Berichte und Studien

Berichte und Studien 2/2002

Osterweiterung der EU: Auswirkungen auf die EU-15 und insbesondere auf Österreich


Inhalt

Editorial

 

Wirtschaftliche Entwicklung in der Währungsunion und in der EU

Wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum und in der EU

Gesamtwirtschaftliche Prognose für Österreich 2002 bis 2004 vom Frühjahr 2002

Zusammenarbeit im ESZB und europäische Integration 

Monetäre Entwicklung in Österreich

Geschäftstätigkeit der inländischen Kreditinstitute im ersten Quartal 2002

Zahlungsbilanz im Jahr 2001

 

Internationale Wirtschaft

Entwicklungen in ausgewählten Industrieländern außerhalb der EU 

Internationale Verschuldung und Emerging Markets 

Entwicklungen in ausgewählten Ländern Zentral- und Osteuropas 

Zusammenarbeit im internationalen Währungs- und Finanzsystem 

 

Studien „Osterweiterung der EU: Auswirkungen auf die EU-15 und insbesondere auf Österreich“

 

Osterweiterung der EU: Auswirkungen auf die EU-15 und insbesondere auf Österreich –

Ein Literaturüberblick zu ausgewählten Aspekten 

 

Auswirkungen der EU-Osterweiterung auf das Lohngefüge in Westeuropa mit besonderer Berücksichtigung Österreichs

Diese Studie untersucht anhand von Mikrodaten die Auswirkungen von Außenhandel und Zuwanderung auf die Löhne und das Mobilitätsverhalten der österreichischen Arbeitskräfte. Bei den Männern ist eine Zuwanderung ebenso wie eine Steigerung der Importe vor allem mit einem langsameren Lohnwachstum der Arbeiter verbunden, während das Lohnwachstum von Angestellten kaum auf solche Veränderungen reagiert. Bei den Frauen erleiden vor allem immobile Arbeitskräfte bei höheren Importen und Zuwanderung Lohneinbußen. Der Außenhandel hat auch wichtige Auswirkungen auf die Einkommensverteilung. Männer im obersten Einkommensquartil profitieren von einer Erhöhung der Exporte. Männer im untersten Einkommensquartil erleiden durch Importsteigerungen hingegen ein langsameres Lohnwachstum. Auch bei Frauen zeigen sich ähnliche, weniger signifikante Auswirkungen. Bei Arbeitern erhöhen Zuwanderung und höhere Importe das Arbeitslosigkeitsrisiko. Bei allen anderen Gruppen finden wir hingegen eine sehr große Heterogenität in den Übergängen zur Arbeitslosigkeit. Für den Prozess der Osterweiterung legen diese Resultate nahe, dass vom Außenhandel kaum Effekte auf den Arbeitsmarkt ausgehen dürften, allenfalls auf die Einkommensverteilung. Größere Effekte werden von der EU-Erweiterung im Hinblick auf die Migration erwartet. Die Zuwanderung wird vor allem das Lohnwachstum der Arbeiter und der immobilen Frauen verringern und das Arbeitslosigkeitsrisiko der Männer (Arbeiter und Angestellte) erhöhen. Allerdings ist dieser Effekt nicht besonders groß.

 

Institutionelle Auswirkungen der EU-Erweiterung im Bereich der Wirtschafts- und Währungspolitik

Diese Studie beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Erweiterung auf die einzelnen Institutionen und Entscheidungsverfahren der EU, wie sie sich gegenwärtig, einschließlich des Vertrags von Nizza, darstellen, sowohl im Hinblick auf rein organisatorische Fragen wie auch unter dem Gesichtspunkt von „European Economic Governance“. Die Analyse zeigt, dass die derzeitige institutionelle Architektur der EU sicherlich noch nicht ausreichend angepasst wurde. Auf Grund der derzeitigen institutionellen Rahmenbedingungen besteht nach der Erweiterung die Gefahr, dass es vor allem im Rat zu einem Stau bei den wirtschaftspolitischen Entscheidungen kommt. Um wirtschaftspolitische Reformen zu ermöglichen, könnte in Hinkunft der Euro-Gruppe, der verstärkten Zusammenarbeit und der offenen Koordinationsmethode höhere Bedeutung zukommen. Für das Verhältnis zwischen Fiskal- und Wirtschaftspolitik auf der einen Seite und Geldpolitik auf der anderen Seite könnte dies bedeuten, dass der Anpassungsdruck, der auf der Geldpolitik lastet, noch ansteigt. 

 

Wachstumseffekte der europäischen Integration: Implikationen für die EU-Erweiterung 

In der vorliegenden Studie werden mittels Paneldatenmethoden die Auswirkungen der europäischen Integration auf das langfristige Wirtschaftswachstum in den derzeitigen EU-Mitgliedstaaten untersucht. Dabei zeigt sich, dass die Dauer der EU-Mitgliedschaft einen – in den ärmeren Staaten vergleichsweise stärker ausgeprägten – signifikant positiven Effekt auf das Wirtschaftswachstum hat. Der Wachstumsbonus, der sich aus der EU-Mitgliedschaft ergibt, steht im Widerspruch zur neoklassischen exogenen Wachstumstheorie. Im Gegensatz zu früheren empirischen Studien, die zumeist keine positiven Wachstumseffekte im Zusammenhang mit der regionalen Integration ausmachen, deuten die hier präsentierten Ergebnisse darauf hin, dass die EU-Mitgliedschaft einen symmetrischen, Konvergenz fördernden Effekt auf das langfristige Wirtschaftswachstum hat.

 

Österreichs Direktinvestitionen und die EU-Erweiterung

Mit der Ostöffnung im Jahr 1989 setzte auch für Österreichs vorwiegend klein- und mittelbetrieblich strukturierte Wirtschaft ein Prozess aktiver Internationalisierung ein. Seither sind die Staaten, die heute ihren EU-Beitritt vorbereiten, nicht nur ein bedeutender Absatzmarkt für österreichische Exporte, sondern auch ein wichtiger Standort für die Errichtung österreichischer Tochterunternehmen geworden. In dieser Studie werden einige Charakteristika sowohl dieser österreichischen Tochterunternehmen in den Beitrittsländern als auch der investierenden Mutterunternehmen untersucht. Der künftige EU-Beitritt der Kandidatenländer wird zwar vermutlich zu keiner neuen Welle von Direktinvestitionen führen, positive Auswirkungen auf die bestehenden Auslandstöchter und – über steigende Erträge – auch auf ihre österreichischen Mütter sind hingegen durchaus zu erwarten.

 

Das Bankensystem in den Beitrittsländern am Vorabend des EU-Beitritts

Die Entwicklung des Bankwesens in Mittel- und Osteuropa seit Beginn der Transformation zu einem konkurrenzfähigen Finanzsektor kann im Prinzip als gelungen bezeichnet werden. Es stellt sich nunmehr die Frage, welche Auswirkungen der EU-Beitritt dieser Länder auf die Konkurrenzsituation im Bankenbereich haben wird. In der vorliegenden Studie wird die Dominanz der Auslandsbanken auf den mittel- und osteuropäischen Märkten ebenso beschrieben wie Fragen der Profitabilität und Effizienz des Gesamtsystems. Zunehmende Konkurrenz infolge des EU-Beitritts wird sich nicht zuletzt auf die Margen auswirken – durch Hebung von Produktivitätsreserven kann in einem schnell wachsenden Markt den dadurch drohenden Gewinnschmälerungen entgegengesteuert werden. Im Hinblick darauf werden die mittel- und osteuropäischen Banken im Zuge des EU-Beitritts flexibler und effizienter werden. Gleichzeitig ist für die nahe Zukunft zu erwarten, dass sich die Intermediationskraft des Kreditwesens auf diesen Märkten deutlich erhöhen wird.

 

Die Integration der osteuropäischen Länder − Auswirkungen auf die Aktien- und Rentenmärkte

Mit dem EU-Beitritt werden die osteuropäischen Rentenmärkte ihren Status als Emerging Market verlieren und in gesamteuropäische Anleihenbenchmarks integriert werden. Dadurch ergeben sich neue Diversifikationsmöglichkeiten für europäische bzw. österreichische Renteninvestoren. Spekulationen über einen Beitritt zum Euroraum werden auch in Zukunft auf Grund der notwendigen Anpassung der osteuropäischen Zinsen an das Zinsniveau im Euroraum zu fallenden Zinsen und Kurssteigerungen auf den osteuropäischen Geld- und Rentenmärkten führen. Die liquiditätsbedingten Effekte auf die europäischen Finanzmärkte (Bond- und Aktienmärkte) werden infolge der niedrigen Marktkapitalisierung der osteuropäischen Länder im Verhältnis zu den entwickelten Märkten Europas auch bei Aufnahme einzelner Beitrittsländer in paneuropäische Benchmarks gering bleiben. Aktienseitig ist vielmehr von einem kontinuierlichen Prozess der Umschichtung auszugehen, da sich die Investitions- und Diversifikationsmöglichkeiten verbreitern und Performancevorteile wahrscheinlich sind. Der österreichische Aktienmarkt könnte auf Grund seiner „Ost-Fantasie“ als Substitut für ein direktes (risikoreicheres) Engagement in Osteuropa fungieren und vorübergehend zusätzliche Liquidität anziehen.

 

Wechselkursstrategien der EU-Beitrittsländer auf dem Weg in die WWU: Auswirkungen auf den Euroraum

Die EU-Beitrittsländer in Zentral- und Osteuropa verfolgen unterschiedliche Wechselkursstrategien. Ziel der Studie ist es, Auswirkungen der Wechselkursregimes und -politiken der Beitrittsländer auf den Euroraum über ihre Effekte auf Handel und Direktinvestitionen abzuschätzen. Anhand theoretischer Argumente und empirischer Erkenntnisse werden die Effekte von Wechselkursvolatilität, der Prozess der realen Aufwertung im Zuge des Aufholprozesses sowie mögliche Folgen allfälliger Währungskrisen in den Beitrittsländern für den Euroraum untersucht.

 

Ausgewählte Aspekte der monetären Integration

In dieser Studie wird für drei EU-Beitrittsländer − Polen, Slowakische Republik und Tschechische Republik − eine Schätzung des Monetary-Conditions-Index (MCI) vorgenommen. Damit soll die relative Bedeutung des Wechselkurses und des Zinssatzes für die geldpolitische Transmission ermittelt werden. Der MCI und die relativen MCI-Werte werden von geschätzten IS-Kurven abgeleitet. Dabei zeigt sich, dass die relativen MCI-Werte im Großen und Ganzen mit den Werten vergleichbar sind, die in früheren Studien für die derzeitigen EU-Mitgliedstaaten ermittelt wurden. Die Ergebnisse belegen, dass der Wechselkurs bei der geldpolitischen Transmission insgesamt eine wichtige Rolle spielen dürfte, wie bei kleinen, offenen Volkswirtschaften zu erwarten ist. Allerdings dürften die Schätzungen dadurch beeinflusst sein, dass die Finanzmärkte am Beginn des Untersuchungszeitraums relativ unterentwickelt waren; außerdem sind die Ergebnisse auf Grund der geringen Datenverfügbarkeit als vorläufig zu betrachten.

 

Studien

 

EURIBOR-Zinsinstrumente als Indikatoren für die Erwartungen auf den Finanzmärkten

Die vorliegende Studie gibt einen Überblick über Finanzmarktpreise als Indikatoren für die Geldpolitik. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf Methoden, die die Erwartungen der Finanzmärkte im Eurowährungsgebiet in einheitlicher Form wiedergeben können. Dazu werden zwei auf EURIBOR-Instrumenten basierende Indikatoren vorgestellt: die Zinsstruktur als Darstellung für die Zinserwartungen der Marktakteure und dazu ergänzend, Indikatoren für die Unsicherheit, die auf den Preisen von Zinsoptionen aufbauen. Es werden jeweils die Verfahren zur Berechnung, der Informationsgehalt sowie die Interpretation erläutert. Weiters wird exemplarisch untersucht, wie sich die Markterwartungen nach geldpolitischen Maßnahmen verhalten haben.

 

Die im Teil „Studien“ dieses Hefts zum Ausdruck gebrachte Meinung des jeweiligen Autors kann im Einzelfall von der Meinung der OeNB abweichen.

 



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