Presseaussendung


10 Jahre EU-Mitgliedschaft Österreichs:
OeNB zieht positive wirtschaftliche Bilanz

Wien, 21. 6. 2005


Stabilere Preise, mehr Exporte und Direktinvestitionen,
Wende in der Budgetpolitik

„Die Inflationsrate hat sich in den 10 Jahren der EU-Mitgliedschaft Österreichs mit durchschnittlich 1,5% p.a. fast halbiert, Österreich zählte damit zu den drei preisstabilsten Ländern innerhalb der EU“, zog Gouverneur Dr. Liebscher eine aus geldpolitischer Sicht günstige Bilanz der EU-Mitgliedschaft Österreichs. Berechnungen der OeNB zeigen ferner, dass durch den EU-Beitritt die Inflation in Österreich jährlich um 0,2 Prozentpunkte geringer ausfiel, als sie ohne EU-Beitritt gewesen wäre. Der EU-Beitritt, die Einführung des Euro und die stabilitätsorientierte Geldpolitik des Eurosystems haben für Preisstabilität in Österreich gesorgt. Dabei waren die Finanzierungsbedingungen in Österreich durch den Euro so günstig wie seit Jahrzehnten nicht.

Aus Anlass der 10-jährigen EU-Mitgliedschaft Österreichs präsentierte die OeNB ein Schwerpunktheft ihrer Publikation Geldpolitik & Wirtschaft, in der 20 Autoren in 13 Beiträgen den wirtschaftlichen Wirkungen des EU-Beitritts auf den Grund gehen.

Beim BIP pro Kopf liegt Österreich heute (2004) gemeinsam mit Dänemark an 3. Stelle der EU, vor und mit wachsendem Abstand zu den großen EU-Ländern, aber auch vor Belgien und den Niederlanden. Österreich konnte seine Position im Spitzenfeld der EU-15 seit dem EU-Beitritt halten. 

Positiv sticht in der von der OeNB vorgelegten ökonomischen Bilanz der EU-Mitgliedschaft auch der Anstieg der österreichischen Exportquote (Waren und Dienstleistungen) von 35% (1995) auf über 50% (2005) hervor. Österreich hat damit die beiden anderen Länder der gleichen Beitrittsrunde, Finnland und Schweden, als Exportmeister überholt. Der Zugang zum Binnenmarkt hat den Außenhandel deutlich erleichtert, überdies hat die Währungsunion den außenhandelsgewichteten Wechselkurs Österreichs und damit das internationale Preisumfeld stabilisiert und so günstige Bedingungen für den Export geschaffen. 

Die massive Ausweitung der Direktinvestitionen – sowohl aktiv- und passivseitig – auf jeweils etwa 22% des BIP (von deutlich unter 10% vor dem EU-Beitritt) unterstreicht die zunehmende Internationalisierung Österreichs in den letzten 10 Jahren. Dabei kam insbesondere Österreichs Rolle als West-Ostbrücke, die das Land zu einem der größten Investoren in Zentral-, Ost- und Südosteuropa aufsteigen ließ, zum Tragen.

Der Stabilitäts- und Wachstumspakt und damit einhergehende Strukturreformen haben die Budgetsituation in Österreich erheblich verbessert und zu einer Rückführung des staatlichen Budgetdefizits von fast 6% Mitte der 90er-Jahre auf 1,2% des BIP im Jahr 2004 geführt. Strukturreformen – allen voran die Liberalisierung des Telekomsektors – haben mit der EU einen wesentlichen Impulsgeber und Motor gefunden und die Preise gedämpft und die Qualität des Angebots verbessert.

Ein solides – wenngleich nicht ganz befriedigendes – und am EU-Durchschnitt liegendes Wirtschaftswachstum, ein beständiges Beschäftigungswachstum und eine im internationalen Vergleich nach wie vor recht niedrige Arbeitslosenquote, moderate Lohnstückkosten und hohe preisliche Wettbewerbsfähigkeit sowie sozialer Frieden haben zur Erhöhung der Attraktivität Österreichs als Wirtschaftsstandort beigetragen, wie eine Reihe internationaler Rankings belegen.

Die EU-Mitgliedschaft hat auch die Liberalisierung des österreichischen Finanzmarktes beschleunigt und die Finanzierungsmöglichkeiten für österreichische Unternehmen wesentlich erweitert. Direktor Dr. Christl verwies insbesondere darauf, dass die Banken auf die Herausforderungen der EU-Integration durch mehr Zusammenschlüsse und Übernahmen, Kosteneinsparungen und durch eine aktive Internationalisierung v.a. in Richtung Zentral-, Ost- und Südosteuropa geantwortet haben. 



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