Stand von 194,79 Mrd EUR. 

Sektoral betrachtet verbuchten der Sonderbankensektor (0,17 Mrd EUR bzw. 13,8%) und der Raiffeisensektor (2,44 Mrd EUR oder 5,0%) die mit Abstand größten prozentuellen Anstiege, während die Aktienbanken (-1,3%) – als einziger Sektor – sogar Einbußen verzeichneten. 

Innerhalb der Einlagen konnten die größten Zuwächse im Bereich der Sichteinlagen (4,88 Mrd EUR oder 11,6%) erzielt werden. Auch in der Vergleichsperiode 2002 war das Wachstum dieser Einlagenkategorie mit 1,99 Mrd EUR bzw. 5,1% am stärksten gewesen. Die Termineinlagen sanken 2003 um 3,17 Mrd EUR oder 14,4%, in den ersten drei Quartalen 2002 war der Rückgang aber mit 2,82 Mrd EUR oder 11,2% ähnlich deutlich. Das Volumen der Spareinlagen erhöhte sich im bisherigen Jahr leicht um 1,35 Mrd EUR (1,1%) auf 129,05 Mrd EUR. Die Spareinlagen kamen auf einen prozentuellen Anteil von 66,3% an den gesamten Einlagen von inländischen Nichtbanken (194,79 Mrd EUR).



Weiterhin starker Anstieg des Auslandsgeschäftes

Das Auslandsgeschäft war im bisherigen Jahresverlauf für einen wesentlichen Teil am Bilanzsummenwachstum verantwortlich. In den ersten drei Quartalen 2003 erhöhten sich die Auslandsforderungen um 15,0% (+23,32 Mrd EUR), wogegen sie in der Vergleichsperiode des Vorjahres nur um 4,2% (+6,61 Mrd EUR) gestiegen waren. Von den 178,52 Mrd EUR Auslandsforderungen entfielen rund 52% (92,88 Mrd EUR) auf Forderungen an ausländische Kreditinstitute und rund 29% (51,45 Mrd EUR) auf Forderungen an ausländische Kunden. Allein der Zuwachs der Forderungen an ausländische Kreditinstitute belief sich auf 24,1% (+18,03 Mrd EUR). Bei allen anderen Forderungskategorien konnte ebenfalls ein Anstieg verzeichnet werden. 

Die Verbindlichkeiten der in Österreich tätigen Kreditinstitute gegenüber dem Ausland erreichten einen Zuwachs im Ausmaß von 12,41 Mrd EUR. Prozentuell ausgedrückt steht heuer einem Plus von 7,5% ein Minus von 1,0% im Jahr 2002 gegenüber. Auf der Passivseite waren sowohl die Geschäfte mit ausländischen Kreditinstituten (+7,9%) als auch solche mit ausländischen verbrieften Verbindlichkeiten (+9,4%) hauptverantwortlich für den Zuwachs. 

Durch das anhaltende stärkere Wachstum der Auslandsforderungen im Vergleich zu den Auslandsverbindlichkeiten waren die Forderungen mit einem Volumen von 178,52 Mrd EUR bereits annähernd gleich hoch wie die Auslandsverbindlichkeiten (178,61 Mrd EUR).



Eigenmittelausstattung konstant gegenüber Vorquartal

Die Eigenmittel beliefen sich Ende September 2003 auf 43,95 Mrd EUR – ein kräftiger Anstieg von 2,41 Mrd EUR (5,8%) seit Jahresbeginn. Im Vergleich dazu sanken die Eigenmittel im selben Beobachtungszeitraum des Vorjahres um 0,84 Mrd EUR bzw. -2,0%. 

Die unkonsolidierte Eigenmittelausstattung in Prozent der Bemessungsgrundlage wuchs seit Jahresbeginn um 0,5 Prozentpunkte und erreichte einen Wert von 14,6%.



Herausgeber:

Oesterreichische Nationalbank

Sekretariat des Direktoriums/Öffentlichkeitsarbeit

Tel.: (+43-1) 404 20-6666

Mehr zu dieser Seite

Ergänzende Themen