Reden und Präsentationen


Ausstellungseröffnung: Euro im Entwurf

Dr. Klaus Liebscher, Gouverneur
14. 9. 2004

Es gilt das gesprochene Wort.


Sehr geehrte Damen und Herren! 

Ich freue mich sehr, Sie zu unserer Ausstellungseröffnung „Der Euro im Entwurf“ begrüßen zu dürfen.

Für rund 300 Mio. Menschen aus 12 Ländern Europas sind die EURO-Banknoten heute zum täglichen Zahlungsmittel geworden: Mit Ende Juni 2004 kursieren (gemäß einer Aussendung der EZB) weltweit ca. 9 Milliarden Euro-Banknoten mit einem Gesamtwert von ca. 450 Milliarden Euro. Besonders bemerkenswert ist, dass hiervon rund 10-12 Prozent der gesamten Euro-Banknoten außerhalb des Euro-Währungsraumes gehalten werden 1).

Die Geschichte des Euro ist – ich darf das vorausschicken – zur „Erfolgsstory“ geworden. Die hohe Akzeptanz der Euro-Banknoten steht jedenfalls außer Zweifel und ist auch durch mehrere Studien belegt: Einer Umfrage der EZB zu Folge, die kurz nach der Euroeinführung 2002 durchgeführt wurde, finden mehr als 2/3 der Befragten die Euro-Banknoten attraktiv; auch eine Studie der Europäischen Kommission im November 2002 ergibt, dass 90% der Befragten die neuen Banknoten als attraktiv empfinden, sie leicht zu unterscheiden und handzuhaben sind. Eine IFES-Studie 2003/2004 belegt, dass auch 2/3 der österreichischen Bevölkerung das äußere Erscheinungsbild der Banknotenserie als (sehr) gelungen empfindet.

Modernste Sicherheitstechnik und hohe Gestaltungsqualität kennzeichnen die heutigen EURO-Banknoten. Aber das Design, an das wir uns mittlerweile schon so gewöhnt haben, hat eine längere Geschichte: 

Der erste Schritt wurde bereits im November 1994 mit der Festlegung der Banknotenstückelungen in sieben Nominalen gesetzt. Mit der Auswahl zweier Themen für die Gestaltung der neuen Banknoten im Juni 1995 und der Festlegung der Bezeichnung der neuen Währung „Euro“ waren die wichtigsten Grundlagen für die Gestaltung durch das Europäische Währungsinstitut, dem Vorläufer der heutigen EZB geschaffen worden. Eine Gruppe von Experten arbeitete im Frühjahr 1996 die Gestaltungsvorgaben und Richtlinien für den Wettbewerb aus. Insgesamt hatten 29 Designer bzw. Designteams, die von 14 Zentralbanken aus der Europäischen Union nominiert wurden, 44 Entwürfe für den EURO-Banknoten-Wettbewerb, welcher von Februar bis September 1996 stattfand, eingereicht. 

Die Auswahl des richtigen Designs für die künftigen Euro-Banknoten war nicht leicht – neben den produktions- und sicherheitstechnischen Vorgaben musste der Entwurf auch attraktiv und identitätsstiftend für alle Bürgerinnen und Bürger der Euro-Mitgliedsländer sein. Aus diesem Grund wurde eine hochkarätige Jury bestellt, der auch unser Festredner Prof. Sotamaa, Rektor der Universität für Design und Kunst in Helsinki, angehörte. 

Das Ergebnis des Euro-Wettbewerbes, welches am 13.Dezember 1996 zum ersten Mal der Welt präsentiert wurde, kennt mittlerweile jeder: 

Der Entwurf stammt von RobertKalina, dem Banknoten-Designer der Oesterreichischen Nationalbank – der Euro ist also „Made in Austria“. Man kann sagen, dass mit dem Euro-Bargeld die gute österreichische Tradition einer sehr hohen Banknotensicherheit einerseits und einer hervorragenden künstlerischen Ausgestaltung andererseits auch im europäischen Raum nahtlos fortgesetzt wurde. Robert Kalina thematisierte auf den Banknoten die Baustile europäischer Kulturepochen mit Fenstern und Toren auf der Vorderseite als Symbol für den europäischen Geist der Verbundenheit sowie Brücken auf der Rückseite, welche die enge Zusammenarbeit zwischen den EURO-Ländern darstellen.

Durch die gemeinsame Währung und das Euro-Bargeld ist es gelungen, ein im Alltag stets präsentes Zeichen für unsere europäische Identität zu schaffen. Wim Duisenberg brachte es auf den Punkt: „Endlich, nach mehr als 50 Jahren gemeinsamer Anstrengungen in der Europäischen Union, machen die Euro-Banknoten die europäische Integration für alle europäischen Bürger greifbar“.  

Banknoten sind seit jeher wichtige Träger der Identität einer Gesellschaft. Gerade in diesem Kontext ist darauf hinzuweisen, dass Banknoten eines der meist verbreiteten Produkte der Gebrauchsgrafik darstellen. Wenn ich eingangs festgehalten habe, dass derzeit rund neun Milliarden Euro-Banknoten im Umlauf sind, wurden natürlich wesentlich mehr gedruckt, nämlich ca. 14,5 Milliarden Stück. Und wir können mit Recht darauf stolz sein, dass hiervon rund 550 Millionen Stück in Österreich gedruckt wurden. Die Banknote kann damit auch als Massenkunstprodukt im Spannungsfeld zwischen den notwendigen Vorgaben sowie Erfordernissen und der freien künstlerischen Gestaltung gesehen werden. 

Diese Feststellung unterstreicht, dass der Euro weit mehr als ein Zahlungsmittel ist: Er macht Europa für seine Bevölkerung direkt und unmittelbar fühl- und fassbar. Jede Euro-Banknote symbolisiert Europa. Der Euro ist zum Symbol für ein weltoffenes, modernes und fortschrittliches Europa geworden.

Angesichts der Euro-Bargeldeinführung Anfang 2002 ist die Sensibilität für Fragen des Geldes besonders hoch gewesen. Die Einführung des Euro stellte währungspolitisch eine neue Phase dar, welche die Bevölkerung weltweit mit großem Interesse verfolgte. Die OeNB hat diesen Wandel – gemeinsam mit den anderen Partnern im Eurosystem der Zentralbanken – über Jahre vorbereitet. Sie sieht es als ihre Aufgabe, nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Zukunft Kontinuität und Sicherheit zu gewährleisten. 

Mit 1. Mai 2004 öffnete sich die Europäische Union für zehn weitere Mitgliedstaaten. Damit wurde der Wirtschaftsraum auf rund 450 Millionen Menschen ausgedehnt. Frieden, Wohlstand und Stabilität können nur durch ein gemeinsames Miteinander und eine gemeinsame europäische Währung nachhaltig gesichert werden. Auf dem Weg zum Euro werden wir die neuen EU-Länder und ihre Nationalbanken mit unseren Erfahrungen bestmöglich unterstützen.

Eröffnung der Ausstellung

Nach sieben Jahren wurden die Entwürfe seitens der EZB nun für die Öffentlichkeit freigegeben – sehen Sie sich die Alternativen an, wie unsere Euro-Banknoten hätten aussehen können! 

Die vorgeschlagenen Sujets reichen vom Einhorn und Walflosse über mathematische Formeln und das ABC bis hin zu Shakespeare und Goethe. Heute, zweieinhalb Jahre nach der Euro-Bargeldeinführung können Sie sich die Geschichte von der Geburt des Euros und die Alternativen anschauen! 

Bevor ich aber diese Ausstellung eröffne, möchte ich noch kurz auf eine andere Ausstellung – nämlich  „Geld in Österreich – von der Antike bis zur Gegenwart“ - im Tresor unseres Geldmuseums hinweisen, in der ein kurzer Überblick über 2.500 Jahre Geldwesen gegeben wird. Dabei werden die wichtigsten Schritte vom ersten Münzgeld, welches im 7. Jh.v.Chr. in der griechischen Welt entstand, über die Einführung des Papiergeldes unter Maria-Theresia bis zur heutigen Währung unter besonderer Berücksichtigung der Geldgeschichte in Österreich gezeigt. 

1) Reuters-Meldung vom 12.08.2004.