Gemäß dem aktuellen OeNB-Konjunkturindikator erwartet die Oesterreichische Nationalbank für die ersten beiden Quartale 2005 ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts in Österreich von 0,4% bzw. 0,5% (saisonbereinigt, im Vergleich zum Vorquartal). „Die österreichische Wirtschaft gewinnt nach einem schwachen vierten Quartal 2004 wieder an Schwung, kann sich aber der aktuellen Wachstumsabschwächung im Euroraum nicht zur Gänze entziehen“, meinte dazu OeNB-Direktor Josef Christl. Vor diesem Hintergrund liefert die zweite Etappe der Steuerreform einen wichtigen Konjunkturimpuls für die Inlandsnachfrage.
Im Vergleich zur letzten Veröffentlichung vom Jänner 2005 wurden die Wachstumserwartungen für das erste Quartal 2005 um 0,2 Prozentpunkte zurückgenommen. Im Jahresabstand ergibt sich für die beiden prognostizierten Quartale eine leichter Rückgang des Wirtschaftswachstums von 2,2% auf 2,0%.
Presseaussendung
OeNB nimmt Konjunkturerwartungen für das erste Halbjahr 2005 leicht zurück
Österreichs Wirtschaft hält Wachstumsabschwächung im Euroraum aber gut stand
Wien, 22. 3. 2005. Ergebnisse des OeNB-Konjunkturindikators vom März 2005

Wir schätzen die Wachstumsaussichten für das erste Halbjahr 2005 nun etwas vorsichtiger ein, gehen aber von einer nur temporären Verlangsamung des Wirtschaftswachstums aus. Für den weiteren Konjunkturverlauf im Jahr 2005 sind wir zuversichtlich“, so Direktor Josef Christl zu den derzeitigen Wachstumsperspektiven.
Im ersten Halbjahr 2004 war der boomende Außenhandel die wichtigste Konjunkturstütze. In Folge der nachlassenden Dynamik der Weltwirtschaft, der hohen Rohölpreise und des starken Euro hat sich die Exportdynamik im weiteren Jahresverlauf jedoch abgeschwächt und das Wirtschaftswachstum wurde vermehrt von der Inlandsnachfrage – insbesondere von der sehr lebhaften Investitionstätigkeit – getragen. Die Beurteilung der Auftragsbestände zeigt, dass die Unternehmen auch Ihre Exporterwartungen für das erste Halbjahr 2005 im Vergleich zum Vorjahr vorsichtiger einschätzen.
Das Wachstum der Investitionen in den beiden vergangenen Jahren war auf Grund des hohen Bedarfs an Ersatzinvestitionen und der stimulierenden Wirkung der Investitionszuwachsprämie überdurchschnittlich. Inzwischen liegt die Investitionsquote (Investitionen in Prozent des BIP) bereits über den Werten des „Boomjahres“ 2000 und signalisiert damit ein bevorstehendes Nachlassen der Investitionsdynamik. Das Auslaufen der Investitionszuwachsprämie Ende 2004 und die aktuellen Umfragedaten stützen die Einschätzung, dass der Höhepunkt des Investitionszyklus bereits überschritten wurde.
| Kurzfristprognose für das reale Bruttoinlandsprodukt für Österreich | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| für das erste Halbjahr 2005 (saisonbereinigt) | |||||||||
| 2003 | 2004 | 2005 | |||||||
| 1. Qu. | 2. Qu. | 3. Qu. | 4. Qu. | 1. Qu. | 2. Qu. | 3. Qu. | 4. Qu. | 1. Qu. | 2. Qu. |
| Veränderung zum Vorjahresquartal in % | |||||||||
| 0,6 | 0,5 | 0,8 | 1,1 | 1,4 | 1,9 | 2,5 | 2,4 | 2,2 | 2,0 |
| Veränderung zum Vorquartal in % | |||||||||
| 0,3 | 0,3 | 0,2 | 0,4 | 0,6 | 0,8 | 0,8 | 0,3 | 0,4 | 0,5 |
| Veränderung zum Vorjahr in % | |||||||||
| 0,8 | 2,0 | ||||||||
| Quelle: OeNB − Ergebnisse des OeNB-Konjunkturindikator vom März 2005, WIFO. | |||||||||
Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2005 ist, in welchem Ausmaß die privaten Haushalte ihre Konsumausgaben ausdehnen werden. Die zweite Etappe der Steuerreform sowie das anhaltende Beschäftigungswachstum führen – trotz der moderaten Lohnabschlüsse - zu einer spürbaren Zunahme der nominellen Haushaltseinkommen. Der höhere Preisauftrieb dämpft jedoch die Kaufkraft.
Die Lage am Arbeitsmarkt istvon einem starken Beschäftigungswachstum bei gleichzeitig anhaltend hoher Arbeitslosigkeit gekennzeichnet. Die Zunahme ausländischer Arbeitskräfte sowie die Pensionsreformen der vergangen Jahre führen zu einem überdurchschnittlichen Anstieg des Arbeitskräfteangebots. Die weiterhin steigende Zahl gemeldeter offener Stellen läßt jedoch eine Fortsetzung des kräftigen Beschäftigungswachstums und in Folge eine leichte Entspannung am Arbeitsmarkt für 2005 erwarten.
Die nächste Veröffentlichung des OeNB-Konjunkturindikators ist für Juni 2005 vorgesehen.
Verleger, Herausgeber und Hersteller:
Oesterreichische Nationalbank
Sekretariat des Direktoriums / Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Günther Thonabauer
Tel.: (+43-1) 404 20-6666
- Weiterempfehlen
- This page in English