„Forschungs- und Entwicklungs- (F&E-)Aktivitäten zählen zu den wichtigsten Bestimmungsfaktoren von Wirtschafts- und Produktivitätswachstum“, stellte OeNB-Direktoriumsmitglied Josef Christl anlässlich der Präsentation einer Studie über das Forschungs- und Entwicklungssystem in Österreich fest. Die Ausgaben für diese Aktivitäten sind in Österreich in den letzten 10 Jahren deutlich gestiegen, von ca. 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 2,3%. Eine Gegenüberstellung dieser Ausgaben mit den Ergebnissen von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten reiht Österreich in den Durchschnitt der EU-Länder ein. Ansatzpunkte für eine Steigerung der Produktivität der Ausgaben könnten über Strukturveränderungen in der Forschung und Ausbildung an Hochschulen erfolgen. Die Qualität der tertiären Ausbildung und Forschung sowie die Anzahl der Absolventen aus naturwissenschaftlich-technischen Studiengängen beeinflussen wesentlich die Innovationsfähigkeit der Unternehmen und internationale Standortentscheidungen.
Österreichs F&E-Quote steigt seit 10 Jahren deutlich und übertrifft nunmehr die durchschnittliche F&E-Quote der EU-15 von rund 2%. Bemerkenswert ist der im internationalen Vergleich sehr hohe Anteil des Auslands an der Finanzierung von F&E-Aktivitäten. „Das spricht für den Forschungsstandort Österreich, mahnt aber auch zu besonderer Pflege der Forschungsrahmenbedingungen“, meinte Direktor Christl. Ein Gros der Auslandsmittel werde nämlich von wenigen, großen Tochterunternehmen multinationaler Unternehmen (z. B. Siemens, Infineon, Magna) beigesteuert und wäre bei Abzug dieser Unternehmen aus Österreich verloren.
Diese Mittelsteigerung hat sich im internationalen Vergleich durchschnittlich auf die Steigerung der Zahl und Qualität der Ergebnisse von F&E-Aktivitäten ausgewirkt. Bei wissenschaftlichen Publikationen und Patenten zeigt sich der Mitteleinsatz unterdurchschnittlich bis durchschnittlich, bei Innovationen überdurchschnittlich. F&E-Aktivitäten wirken aber nur mit langer Zeitverzögerung auf die Produktivität von Arbeit und Kapital und könnten durch andere Faktoren überkompensiert werden (z. B. mangelnder Wettbewerb im Dienstleistungssektor). Insgesamt ist die Produktivität des F&E-Systems in Österreich somit durchschnittlich.
Die Effizienz des Systems könnte über die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Aufnahmefähigkeit von neuen Technologien in Unternehmen gesteigert werden, z. B. über Veränderungen in Ausbildung und Forschung an Hochschulen. Im Vergleich zu den effizienteren USA fallen die dort flacheren Hierarchien und die Fixanstellung bei fortlaufender Evaluierung auf, die in den USA für mehr individuellen Forschungsfreiraum sorgen. Wesentlich wären zudem strukturierte Graduierten- bzw. Doktorats-Programme und eine Steigerung der (weiblichen) Absolventen naturwissenschaftlich-technischer Studiengänge.
„Das Lissabon-EU-Ziel einer F&E-Quote von 3% ist wichtig. Noch wichtiger ist aber die Steigerung des Produktivitätswachstums und des Wirtschaftswachstums. Daher gilt es, gerade im Forschungsbereich Effizienz und Effektivität des Mitteleinsatzes im Auge zu behalten“, schloss Direktor Christl.
Presseaussendung
Durchschnittliche Produktivität des österreichischen Forschungs- und Entwicklungssystems
OeNB regt Hochschulreform als Ansatzpunkt für Verbesserungen an
Wien, 22. 3. 2005
Das Forschungs- und Entwicklungssystem in Österreich – Aufwand und Produktivität
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Das Forschungs- und Entwicklungssystem in Österreich – Aufwand und Produktivität (152 KB)
Jürgen Janger
Verleger, Herausgeber und Hersteller:
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