Der aktuelle OeNB-Konjunkturindikator der Oesterreichischen Nationalbank lässt für das dritte und vierte Quartal 2005 ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts in Österreich von 0,4% bzw. 0,5% (saisonbereinigt, im Vergleich zum Vorquartal) erwarten. "Die österreichische Wirtschaft wird damit das dritte Jahr in Folge um rund einen halben Prozentpunkt stärker als der Euroraum wachsen", so OeNB-Direktoriumsmitglied Josef Christl. Im Vergleich zur letzten Veröffentlichung des Konjunkturindikators vom Juli 2005 ist die Wachstumsprognose für das dritte Quartal 2005 minimal (um 0,1 Prozentpunkte) niedriger.
Kurzfristprognose für das reale Bruttoinlandsprodukt für Österreich für das zweite und dritte Quartal 2005 (saison- und arbeitstägig bereinigt)
Seit der zweiten Jahreshälfte 2004 ist eine Abkühlung der sehr dynamischen Exportkonjunktur zu verzeichnen, die sich auch im ersten Quartal des Jahres 2005 fortsetzte. Im zweiten Quartal zeigten sich die Ausfuhren jedoch wieder etwas erholt, wobei sich vor allem die Warenausfuhren dynamisch entwickelten. Obwohl die Weltwirtschaft heuer zwar nicht mehr so rasant wie im Rekordjahr 2004 wächst, wird das Wachstum aber jedenfalls überdurchschnittlich ausfallen und somit die Konjunktur im Euroraum stützen. Dies zeigt sich auch in einer deutlichen Verbesserung der Vertrauensindikatoren für den Euroraum in den letzten Monaten. Für den weiteren Verlauf des Jahres 2005 ist daher mit einer weiteren Beschleunigung der österreichischen Exportkonjunktur zu rechnen.
Von der inländischen Konjunktur kommen hingegen keine nennenswerten Impulse. Die Ausrüstungsinvestitionen sind derzeit rückläufig. Die Bauinvestitionen, die sich Mitte des Jahres 2004 sehr günstig entwickelten, schwächten sich zu Jahresende 2004 ab und stagnierten im ersten Halbjahr 2005. Hier machte sich vor allem die ungünstige Witterung im ersten Quartal bemerkbar. Das Anfang Mai 2005 beschlossene Wachstumspaket lässt positive Impulse – insbesondere für den Schienen- und für den Straßenbau – erwarten.
Die zweite Etappe der Steuerreform trägt heuer zwar zum Wachstum der nominellen Haushaltseinkommen bei. Die reale Kaufkraft wird jedoch durch die hohen Energiepreise belastet. Die kurzfristigen Aussichten für den privaten Konsum sind daher gedämpft.
Als verzögerte Reaktion auf die gute Konjunktur im Vorjahr ist die Zahl der Beschäftigten im bisherigen Verlauf des Jahres stark gestiegen. Die trotzdem hohe und steigende Arbeitslosigkeit ist vor allem ein Ergebnis des stark wachsenden Arbeitskräfteangebots. Für den Rest des Jahres ist noch mit keinem Rückgang der Arbeitslosigkeit zu rechnen.
Die nächste Veröffentlichung des OeNB-Konjunkturindikators ist für Jänner 2006 vorgesehen.