Reden und Präsentationen


„Die Finanzkrise und der österreichische Bankensektor“

Rede vor der Generalversammlung des Verbandes österreichischer Banken und Bankiers

Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny, Gouverneur
Wien, 23. 6. 2009

Es gilt das gesprochene Wort.


 

1. Globale Entwicklungen und der Ausbruch der Finanzkrise

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Der renommierte US-Ökonom Barry Eichengreen meinte kürzlich ironisch, „the current crisis is too good to be passed up.“Ohne Zweifel wird die Ursachenforschung für diese Krise noch Generationen von Ökonomen beschäftigen. Doch viele bereits zu ziehende Lehren können helfen in Zukunft eine höhere Stabilität der Finanzmärkte und der Realwirtschaft zu erzielen.

 

Die teilweise sehr expansive Geld- und Wirtschaftspolitik in den USA, verstärkt durch massive Kapitalzuflüsse vor allem aus Asien welche unter anderem die langfristigen US-Zinsen dämpften, verleiteten die Finanzmarktteilnehmer verstärkt zu exzessiver Risikobereitschaft, die sich in einem steigenden Kreditwachstum ausdrückte. Wie sie alle wissen, wurden besonders in der dortigen Kreditvergabe die Zügel dermaßen gelockert, dass vor allem im Bereich der Immobilienkonstruktion ein intensiver Bauboom ausgelöst wurde. Zu stark war das Vertrauen in steigende Preise.

 

Dadurch fühlten sich viele Finanzintermediäre in ihrer Politik der lockeren Kreditvergabe bestätigt und halfen mit die Immobilienblase weiter zu befeuern. Als es schließlich zum Platzen der Immobilienblase in den USA kam endete dort nicht nur der Immobillienboom, sondern auch das Vertrauen in das Finanzsystem an sich wurde schwer erschüttert. Der Zusammenbruch von Lehman Brothers und die enge Vernetzung der Banken führte schließlich zu einem Überschwappen der Krise nach Europa, was ebenfalls von einem heftigen Vertrauensverlust unter den Banken begleitet wurde. Damit begann jedoch auch eine erneute Rückkoppelung in den realwirtschaftlichen Bereich, da einerseits mit dem gefallenen Vertrauen die Kreditvergabe eingeschränkt wurde und auch über die Kapitalmärkte kaum frisches Kapital für Unternehmen zur Verfügung stand, und andererseits aber auch die hohen wirtschaftlichen Unsicherheiten die Investitionsbereitschaft der Unternehmen massiv reduzierte.

 

Es ist ohne Zweifel eine der wichtigsten Lehren aus der Finanzkrise, dass die Transparenz und die Veröffentlichungspraktiken insbesondere bei komplexen Finanzinstrumenten inadäquat waren. Zusätzlich erkannten die Ratingagenturen die spezifischen Risiken bei strukturierten Produkten nicht, was zu einem weitreichenden Vertrauensverlust in das Finanzsystem führte.

 

Die Auswirkungen der Finanzkrise auf den realwirtschaftlichen Sektor sind noch nicht vollständig überwunden. Das globale BIP wird im Jahr 2009 allen Prognosen zufolge erstmals seit dem Ende des zweiten Weltkrieges ein negatives Wachstum ausweisen. Sowohl aktuelle Prognosen als auch verschiedene Umfragen deuten auf einen tiefen Abschwung im ersten Halbjahr 2009 hin. 2010 wird sich die Lage stabilisieren, die Kontraktion der Wirtschaftsleistung sollte zu einem Ende kommen. Die Wiederherstellung von Stabilität im Bankensektor ist eine notwendige Voraussetzung um das realwirtschaftliche Wachstum wieder anzukurbeln. Die Geldpolitik des Eurosystems mit ihrer raschen Bereitstellung von umfangreicher Liquidität sowie die deutliche Senkung der Leitzinsen dienen diesem Ziel. Der europäische Wirtschaftstraum ist eng mit seinen Banken verknüpft, und die Wiederherstellung von Vertrauen in dieses System ist eines der vorrangigen Ziele in naher Zukunft.

 

Um jedoch auf das eingangs genannte Zitat von Eichengreen zurückzukehren: Die Krise hat auch bewiesen, dass die internationale Gemeinschaft und die ihr zur Seite stehenden Institutionen wie der Internationalen Währungsfonds oder die Weltbank, rasch auf die Krise reagieren konnten. Es gibt aus diesem Grunde mittlerweile auch schon wieder erste Anzeichen, welche für eine Vertrauensrückkehr in die Märkte sprechen. Auf den Finanzmärkten, die Auslöser für die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise waren, hat sich die Stimmung deutlich aufgehellt. Die Risikobereitschaft der Anleger stieg an, die Aktienkurse zogen deutlich an, die Risikoaufschläge auf dem Geld- und Kreditmarkt verengten sich und die Unsicherheit auf den Märkten, gemessen an der Volatilität, ging zurück. Der Abschwung hat sich zwar noch nicht umgekehrt, doch gibt es die durchaus berechtigte Hoffnung, dass zumindest die Finanzmärkte das Schlimmste hinter sich haben.

 

2. Auswirkungen auf den heimische Bankensektor

 

Lassen sie mich nun kurz über das Jahr 2008 und die Performance des österreichischen Bankensektors sprechen:

 

2008 konnten die heimischen Banken trotz der fundamentalen Verwerfungen auf den Finanzmärkten zwar insgesamt positiv abschließen, dennoch habendie Zuspitzung der Finanzmarktturbulenzen im Herbst 2008 und die damit einhergehende rapide realwirtschaftliche Eintrübung die Ertragssituation der Banken deutlich beeinträchtigt. Die makroökonomische Verschlechterung hat sich auch bereits in steigenden Kreditwertberichtigungen niederzuschlagen begonnen und übt spürbaren Druck auf die Profitabilität aus.

 

Im Jahr 2008 stieg die konsolidierte Bilanzsumme, die neben dem Inlandsgeschäft zusätzlich insbesondere das Geschäft der österreichischen Tochterbanken in Zentral-, Ost- und Südosteuropa enthält, trotz der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten nochmals kräftig um 102,4 Mrd EUR bzw. 9,5% auf 1.176 Mrd EUR. Eine Analyse des Bilanzsummenwachstums der vollkonsolidierten Tochterbanken in Zentral-, Ost- und Südosteuropa zeigt jedoch, dass der im Gesamtjahr 2008 weiterhin verfolgte Expansionskurs (+15,4%) zu über 80 Prozent dem ersten Halbjahr 2008 zuzuschreiben ist. Wie die nach Regionen aufgeschlüsselte Berichterstattung jedoch zeigt, ist der Anteil der Aktiva von österreichischen Banken in CESEE mit knapp 31% besonders hoch. Ebenso stammen die Profite der heimischen Banken zu einem wesentlichen Teil aus der Geschäftstätigkeit in dieser Region. Erwähnenswert ist auch, dass die österreichischen Tochterbanken ihre bedeutende Rolle in der Region auch im zweiten Halbjahr 2008 beibehalten konnten. Ihr Anteil am gesamten Bankenmarkt in CESEE ging zwischen Ende 2007 (15,3%) und Ende 2008 (15,1%) nur unwesentlich zurück.1)

 

Auch der Aktienbanksektor wies mit einer Steigerung von 22,6 % eine dynamische Bilanzsummenentwicklung aus, wenngleich auch Sondereffekte zum Tragen kamen.

 

Was das Kreditwachstum betrifft, ging die jährliche Wachstumsrate der Ausleihungen an inländische Kunden2) bis Ende März 2009 auf 4,6% zurück, wobei sich EUR-Ausleihungen im Jahresvergleich um 4,2% und Fremdwährungsausleihungen um 6,3% erhöhten.

 

Das Wachstum der Ausleihungen an inländische Kunden von September 2008 bis März 2009 fiel insbesondere bei Aktienbanken unterdurchschnittlich aus. Im quartalsweisen Jahresvergleich zwischen Q1 2008 und Q1 2009 wuchsen die Inlandsforderungen um ca. 3%.

 

Auf der Passivseite kam es unter anderem aufgrund der anhaltenden Unsicherheiten an den Finanzmärkten zu einem weiteren Wachstum bei den Einlagen. So sind seit Beginn der Finanzmarktkrise 40,2 Mrd EUR an inländischen Einlagen von Kunden bis Ende des 1. Quartals neu hinzugekommen. Auf konsolidierter Ebene inkl. Auslandsgeschäft waren es sogar + 60 Mrd EUR an neuen Kundeneinlagen bis Jahresende 2008. Diese Entwicklung, welche auch von der vergebenen Einlagensicherung positiv beeinflusst worden ist, spiegelt auch das hohe Vertrauen der Menschen in die österreichischen Banken wieder.

 

Auf Seiten der Ertragslage gestaltet sich das Bild weniger rosig. Das konsolidierte Betriebsergebnis, ging 2008 um 3,2 Mrd bzw. -29,1% auf 7,9 Mrd EUR zurück. Während die konsolidierten Betriebserträge um 19,7% im Jahresvergleich auf 33,6 Mrd EUR stiegen, erhöhten sich die Betriebsaufwendungen um 51,3% auf 25,8 Mrd EUR Die konsolidierte Aufwand-Ertrag-Relation vor Risiko betrug Ende des vierten Quartals 76,8%.

 

Bemerkenswert ist, dass die Erträge aus dem CESEE Segment die negativen Beiträge aus anderen Geschäftsfeldern kompensierten. So zeigten die OeNB Segmentberichterstattungs-Daten etwa einen konsolidierten Jahresgewinn vor Steuern der österreichischen Großbanken im CESEE Segment von 2,9 Mrd EUR, dem ein Ergebnis aus dem Österreich Segment von -1,2 Mrd EUR und jenem für die restliche Welt von -1,5 Mrd EUR gegenübersteht.

 

Das Periodenergebnis nach Steuern und Fremdanteilen ging um 91,4% auf 0,6 Mrd EUR zurück. Insgesamt war der österreichische Bankensektor somit in der Lage die 2008 aufgelaufenen Belastungen zu verkraften.Im Bereich der Aktienbanken fiel das Betriebsergebnis Jahresvergleich Ende 2008 schlechter aus und musste eine Verringerung des Betriebsergebnisses um 17,5% hinnehmen.

 

3. Das erste Quartal 2009 und ein vorsichtiger Ausblick

 

Für das Gesamtjahr 2009 sind die Banken vorsichtig optimistisch. Dies ist nicht zuletzt auf ein gutes erstes Quartal mit einem Plus von 17,7% (gegenüber dem 1. Quartal 2008) und damit ein auf 1,67 Mrd EUR gestiegenem Betriebsergebnis zurückzuführen, welches in erster Linie auf einer Erhöhung des Nettozinsertrages und einem positiven Handelsergebnis beruhte.

 

Aufgrund ihrer breiten Einlagenbasis konnten die Banken ihren unkonsolidierten Nettozinsertrag im ersten Quartal 2009 um rund 13,77% auf 2,2 Mrd EUR steigern. Dies ist positiv zu werten, da diese Ertragsquelle als relativ stabil gilt. Es muss jedoch erneut darauf hingewiesen werden, dassdie Entwicklung auf den internationalen Finanzmärkten natürlich auch im österreichischen Bankensystem deutliche Spuren hinterließ. Die ehemals von sehr niedrigen Wertberichtigungen geprägten Geschäftsbedingungen gehören der Vergangenheit an. Die bisherigen Wertberichtigungen waren beispielsweise auf die Geschäftsfelder im Bereich strukturierter Produkte zurückzuführen. Damit sind die Wertberichtigungen im Kerngeschäft der Banken, also im „klassischen Kreditgeschäft“ sowohl im Inland, als auch CESEE bis ins dritte Quartal 2008 noch nicht bei den heimischen Banken angekommen.

 

Die sich verschlechternden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen begannen sich am Ende des Jahres 2008 in den Kreditrisikovorsorgen der Institute erstmals niederzuschlagen. Die unkonsolidierte Wertberichtigungsquote3)des Bankensystems, welche in der Vergangenheit saisonalen Schwankungen unterworfen war, die speziell gegen Jahresende einen tendenziellen Rückgang der Wertberichtigungsquote zeigten, ist im vierten Quartal 2008 um 0,04 Prozentpunkte auf 2,25% gestiegen. Da die Quote zu Beginn des Jahres 2008 noch deutlich rückläufig gewesen war, ergibt sich für das gesamte Jahr 2008 immer noch ein Rückgang von 0,15 Prozentpunkten. Die ansteigende Tendenz der unkonsolidierten Wertberichtigungsquote hat sich im ersten Quartal 2009 bestätigt.

 

Damit dürfte aber die Spitze dieser Entwicklung noch nicht erreicht sein, da aufgrund der rapiden gesamtwirtschaftlichen Eintrübung im dritten und vierten Quartal 2008 sich die Kreditqualität sowohl im Inland als auch in CESEE, wenn auch mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung, verschlechtern und in der Folge die Wertberichtigungen deutlich erhöhen.

 

Auch wenn das österreichische Bankensystem 2008 nach wie vor einen Gewinn auswies, darf nicht darüber hinweggesehen werden, dass sich die sich die Profitabilitätssituation der Banken 2008 beträchtlich verschlechterte. Der konsolidierte Return on Assets nach Steuern sank 2008 auf 0,09%. Eines, meine sehr geehrten Damen und Herren, bleibt damit unvermeidlich: Vor dem Hintergrund ausstehender Belastungen stehen die österreichischen Banken weiterhin vor einer großen Herausforderung.

 

Wie ich bereits ausgeführt habe, werden die ansteigenden Risikovorsorgekosten zu einem erhöhten Druck auf die Eigenmittelausstattung der Banken führen.Extremszenarien sind jedoch durch den raschen Einsatz des österreichischen Bankenpaketes deutlich weniger wahrscheinlich geworden. Es war nicht zuletzt die rasche und umfangreiche Umsetzung des Bankenpaketes, welche das Vertrauen in den heimischen Bankensektor erhielt und bestärkte. Mit einem Umfang von circa 30% des BIP wurde vorausschauend und der Situation angemessen reagiert.

 

Die aktuelle Eigenmittelquote der heimischen Banken lag im ersten Quartal 2009 bei 11,2%.  Würde man den vollen Umfang an Eigenkapitalmaßnahmen des Bankenpaketes hinzurechnen, so hätte dies im ersten Quartal 2009 die Eigenmittelquote auf nahezu 13% angehoben.

 

Ein Blick auf die für Österreich bedeutungsvolle Region im Osten zeigt, dass die Osttöchter über Eigenmittelüberschüsse (der gewichtete Mittelwert der Eigenmittelquoten Ende 2008 lag bei 11,7%) verfügen, die zur Abdeckung etwaiger Risikovorsorgen herangezogen werden. Nichtsdestotrotz wird aber die Rekapitalisierung von einzelnen Tochterbanken notwendig werden, wie im Fall ukrainischer Tochterbanken bereits geschehen.

 

Positiv zu erwähnen bleibt jedoch auch, dass mit Hinblick auf den unzweifelhaft eingetrübten Ausblicks auf die zukünftige Gewinnentwicklung sich die österreichischen Banken im Internationalen Vergleich bisher durchaus bewähren konnten. Das konservative Geschäftsmodell der österreichischen Institute und die Schwerpunksetzung auf das Retailbanking sind eine zukunftsfähige Strategie.

 

5. Internationale Maßnahmen

 

Die negativen Auswirkungen der Krise auf die Liquiditätssituation und die Geschäftsentwicklung der Banken konnten durch Maßnahmenpakete von Notenbanken, Regierungen, IWF, EU-Kommission und der Weltbank gemildert werden. Auch in Österreich habendie geld- und liquiditätspolitischen Maßnahmen der EZB sowie das Maßnahmenpaket der Regierung zu einem gewissen „Auftauen“ der Geldmärkte beigetragen.

 

Mit dem stärkeren Übergreifen der Finanzkrise auf die Märkte in Osteuropa hat auch die Internationale Gemeinschaft verstärkt damit begonnen, sich in CESEE zu engagieren. So plant die EBRD in den kommenden Jahren rund 25 Mrd. EUR in Osteuropa zu investieren, aber auch der Internationale Währungsfonds und die Weltbank verstärken ihre Bemühungen zur Stabilität in der Region beizutragen.

 

Als besondere Maßnahme sei noch erwähnt, dass ab dem 8. Juli 2009 auch die Europäische Investitionsbank an den geldpolitischen Operationen des Eurosystems teilnehmen kann. Diese Zulassung der EIB bei Refinanzierungsgeschäften sollte die Kreditvergabe in Osteuropa weiter stärken, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass auch die EBRD sich entschlossen hat den Bankensektor direkt zu unterstützen. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass Europa versucht mit vereinten Kräften den Bankensektor soweit zu stabilisieren, dass die Voraussetzungen für ein neuerliches realwirtschaftliches Wachstum schnellstens möglich gewährleistet sind.

 

6. Reformen im Bereich der Banken- und Finanzmarktaufsicht

 

Um noch einmal auf mein einleitendes Zitat zurückzukommen: Eine der wohl wesentlichsten Lehren aus der aktuellen Krise ist die Notwendigkeit neue und bessere Methoden der Finanzmarktaufsicht zu entwickeln. Eine Stärkung des bestehenden Aufsichtsregimes muss sowohl auf nationaler wie auch internationaler Ebene erfolgen.

 

Eine hochrangige Expertengruppe um den ehemaligen Vorsitzenden des Internationalen Währungsfonds, Jaques de Larosière, hat mit Ende Februar 2009 ein Bericht veröffentlicht, welcher eine mögliche europäische Finanzmarktaufsicht skizziert. Der Bericht identifiziert als eine zentrale Lehre aus der gegenwärtigen Finanzkrise die Notwendigkeit einer effektiven makro-prudenziellen Aufsicht in der EU, um systemische Risiken frühzeitig zu erkennen. Zu diesem Zweck wird die Einrichtung eines European Systemic Risk Board (ESRB) vorgeschlagen, der unter dem Vorsitz des EZB-Präsidenten stehen und Risikowarnungen aussprechen soll.

  

Für die mikro-prudenzielle Aufsicht sollen die drei europäischen Aufsichtsausschüsse für den Banken-, Versicherungs- und Wertpapierbereich in EU-Aufsichtsbehörden umgewandelt und ein dezentrales europäisches System der Finanzaufsicht für grenzüberschreitend tätige Finanzinstitutsgruppen errichtet werden. Die Aufwertung der Rolle des ESZB im makro-prudenziellen Bereich entspricht der ökonomischen Realität. Ebenso ist die „Europäisierung“ der Aufsicht in einem integrierten Binnenmarkt für Finanzdienstleistungen angemessen. Grundsätzlich sind die de Larosière-Vorschläge daher eine gute Diskussionsgrundlage.

 

Aus österreichischer Sicht sollte als Reformziel ein dezentrales und subsidiär organisiertes Europäisches Aufsichtssystem (analog dem ESZB) geschaffen werden, bei dem eine integrierte Europäische Behörde für die Aufsicht der grenzüberschreitend tätigen großen Finanzinstitute und Finanzinstitutsgruppen aller Finanzmarktsektoren zuständig ist.

 

Für die Realisierung der vorgesehenen institutionellen Änderungen stellt zunächst die weitere Harmonisierung des europäischen Rechtsrahmens eine zentrale Voraussetzung dar.

 

Abgesehen von den Internationalen Entwicklungen hat sich auch die österreichische Bankenaufsicht in der jüngeren Vergangenheit viele effektive Reformschritte gesetzt.. Die mit der Neugestaltung der Bankenaufsicht geschaffenen Strukturen haben sich sehr gut bewährt. Jede der beiden Institutionen kann sich nunmehr auf jene Aufgaben konzentrieren, bei denen sie ihre Kernkompetenz hat – die FMA auf die behördliche Tätigkeit und die OeNB auf die wirtschaftliche und makroprudenzielle Analyse und Prüfung. Insbesondere ist es auch zu einer engeren Verschränkung von Einzelinstituts und Systemaufsicht gekommen, wie etwa im Hinblick auf die Entwicklungen in Zentral-, Ost- und Südosteuropa.

 

Für die Zukunft wird es erforderlich sein, die neuen Aufsichtsansätze konsequent zu implementieren. So soll insbesondere der Dialog mit den Banken intensiviert werden, um der Notwendigkeit von zeitgerechter Information gerade in Krisenzeiten gerecht zu werden.

 

7. Ausblick

 

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat in den zurückliegenden Monaten auch die Arbeiten in der OeNB als wichtigen finanz- und wirtschaftspolitischen Akteur erheblich geprägt. Praktisch alle Geschäftsfelder waren in die Vorbereitung und Umsetzung der geldpolitischen Maßnahmen zur Bewältigung der Krise eingebunden. Diese Entwicklung zeigte jedoch nicht nur die entscheidende Rolle der Zentralbanken in Krisensituationen, sondern vor allem die Notwendigkeit einer gemeinsamen Koordinierung und laufender Kommunikation zwischen allen Marktteilnehmern. Die OeNB wird somit nicht nur weiterhin über die Gewährleistung der Preisstabilität wachen, sondern auch verstärkt aktiv bei der Reform der europäischen Aufsichtsstrukturen mitwirken.


 

 



1) (bei Ausklammerung Russlands gab es einen Rückgang von 22,7% auf 21,9%).

2) Der Begriff „inländische Kunden“ umfasst hier die volkswirtschaftlichen Sektoren Nichtfinanzielle Unternehmen und private Haushalte.

3) Einzelwertberichtigungen auf Forderungen gegenüber Nichtbanken im Verhältnis zu den gesamten Forderungen in Form von Krediten und festverzinslichen, nicht börsegehandelten Wertpapieren.