Reden und Präsentationen


Buchpräsentation von LH Dr. Jörg Haider im Rahmen der Euro-Ausstellung der EZB

Mag. Dr. Wolfgang Duchatczek, Vize-Gouverneur
Klagenfurt, 18. 6. 2002

Es gilt das gesprochene Wort.


Sehr geehrter Herr Landeshauptmann, sehr geehrte Damen und Herren!

Wenn ich hier und heute zu Ihnen sprechen darf, dann hat das einen ganz bestimmten Grund. Nämlich den, dass Landeshauptmann Dr. Haider für die Präsentation seines Kärnten-Jahrbuches den Rahmen der EZB-Ausstellung „The Making of the Euro“ in Klagenfurt gewählt hat. Und das freut mich ganz besonders.

Zum einen, weil es klares Bekenntnis zu einem gemeinsamen Europa und seiner gemeinsamen Währung, dem Euro, signalisiert. Zum anderen, weil es Ausdruck der starken regionale Verankerung der Notenbank in Kärnten ist – etwas worauf wir stolz sind, und wozu ich unserem Zweiganstaltsleiter in Klagenfurt, Günter Willegger, herzlich gratulieren möchte!

Ich darf diese Gelegenheit nutzen, rund ein halbes Jahr nach der Einführung des Euro-Bargeldes ein kurzes Resümee zu ziehen. 

Ich freue mich sagen zu können, dass die Bargeldumstellung in Österreich völlig reibungslos erfolgt ist und möchte mich in diesem Zusammenhang bei all jenen bedanken, die dieses Jahrhundert-Logistik-Projekt mit der OeNB gemeinsam erfolgreich umgesetzt haben. An erster Stelle sind hier sicherlich die Banken zu nennen, die sich unter Federführung der Nationalbank in einer gemeinsamen Gesellschaft – der Geldservice Austria (GSA) – zusammengefunden haben – Jener Gesellschaft die flächendeckend die Versorgung mit Euro-Bargeld und die Rückholung von Schilling-Bargeld koordiniert und organisiert hat. 

Mein Dank gilt ebenso dem Innenministerium, der Polizei und der Gendarmerie, die im Zuge einer höchst professionell gemanagten Kooperation die Sicherheit jener ungeheuren Bargeldwerte gewährleistet haben, die innerhalb weniger Monate durch ganz Österreich transportiert wurden. 

Nicht zuletzt danke ich der Politik und den Medien, die mit ihrer positiven Haltung zum Euro eine ebensolche positive Einstellung der Bevölkerung zu unserem neuen Bargeld erzeugt haben. Damit wurde eine der wesentlichsten Grundlagen für die Sicherheit im Umgang mit den neuen Banknoten und Münzen einerseits und dem Vertrauen in die neue Währung andererseits geschaffen.

Dieses Vertrauen, meine sehr geehrten Damen und Herren, dieses Vertrauen in Sicherheit und Stabilität des Geldes ist eine der wichtigsten Grundlagen eines Währungssystems und der Währungspolitik. Mein langjähriger Freund und Mentor, der inzwischen leider verstorbene Finanzminister und Nationalbankpräsident Stephan Koren, hat mich zu Beginn meiner Notenbankkarriere vor vielen Jahren eines gelehrt: So komplex und rational die Mechanismen der Währungspolitik auch wirken mögen, die Psychologie spielt eine ganz wichtige Rolle! Je höher das Vertrauen der Bevölkerung in jene Institutionen ist, die für die Wirtschaftskraft, den Finanzmarkt und die Währungspolitik verantwortlich sind, desto höher ist die Stabilität der Währung. 

Dieses hohe Vertrauen bringt auch ein hohes Maß an Verantwortung mit sich. Niemals darf es leichtfertig aufs Spiel gesetzt und erschüttert werden! Populismus und eine unreflektierte öffentliche Auseinandersetzung mit der Währungspolitik und ihren Trägern gefährden diese Stabilität. Stabilitätsorientiertes Handeln in der Wirtschafts-, Finanz- und Währungspolitik ist ebenso gefordert, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit der Thematik in der öffentlichen Diskussion.

Nach der erfolgreichen Einführung des Euro sieht es die OeNB mehr als je zuvor als ihre Aufgabe das hohe Vertrauen der Österreicherinnen und Österreicher in die Stabilität und die Sicherheit ihrer Währung zu gewährleisten und auch weiterhin nachhaltig abzusichern. Dazu zählt nicht nur der sorgsame Umgang mit den Währungsreserven, sondern insbesondere auch die Fortsetzung der Stabilitätspolitik im Rahmen des Europäischen Systems der Zentralbanken, wo die Nationalbank mit Sitz und Stimme vertreten ist. Die Mitgestaltungsmöglichkeiten Österreichs in der europäischen Währungspolitik sind damit stärker als sie es jemals waren. 

Neue Aufgabenstellungen, meine Damen und Herren, sehen wir im Bereich des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Kooperationen mit den österreichischen Banken nach dem erfolgreichen Vorbild der vorhin von mir angesprochenen Geld Service Austria will die Nationalbank auch im bargeldlosen Zahlungsverkehr umsetzen. Diese neuen Initiativen werden für den Bürger ein spürbares Mehr an Service und – etwa bei den Auslandsüberweisungen – auch einen Rückgang bei den Kosten bedeuten. 

Ich habe es einleitend bereits angesprochen: Auf die starke regionale Verankerung unserer Zweiganstalten sind wir besonders stolz. Noch nie war die Notenbank näher bei den Bürgerinnen und Bürgern als durch die Euro-Umstellung! Diese Nähe wollen wir auch in Zukunft aufrechterhalten, wenn nicht noch weiter ausbauen. Angesichts der Tatsache, dass sich noch rund 13,7 Mrd. Schilling – davon 75 Mio. Stück Banknoten! – in österreichischen Haushalten und Betrieben befinden, starten wir gemeinsam mit unseren Zweiganstalten eine Aktion um dieses Schilling-Bargeld zurückzuholen und gegen Euro umzutauschen. Dazu brauchen die Bürgerinnen und Bürger nicht in die Zweiganstalten in den Landeshauptstädten zu kommen, sondern wir kommen zu Ihnen! Ende des Monats starten wir eine Österreichweite Tour mit einem mobilen Kassenschalter, der zwischen Juli und Oktober in mehr als 80 Städten und Gemeinden Station machen wird und der Bevölkerung den Gratis-Umtausch ihrer restlichen Schilling-Bestände in Euro ermöglicht. In Kärnten werden wir mit unserer Euro-Tour von 25. Juli bis 3. August in 9 Städten und Gemeinden jeweils für einen ganzen Tag Station machen.

Wenn wir in die Zukunft blicken, sehr geehrter Herr Landeshauptmann, ist die Integration und Erweiterung Europas die Herausforderung der wir uns zu stellen haben – auch in der Währungspolitik. Der Euro hat sich als gemeinsame Währung nicht nur als deutlich sichtbares und starkes Bindeglied der Mitgliedsstaaten erwiesen, der auch seine erste Bewährungsprobe im Gefolge des 11. September vergangenen Jahres erfolgreich bestanden hat. Er entwickelt sich auch zu einer starken Leit- und Reservewährung in ganz Europa und hat damit die DM und weitgehend auch den Dollar abgelöst.

Mit einem Bekenntnis zur Stabilität und Sicherheit des Euro wird die OeNB die Herausforderungen der Zukunft meistern und mit Verantwortungsbewusstsein und Bürgernähe das hohe Vertrauen, das uns von der Bevölkerung entgegen gebracht wird auch weiterhin rechtfertigen.

Herzlichen Dank!