Es gilt das gesprochene Wort.
Reden und Präsentationen
Präsentation des Schulprojektes „Selbstverständlich Europa!“
Rede von Herrn Gouverneur Dr. Liebscher anlässlich der Pressekonferenz mit BM Gehrer
Dr. Klaus Liebscher, Gouverneur
Oesterreichische Nationalbank, Wien, 9. 5. 2005
Sehr geehrte Frau Bundesminister Gehrer,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Schülerinnen und Schüler der Handelsakademie Baden!
Ich begrüße Sie sehr herzlich zur Präsentation des Schulprojektes „Selbstverständlich Europa!“. Dieses Projekt realisierten das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und die Europäische Akademie Wien mit Unterstützung der OeNB. Dabei haben Schulen unterschiedliche Aktionstage anlässlich der 10-jährigen Mitgliedschaft Österreichs in der EU gestaltet. Diese Aktionstage starten heute, am 9. Mai 2005, den wir seit Jahren als Europatag begehen, und es ist mir daher eine besondere Freude, diesen Tag hier und heute mit Ihnen feiern zu können.
Besonders freue ich mich, die Schülerinnen und Schüler der Handelsakademie Baden hier bei uns willkommen zu heißen. Sie haben aktiv zur Verwirklichung dieses Projektes beigetragen und in diesem Rahmen eine Podiumsdiskussion mit der Sparkasse Baden organisiert, die in den nächsten Tagen stattfinden wird.
Vor über 10 Jahren, nämlich am 1. Jänner 1995, wurde Österreich Mitglied der Europäischen Union. Diese Mitgliedschaft brachte Österreich eine Reihe positiver wirtschaftlicher Entwicklungen. Bei der Europäischen Union geht es aber nicht nur um Märkte, Handel, Gewinne und Verluste, sondern um das bei weitem wichtigste und erfolgreichste Friedensprojekt, das Europa je erlebt hat.
Auch für die OeNB stellte der Beitritt zur EU einen wesentlichen Schritt dar: Der Schilling – und somit auch die OeNB – wurden Teil des Europäischen Währungssystems und dessen Wechselkursmechanismus.
Mit der Erfüllung der Eintrittskriterien für die dritte Stufe der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion wurde Österreich schließlich Gründungsmitglied der Währungsunion, welche am 1. 1. 1999 begann. Für die OeNB bedeutete das, dass sie Mitglied des Europäischen Systems der Zentralbanken und des Eurosystems wurde. Seither gestaltet sie die europäische Geld- und Währungspolitik aktiv mit. Der Übergang vom Schilling zum Euro verlief dabei völlig problemlos. Das Eurosystem ist zur Wahrung der Preisstabilität verpflichtet, wie das in Österreich auch schon in den Schilling-Zeiten der Fall war. So wurde stabiles österreichisches Geld durch stabiles europäisches Geld ersetzt. Mittlerweile hat sich der Euro in schwierigen Zeiten bewährt, ist zur zweitwichtigsten Weltwährung neben dem US-Dollar aufgestiegen und spielt eine wichtige Rolle als Katalysator in der weiteren europäischen Integration.
Durch die Mitgliedschaft im Europäischen System der Zentralbanken haben die Aufgaben der OeNB eine starke europäische Ausrichtung erhalten. Die OeNB ist nun durch ihren Gouverneur mit Sitz und Stimme im EZB-Rat vertreten. Dadurch gestaltet sie die Geld- und Währungspolitik für über 300 Millionen Europäer mit. Die OeNB bringt damit ihre Expertise in vielen internationalen Komitees und Arbeitsgruppen für Europa ein und andererseits Europa den Österreicherinnen und Österreichern näher.
Ein wichtiger Teil der stabilitätsorientierten Währungspolitik ist aber auch, den Wirtschaftssubjekten die passenden Signale zu geben. Daher ist die Information der Bevölkerung eine wichtige Ergänzung zu den geldpolitischen Maßnahmen des Eurosystems. Die gemeinsame Geldpolitik kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie von der Bevölkerung verstanden und akzeptiert wird.
Unser Bildungsauftrag im Bereich der Geld- und der Wirtschaftspolitik ist somit ein Teil des Dienstes der Notenbank an der Allgemeinheit. Die OeNB vermittelt authentische Information und kann durch ihre Nähe zur Bevölkerung, besonders zur Jugend, Vertrauen herstellen. Damit leistet die Oesterreichische Nationalbank auch einen wichtigen Beitrag zu einer Hebung ihrer Berufschancen.
Bildungsaktivitäten im Schulbereich stellen dabei seit Jahren einen Schwerpunkt der Öffentlichkeitsarbeit der OeNB dar. Kinder sind unsere Zukunft, und für unsere Jugend, für Sie, liebe Schülerinnen und Schüler, die Sie das Glück haben, bereits in einem vereinten friedlichen Europa aufzuwachsen, ist der Euro eine Selbstverständlichkeit.
Unsere Bildungsinitiative für die Jugend äußert sich in wiederholten Kooperationen mit dem Bildungsministerium. Kernstück ist dabei unser Unterrichtspaket zum Thema "Geld & Währung", das die OeNB zusammen mit dem Bildungsministerium und einem Pädagogenteam für Schüler ab der 10. Schulstufe entwickelt hat. So durfte ich auch vor rund einem Jahr, im April 2004, Frau Bundesminister Gehrer in unserem Haus begrüßen. Damals präsentierten wir im Rahmen einer Pressekonferenz die bereits 4. Auflage des Unterrichtspaketes und versandten sie an über 2000 Schulen.
Auch an dem vom Bildungsministerium initiierten Schülerwettbewerb „Was Europa bewegt“ zum Thema „EU-Erweiterung“ wirkte die OeNB mit.
Weiters unterstützt die OeNB die Realisierung eines EU-Schulbuches und beteiligt sich am Schulprojekt der EZB zum Thema „Why Price Stability?“.
Im Rahmen einer Wanderausstellung speziell für Schulen wurden im Vorjahr in Kooperation mit dem Österreichischen Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum in 249 Vorträgen rund 6.000 Schüler und Lehrer in ganz Österreich über wirtschafts- und währungspolitische Zusammenhänge informiert.
Diese Informationsschiene ergänzt das ganzjährige Schulservice in der OeNB, welches einen einstündigen Vortrag und eine Führung durch unser Geldmuseum beinhaltet und letztes Jahr von 79 Schulgruppen in Anspruch genommen wurde, wodurch wir rund 2.600 Schüler erreichen konnten.
Weiters wendet sich die OeNB in Kooperation mit der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Österreich auch an die Zielgruppe der Lehrer: Jährlich werden in Fortbildungsveranstaltungen zum Thema Wirtschafts- und Währungspolitik rund 300 Pädagogen zu Kernthemen der Bank geschult.
Aber auch die jüngsten Schüler sind uns ein Anliegen. Im Jahr 2001 wirkte die OeNB am Preisausschreiben der EZB für Volksschulen mit dem Titel „So wirst du ein Eurosuperstar“ mit.
Letztes Jahr organisierte die OeNB zusammen mit der ORF-Sendung „Confetti TiVi“ den Wettbewerb „Unser Euro. Gestalte Deine Banknote“. Dabei waren Kinder von 8 bis 12 Jahren eingeladen, ihre eigene Euro-Banknote zu entwerfen. Aus den besten Einreichungen wurden im Jänner 2005 drei Sieger gekürt, welche je ein Wochenende im Eurodisneyland in Paris gewannen.
Seit dem Jahr 2004 beteiligt sich die OeNB auch am Wiener Ferienspiel, in dessen Rahmen 4- bis 11jährige Schüler unser Geldmuseum besuchen und sich dort an Schatzsuchen und ähnlich spannenden Aufgaben beteiligen.
Und sogar Kindergartengruppen kommen mit großer Begeisterung in unser Geldmuseum und erleben dort anschaulich, mit welchem Geld schon die Ritter ihr Essen bezahlten.
Weiters möchte ich auch erwähnen, dass immer mehr Lehrer und Schüler unsere telefonische Hotline (404 20-6666) und auch unsere Homepage www.oenb.at für Informationszwecke in Anspruch nehmen.
Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Frau Bundesminister, liebe Schülerinnen und Schüler!
Abschließend möchte ich einmal mehr die große Bedeutung des Frieden- und Wohlfahrt stiftenden Elements der europäischen Integration hervorheben. Durch das Zusammenwachsen Europas wird das Gemeinsame vor das Trennende gestellt. Diese Botschaft darf ich nicht nur Ihnen bzw. den anwesenden Schülerinnen und Schülern mitgeben, sondern allen Österreicherinnen und Österreichern.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Verleger, Herausgeber und Hersteller:
Oesterreichische Nationalbank
Sekretariat des Direktoriums / Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Günther Thonabauer
Tel.: (+43-1) 404 20-6666
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