Presseaussendung


Steigende Gewinne von Unternehmen und Banken

Wien, 26. 6. 2007


„Die Krisenfestigkeit des österreichischen Finanzsystems ist nach wie vor hoch“, stellte Direktor Christl anlässlich der Präsentation der 13. Ausgabe des Finanzmarktstabilitätsberichts der OeNB fest. „Die Gewinne der österreichischen Banken sind gestiegen, ihre Ausstattung mit Eigenmitteln ist trotz eines leichten Rückgangs solide. Die finanzielle Situation der Unternehmen und Haushalte ist weiterhin gut, auch wenn sich die Finanzierungsbedingungen seit 2006 verteuert haben.“

 

Steigende Finanzierungskosten für Unternehmen und Haushalte

Angesichts der günstigen Konjunkturlage haben die österreichischen Unternehmen im Jahr 2006 ihre Gewinne – und damit ihr Innenfinanzierungspotenzial – weiter erhöhen können. Die Struktur der Außenfinanzierung war im Jahr 2006 stark vom Kapitalmarkt geprägt. Der Anteil der Kapitalmarktinstrumente (Anleihen und Aktien) betrug im zweiten Halbjahr 2006 knapp 64% (gegenüber 40% im zweiten Halbjahr 2005).

„Nicht nur in der Finanzierung der Unternehmen, auch bei den Veranlagungen der privaten Haushalte spielen Kapitalmarktinstrumente eine bedeutende Rolle“, führte Direktor Christl weiter aus. Insgesamt entfiel auf Aktien, Anleihen und Investmentfonds Ende 2006 bereits deutlich mehr als ein Viertel der Geldvermögensbestände. Während sich die direkte Veranlagung in Aktien und Anleihen sehr stark auf Emittenten aus Österreich und dem Euroraum konzentriert, spielen bei der indirekten Veranlagung über Investmentfonds Aktien von Emittenten außerhalb des Euroraums eine deutlich größere Rolle.

Die konjunkturelle Dynamik trug gemeinsam mit den Leitzinsanhebungen des EZB-Rats zu einem Anstieg der kurz- und langfristigen Zinsen im Euroraum bei, wodurch sich die Zinsbelastung der Unternehmen und Haushalte im Jahr 2006 erhöhte. Die Finanzierung der privaten Haushalte, die – anders als die Unternehmen – den Fremdwährungskreditanteil (rund 31%) bis dato nicht wesentlich reduziert haben, enthält beträchtliche Währungsrisiken. Insgesamt liegt die Verschuldungsquote der österreichischen Haushalte mit 54% des BIP unter dem Wert für den Euroraum (63%). Überdies ist die Verschuldung bei Haushalten mit hohem Einkommen bzw. Vermögen deutlich höher.

 

Zentral- und Osteuropa als Motor des anhaltenden Gewinnwachstums der österreichischen Banken

Insgesamt ist die Exponierung der österreichischen Banken in Zentral- und Osteuropa im Jahr 2006 weiter gestiegen. Selbst nach der Bereinigung um verkaufsbedingte Sondereffekte liegt der Anteil des Zentral- und Osteuropasegments der sechs dort tätigen Großbanken am konsolidierten Vorsteuerergebnis aller österreichischen Banken bereits bei 38,7%.

Demgegenüber hat sich im vergangenen Jahr das Gewinnwachstum im Inland – nach starken Zuwächsen in den beiden Vorjahren – verlangsamt. Ausschlaggebend dafür waren hauptsächlich die weitere Verengung der Zinsspanne um 9 Basispunkte auf 1,01% sowie steigende Personalaufwendungen, in denen sich die Ausweitung der Mitarbeiterkapazitäten – nicht zuletzt für den Ausbau der Aktivitäten in Zentral- und Osteuropa – widerspiegelte. Die Aufwands-Ertrags-Relation, die im Jahr zuvor mit 64,1% auf unkonsolidierter Basis einen historischen Tiefstwert erreicht hatte, stieg auf 65,0% an.

Die rasche Expansion in Zentral- und Osteuropa, insbesondere auch von Krediten in fremder Währung, stellt das Risikomanagement der Banken vor beträchtliche Herausforderungen. Allerdings zeigen Stresstests eine weiterhin hohe Schockresistenz des Bankensystems. Überdies verfügen die österreichischen Banken weiterhin über eine solide Eigenmittelausstattung. Insgesamt sind die in Zentral- und Osteuropa besonders exponierten Banken jedoch gefordert, ihr Bilanzsummenwachstum bei der Eigenmittelunterlegung entsprechend zu berücksichtigen.

Als mögliche Risikofaktoren für die zukünftige Stabilitätsentwicklung nannte Direktor Christl die zunehmende Exponierung der privaten Haushalte gegenüber Kapitalmarktrisiken sowie den anhaltend hohen Anteil der Fremdwährungskredite. In Bezug auf die Banken verwies er auf die abermals gewachsene Exponierung der großen österreichischen Kreditinstitute gegenüber Zentral- und Osteuropa sowie auf die Notwendigkeit, angesichts der anhaltenden Verringerung der Zinsspanne die Rentabilität des Inlandsgeschäfts weiter zu erhöhen.


Der halbjährlich erscheinende Finanzmarktstabilitätsbericht der OeNB enthält regelmäßige Analysen finanzmarktstabilitätsrelevanter Entwicklungen in Österreich und im internationalen Umfeld. Daneben werden im Rahmen von Schwerpunktartikeln auch gesonderte Themen behandelt, die im Zusammenhang mit der Stabilität der Finanzmärkte stehen. In der aktuellen Ausgabe sind dies die Effizienz ausländischer Banken in Transformationsländern, der Eigenmittelbegriff im Rahmen von Basel II, die Effekte des demographischen Wandels auf Bankstrategien sowie ein Stress-Test der Exponierung der österreichischen Banken in Zentral- und Osteuropa.




Mehr zu dieser Seite

Weiterführende Informationen