Presseaussendung


Exportboom bleibt weiterhin Rückgrat des Aufschwungs

Wien, 28. 9. 2004. Ergebnisse des OeNB-Konjunkturindikators vom September 2004


Gemäß dem aktuellen OeNB-Konjunkturindikator erwartet die Oesterreichische Nationalbank für das dritte und vierte Quartal 2004 ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts von jeweils 0,5% (saisonbereinigt, im Vergleich zum Vorquartal). Ausgehend von den günstigen Ergebnissen für das zweite Quartal 2004 setzt sich damit das kräftige Wirtschaftswachstum in der zweiten Jahreshälfte fort. Im Jahresabstand beschleunigt es sich mit 2,1 bzw. 2,3% auf Werte, wie sie letztmals vor mehr als zwei Jahren zu verzeichnen waren.


Kurzfristprognose für das reale Bruttoinlandsprodukt für Österreich für das dritte und vierte Quartal 2004

(saisonbereinigt)


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Für das Gesamtjahr 2004 ergibt sich aus dieser Kurzfristprognose für das zweite Halbjahr damit ein Wachstum von 1,7%. Im Vergleich mit der OeNB-Frühjahrsprognose bedeutet dies eine Verbesserung um +0,2 Prozentpunkte. „Getragen wird das Wachstum von einer sehr dynamischen Exportkonjunktur, die die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft unterstreicht,“ so Direktor Univ.-Doz. Dr. Josef Christl zu den Ursachen der günstigeren Wachstumsperspektiven.

Die verbesserten Wachstumsaussichten für die österreichische Wirtschaft basieren vor allem auf den nun vorliegenden guten Werten für das zweite Quartal 2004 sowie den nach oben revidierten Wachstumsdaten für die vorhergehenden zwei Quartale. Dabei ist das erfreuliche Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal 2004 in erster Linie auf die boomende Exporttätigkeit zurückzuführen. Seit März 2004 sind bei den nominellen Güterexporten zweistellige Zuwachsraten (im Jahresabstand) zu verzeichnen. Die positive Einschätzung der Exportaufträge legt nahe, dass der Außenhandel auch in der zweiten Jahreshälfte die treibende Kraft bleibt. 

In der Binnennachfrage erscheint der konjunkturelle Aufschwung allerdings noch nicht durchgreifend gefestigt. Im Vorjahr führte der große Bedarf an Ersatzinvestitionen trotz des schwachen Wirtschaftswachstums zu einer lebhaften Investitionstätigkeit. Ausgehend von diesem hohen Niveau kam es in der ersten Jahreshälfte 2004 zu einem leichten Rückgang der Investitionen. Unter normalen konjunkturellen Bedingungen sollte sich der Exportboom im weiteren Verlauf dieses Jahres jedoch auch in höheren Investitionen niederschlagen. 



Kurzfristprognose für das reale Bruttoinlandsprodukt für Österreich
für das erste und zweite Quartal 2004 (saisonbereinigt)
 
200220032003
Q1Q2Q3Q4Q1Q2Q3Q4Q1Q2Q3Q4
 
Veränderung zum Vorjahresquartal in %
0.52.11.31.51.40.10.60.80.71.82.12.3
 
Veränderung zum Vorquartal in %
0.61.0−0.20.00.5−0.20.20.30.40.90.50.5
 
Veränderung zum Vorjahr in %
1.3 (1.4*)0.7 (0.7*)1.7
 

Angesichts der weiterhin moderaten Entwicklung von Beschäftigung und Löhnen zeigt sich der private Konsum relativ stabil. Eine substantielle Beschleunigung des Konsumwachstums in der zweiten Jahreshälfte erscheint allerdings derzeit noch wenig wahrscheinlich, so dass sich die gesamte Binnennachfrage nur langsam erholen dürfte. Die Entwicklung des öffentlichen Konsums ist von anhaltenden Konsolidierungsbemühungen geprägt. 

Die Lage am Arbeitsmarkt beginnt sich zu bessern. Das Beschäftigungswachstum – obgleich auf niedrigem Niveau – beschleunigt sich zusehends. Die Arbeitslosenquote verharrt zwar noch auf hohem Niveau, seit März gibt es aber einen kräftigen Anstieg der offenen Stellen, der auf eine weitere Verbesserung der Beschäftigungslage hinweist.

Der konjunkturelle Ausblick auf das Jahr 2005 hängt vor allem vom Fortgang der internationalen Konjunkturerholung ab. Entscheidend für Österreich ist dabei, ob es den Ländern im Euroraum – allen voran den wichtigen Handelspartnern Deutschland und Italien – gelingt, das im ersten Halbjahr 2004 überwiegend exportgetragene Wachstum auf eine breitere Basis mit besserer Inlandsnachfrage zu stellen. Sollte dies nicht gelingen, muss mit einer Verflachung der konjunkturellen Dynamik auch in Österreich gerechnet werden. Weiterhin stellt auch der Ölpreis ein wichtiges Konjunkturrisiko dar. Dieser befindet sich derzeit auf einem hohen Niveau, sofern aber weitere deutliche Preisanstiege ausbleiben, sollte dies den Aufschwung nicht grundsätzlich gefährden. 

Die nächste Veröffentlichung des OeNB-Konjunkturindikators ist für Jänner 2005 vorgesehen.