Es gilt das gesprochene Wort.
Reden und Präsentationen
OeNB wird Schnittstelle zum Pan-Europäischen Clearingsystem EBA STEP2
Mag. Dr. Wolfgang Duchatczek, Direktor
Wien, 28. 4. 2003
Mit der Teilnahme an EBA STEP2 ermöglicht die OeNB allen österreichischen Banken einen neutralen Zugang zum ersten pan-europäischen Automated Clearing House (PE-ACH) und setzt einen wichtigen Schritt zur nachhaltigen Absicherung des unabhängigen Finanzplatzes Österreich zum Nutzen der Banken und Konsumenten.
Mit 01.07.2003 schreibt die EU-Kommission den Banken vor, Gebühren für Überweisungen (bis zu einer Höhe von EUR 12.500,--) innerhalb des gesamten Euro-Raumes auf das Inlandsniveau abzusenken. Dies stellt für Konsumenten die bisher am stärksten spürbare Auswirkung der gemeinsamen Währung im unbaren Bereich dar. Allein in Österreich werden pro Jahr rund 20 Mio. Transaktionen in den bzw. aus dem Euro-Binnenmarkt abgewickelt. Auf Bankenseite schafft dieser Euro-Binnenmarkt die dringende Notwendigkeit einheitliche Standards und eine kompatible technische Plattform zur effizienten Abwicklung des Zahlungsverkehrs aufzubauen. Vor diesem Hintergrund fordern sowohl die EU als auch EZB und BIZ von den nationalen Notenbanken nicht nur im Interbankzahlungsverkehr, sondern auch im Bereich nationaler Retail Payment Systeme operativ tätig zu werden und – neben der Aufsichtsfunktion -ihre Kernkompetenz in der Zahlungsverkehrsabwicklung in neu zu schaffende Systeme einzubringen.
Im Zuge der Errichtung einer "Single Euro Payment Area" (SEPA) – an deren Grundlagen die Kommerzbanken und die im ESZB vertretenen Notenbanken wie die OeNB aktuell arbeiten – zeichnet sich zwischen den nationalen Finanzplätzen ein immer stärkerer Wettbewerb im Hinblick auf ihre künftige Relevanz im Rahmen der neuen Zahlungsverkehrsarchitektur ab. Insbesondere kleine Bankenplätze wie Österreich sind von dieser Entwicklung besonders betroffen. Die OeNB hat diesen Trend im Zuge der Vollendung der dritten Stufe der Währungsunion bereits frühzeitig erkannt und sich entschieden, die damit verbundenen Chancen aktiv zu nutzen.
"Bei der erfolgreichen Euro-Bargeldeinführung haben wir bewiesen, dass durch eine enge Kooperation der OeNB mit den Kommerzbanken – wie etwa im Rahmen der GSA (Geldservice Austria) – Kosten gespart und effiziente Systeme geschaffen werden können. Nun wollen wir auch im bargeldlosen Zahlungsverkehr ein System entwickeln, das den Aufbau von Parallelstrukturen verhindert, Kosten spart und in weiterer Folge den Banken ermöglicht, diese Kosteneffizienz an die Kunden weiterzugeben. Die gemeinsamen Anstrengungen zur konsequenten und zeitgerechten Anbindung des heimischen Zahlungsverkehrs an europäische Systeme garantieren den heimischen Banken darüber hinaus Chancengleichheit im internationalen Wettbewerb. Das stärkt in weiterer Folge den regionalen Finanzplatz zum Nutzen der gesamten heimischen Volkswirtschaft" so Dir. Dr. Wolfgang Duchatczek, für den Zahlungsverkehr zuständiges Direktoriumsmitglied der Oesterreichischen Nationalbank.
EBA STEP2, als derzeit einzige, rasch verfügbare Lösung zur Schaffung eines Binnenzahlungsverkehrssystems ist ein wichtiger Schritt in Richtung SEPA. Zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des heimischen Finanzplatzes und zur Sicherstellung, dass alle österreichischen Banken bei dieser wichtigen Entwicklung von Beginn an teilnehmen können, sieht die OeNB die Notwendigkeit eines österreichischen Schulterschlusses betreffend der Teilnahme an EBA STEP2 und wird eine aktive Rolle beim grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr übernehmen.
Konkret bedeutet dies, dass die OeNB zum ehest möglichen Zeitpunkt – voraussichtlich ab dem 27.10.2003 – als zentraler Knotenpunkt für den österreichischen Finanzplatz sowohl auf der Incoming- (Aufträge von STEP2) als auch auf der Outgoing Seite (Aufträge nach STEP2) zur Verfügung stehen wird. Auf der Incoming Seite wird die OeNB darüber hinaus als so genannter "Country Entry Point" für Banken fungieren, die von EBA nicht direkt erreicht werden können.
"Die Vorteile eines OeNB Engagements bei EBA STEP2 liegen auf der Hand. Die OeNB-Beteiligung stellt eine gemeinsame, offene Lösung dar, die es allen Banken in Österreich ermöglichen wird, im Gleichklang mit anderen europäischen Banken an EBA STEP2 teilzunehmen. Overheads, die durch die Schaffung von mehreren Systemen entstehen, werden damit mittelfristig zum Nutzen der heimischen Banken und Konsumenten eingespart" so Dir. Dr. Wolfgang Duchatczek.
Herausgeber:
Oesterreichische Nationalbank
Sekretariat des Direktoriums/Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: (+43-1) 404 20-6666
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