Presseaussendung


Signifikanter Anstieg des für 2004 erwarteten Überschusses der Kreditinstitute

Ertragslage der in Österreich tätigen Kreditinstitute im 1.–3. Quartal 2004

Wien, 26. 11. 2004


Das Betriebsergebnis erhöhte sich gegenüber der Vergleichsperiode 2003 mit 9,0% klar. Der deutlichste Anstieg konnte im Ertragssegment Erträge aus Wert­papieren und Beteiligungen beobachtet werden, insbesondere die Erträge aus Anteilen an ausländischen verbundenen Unternehmen sind seit Jahresbeginn stark angestiegen. Darüber hinaus verbesserten sich die Provisionserträge aus dem Wertpapiergeschäft kräftig. Sowohl im Bereich der Personalauf­wendungen als auch im Bereich der Sachaufwendungen mussten allerdings Anstiege festgestellt werden. Der Wertberichtigungsbedarf im Kreditbereich wird zum Jahresende 2004 etwas geringer erwartet; weiters wird bei der Bewertung von Wertpapieren und Beteiligungen ein sehr hoher ertrags­wirksamer Saldo erwartet. Für das Geschäftsjahr 2004 rechnet man mit einem Jahresüberschuss von 2,85 Mrd EUR, welcher signifikant über dem Wert des Vorjahres liegt.

In den ersten 3 Quartalen des Jahres 2004 betrug das unkonsolidierte Betriebsergebnis der in Österreich tätigen Kreditinstitute 1) 3,64 Mrd EUR. Es erhöhte sich mit 9,0% damit deutlich im Vergleich zur Vorjahresperiode. Die Betriebserträge stiegen um 3,8% auf  10,63 Mrd EUR an, die Betriebsaufwendungen erhöhten sich mit 1,3% auf 7,00 Mrd EUR geringer. Daraus resultierend verbesserte sich die Cost-Income-Ratio um 1,6%-Punkte und betrug zum Berichtszeitpunkt 65,8%. 

Der Nettozinsertrag belief sich auf 5,35 Mrd EUR und lag mit 1,2% über dem Wert der Vergleichsperiode 2003. Im 1.-3. Quartal 2004 belief sich der Total Spread  2) auf 1,22% und verringerte sich gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahrs um 0,06%-Punkte. Er liegt somit deutlich unter dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre von 1,42%. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der EZB-Zinssatzstatistik wider, die dort beobachtete Spanne über Neugeschäftszinssätze zeigte im Zeitraum seit Jänner 2003 ebenfalls eine rückläufige Tendenz.

Die Erträge aus dem Wertpapier- und Beteiligungsgeschäft betrugen 1,47 Mrd EUR und stiegen mit 20,8% markant an. Hierbei erzielten insbesondere die Erträge aus Anteilen an verbundenen Unternehmen einen deutlichen Anstieg. Wie bereits seit Jahresbeginn zu beobachten war, konnten speziell die Erträge aus Anteilen an ausländischen verbundenen Unternehmen (+0,15 Mrd EUR) stark erhöht werden. Mehr als ein Drittel der Steigerung der Betriebserträge im 1.-3. Quartal 2004 beruhen damit vorwiegend auf Ausschüttungen von Kreditinstitutstöchtern aus Osteuropa. 

Der Saldo aus dem Provisionsgeschäft belief sich auf 2,48 Mrd EUR und erhöhte sich mit 7,2% gegenüber dem Wert der Vergleichsperiode 2003 relativ stark. Die Dynamik resultierte insbesondere aus den Provisionserträgen aus dem Wertpapiergeschäft.

Der positive Saldo aus dem Finanzgeschäft  betrug im 1.-3. Quartal 2004 0,45 Mrd EUR und verringerte sich gegenüber dem 1.-3. Quartal 2003 um 13,0% klar. Diese Entwicklung ist in erster Linie auf den Rückgang des Saldos aus Geschäften in Wert­papieren, die nicht wie Finanzanlagen bewertet werden und Teil des Handelsbestandes sind, zurückzuführen. 

Die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen erhöhten sich um 1,2% auf einen Stand von 5,84 Mrd EUR. Sowohl im Bereich der Personalaufwendungen als auch im Bereich der Sachaufwendungen mussten Anstiege festgestellt werden.

Für das Geschäftsjahr 2004 erwarten die in Österreich tätigen Kreditinstitute ein unkonsolidiertes Betriebsergebnis in der Höhe von 4,57 Mrd EUR, welches um 2,9% über dem tatsächlichen Wert der Vergleichsperiode 2003 liegt. Der er­wartete Wertberichtigungsbedarf im Kreditbereich beträgt 1,71 Mrd EUR und wird mit 7,6% unter dem Wert 2003 angesetzt. Er setzt sich zum überwiegenden Teil aus Forderungen an Kunden zusammen. Bei den Bewertungsdifferenzen zu Wert­papieren und Beteiligungen wird für 2004 ein ertragswirksamer Saldo von 0,56 Mrd EUR erwartet. Der Vergleichswert 2003 ergab nur einen ertragswirksamen Saldo von 0,05 Mrd EUR.

 Unter Einbeziehung der Risikokosten und Bewertungsmaßnahmen werden die Er­tragserwartungen für das Jahr 2004 deutlich nach oben korrigiert. Es ergibt sich ein er­wartetes Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit  auf unkonsolidierter Basis von 3,42 Mrd EUR (2003: 2,63 Mrd EUR). Unter Berücksichtigung des erwarteten a.o. Aufwandes (0,14 Mrd EUR) und der erwarten Steuern (0,44 Mrd EUR) rechnen die in Österreich tätigen Kreditinstitute für das Jahr 2004 mit einem Jahresüberschuss von 2,85 Mrd EUR, ein Plus von 37,7% gegenüber dem tatsächlichen Wert des Vorjahres. 

1) Der vorliegende Bericht basiert auf Daten der Quartalsberichtsmeldung gem. § 74 Abs. 2 BWG sowie der QUAB-Verordnung zum 1.-3. Quartal 2004. In dieser Meldung werden die Ertragsdaten auf unkonsolidierter Basis erfasst.  
2) Im Rahmen der Total Spread Berechnung werden sämtliche verzinste Aktiva mit den verzinsten Passiva verglichen. Es ist darauf hinzuweisen, dass bei dieser Methode die unterschiedlichen Laufzeitstrukturen auf der Aktiv- und Passivseite keine Berücksichtigung finden.


Herausgeber:

Oesterreichische Nationalbank

Sekretariat des Direktoriums/Öffentlichkeitsarbeit

Tel.: (+43-1) 404 20-6666

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