Pressedienst


Die Entwicklung der Kundenzinssätze der Banken in Österreich und im Euroraum

Wien, 10. 12. 2003


 
  • Erstmalige Veröffentlichung von Euroraum-Daten der neuen Zinssatzstatistik, zeitgleich in Frankfurt, Paris und Wien
  • Kreditzinssätze in Österreich in vielen Kategorien sehr nahe beim Durchschnitt des Euroraums, tendenziell meist etwas darunter
  • Bei Konsumkrediten und Kontokorrentkrediten liegen die Zinssätze in Österreich deutlich unter dem Euroraum
  • Leitzinssenkungen wurden von Österreichs Banken 2003 in größerem Ausmaß an Kunden weitergegeben als im Durchschnitt des Euroraums
  • Einlagenzinssätze liegen in Österreich – insbesondere bei längeren Laufzeiten – höher als im Euroraum     


Erstmalige Veröffentlichung der Euroraum-Ergebnisse für Kundenzinssätze am 10. Dezember 2003

Seit Jänner 2003 wird von den Zentralbanken der Mitgliedstaaten der WWU und damit auch von der Oesterreichischen Nationalbank eine neue harmonisierte Zinssatzstatistik erhoben. Inhalt sind die von Banken im Kundengeschäft mit privaten Haushalten und nichtfinanziellen Unternehmen im Euroraum vergebenen Zinssätze für Kredite und Einlagen. Diese neuen Daten stellen für das Eurosystem eine entscheidende Verbesserung des statistischen Materials für geldpolitische Entscheidungen dar, da man mit ihrer Hilfe Ausmaß und Geschwindigkeit der Weitergabe der Leitzinsänderungen durch die Banken feststellen kann. 

Heute präsentierte Direktor Mag. Dr. Peter Zöllner, Mitglied des Direktoriums der Oesterreichischen Nationalbank, zeitgleich mit der Europäischen Zentralbank (in Frankfurt) und der Banque de France (in Paris) im Rahmen eines Pressegesprächs erstmals die Daten für den gesamten Euroraum. Gleichzeitig wurden auch die aktuellsten Daten für Österreich der Öffentlichkeit vorgestellt und Vergleiche mit dem Euroraum gezogen.



Vergleich Euroraum – Österreich Kredite

Bemerkung1)

 

Die österreichischen Zinssätze liegen – so Mag. Dr. Peter Zöllner – in den meisten Kategorien relativ nahe am Durchschnittszinssatz des Euroraumes. So betrug zum Beispiel bei den Wohnbaukrediten für Private der Neugeschäftszinssatz in Österreich im September 2003 4,17% und im Euroraum 4,20%. Bei den Krediten an nichtfinanzielle Unternehmen lag der Durchschnittszinssatz im Euroraum bei 3,53%, in Österreich bei 3,21 % und damit nahe am Minimum in der Eurozone (3,13%). Daraus lässt sich erkennen, dass die Kreditzinssätze im Neugeschäft in Österreich tendenziell etwas unter den Durchschnittswerten des Euroraumes liegen.


Grafik 1: Neugeschäft Kredite an Unternehmen – Vergleich Österreich – Euroraum

Es gäbe aber auch einige Kategorien, so Direktor Zöllner, bei denen die in Österreich vergebenen Zinssätze sehr deutlich unter jenen des Euroraums liegen. So zum Beispiel im Bereich der an Unternehmen vergebenen Kontokorrentkredite (im September 2003 in Österreich 4,91% gegenüber 5,46% im Eurodurchschnitt) bzw. auch bei Überziehungskrediten an private Haushalte (7,99% in Österreich gegenüber 9,75% im Euroraum). Noch deutlicher sei die Differenz bei den an private Haushalte vergebenen neuen Krediten für Konsumzwecke (5,25% in Österreich gegenüber 7,31% im Euroraum). In den genannten Kategorien zeigen sich – so Direktor Zöllner – teilweise auch sehr große Bandbreiten2) zwischen den niedrigsten und den höchsten Zinssätzen im Euroraum. Bei Konsumkrediten ging die Bandbreite der nationalen Zinssätze im September von 5,11% bis 10,60%, bei Überziehungskrediten an private Haushalte von 6,65% bis 14,14 % und bei Kontokorrentkrediten an Unternehmen von 3,71% bis 7,22%. Als Gründe für diese großen Unterschiede, die auf eine noch unvollständige Finanzmarktintegration im Euroraum hindeuten, führte Direktor Zöllner neben nationalen Unterschieden in den Produkten, auch Differenzen in der Höhe der Risikozuschläge und die unterschiedliche Intensität des Wettbewerbs in den einzelnen Ländern an. Auch Inflationsdifferenzen würden eine Rolle spielen. 

Weiters betonte Direktor Zöllner, dass Österreichs Banken – insbesondere im Kreditbereich – in den meisten Kategorien des Neugeschäftes die Leitzinssenkungen der EZB dieses Jahres voll weitergegeben haben, meist stärker als im Euroraum-Durchschnitt. So sank der Durchschnittszinssatz für Unternehmenskredite im Euroraum von 4,13% im Jänner um 0,60 %-Punkte auf 3,53% im September, während der Rückgang in Österreich 0,95%-Punkte (von 4,16% auf 3,21 %) betrug. Ähnlich war das Bild bei den Konsumkrediten an private Haushalte, bei denen der Durchschnittszinssatz in Österreich um 0,60 %-Punkte, im Euroraum hingegen nur um 0,22 %-Punkte sank und bei Wohnbaukrediten (Österreich -0,79 %-Punkte, Euroraum -0,64 %-Punkte). 

Nicht nur beim Neugeschäft sondern auch im Gesamtbestand ließe sich laut Direktor Zöllner feststellen, dass Österreichs Banken – insbesondere im Kreditbereich – die Leitzinssenkungen in größerem Ausmaß weitergaben als im Durchschnitt des Euroraums. So fiel im Konsumkreditbereich (Laufzeit von mehr als 5 Jahren) zwischen Jänner und September 2003 der Zinssatz über das gesamte aushaftende Volumen in Österreich um mit 0,72%-Punkte dreimal so stark als im Euroraum (0,24%-Punkte). Als Hauptgrund für den Umstand, dass Österreichs Bankkunden von den Leitzinssenkungen in Summe sehr stark profitieren, nannte Direktor Zöllner den in Österreich vergleichsweise hohen Anteil an variabel verzinsten Krediten, aber auch die intensive Wettbewerbssituation im österreichischen Bankensektor.



Grafik 2: Kumulative Veränderung der auf das gesamte aushaftende Volumen angewandten Durchschnittszinssätze – Vergleich Österreich – Euroraum

Vergleich Euroraum – Österreich Einlagen

Bei den Zinssätzen für Einlagen zeigen die von Direktor Zöllner präsentierten Daten, dass in Österreich tendenziell etwas höhere Zinssätze im Neugeschäft vereinbart wurden als im Euroraum. Dies gilt insbesondere für Einlagen mit längerer Bindungsfrist, wie zum Beispiel den Einlagen von privaten Haushalten mit Laufzeit von über 2 Jahren, bei denen der in Österreich vergebene Durchschnittszinssatz im September bei 2,81% lag, verglichen mit nur 2,51% im Euroraum. Als einen Hauptgrund für das höhere österreichische Zinsniveau bei den Einlagen führte Direktor Zöllner die nach wie vor hohe Bedeutung der attraktiver verzinsten Spareinlagen an (die Spareinlagen bilden mit Abstand den wichtigsten Teil der Primäreinlagen). Bei kurzfristigen Einlagen (Bindungsfrist bis 1 Jahr) an private Haushalte lag der Durchschnittszinssatz in Österreich im September mit 1,84% in etwa beim Durchschnittsergebnis des Euroraumes (1,87%).

Grafik 3: Neugeschäft Einlagen von privaten Haushalten mit Bindungsfrist von mehr als 2 Jahren – Vergleich Österreich – Euroraum


Vergleich Neugeschäftszinssätze1)
für Kredite in Österreich und im gesamten Euroraum
 
 Kredite
an private Haushaltean nichtfinanzielle Unternehmen
KonsumkrediteWohnbaukredite
Öster­reich2Euro­raum3Öster­reichEuro­raumÖster­reichEuro­raum
 
2003/015,857,534,964,844,164,13
2003/025,757,574,864,654,134,07
2003/035,657,384,854,534,033,98
2003/045,557,454,504,503,733,93
2003/055,577,484,374,373,683,85
2003/065,417,314,394,223,423,53
2003/075,227,384,184,103,253,50
2003/085,297,444,154,173,193,57
2003/095,257,314,174,203,213,53
2003/105,21n. v.4)4,05n. v.3,27n. v.
 


Vergleich Neugeschäftszinssätze1)
für Einlagen in Österreich und im gesamten Euroraum
 
 Einlagen
von privaten Haushaltenvon nichtfinanziellen Unter­nehmen
bis 1 Jahr1 bis 2 Jahreüber 2 Jahre
Öster­reich2)Euro­raum3)Öster­reichEuro­raumÖster­reichEuro­raumÖster­reichEuro­raum
 
2003/012,482,573,002,833,393,272,612,74
2003/022,482,442,972,743,332,982,592,64
2003/032,342,342,882,623,232,852,322,52
2003/042,302,262,852,633,292,892,372,44
2003/052,252,232,702,483,112,722,332,44
2003/061,992,002,542,313,012,691,992,12
2003/071,941,912,372,192,792,431,922,03
2003/081,851,912,342,202,802,602,772,07
2003/091,841,872,352,182,812,511,952,01
2003/101,86n. v.4)2,18n. v.2,73n. v.1,97n. v.
 


Herausgeber:

Oesterreichische Nationalbank

Sekretariat des Direktoriums/Öffentlichkeitsarbeit

Tel.: (+43-1) 404 20-6666

1) Da für den Euroraum noch keine Oktober-Daten verfügbar sind, wurden für den Vergleich Österreich – Euroraum die Daten bis zum September 2003 herangezogen, darüber hinaus sind in den angefügten Tabellen auch bereits Daten für den Oktober 2003 für Österreich enthalten.

2) Bei der Betrachtung der Bandbreiten wurden in Einzelfällen statistisch irrelevante Ausreißer entfernt.

Mehr zu dieser Seite

Downloads