Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) gratuliert Dr. Wolfgang Schmitz herzlich zu seinem 85. Geburtstag. Als Präsident der OeNB gestaltete er die österreichische Währungspolitik von 1968 bis 1973 in einer besonders kritischen Phase des internationalen Währungssystems. Das Bretton-Woods System fixer Wechselkurse brach damals zusammen und wurde durch ein System flexibler Wechselkurse abgelöst. Unter Dr. Wolfgang Schmitz wurden 1971 mit der Neuorientierung der österreichischen Geldpolitik an einem Korb stabiler Währungen, dem sogenannten Indikator, die Grundlagen der österreichischen Hartwährungspolitik gelegt.
Schmitz engagierte sich bereits als Finanzminister (1964-68) in der Debatte über die Reform des internationalen Währungssystems. Seit Mitte der 1960er Jahren war er Mitglied der Princton-Bellagio Group (eines Kreises renommierter internationaler Ökonomen und Wirtschaftspolitiker), und traf dort auf bedeutende Kritiker des Bretton-Woods Systems, zu denen unter anderem Fritz Machlup, Milton Friedman und Robert Mundell gehörten. Er versuchte in zahlreichen internationalen Vorträgen und Publikationen, zwischen den Kritikern und den Befürwortern fixer Wechselkurse zu vermitteln. So trat er schon 1966 und dann 1968 als erster Notenbank-Präsident für eine Erweiterung der Bandbreiten ein, innerhalb derer Währungen um einen fixen Wechselkurs schwanken konnten. Seine Reformbemühungen wurden einerseits von seinem Bekenntnis zur Geldwertstabilität und andererseits von seinem Engagement für die Liberalisierung des Kapitalverkehrs getragen. Schließlich konnten sich die Mitgliedsstaaten des Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht auf eine nachhaltige Reform einigen. Als die USA ihre Verpflichtungen aus dem Bretton-Woods System am 15. August 1971 einseitig aufkündigten, stürzte das System in eine schwere Krise.
Dank guter Vorbereitung konnte die OeNB auch in dieser Phase großer Unsicherheit im internationalen Währungssystem die Stabilität der Währung und des Finanzsystems gewährleisten. Bereits neun Tage später, am 24. August, hatte die OeNB unter Leitung von Dr. Wolfgang Schmitz die weltweit erste Anbindung einer Währung an einen Währungskorb, den sogenannten „Indikator“, eingeführt. Im Zuge dessen betonte er, dass stabile Wechselkurse nur dann mit freiem Kapitalverkehr vereinbar seien, wenn auch die Einkommens- und Fiskalpolitik sich dem Wechselkursziel unterordneten. Letztlich entwickelte sich aus dem Indikator und der Akzeptanz des Wechselkursziels die österreichische stabilitätsorientierte Geld- und Währungspolitik („Hartwährungspolitik“).
Als Wirtschaftspolitiker und als Wirtschaftswissenschaftler war er stets darauf bedacht, seine Vorstellungen einer sozial gerechten Gesellschaftsordnung mit einer stabilitäts- und wachstumsorientierten Wirtschaftspolitik zu verbinden. Zudem war er ein Pionier derÖffentlichkeitsarbeit in der Wirtschaftspolitik. Nach 1973 wirkte Dr. Wolfgang Schmitz in der damaligen Bundeswirtschaftskammer, in der Internationalen Handelskammer sowie im Verein für Socialpolitik. Er unterrichtete an den Universitäten Wien und Innsbruck sowohl Wirtschaftspolitik als auch Wirtschaftethik und veröffentlichte zahlreiche Aufsätze und Bücher, zuletzt 2004 „Wirtschaftsethik als Ordnungsethik in ihrem Anspruch an Sozial-, Konjunktur- und Währungspolitik“ (Duncker & Humblot, Berlin). Für all seine herausragenden Leistungen wurde er vielfach ausgezeichnet.