Das Heft 3/2004 der OeNB-Publikationsserie „Geldpolitik & Wirtschaft“ nimmt in einem ersten Beitrag eine detaillierte internationale und nationale Konjunktureinschätzung vor. Darüber hinaus analysieren spezielle Studien Maßnahmen zur Erhöhung der Effizienz des geldpolitischen Handlungsrahmens, gehen der Frage nach, ob Budgetkonsolidierungen expansiv wirken und erörtern die Rolle Zentral- und Osteuropas für die österreichischen Banken. Ferner skizziert ein Artikel die institutionellen Aspekte für die Währungsunion im Kontext des Vertrags über eine Verfassung für Europa.
Der Beitrag von Michael Pfeiffer („Maßnahmen zur Erhöhung der Effizienz des geldpolitischen Handlungsrahmens“) zeigt u. a., dass ausgeprägte Zinserwartungen bei entsprechenden Rahmenbedingungen für geldpolitische Transaktionen kurzfristig das Bietungsverhalten der Geschäftspartner massiv beeinflussen können. Damit ist eine unerwünschte Reaktion der kurzfristigen Geldmarktsätze unter erhöhter Volatilität wahrscheinlich. Er resümiert Maßnahmen, die das Eurosystem im ersten Quartal 2004 gesetzt hat, um solchen potenziellen Störungen für die geldpolitische Signalwirkung entgegenzutreten.
Peter Breyer analysiert („Zentral- und Osteuropa – der Wachstumsmarkt für österreichische Banken“), dass der zentral- und osteuropäische Bankenmarkt (ohne Russland) mit einer Bilanzsumme von rund 350 Mrd EUR zwar ein relativ kleiner Markt ist (zum Vergleich: die Bilanzsumme der in Österreich tätigen Banken betrug Ende 2003 rund 605 Mrd EUR), er ist jedoch ein Wachstumsmarkt. Österreichische Banken engagierten sich frühzeitig in den zentral- und osteuropäischen Ländern und haben inzwischen einen Marktanteil von rund 22% erreicht. Die fortschreitende Expansion in dieser Region hatte bereits in den Jahren 2002 und 2003 positive Auswirkungen auf die Ertragskraft des konsolidierten österreichischen Bankensektors.
Doris Prammer untersucht im Rahmen eines Literaturüberblicks über die Theorie und Empirie nichtkeynesianischer Effekte der Fiskalpolitik, ob und wann Budgetkonsolidierungen expansiv wirken. Mit den gesichteten empirischen Ergebnissen lässt sich aufgrund ihrer Befunde eine expansive Wirkung von Budgetkonsolidierungen nicht eindeutig nachweisen. Wenn man einen Schluss ziehen kann, dann am ehesten, dass die Budgetpolitik als Instrument der Konjunkturstabilisierung zuletzt an Effektivität verloren hat. Der Erfolg der österreichischen Budgetkonsolidierung im Zeitraum 1995–1997, die von der Europäischen Kommission als expansiv eingestuft wurde, ist maßgeblich auf Einmalmaßnahmen zurückzuführen.
Der Beitrag von Isabella Lindner und Paul Schmidt beschreibt und analysiert die für das ESZB/Eurosystem und die EZB relevanten Aspekte des neuen EU-Verfassungsvertrags:
An dem Ziel der "Preisstabilität" als allgemeine Zielbestimmung der EU wird festgehalten. Die Sonderstellung der EZB als Institution "sui generis" wird bestätigt.
Alle Details zu den Studien sowie eine Zusammenfassung einer von der OeNB in Zusammenarbeit mit dem Reinventing Bretton Woods Committee (New York) vom 20. bis 22. Juni 2004 organisierten Konferenz aus Anlass des 60jährigen Bestehens der Bretton Woods-Institutionen – Internationaler Währungsfonds und Weltbank – können dem Heft 3/2004 von „Geldpolitik & Wirtschaft“ wie auch der englischen Ausgabe „Monetary Policy & the Economy“ (die in Kürze verfügbar sind) entnommen werden.
Presseaussendung
Heft 3/04 von Geldpolitik & Wirtschaft der OeNB erschienen
Alle Studien einzeln abrufbar
Wien, 18. 10. 2004
Verleger, Herausgeber und Hersteller:
Oesterreichische Nationalbank
Sekretariat des Direktoriums / Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Günther Thonabauer
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