Reden und Präsentationen


Tag der Amtlichen Statistik

Die Bedeutung makroökonomischer Indikatoren für die Europäische Geld- und Währungspolitik: Erfahrungen einer Zentralbank

Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny, Gouverneur
Wien, 11. 11. 2008

Es gilt das gesprochene Wort.


  • Die aktuellen Ereignisse im Rahmen der internationalen Finanzkrise zeigen unter anderem auch die Notwendigkeit von verlässlichen Daten für die Entscheidungsträger, aber auch für die Märkte selbst. So war das fast vollständige Fehlen von Informationen  über Sonderfinanzierungsgesellschaften, den Financial Vehicle Companies oder Conduits, ein entscheidendes Erschwernis für die Geldpolitik wie auch für die Aufsicht und auch für eine effiziente Krisenbekämpfung. Hier sind über die letzten Jahre neue Finanzinstitutionen im Schatten aller statistischen Erfassungssysteme zu wichtigen und systemrelevanten Finanzmarktteilnehmern geworden, so zu sagen „finanzielle UFOs“. Jede Beurteilung der Lage ohne Informationen über diese FVCs war daher unvollständig und oft auch irreführend. Weiße Flecken in der statistischen Landkarte stellen für Entscheidungsträger – insbesondere in Zeiten größerer Anspannungen – ein ernstes Problem dar.

Bedeutung von Statistiken als wesentliche Entscheidungsgrundlage:

 

- Statistiken sind wesentliche Entscheidungsgrundlagen für Politik und Wirtschaft

  • Statistische Daten von hoher Qualität sind unerlässlich für die Geldpolitik des ESZB, für die Beurteilung der Finanzmarktstabilität und für die Wirtschaftspolitik im Allgemeinen

  • Hochwertige Statistiken dienen aber auch in- und ausländischen Investoren als wichtige Basis für Veranlagungsentscheidungen oder Unternehmen für Investitionsentscheidungen.

- Statistiken sind die Visitenkarte einer Volkswirtschaft.

  • Die Einhaltung internationaler Standards bei der statistischen Abbildung des volkswirtschaftlichen Geschehens ist ein Gradmesser für den ökonomischen Entwicklungsstand und ein wichtiger Faktor im Wettbewerb um internationales Kapital. Man könnte sagen, „eine Art von Rating“. 

Ressourcenschonende Erhebungen als ständige Herausforderung:

  • Der berechtigte Anspruch der Öffentlichkeit auf größtmögliche Schonung der Ressourcen bei der Sammlung und Erstellung von statistischen Daten verlangt nach systematischen Kosten-Nutzen-Überlegungen sowie höchstmöglicher Effizienz.

  • Dabei geht es vor allem um die Vermeidung von Doppelerhebungen – dies kann durch die Mehrfachnutzung verfügbarer Daten, einen konvergierenden Kompilierungsprozess zwischen nationalen und europäischen Statistiken sowie dem Versuch der Harmonisierung statistischer Konzepte, Definitionen und Berichtspflichten erreicht werden.

Zentralbanken haben eine Doppelrolle, als wichtige Produzenten wie auch als wichtige Nutzer von (Wirtschafts-)Statistiken: 

  • Die Produktion und Veröffentlichung von Statistiken, insbesondere über den Finanzsektor  und die Außenwirtschaft, sind Kernaufgaben jeder Zentralbank, so auch der OeNB. Diese Daten sind „öffentliche Güter“, die nach gängigen Qualitätskriterien und unter Wahrung der Unabhängigkeit erstellt und zeitnah der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

  • Die Rolle der nationalen Zentralbanken des Eurosystems in der Produktion von Statistiken ist in den Statuten des ESZB und der EZB klar geregelt. In Artikel 5 wird festgelegt, dass die Erstellung der Statistiken dezentral erfolgt („soweit wie möglich von den nationalen Zentralbanken“, Art. 5 (2)) und dass die EZB sich nur um die erforderliche Harmonisierung der Konzepte kümmert.  Auf dieser Basis hat die EZB eine Reihe von Verordnungen und auch Leitlinien erlassen, die die zeitgerechte Zurverfügungstellung entsprechender Informationen von den nationalen Zentralbanken an die EZB regeln.

  • Notenbanken sind vor allem im Bereich der Finanzstatistik als Produzenten aktiv, sie profitieren hier von ihrem spezifisches Know-how über die Finanzmärkte.

  • Sie erstellen Daten über Geldmengen, über Zinssätze, über Banken und andere Finanzintermediäre, die Gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung, die Zahlungsbilanz, die Internationale Vermögensposition.
    Daher definiert wir uns in der Oesterreichischen Nationalbank auch als das „Kompetenzzentrum für Finanzstatistik in Österreich“.

  • Bill Poole, der Präsident der Federal Reserve Bank von St. Louis hat die Rolle und Bedeutung von Notenbankstatistiken im letzten Jahr sehr gut zusammengefasst. Er hat in etwa gesagt, „von allen Dingen, die die Federal Reserve macht, trägt die Datenbereitstellung vielleicht die höchsten Renditen“.
    Das trifft wohl auch auf Zentralbanken in Europa zu.
     

- Die Nutzung von Wirtschaftsstatistiken, makroökonomischen Indikatoren,  durch Zentralbanken und so durch das Eurosystem wird vor allem durch die geldpolitische Strategie determiniert. Das Eurosystem hat seit dem Beginn der Währungsunion eine „Zwei-Säulen-Strategie“. D.h., für die Beurteilung der geldpolitischen Lage und als Basis für geldpolitische Entscheidungen wird eine Vielzahl von statistischen Daten regelmäßig beobachtet und analysiert. Diese Daten werden in zwei Säulen zusammengefasst, in einer wirtschaftlichen Säule und in einer monetären Säule.

 

-Während die Daten der monetären Säule vor allem aus Bankbilanzen stammen und von den Zentralbanken selbst gesammelt und aufbereitet werden, stammt ein bedeutender Teil der Daten der „wirtschaftlichen Analyse“ von dem Europäischen Statistischen System, d. h. den nationalen statistischen Ämtern und EUROSTAT.

 

-Notenbanken des Eurosystems nutzen dabei insbesondere Statistiken über die Realwirtschaft, wie die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, diverse Preis- und Kostenindizes,  Finanzstatistiken des Sektors Staat, Außenhandels- und Zahlungsbilanzstatistiken, aber auch diverse  Finanzmarktindikatoren wie Zinssätze oder Börsenindizes,  und auch wirtschaftliche Stimmungsindikatoren. Wir sind sehr dankbar, dass die nationalen statistischen Ämter und EUROSTAT die Informationsnotwendigkeiten der europäischen Geld- und Währungspolitik so gut erfüllen.

  • Eine ganz zentrale Rolle für die europäische Geldpolitik spielt dabei der HVPI, der Harmonisierte Verbraucherpreisindex. Der gesetzliche Auftrag des Eurosystems ist es, die Inflationsrate mittelfristig unter, aber nahe bei 2% zu halten. Die Entwicklung des HVPI zeigt uns – aber auch allen Menschen – daher, ob wir unseren gesetzlichen Auftrag erfüllen. Daher ist uns die Qualität und Verlässlichkeit des HVPI ein ganz besonderes Anliegen. Es ist daher sehr erfreulich, dass es den Euroländern, aber auch der gesamten EU, gelungen ist, einen HVPI mit sehr hoher Qualität zu entwickeln.

    Auf der „Wunschliste“ der Notenbanken steht diesbezüglich eigentlich nur ein größeres offenes Thema, die Berücksichtigung von „eigentümergenutztem Wohnen“ („Owner occupied housing“). Wir sind sehr froh, dass hier schon Pilotstudien bei EUROSTAT laufen und dass nunmehr auch Österreich an diesen Studien teilnehmen wird. Es wäre nunmehr wichtig, in absehbarer Zeit entscheidungsreife Vorschläge zu entwickeln.

  • Nationale Statistische Ämter (NSIs) haben klare komparative Vorteile im Bereich der Realwirtschaft, Zentralbanken im Bereich der Finanzwirtschaft. Aber Finanzstatistiken und Statistiken über die Realwirtschaft unterliegen in weiten Bereichen dem Konzept der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass aus Effizienz- und Konsistenzgründen eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Zentralbanken und NSIs geboten ist. 

Kooperationen von Statistischen Ämtern und Notenbanken:

 

- Auf europäischer Ebene gibt es seit 2003 ein Memorandumof Understanding zwischen der EZB und EUROSTAT, das deren Kooperation in beschriebenen Gebieten regelt.

- In Österreich wurde  bereits 2002 ein Kooperationsrahmenvertrag zwischen der OeNB und STAT abgeschlossen;

  • Die Kooperation zwischen OeNB und Statistik Austria gilt in Europa inzwischen als „Best Practice“, als Vorzeigemodell, für das andere Länder großes Interesse zeigen.

- Die Zusammenarbeit zwischen OeNB und Statistik Austria wird (Zitat aus der Präambel des Kooperationsrahmenvertrages) getragen „vom Gedanken der Partnerschaft, dem wechselseitigen Verständnis für die Rahmenbedingungen des Partners und dem Willen zur Nutzung vorhandener Synergieeffekte und dem Streben nach Erarbeitung und Bereitstellung qualitativ hochwertiger Statistiken. Oberste Prämisse ist die effiziente, bestehende Synergien ausnutzende Produktion von Statistiken“

  • Schwerpunkt der OeNB ist die Finanzwirtschaft, Schwerpunkt der Statistik Österreich die Realwirtschaft.

  • Gegenseitige Leistungen werden unter dem Prinzip der Kostentransparenz erbracht, wobei auch die gesetzliche Verpflichtung der jeweiligen Institution Berücksichtigung findet.

  • Einzelne Themenbereich werden durch detaillierte Annexe spezifiziert.

Beispiele der Kooperation:

 

- Erstellung der österreichischen Zahlungsbilanz – jeder konzentriert sich auf seine Stärken: OeNB auf den Bereich der Kapitalbilanz, STAT auf die realwirtschaftlichen Komponenten.

  • Konkret liegt ein Dienstleistervertrag für die Erstellung der Dienstleistungsbilanz vor.

  • Im Rahmen des neuen Direkterhebungssystems für die Zahlungsbilanz können damit effizient qualitativ bessere und detailliertere Informationen über einzelne Komponenten der Leistungsbilanz erstellt werden.

  • So ist uns in Österreich bereits 2006 der Umstieg zu einem Direkterhebungssystem sehr gut gelungen, ein Unterfangen, das in vielen europäischen Ländern noch durchgeführt werden muss.

- Im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, die der STAT obliegt, ist die OeNB stark in die Erstellung der Finanzierungsrechung involviert. Auch auf europäischer Ebene bildet die Erstellung der Monetary Union Financial Accounts, d. h. die Finanzierungsrechnung des Euroraumes,  für die Zentralbanken einen wichtigen Leistungsschwerpunkt.

 

- Unternehmensregister sind ebenfalls ein wesentliches Kooperationsthema – die OeNB übernimmt dabei die Klassifikation der Unternehmen von der STAT, um eine synchrone Vorgangsweise zu garantieren. Es gibt kein separates OeNB-Register.

 

- Weitere Themen sind unter anderem,
FISIM (unterstellte Finanzdienstleistungsgebühren) oder
die Statistiken über die Finanzgebarung des Sektors Staat oder
die Struktur- und Leistungserhebung für den Bankensektor.

 

-Aktuelle Themen der Kooperation: 
Die neue, so genannte FATS-Verordnung der EU über Auslandsunternehmenseinheiten (die die STAT verpflichtet) ist das aktuellste Gebiet der fruchtbaren Zusammenarbeit. Es werden Daten über internationale Aktivitäten von Konzernen – die übrigens von der OeNB schon seit Jahren in ähnlicher Form im Rahmen der Direktinvestitionserhebung aufbereitet werden – nunmehr in einheitlichem, europäischem Kontext erhoben und unter Nutzung vieler, bereits vorhandener Daten ohne wesentliche Mehrbelastung von Unternehmen gemeinsam aufbereitet.
 


Herausforderungen für die Statistiker:

 

Rasante Internationalisierung des wirtschaftlichen Umfeldes macht die Messung schwieriger

 

-Unternehmen agieren international

  • Internationale Arbeitsteilung innerhalb von Unternehmensgruppen

  • Immer komplexere Firmenkonstruktionen

- Finanzierung wird immer komplexer und internationaler

  • Laufend erfolgen Innovationen im Bereich Finanzierungsinstrumente

  • Eigene, spezielle, grenzüberschreitende Konstruktionen und Firmen zur Bündelung von Finanzierungen werden geschaffen

Anforderungen aus Integration Europas einerseits und der Internationalisierung andererseits müssen in nationale Statistiken integriert werden, um Aussagen für supranationale Wirtschaftsräume in unterschiedlicher Definition zu ermöglichen

 

-auf nationaler Ebene

-auf Ebene des Euroraumes

-auf EU – Ebene und

-auf internationaler Ebene

 

Internationale Standards und Regelwerke sind weiter zu entwickeln

- Sicherung der Vergleichbarkeit von Statistiken, vor allem zwischen Wirtschaftsräumen

-Internationale Regelwerke reichen nicht aus, um Anforderungen an Statistiken über Wirtschaftsräume wie den Euroraum oder die EU abzudecken. Zusätzliche Differenzierungen und Detaillierungen sind notwendig, um den Informationsbedarf abzudecken und erfordern Kooperationen auf verschiedenen Ebenen.

 

Die raschen und manchmal überraschenden Entwicklungen erfordern kurzfristige Antworten auf aktuelle Fragen

 

-Die Adaption von Statistiken erfordert oft Vorlaufzeiten, die länger sind als die Zeit, die für Problemanalyse und -lösung zur Verfügung steht und kommt daher oft zu spät.

-Es werden daher zunehmend flexible Informationssysteme benötigt, die für aktuelle Fragestellungen flexibel ausgewertet und rasch ergänzt werden können.

-Solche Systeme sind in enger Kooperation mit anderen Bereichen wie zum Beispiel der Banken- und Finanzmarktaufsicht zu entwickeln.

 

Entwicklung auf europäischer Ebene:

 

Ausbau von Kooperationen

-Um die inhaltlichen, methodischen und legistischen Herausforderungen meistern zu können, ist Kooperation auf vielen Ebenen verstärkt erforderlich

  • auf europäischer Ebene zwischen nationalen Notenbanken und mit der EZB, d. h. innerhalb des ESZB

  • auf europäischer Ebene zwischen den nationalen statistischen Ämtern und mit EUROSTAT, d. h. im Europäischen Statistischen System (ESS)

  • auf europäischer Ebene  zwischen Notenbanken und Statistischen Ämtern

  • Generell gibt es auf europäischer Ebene die Tendenz zur verstärkten Kooperation zwischen nationalen Zentralbanken  und statistischen Ämtern, wie z. B. im Bereich der Erstellung der Euroraum-VGR.

-Als koordinierende Plattform von Statistikern der EZB, von Eurostat, den NZBen und NSIs auf internationalem Parkett hat sich das CMFB (Committee on Monetary, Financial and Balance of Payments Statistics) etabliert, in dem immer wieder wichtige Weichenstellungen zur statistischen Weiterentwicklung vorgenommen werden. Ich bin froh, dass auch in diesem Gremium die Zusammenarbeit mit Statistik Austria sehr gut funktioniert.

Inhaltliche Herausforderungen – die „weißen Flecken“:

 

Vorbemerkung: Das Eurosystem hat sich 2006/2007 im Rahmen einer eigenen Arbeitsgruppe, der Statistics Task Force, unter Führung der OeNB, Gedanken über die strategischen Zukunftsherausforderungen und mögliche Antworten gemacht. Dabei ist unter anderem klar herausgearbeitet worden, dass es das Ziel sein muß, bestehende Daten mehrmals zu verwenden und so etwaige mehrfache Erhebungen zu vermeiden. Darüber hinaus sollte das Eurosystem im Bereich der Statistik wie ein effizientes multinationales Netzwerk arbeiten. Ferner sollte sich das Eurosystem seiner Rolle als „global player“ auch im Bereich der Statistik bewusst werden und entsprechend offensiv Daten als „europäisches öffentliches Gut“ zur Verfügung stellen.
Schließlich wurde auch betont, dass die beschleunigte Innovation im Bereich von Finanzinstrumenten und –institutionen neue statistische Herausforderungen schafft. Insbesondere muß auch die Geschwindigkeit der statistischen Erfassung neuer Phänomene in Zukunft erhöht werden.


Konkrete anstehende Verbesserungsnotwendigkeiten:

 

- Verbesserung der Quartalsrechnung der Gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung mit Verbesserung von Daten über Versicherungen, Pensionskassen, Investmentfonds und andere bedeutende Teilnehmer am Finanzmarkt, um Auswirkungen von Veränderungen am Kapitalmarkt auf Realwirtschaft und Konsumverhalten besser abschätzen zu können. Derzeit hat die EZB kein Mandat, Daten von Versicherungen und Pensionskassen zu verlangen. Wir hoffen, dass sich das mit der anstehenden Revision des Statistikgesetzes für die EZB ändern wird.

 

-Verbesserung von Daten über Wertpapiere und Wertpapiergeschäfte auf Mikroebene, um Instrumente zur rascheren Analyse von Veränderungen am Kapitalmarkt zu ermöglichen. Gerade die letzten Monate haben gezeigt, dass hier mehr Informationen und auch schneller verfügbare Informationen notwendig sind, um rasch auf krisenhafte Entwicklungen reagieren zu können.

 

-Verbesserungen im Bereich der Zinssatzstatistik und der MFI – Bilanzstatistik. Da gibt es schon konkrete Vorschläge der EZB.

 

-Verbesserungen in der Erfassung des Dienstleistungssektors, der von zunehmender wirtschaftlicher Bedeutung ist, aber statistisch noch vergleichsweise „unterbelichtet“ ist.

 

  Verbesserung von Mikrodaten über Haushalte  sowie Klein- und Mittelbetriebe


Methodische Herausforderungen

 

-Viele statistische Konzepte stellen nationale Volkswirtschaften in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen, Aspekte der europäischen Integration und Globalisierung sind mit zu berücksichtigen. Die internationale Verflechtung von Unternehmen und die Globalisierung des Kapitalverkehrs muss in den statistischen Konzepten, Datenbasen und Erhebungen jedoch verstärkt berücksichtigt werden. 

  • Europäische Statistiken sind nicht nur die Summe nationaler Statistiken.

  • Nationale Statistiken müssen entsprechend ausgebaut und qualitativ verbessert werden.

  • Nationale Statistiken behalten aber ihre Bedeutung, weil wichtige Teile der Wirtschaftspolitik auch in Zukunft auf nationaler Ebene angesiedelt sein werden.

  • Beispiele

          – Ausbau der Kooperation auf dem Gebiet Unternehmensregister – auch auf europäischer Ebene wird an der Erstellung eines gemeinsamen Firmenregisters und einheitlicher Identifikatoren gearbeitet.

 

          -Aufbau von Registern über Finanzierungsinstrumente wie die gemeinsame Wertpapierdatenbank des ESZB (Centralized Securities Data Bank, CSDB).

Legistische Herausforderungen

 

-Viele dieser Notwendigkeiten erfordern entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen:

  • Datenaustausch und verstärkte Kooperation auch auf Mikroebenesollte  – unter Wahrung des erforderlichen Datenschutzes –ermöglicht werden.

  • Möglichkeiten des ESZB zum Erheben von Daten bei Versicherungen und Pensionskassen müssen – wie schon erwähnt – geschaffen werden.

  • Nutzung der so genannten statistischen Daten auch für Zwecke der Finanzmarktstabilität und die Koordination mit Aufsichtsbehörden ist unumgänglich, will man Mehrfacherhebungen vermeiden. 

Entwicklung in Österreich

 

-Inhaltliche Herausforderungen aus Sicht der OeNB im Bereich der makroökonomischen Indikatoren:

  • Statistiken über Immobilienpreise und eigentümergenutztes Wohnen,

  • Statistiken über Vermögensverteilung – dazu gibt es ein ESZB-Projekt bei dem auch die OeNB mitmachen wird. Dabei erscheint eine enge Kooperation mit STAT sinnvoll und effizient.

-Notwendige Verbesserung von Rahmenbedingungen:

  • Die Durchlässigkeit von Daten muss verbessert werden

         – Gemeinsame (OeNB und STAT) Auslotung der rechtlichen Spielräume/ Formulierung von Anforderungen an den Gesetzgeber bei der gemeinsamen Datennutzung und dem Zugriff auf administrative Daten.

 

  • Berücksichtigung von statistischen Anforderungen bei legistischen Maßnahmen

        – Nur wenn Anforderungen an Statistiken und Informationssysteme bei der Umsetzung von Verwaltungsmaßnahmen mit berücksichtigt werden, können Statistiken effizient und im Sinne der Aktion „Better Regulation“ der Bundesregierung kostengünstig für Unternehmen und Statistiker erstellt werden

 

        - Wenn Firmenbilanzen im Firmenbuch in elektronisch lesbarer Form zur Verfügung stehen, erspart die OeNB sich und den Unternehmen wesentliche Teile von Erhebungen.

 

        -Wenn gemeinsame Identifikatoren für Unternehmen vorhanden sind, erspart sich sowohl die Verwaltung als auch die Statistik einen erheblichen Aufwand beim Abgleich von Daten.

 

 

Zusammenfassung:

Auch nach mehr als zwölf Jahren gilt was der erste Präsident des Europäischen Währungsinstitutes, Alexandre Lamfalussy,  im Jahre 1996 festgestellt hat, dass für die Geldpolitik nichts wichtiger ist als gute Statistiken. Die für diese Geldpolitik notwendigen Daten stammen zu einem großen Teil von den statistischen Ämtern. Damit sind und bleiben die Zentralbanken ganz wichtige Kunden der statistischen Ämter. Daher ist aber auch eine sehr enge Kooperation notwendig. Österreich hat gezeigt, dass diese nicht nur nützlich, sondern auch möglich ist, zum Nutzen aller Beteiligten wie auch der Respondenten.  Nunmehr gilt es diese fruchtbare Kooperation weiter auszubauen und auch den Gesetzgeber davon zu überzeugen, alle Hindernisse für diese Zusammenarbeit aus dem Weg zu räumen. Denn die Bedeutung makroökonomischer Indikatoren für die Geld- und Währungspolitik ist immens und die Erfahrungen der Oesterreichischen Nationalbank mit Statistik Austria sind sehr gut – und diese Erfahrungen wollen wir zum Wohle Österreichs und auch Europas konsequent weiter ausbauen.