Reden und Präsentationen


Rede bei der Pressekonferenz anlässlich der Generalversammlung der OeNB am 24. Mai 2005

Dr. Klaus Liebscher, Gouverneur
Oesterreichische Nationalbank, Wien, 24. 5. 2005

Es gilt das gesprochene Wort.


Sehr geehrte Damen und Herren! 

Ich darf Sie herzlich zur diesjährigen Pressekonferenz anlässlich der Generalversammlung der OeNB begrüßen. Der der Generalversammlung vorgelegte Geschäftsbericht 2004 der OeNB, der die wichtigsten notenbankrelevanten Entwicklungen und den Jahresabschluss der OeNB darstellt, liegt Ihnen vor und kann auch – sowohl in seiner deutschen als auch englischen Fassung – auf unserer Homepage (www.oenb.at) abgerufen werden. 

Ich möchte mich daher nur beim Geschäftsergebnis und den wesentlichen Aktivitäten der OeNB mit dem abgelaufenen Jahr befassen und mich danach einer kurzen Einschätzung der aktuellen Wirtschaftslage und der aus meiner Sicht wichtigsten aktuellen wirtschaftspolitischen Themen widmen. Im Anschluss daran werden meine Direktoriumskollegen und ich Ihnen gerne für Fragen zur Verfügung stehen.


Anhaltend schwierige Rahmenbedingungen für die Zentralbanken des Eurosystems – OeNB behauptet sich gut

Bevor ich auf den Jahresabschluss 2004 im Detail eingehe, darf ich einige allgemeine Bemerkungen hiezu voranstellen.

Das historisch niedrige Zinsniveau und der fortgesetzte Wertgewinn des Euro gegenüber dem US-Dollar stellten schwierige Rahmenbedingungen für die Geschäftstätigkeit der Zentralbanken des Eurosystems dar (siehe Grafik 1). So mussten eine Reihe nationaler Zentralbanken – wie auch die EZB – erneut Ertragseinbrüche hinnehmen und ihre Verluste über Reserven abdecken.

Die OeNB weist für das Geschäftsjahr 2004 dennoch wieder ein deutlich positives geschäftliches Ergebnis von 451 Mio EUR vor Steuern aus (siehe Grafik 2). 

Die Ergebnisverschlechterung um etwas mehr als ein Drittel gegenüber dem Vorjahr ist im Wesentlichen auf den engeren Spielraum zur Realisierung von Gold- und Fremdwährungs­verkäufen sowie von Kursgewinnen und weiters auf die niedrigeren Zinserträge aufgrund des geringeren Veranlagungspotenzials zurückzuführen. Darüber hinaus haben auch die Beteiligungsergebnisse abgenommen und auch die Förderung der Nationalstiftung für For­schung, Technologie und Entwicklung reduzierte den Ertrag.

In längerfristiger Betrachtung liegt das Geschäftsergebnis aber im Durchschnitt. Dabei ist hervorzuheben, dass die Rekordgewinne in den Jahren nach Gründung der Währungsunion vor allem durch die frühzeitige Reduzierung des Fremd­währungsbestandes erreicht werden konnten.


Jahresabschluss 2004 

Bei der Darstellung des Jahresabschlusses möchte ich mich auf die wichtigsten Änderungen in der Bilanz bzw. der Gewinn- und Verlustrechnung beschränken. Detaillierte Ausführungen dazu sind im Geschäftsbericht enthalten.

Die Bilanzsumme betrug zum Jahresultimo 2004 35,6 Mrd EUR (2003: 29,3 Mrd EUR).

Die Erhöhung der Bilanzsumme um 6,3 Mrd EUR (+21,6%) gegenüber dem Vorjahr war aktivseitig insbesondere auf die Inanspruchnahme des geldpolitischen Instrumentariums (konkret: „Forderungen in Euro aus geldpolitischen Operationen an Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet“; + 6 Mrd EUR) und passivseitig auf die damit in Zusammenhang stehende Erhöhung der Intra-Eurosystem-Verbindlichkeiten (insbesondere „TARGET“; + 6 Mrd EUR) zurückzuführen.

Im Rahmen der Aktiva umfasst der Goldbestand 307 Tonnen mit einem Marktwert von etwa 3,2 Mrd EUR. Die OeNB hat im Geschäftsjahr 2004 10 Tonnen Gold verkauft und Kursgewinne realisiert. In längerer Sicht hat die Bank seit Beginn der Neunzigerjahre ihren Goldbestand mehr als halbiert (siehe Grafik 3). Darüber hinaus wurde – auch im Vergleich zu anderen nationalen Zentralbanken – schon früh damit begonnen, die Goldreserven ertragbringend zu nutzen. Der Gold­bestand der OeNB wird zu 72% in Termineinlagen ertragbringend angelegt.

Mit Wirkung vom 1. Jänner 2004 wurde erstmals seit Gründung des ESZB die in der ESZB-Satzung im 5-Jahresintervall vorgesehene Neuberechnung der EZB-Kapitalanteile vorgenommen. Darüber hinaus wurden die Kapitalanteile im Rahmen der EU-Erweiterung am 1. Mai 2004 erneut angepasst. Die Anteile der OeNB am gezeichneten EZB-Kapital verringerten sich damit insgesamt von etwa 2,36% auf 2,08% (bzw. von 118 Mio EUR auf 116 Mio EUR).

Die gesamten Rücklagen der OeNB – inklusive Jubiläumsfonds und ERP-Sondervermögen – sind gegenüber dem Vorjahr von 4,2 Mrd EUR auf 4,1 Mrd EUR zurückgegangen (siehe Grafik 4).

 
Gewinn- und Verlustrechnung: Kosteneinsparungen federn Ertragseinbußen teilweise ab

Ich komme nun zur Gewinn- und Verlustrechnung (siehe Grafik 5).

Die Nettoerträge sind mit 662 Mio EUR um 29% niedriger als im Vorjahr. Das Nettozinsergebnis hat um 18 Mio EUR oder 4% auf 449 Mio EUR abgenommen (siehe Grafik 6). Infolge der widmungsgemäßen Verwendung von Reserven zum Jahresabschluss 2003 haben die Eigenmittel der Bank deutlich abgenommen, und damit war ein geringeres Veranlagungspotenzial verfügbar.

Trotz der schwierigen Marktbedingungen konnte ein Nettoergebnis aus realisierten Kursgewinnen aus Gold-, Fremdwährungs- und Wertpapiertransaktionen von 215 Mio EUR erwirtschaftet werden, wovon etwa 85 Mio EUR auf weitere Goldverkäufe entfielen. Insgesamt ist das gegenüber dem Vorjahr um 38% niedrigere Ergebnis insbesondere vor dem Hintergrund der hohen Fremdwährungsverkäufe der letzten Jahre zu beurteilen. Denn seit dem Beginn der Währungsunion wurden die Fremdwährungsreserven durch aktives Management bewusst mehr als halbiert (siehe Grafik 7). 

Die Erträge aus Beteiligungen haben gegenüber dem Vorjahr um fast 80% auf 21 Mio EUR abgenommen. Das ist vor allem auf den Wegfall der außerordentlich hohen Gewinnausschüttungen der Münze Österreich AG aus der Produktion der Erstausstattung der Euro-Münzen zurückzuführen.

Die Zins- und Wechselkursentwicklung hat im Geschäftsjahr 2004 auch bei der EZB zu einem Verlust geführt. Der nach Auflösung des Allgemeinen Reservefonds der EZB verbleibende Verlustanteil war durch die nationalen Zentralbanken abzudecken. Dementsprechend verzichteten diese auf die Rückverteilung der monetären Einkünfte, wobei auf die OeNB 40 Mio EUR entfielen.

Die Aufwendungen (siehe Grafik 8)   haben gegenüber dem Vorjahr um 8 Mio EUR oder etwa 4% auf 212 Mio EUR abgenommen, wobei 90 Mio EUR auf Sach- und 98 Mio EUR auf Personalaufwendungen entfallen. Damit hat die OeNB die Aufwendungen seit dem Geschäftsjahr 2001 kontinuierlich um mehr als ein Viertel gesenkt. Zu diesem Rückgang haben im Geschäftsjahr 2004 neben den niedrigeren Aufwendungen für die Anschaffung von Euro-Banknoten vor allem Einsparungen bei den Sachaufwendungen beigetragen. 

Die Personalaufwendungen konnten trotz der kollektivvertraglichen Gehaltsanpassungen erneut leicht verringert werden. Im Berichtsjahr beliefen sich die für die Fachbereiche der Bank tätigen Mitarbeiterressourcen im Durchschnitt auf 957 Mitarbeiterkapazitäten – gegenüber 952 im Jahr 2003.

Das geschäftliche Ergebnis beträgt – wie bereits erwähnt – 451 Mio EUR. Die Rendite aus der Eigenveranlagung in Euro und Fremdwährung sowie Gold beläuft sich damit unter Berücksichtigung der realisierten Kursgewinne auf 4,8% (2003: 4,9%).

Der Bund erhält mit 421 Mio EUR 93,4% des Geschäftsergebnisses 2004, wovon 153 Mio EUR auf die Körperschaftsteuer und 268 Mio EUR auf den 90-prozentigen Gewinnanteil nach Steuern entfallen (siehe Grafik 9). Der Gewinnanteil des Bundes liegt zwar um rund ein Drittel unter dem des Vorjahres. Angesichts der nunmehr seit mehreren Jahren anhaltenden schwierigen Rahmenbedingungen ist dieses doch deutlich positive Geschäftsergebnis vor allem vor dem Hintergrund der starken Ertrags­einbußen bzw. der Verluste der EZB und anderer Notenbanken des Eurosystems bemerkenswert.

Insgesamt hat die OeNB in den sechs Jahren seit Beginn der Währungsunion fast 7 Mrd EUR oder jährlich 0,5% des BIP an Gewinnen und Körperschaftsteuer an den Bund abgeführt. Dazu kamen noch rund 430 Mio EUR, die der Forschungsförderung – aus OeNB-Bilanzgewinnen und Nettoveranlagungserträgen der FTE-Nationalstiftung – zur Verfügung gestellt wurden.

Der Bilanzgewinn wird mit 29,8 Mio EUR ausgewiesen. Die heutige General­versammlung hat beschlossen, davon 1,2 Mio EUR für die Ausschüttung der 10-prozentigen Höchstdividende auf das Grundkapital von 12 Mio EUR zu verwenden, dem Jubiläumsfonds zur Förderung der Forschungs- und Lehraufgaben der Wissenschaft 9 Mio EUR und für die Basisfinanzierung der Wirtschaftsforschungsinstitute 3,6 Mio EUR zuzu­weisen sowie – auf der Grundlage des zwischen der OeNB und der Leopold Museum-Privatstiftung im Jahr 1994 geschlossenen För­derungsvertrages – 4,4 Mio EUR als weiteren Beitrag dieser Stiftung zur Verfügung zu stellen. 

Der verbleibende Bilanzgewinn von 11,6 Mio EUR soll der FTE-Nationalstiftung zugewiesen werden, wobei insgesamt ein jährlicher Beitrag der OeNB zu den FTE-Nationalstiftungserträgen in der Höhe von 75 Mio EUR angestrebt wird. Demnach soll neben den Erträgen aus der zweckgewidmeten Rücklage die Auffüllung einerseits durch die Zuweisung aus dem Bilanzgewinn 2004 und andererseits aus dem Aufwand erfolgswirksam für das Geschäftsergebnis 2005 abgedeckt werden.


Notwendiger Realismus bei künftigen Gewinnerwartungen – ausreichend Reserven zur Risikovorsorge sind erforderlich

Die OeNB musste angesichts der schwierigen Rahmen­bedingungen der letzten Jahre zur gesetzlich vorgeschriebenen Abdeckung ihrer Risiken aus Gold, Fremdwährung und Zinsen die Reserven in hohem Maß in Anspruch nehmen (siehe Grafik 10).

Im Hinblick auf zukünftige Geschäftsergebnisse bedeutet das, dass sich durch den Reservenabbau auch das Ertragspotenzial der Bank auf Dauer markant verringert hat (siehe Grafik 11). Zukünftige Gewinnerwartungen müssen sich daher an diesen Entwicklungen orientieren. 

Die Geschäftspolitik der Bank hat daher künftig auch zu berück­sichtigen, dass in guten Geschäftsjahren wieder ausreichend Reserven für Risikovorsorgen aufgebaut werden können. In diesem Zusammenhang ist an die Verpflichtung der Satzung des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) zu erinnern, die nationalen Notenbanken mit ausreichenden Finanzressourcen auszustatten, damit ihre Aufgaben erfüllt und entsprechende Risikovorsorgen gebildet werden können. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubwürdigkeit des Euro­systems.

An dieser Stelle möchte ich auch berichten, dass die Generalversammlung heute die Herren Generaldirektor Dr. Walter Rothensteiner (Wiederwahl) und Direktor Manfred Hofmann (Nachfolge von Herrn Mag. Christian Domany) einstimmig und für eine Funktionsperiode von fünf Jahren zu Mitgliedern des Generalrates der OeNB gewählt hat.

 
Moderater Konjunkturaufschwung mit Abwärtsrisken

Ich möchte nun mit einer kurzen Einschätzung der aktuellen Wirtschaftslage fortsetzen.

Die aktuelle Konjunkturlage ist durch eine Abkühlung des dynamischen Weltwirtschaftswachstums (siehe Grafik 12) und durch Abwärtsrevisionen der Wachstumserwartungen in wichtigen Volkswirtschaften des Euroraums gekennzeichnet. Die letzten verfügbaren Wachstumsprognosen verschiedener Institutionen für den Euroraum (siehe Grafik 13), die von Wachstumsraten um die 1,6% für heuer ausgegangen sind, dürften angesichts der ungünstigeren internationalen Bedingungen (vor allem des anhaltend hohen Ölpreises), aber auch wegen der anhaltenden Kaufzurückhaltung, mit Abwärtsrisken behaftet sein. 

Die Inflation dürfte im Euroraum heuer bei oder knapp über 2% liegen (siehe Grafik 14).  Es ist allerdings wichtig, dass der vor allem durch den anhaltend hohen Ölpreis verursachte „Inflationsbuckel“ vorübergehend bleibt; hiefür ist auch weiterhin ein gemäßigtes Lohn- und Preissetzungsverhalten Voraussetzung, um keine Zweitrundeneffekte aufkommen zu lassen. Geldmengen- und Kreditwachstum sind trotz einer zuletzt gemäßigteren Entwicklung weiterhin kräftig.   Der EZB-Rat wird potenzielle künftige Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität weiterhin sehr sorgfältig beobachten.

Das historisch extrem niedrige Zinsniveau bietet günstige Bedingungen für Konsum und Investitionen im Euroraum und ist kein Hindernis für mehr Wachstum. Es ist vielmehr die Aufgabe der Wirtschaftspolitik, mit entsprechenden strukturpolitischen und vertrauensbildenden Impulsen zu mehr Wachstum und Beschäftigung im Eurogebiet beizutragen. 

Für Österreich liegen die derzeit vorhandenen Wachstumsprognosen für heuer mit um die 2% noch recht gut (siehe Grafik 15). Aber auch die österreichische Wirtschaft wird sich der tendenziellen Wachstumsabschwächung im Euroraum nicht zur Gänze entziehen können. Wie für den Euroraum dürften daher auch für die österreichische Konjunktur die Prognoserisken nach unten gerichtet sein. Die zweite Etappe der Steuerreform liefert in diesem Umfeld aber einen willkommenen Konjunkturimpuls für die Inlandsnachfrage. Als wichtige Konjunkturstütze Österreichs wirken auch immer stärker die Wirtschaftsbeziehungen mit unseren ost- und südosteuropäischen Nachbarstaaten. 

 
Niedrige österreichische Inflation ist wichtig zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit und Kaufkraft 

Die österreichische HVPI-Inflation könnte heuer im Jahresdurchschnitt doch deutlicher über 2% liegen (nach 2,0% im Vorjahr) – insbesondere wegen der Energiepreishausse und der gestiegenen Wohnungskosten – und wird erst ab 2006 wieder unter 2% zurückkehren (siehe Grafik 16). Ich möchte bei dieser Gelegenheit ausdrücklich betonen, wie wichtig eine niedrige Inflation für unser Land ist. Die moderaten Lohn- und Preissteigerungen der vergangenen 10 Jahre wie auch die günstigen Lohnstückkosten haben es Österreich ermöglicht, seinen Exportanteil an den gesamten EU-Exporten von unter 3 % im Jahr 1995 auf 3,3% im Jahr 2004 auszubauen. Dieser kompetitive Vorsprung darf nicht verloren gehen. 

Preisstabilität ist auch zur Erhaltung der Kaufkraft und zur Sicherung stabiler Planungsbedingungen zentral. Die Verantwortung der heimischen Arbeitnehmer und Unternehmen zur Fortsetzung der Lohn- und Preismoderation ist hoch. Weitere Marktliberalisierungen würden positiv preisdämpfend wirken. 

 
Wichtige Testfälle für den geänderten Stabilitäts- und Wachstumspakt in den nächsten Monaten

Die Glaubwürdigkeit der europäischen Fiskalpolitik steht gegenwärtig unter einer harten Belastungsprobe (siehe Grafik 17). Im Jahr 2005 dürfte das durchschnittliche öffentliche Defizit im Eurogebiet nach Einschätzung der Europäischen Kommission mit einer Größenordnung von 2,6% des BIP unverändert hoch bleiben (2004: 2,7%; 2006: 2,7%), die durchschnittliche Staatsschuldenquote verharrt über 71% des BIP (2004: 71,3%;   2005: 71,7%; 2006: 71,9%). 

Die Folgen des geschwächten Stabilitäts- und Wachstumspakts werden sich in den nächsten Wochen und Monaten in seiner praktischen Anwendung zeigen – dabei wird es zu wichtigen Testfällen kommen, die über die verbliebene Substanz dieses Pakts Aufschluss geben werden. Eine breite Auslegung z. B. jener Umstände, unter denen eine ausnahmsweise und vorübergehende Überschreitung des Referenzwertes von 3% zulässig ist, schafft meines Erachtens nur kurzfristig Flexibilität auf Kosten von Nachhaltigkeit und Glaubwürdigkeit – ein äußert gefährliches Tauschgeschäft. Klar ist, dass ohne transparentes und striktes Fiskalregelwerk den Finanzmärkten eine stärkere Rolle zur Disziplinierung zufällt.

 
Die Lissabon-Strategie muss entschlossen umgesetzt werden – IWF und OECD würdigen Österreichs Reformpolitik und ermuntern zur Fortsetzung 

Die Lissabon-Strategie hat bislang nur teilweise Fortschritte gebracht. Der jüngste Schritt für den „Neustart“ der Lissabon-Strategie sind Leitlinien der Europäischen Kommission (EK) für die Ausgestaltung der „nationalen Reformprogramme“, die die EU-Mitgliedstaaten bis 15. Oktober 2005 vorlegen müssen. Ich halte diese dreijährigen Reformpläne – die ja dem Vorschlag der OeNB für „nationale Wachstumsstrategien“ sehr nahe kommen – für ein praktikables Mittel, um zügigere Fortschritte bei der Umsetzung der Lissabon-Strategie zu erreichen. 

Allerdings müssen diese Reformprogramme erstens ausreichend ambitioniert sein und zweitens von den Mitgliedstaaten auch ernst genommen und tatsächlich umgesetzt werden. Ich begrüße in diesem Zusammenhang auch ausdrücklich die aktuellen Arbeiten an der EU-Dienstleistungsrichtlinie – so würde beispielsweise die darin vorgesehene einheitliche Ansprechstelle für Export-Dienstleister eine wesentliche Erleichterung bringen.

Vor wenigen Wochen haben IWF und OECD bei ihren regelmäßigen Beurteilungen der österreichischen Wirtschaftspolitik die beachtlichen Reformerfolge sehr gewürdigt (siehe Grafik 18). Eine Fortsetzung des eingeschlagenen Reformkurses ist, so betonen beide Institutionen, für Österreichs Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand wichtig. 

Ich möchte hier einige der vorläufigen Schlussfolgerungen, die der IWF gezogen hat und die auf seiner Website (www.imf.org) veröffentlicht sind, wiedergeben, da ich sie für sehr nützlich und konstruktiv für die österreichische Wirtschaftspolitik erachte (siehe Grafik 19):

Der IWF stellt fest, dass Österreichs Reformerfolge der letzten Jahre sich äußerst positiv von anderen Ländern abheben. Nun gehe es darum, diese Reformen mit gleichem Elan fortzusetzen. Die – richtigerweise – angestrebte Wiedererreichung eines ausgeglichenen Budgets bis 2008 sollte durch Einführung einer mittelfristigen Ausgaben-Budgetregel unterstützt werden. Der Finanzausgleich sollte grundlegend reformiert werden, Länder und Gemeinden sollten mehr zur Budgetkonsolidierung beitragen. So sollte auch Spielraum für eine Steuerentlastung der Arbeit geschaffen werden.  

Die F&E-Initiative sei ausdrücklich zu begrüßen, ebenso wie die aktuellen Überlegungen zur weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeit. Die Beschäftigungsquote insbesondere älterer Menschen sollte – unterstützt durch Arbeitsmarktprogramme – angehoben werden, der Dienstleistungssektor inklusive der freien Berufe sollte weiter liberalisiert werden. 

Die günstige Beurteilung des österreichischen Finanzsystems im Rahmen des Financial Sector Assessment Program (FSAP) des IWF aus dem Jahr 2004 habe sich auch heuer bestätigt. Der Banken und Finanzmarktaufsicht in Österreich wird ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt. Die offensive Expansion der österreichischen Banken nach Mittel-, Ost- und Südosteuropa stütze deren Gewinnsituation merklich. Die fortgesetzte Expansion der Fremdwährungskredite der privaten Haushalte sei hingegen eine potenzielle Risikoquelle,   die von der OeNB und der FMA eingeleitete Informationskampagne solle daher weiter forciert werden. 

 
Die OeNB als effizienter und professioneller Dienstleister im Dialog mit Bevölkerung, Wirtschaft und Politik

Die OeNB hat im abgelaufenen Jahr in allen Geschäftsbereichen wichtige Projekte vorangetrieben, wobei bei allen Aktivitäten auf Effizienz und Kostenbewusstsein großes Augenmerk gelegt wurde. 

So wurde z. B. die Reorganisation unserer Zweiganstalten erfolgreich umgesetzt. Die OeNB hat signifikant zur Umsetzung von Basel II und zur Förderung der Finanzmarktstabilität wesentliche Beiträge geleistet. In diesem Zusammenhang darf ich auch nochmals auf die erwähnte sehr gute Beurteilung des Internationalen Währungsfonds im Rahmen der Überprüfung des österreichischen Finanzsektors verweisen. 

Mit dem Relaunch des OeNB-Internetauftritts (www.oenb.at) und der Neukonzeption der volkwirtschaftlichen und statistischen Publikationen „Geldpolitik & Wirtschaft“, „Workshops“, „Focus on European Economic Integration“ sowie „Statistiken – Daten & Analysen“ (siehe Grafik 20) hat die OeNB Qualität, Umfang und Zugänglichkeit ihres Analyse- und Datenangebots im Dienste der Wirtschaftspolitik wie auch der Bevölkerung weiter optimiert, wie uns von den Empfängern durchaus bestätigt wird.

Die OeNB nimmt im ESZB bzw. im Eurosystem weiterhin eine ausgezeichnete Position ein und erfreut sich einer ungebrochen hohen Akzeptanz in der österreichischen Bevölkerung und Wirtschaft (siehe Grafik 21). Dieses Vertrauen ist gerade für eine Zentralbank von allergrößter Bedeutung, beruht doch die Funktionsweise eines stabilen Währungs- und Finanzsystems auch und vor allem auf dem Vertrauen in dessen Stabilität. 

Darüber hinaus erfüllt es mich und meine Kollegen im Direktorium mit Genugtuung, dass unser Haus – trotz der für alle Zentralbanken des Euroraums sehr schwierigen Rahmenbedingungen – im abgelaufenen Geschäftsjahr wieder ein im Vergleich beachtliches Ergebnis erzielen konnte. Ich möchte daher allen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, meinen Kollegen im Direktorium, den Mitgliedern des Betriebsrats, dem Präsidium sowie allen Mitgliedern des Generalrats sehr herzlich für ihr hohes Engagement danken, welches sich eindrucksvoll in allen von der OeNB erbrachten Leistungen und im hohen Vertrauen der Öffentlichkeit in diese Institution widerspiegelt. 

Die Oesterreichische Nationalbank wird auch künftig mit dem in sie gesetzten Vertrauen sehr achtsam umgehen, ihren Dialog mit der Bevölkerung, der Wirtschaft und der Politik intensiv fortführen und ihre Expertise in Form vielfältiger Dienstleistungen einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. 



Präsentation


Mehr zu dieser Seite

Presseaussendungen

Downloads

Weiterführende Informationen