Die Entwicklung der Kundenzinssätze der Banken in Österreich und im Euroraum im 4. Quartal und im Gesamtjahr 2003
- Im 4. Quartal 2003 gab es bei den Kreditzinssätzen an private Haushalte und nichtfinanzielle Unternehmen in Österreich und im Euroraum nur wenig Veränderungen – allerdings war nach den starken Rückgängen im 1. Halbjahr 2003 wieder eine leicht ansteigende Tendenz zu erkennen
- Bei Neugeschäfts-Einlagenzinssätzen gab es im 4. Quartal 2003 ebenfalls nur leichte Anstiege, die stärksten bei Spareinlagen mit Laufzeit von 1-2 Jahren (+ 0,20 %-Punkte von September bis Dezember)
- Der Zinsvorteil der Fremdwährungskredite sank in Österreich im Jahr 2003 kontinuierlich
- Die EZB-Leitzinssenkungen wurden von den Banken in Österreich im Jahr 2003 im Neugeschäft bei Krediten stärker an ihre Kunden weitergegeben als bei Einlagen
- Im Euroraum war der Rückgang bei den Einlagenzinssätzen stärker als bei den Kreditzinssätzen
Kredite
Bei den Zinssätzen für neu vergebene Eurokredite kam es im Kundengeschäft der Banken in Österreich im 4. Quartal 2003 in manchen Kategorien zu leichten Anstiegen. So stieg der Durchschnittszinssatz für Wohnbaukredite vom Jahrestiefststand von 4,05 % (der Effektivzinssatz lag bei 4,28%) im Oktober um 0,22 %-Punkte (effektiv 0,27%-Punkte) auf 4,27% (effektiv 4,55%) im Dezember. Auch bei den Krediten an nichtfinanzielle Unternehmen war ein – allerdings etwas geringerer – Anstieg zu verzeichnen, der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz stieg vom Jahrestiefststand von 3,19% im November um 0,12%-Punkte auf 3,31% im Dezember. Bei Krediten an private Haushalte für Konsumzwecke gab es hingegen noch einen leichten Abwärtstrend und im Dezember wurde der Jahrestiefststand von 5,16% erreicht. Der entsprechende gemeldete durchschnittliche Effektivzinssatz betrug 5,92%.
Für das gesamte Jahr 2003 ließ sich in allen erhobenen Kreditkategorien ein ähnlicher Trend verfolgen. Im ersten Halbjahr senkten Österreichs Banken die Kreditzinssätze in Folge der Leitzinssenkungen der EZB deutlich. Ab August gab es wenige Veränderungen, die Tendenz ging aber in den meisten Kategorien leicht nach oben. Über das gesamte Jahr 2003 gesehen wurde der Rückgang des EZB-Hauptrefinanzierungssatzes zwischen Jänner und Dezember (von 2,82% um 0,81%-Punkte auf 2,01%) im Kreditbereich voll weitergegeben – über alle Laufzeiten gesehen reduzierte sich der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz über alle Euro-Kredite im selben Zeitraum um 0,87 %-Punkte (von 4,36% auf 3,49%). Dabei profitierten von den Zinssatzsenkungen aber vor allem größere nichtfinanzielle Unternehmen. Der Durchschnittszinssatz für solche Kredite mit einem Volumen von über 1 Million Euro sank zwischen Jänner und Dezember um 0,89%-Punkte von 3,98 auf 3,09%. Weniger profitieren konnten von der fallenden Zinssatzentwicklung Unternehmen, welche Kredite bis 1 Million EUR aufnahmen (der Zinssatz sank in dieser Kategorie lediglich um 0,60%-Punkte – von 4,57 auf 3,97%) und die privaten Haushalte (bei Wohnbau- und Konsumkrediten betrug der Rückgang des Durchschnittszinssatzes jeweils 0,69 Prozentpunkte).
Die Attraktivität des Fremdwährungskredites nahm im Laufe des Jahres 2003 insofern ab, als der durchschnittliche Zinsvorteil gegenüber dem Euro-Kredit kontinuierlich sank. Während der durchschnittliche Kreditzinssatz für Euro-Kredite mit 4,36% im Jänner 2003 noch 3,16 Prozentpunkte über dem JPY-Kreditzinssatz bzw. 2,34%-Punkte über dem CHF-Kreditzinssatz lag, betrug der durchschnittliche Zinsvorteil für JPY-Kredite im Dezember nur noch 2,28 und jener für CHF-Kredite 1,94%-Punkte.
Ein Vergleich mit dem Euroraum zeigt, dass Österreichs Banken die Rückgänge der EZB-Leitzinssätze im Neugeschäft in stärkerem Ausmaß weitergegeben haben als die durchschnittliche Bank im Euroraum. So lag der durchschnittliche neu vergebene Konsumkredit in Österreich mit 5,16 % um 0,69%-Punkte unter dem Wert von Jänner, im Euroraum hingegen mit 7,07% nur 0,46%-Punkte unter dem Jännerwert. Ähnlich war die Situation bei Unternehmenskrediten, bei denen der Dezemberwert in Österreich 0,85%-Punkte im Euroraum hingegen lediglich 0,62%-Punkte unter dem Jännerwert lag. Die Anstiege der Kreditzinssätze im 4. Quartal in manchen Kategorien, die in Österreich teils deutlicher als im Eurodurchschnitt erfolgten (z. B. bei Wohnraumkrediten in Österreich zwischen Oktober und Dezember + 0,22%-Punkte verglichen mit + 0,06%-Punkte), lassen aber erwarten, dass der relative Vorteil, den Österreichs Kreditnehmer im Jahr 2003 gegenüber dem durchschnittlichen Kunden im Euroraum hatten, sich bei einem möglichen Anstieg der Leitzinssätze aufgrund der höheren Elastizität umkehren könnte.
Auch beim gesamten aushaftenden Kreditvolumen profitierten Österreichs Kreditnehmer aufgrund des hohen Anteils an variabel oder nur kurzfristig fix vergebenen Zinssätzen 2003 in höherem Ausmaß von Leitzinssenkungen als der Durchschnittskunde im Euroraum. Bei Wohnbaukrediten mit Laufzeit von mehr als 5 Jahren sank der Zinssatz in Österreich um 0,58%, im Euroraum hingegen um 0,44%-Punkte. Ähnlich war das Verhältnis bei Unternehmenskrediten mit mehr als 5 Jahren Laufzeit (–0,71%-Punkte in Österreich gegenüber –0,53%-Punkte im Euroraum).
Einlagen
Im Einlagenbereich ließen sich im 4. Quartal 2003 ebenfalls leichte Anstiege verzeichnen. Am deutlichsten fielen sie bei den Einlagen an private Haushalte mit Laufzeit von 1-2 Jahren aus, die zwischen September (2,15%) und Dezember (2,35%) im Durchschnitt um 0,20%-Punkte stiegen. Parallel dazu ließ sich diese Entwicklung auch im Euroraum beobachten – der entsprechende Durchschnittszinssatz stieg im Vergleichszeitraum sogar um 0,27%-Punkte von 2,13 auf 2,40 %.
Ein weiterer Vergleich mit dem Euroraum ergibt, dass bei den Einlagen an private Haushalte mit kürzeren Laufzeiten (bis zu 2 Jahren) die Entwicklung über das Jahr 2003 in Österreich und im Euroraum weitgehend parallel verlief. Bei Einlagen mit Laufzeit von über 2 Jahren hingegen blieb der Durchschnittszinssatz über das Jahr 2003 betrachtet in Österreich dank der nach wie vor relativ gut verzinsten langfristigen Spareinlagen auf vergleichsweise hohem Niveau und verlor zwischen Jänner und Dezember nur 0,36%-Punkte von 3,19 auf 2,83%. Während desselben Zeitraums sank hingegen im Euroraum der Vergleichswert um 0,82 %-Punkte auf 2,41%.
Im Laufe des Jahres 2003 wurden die Leitzinssenkungen im Einlagenbereich von Österreichs Banken wettbewerbsbedingt nur abgeschwächt weitergegeben. Der Durchschnittszinssatz über alle neu vergebenen Geschäfte fiel zwischen Jänner und Dezember lediglich um 0,58%-Punkte, wobei die Reduktionen bei Einlagen von nichtfinanziellen Unternehmen (–0,60%-Punkte) und Spareinlagen von privaten Haushalten (–0,55%-Punkte) sehr ähnlich ausfielen. Der schwächere Rückgang bei den Einlagen hatte zur Folge, dass sich die Spanne zwischen dem Durchschnittszinssatz der neu vergebenen EUR-Kredite und jenem der EUR-Einlagen im Kundengeschäft mit privaten Haushalten und nichtfinanziellen Unternehmen von 1,71 auf 1,42%-Punkte verringerte. Im Euroraum hingegen vergrößerte sich der Abstand zwischen dem Zinssatz für neu abgeschlossene EUR-Kredite und jenem für EUR-Einlagen im Laufe des Jahres 2003, da die meisten Einlagenzinssätze stärker zurückgingen als die Kreditzinssätze.
Detailliertere Informationen über Zinssätze für das Neugeschäft und den Gesamtbestand sind auf der OeNB-Homepage im Bereich Statistisches Monatsheft/Tabellenteil/Kapitel 3/Tabelle 3.1.1.1 EZB-Zinssatzstatistik der inländischen Kreditinstitute verfügbar.
