Trotz unverändertem EZB-Leitzinssatz und nur leicht sinkenden Zwischenbankzinssätzen gab es im ersten Quartal 2010 in Österreich bei Unternehmenskrediten und Krediten für den Wohnbau bei Neuabschlüssen deutliche Zinssatzreduktionen. Steigende Zinssätze gab es im Neugeschäft hingegen bei Konsumkrediten zu beobachten (hoch verzinste Kredite via Internet beeinflussten den Durchschnittszinssatz nach oben); diese blieben aber – wie auch alle anderen Kreditzins¬sätze – weiterhin unter den Durchschnittswerten des Euroraums. Bei neu vereinbarten Einlagen¬zinssätzen an private Haushalte gab es im ersten Quartal 2010 in Österreich ebenfalls durch¬wegs deutlich sinkende Zinssätze zu verzeichnen, wobei in allen Laufzeitkategorien die Vergleichswerte des Euroraums unterschritten wurden.
Im ersten Quartal 2010 kam es ohne zinspolitische Impulse der Europäischen Zentralbank (EZB) (der Leitzins blieb auf 1,00%) bei nur leicht sinkenden Zwischenbankzinssätzen (der
3-Monats-EURIBOR sank um 0,07 Prozentpunkte auf 0,64%) im Kundengeschäft der Banken weitgehend zu deutlichen Zinssatzreduktionen.
Bei von österreichischen Banken vergebenen Unternehmenskrediten reduzierten sich bei Neuabschlüssen im ersten Quartal die Zinssätze bei Volumen von über 1 Million Euro im Schnitt um 0,30 Prozentpunkte auf 1,79%, bei Volumen bis zu 1 Million Euro immerhin um 0,16 Prozentpunkte auf 2,37%. Damit sanken in den vergangenen 12 Monaten die entsprechenden Zinssätze um 0,95 bzw. 0,89 Prozentpunkte und somit deutlich stärker als der EZB-Leitzinssatz, der sich im Vergleichszeitraum nur von 1,5% auf 1% reduzierte. Unternehmenskredite waren im März 2010 damit in Österreich deutlich niedriger verzinst als im Durchschnitt des Euroraums (über 1 Mio EUR: 2,07% bzw. bis 1 Mio EUR: 3,37%).
Ebenfalls sehr deutliche Reduktionen gab es im ersten Quartal 2010 bei Wohnbaukrediten an private Haushalte. Diese sanken im ersten Quartal um 0,19 Prozentpunkte und in den abgelaufenen 12 Monaten gar um 1,46 Prozentpunkte auf 2,79%, was (ebenso wie bei Unternehmenskrediten) einen historischen Tiefststand seit der Erhebung von Zinssätzen im Jahr 1995 darstellt. Bei Konsumkrediten gab es hingegen im ersten Quartal 2010 einen deutlichen Anstieg (um 0,48 Prozentpunkte auf 4,75%) zu verzeichnen, der in erster Linie auf die stärkere Vergabe von höher verzinsten Internetprodukten zurückzuführen war. Dennoch lag auch der Durchschnittszinssatz von Konsumkrediten (ebenso wie jener von Wohnbaukrediten) im März 2010 deutlich (um 2 Prozentpunkte) unter jenem des Euroraums.
Über den aushaftenden Gesamtbestand gab es in Österreich im ersten Quartal im Kreditbereich die stärksten Reduktionen bei Wohnbaukrediten, welche im Schnitt um 0,42 Prozentpunkte auf 3,41% sanken. Im Euroraum sank der Durchschnittszinssatz im Vergleichszeitraum lediglich um 0,09 Prozentpunkte und lag mit 3,98% deutlich über dem österreichischen Wert. Nicht zuletzt aufgrund des hohen Anteils variabel verzinster Kredite in Österreich profitierten Kunden im Laufe der letzten zwölf Monate deutlich stärker von den fallenden Zinssätzen, die Kundenzinssätze sanken in Österreich um 1,29 bis 1,57 Prozentpunkte, im Euroraum im selben Zeitraum hingegen nur um 0,79 bis 1,06 Prozentpunkte.
Die Rückgänge bei den Zinssätzen beschränkten sich aber nicht nur auf den Kreditbereich, auch bei Einlagenzinssätzen an private Haushalte gab es durchwegs deutliche Rückgänge zu verzeichnen. Am stärksten traf es im ersten Quartal 2010 im Neugeschäft langfristig (über 2 Jahre) gebundene Einlagen, welche im Schnitt um 0,34 Prozentpunkte auf 2,18% sanken. Bei Bindungsfrist von bis zu 1 Jahr lag der Durchschnittszinssatz nach einem Rückgang um 0,18 Prozentpunkte mit 1,04% nur noch knapp über der 1-Prozent-Marke und somit bereits sehr deutlich unter dem Durchschnittszinssatz des Euroraums (1,89%). Auch bei längerer Bindungsfrist mussten Österreichs Kunden niedrigere Zinssätze als der Durchschnittskunde im Euroraum akzeptieren.