Presseaussendung


Gutes Zeugnis für Österreichs Banken

Finanzmarktstabilitätsbericht 7 der OeNB

Univ.-Doz. Dr. Josef Christl, Direktor
Wien, 28. 6. 2004


„Das österreichische Bankensystem ist robust und aufgrund seiner hohen Kapitalisierung resistent gegenüber externen Schocks  “, stellte der Direktor der Oesterreichischen Nationalbank, Dr. Josef Christl, bei der Präsentation der siebenten Ausgabe des Finanzmarktstabilitätsberichts der OeNB fest. Unter Hinweis auf umfangreiche Stress-Tests zur Abschätzung der Auswirkungen verschiedener Zukunftsszenarien auf die österreichische Bankenlandschaft betonte Direktor Christl, dass auch unter extremen Annahmen die Eigenmittelquote des gesamten Bankensektors nur um 1,3 Prozentpunkte auf 13,1% sinken würde und damit noch immer deutlich über den gesetzlichen Mindestanforderungen von 8% läge. 
Die Stress Test-Berechungen waren auch ein wichtiger Bestandteil des kürzlich durchgeführten „Financial Sector Assessment Program“, bei dem der Internationale Währungsfonds (IWF) die Stabilität des österreichischen Finanzmarktes eingehend prüfte. Auch wenn der IWF dem österreichischen Finanzsektor ein gutes Zeugnis ausstellt und auf die in den letzten Jahren durchgeführten Umstrukturierungen und Konsolidierungen verweist, besteht weiterer Handlungsbedarf zur nachhaltigen Absicherung der Ertragssituation, die derzeit wesentlich von den guten Erträgen der österreichischen Großbanken in den zentral- und osteuropäischen Ländern getragen wird. „ Weitere Maßnahmen zur Steigerung der Profitabilität auf dem Heimatmarkt sind notwendig  “, merkte Direktor Christl dazu an. Das bedeutet eine Fortsetzung der Bemühungen zur Kostenreduzierung beim Personal- und Sachaufwand, aber auch ertragsseitig eine Verbesserung der Zinsspanne, die im ersten Quartal 2004 weiter auf 1,22% gesunken ist. 

Bei der Vergabe von Krediten an Unternehmen, die trotz niedriger Zinsen im Jahr 2003 rückläufig waren, zeichnete sich in den letzten Monaten wieder ein Aufwärtstrend ab. „ Die Bedeutung des Bankkredits für die Unternehmensfinanzierung hat 2003 allerdings weiter abgenommen“  , hob Direktor Christl hervor. Demgegenüber war eine Umschichtung zu Auslandsfinanzierungen zu registrieren, die zu einem wesentlichen Teil aus Konzernkrediten von im Ausland ansässigen Muttergesellschaften stammte. Parallel dazu haben die Unternehmen 2003 mehr Mittel in Form von Anleihen aufgenommen. 

Auch die Kreditaufnahme der Haushalte hat 2003 deutlich an Schwung verloren, die Inanspruchnahme von Fremdwährungskrediten hat sich jedoch weiter erhöht. Gleichzeitig war eine nahezu vollständige Substitution von Yen-Finanzierungen durch Schweizer-Franken-Kredite zu erkennen, was auf Grund der deutlich geringeren Volatilität gegenüber dem Euro zweifellos stabilitätsfördernd war – wenngleich auch Finanzierungen in Schweizer Franken mit einem nicht zu vernachlässigenden Wechselkursrisiko behaftet sind. 

Auf den internationalen Aktienmärkten waren im Jahr 2003 deutliche Kursanstiege zu registrieren. Anders als in den Neunzigerjahren wurde diesmal auch die Wiener Börse von dieser Aufwärtstendenz erfasst. Die Kursgewinne des ATX standen im Einklang mit den bedeutenden internationalen Aktienindices und setzten sich im Unterschied zu den meisten anderen Märkten in den ersten Monaten 2004 noch weiter fort. Dank der Erholung der Aktienkurse konnten die privaten Haushalte im Jahr 2003 rund ein Drittel der Bewertungsverluste, die sie aufgrund der Aktienkursrückgänge in den Jahren 2000-2002 zu verzeichnen hatten, wieder aufholen. „ Die Rolle der Kapitalmärkte für die Finanzanlagen der privaten Haushalte wird auf Grund der wachsenden Bedeutung der betrieblichen und der individuellen Altersvorsorge in Zukunft weiter zunehmen  “, stellte Direktor Christl abschließend fest. 

Der halbjährlich erscheinende Finanzmarktstabilitätsbericht der OeNB enthält regelmäßige Analysen finanzmarktstabilitätsrelevanter Entwicklungen in Österreich und im internationalen Umfeld. Daneben werden im Rahmen von Schwerpunktartikeln auch gesonderte Themen behandelt, die im Zusammenhang mit der Stabilität der Finanzmärkte stehen. Der Finanzmarktstabilitätsbericht ist auf der Website der OeNB unter www.oenb.at abrufbar.



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