Es gilt das gesprochene Wort.
Reden und Präsentationen
„Meisterwerke der Geigenbaukunst“
Die Streichinstrumentensammlung der OeNB – Ausstellungseröffnung
Dr. Klaus Liebscher, Gouverneur
Wien, 22. 11. 2005
Sehr geehrte Damen und Herren!
Auch ich freue mich, Sie heute anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung „Meisterwerke der Geigenbaukunst – Die Streichinstrumentensammlung der Oesterreichischen Nationalbank“ begrüßen zu dürfen.
Im Jahr 1989 hat unsere Tochtergesellschaft Münze Österreich AG unsere erste österreichische Goldbarrenmünze, den „Wiener Philharmoniker“ herausgegeben. Die Wiener Philharmoniker, die Namensgeber der Goldmünze und eines der weltweit besten Musikensembles, sind damals an uns mit der Bitte herangetreten, einige Streichinstrumente zu kaufen. Sie wiesen darauf hin, dass es aufgrund der enormen Preissteigerungen der Instrumente für Künstler kaum mehr möglich sei, solche Instrumente zu erwerben. Auch sollte verhindert werden, dass die Instrumente von Mäzenen und Sammlern im Fernen Osten oder in den USA gekauft werden, dort dann teilweise in Tresoren ruhen und nicht mehr gespielt werden.
So entschloss sich die OeNB, diesem Wunsch Rechnung zu tragen und kaufte vorerst 3 Violinen an. Die Vertreter der führenden österreichischen Ausbildungsstätten für Musik reagierten mit großer Begeisterung auf die Ankäufe und wurden in den kommenden Jahren weitere Instrumente angekauft.
Bei der Auswahl der Instrumente wurde die OeNB von Experten und Künstlern beraten, wobei Klangschönheit sowie gutes Klangvolumen in großen Sälen zu den wesentlichsten Kriterien gehören. Weiters wurde Wert darauf gelegt, außergewöhnliche Instrumente von berühmten Geigenbauern zu erwerben.
So ist diese Sammlung der OeNB bis heute auf 34 Instrumente angewachsen und stellt europa- und sogar weltweit eine der bedeutendsten Streichinstrumentensammlungen dar. Diese Instrumente haben in den letzten Jahren erfreulicherweise hohe Wertsteigerungen erfahren, ein Aspekt, der für uns als Notenbank natürlich auch nicht unbedeutend ist.
Diese Spitzeninstrumente sind ständig im Spielbetrieb und werden unentgeltlich an österreichische Musiker verliehen. Bei der Vergabe der Instrumente stützt sich die OeNB auf die Empfehlungen eines Beratergremiums, das sich aus Vertretern der österreichischen Musikuniversitäten und der Wiener Philharmoniker zusammensetzt. Die künstlerische Entwicklung der Künstler wird fachkundig beobachtet.
Die so unterstützten Künstler sind Mitglieder der Wiener Philharmoniker, aber auch anderer österreichischer Ensembles wie des Wiener Kammerorchesters oder der Niederösterreichischen Tonkünstler. Weiters konzertieren alle Mitglieder des Artis-Quartetts sowie 2 Mitglieder des Hagen-Quartetts auf Instrumenten aus der OeNB-Sammlung. Viele Künstler wie Julian Rachlin oder Lidia Baich haben dank unserer Instrumente eine internationale Solistenkarriere gestartet und machen Österreich als Musikland alle Ehre.
Stets war es der OeNB ein großes Anliegen, diese Sammlung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. So sind also diese wertvollen Violinen, Celli und Bratschen weltweit in den größten Konzertsälen der Welt zu hören. Dies ist auch gut für die Instrumente, denn um ihren wunderbaren Klang zu entfalten, sollen sie ja gespielt werden.
Darüber hinaus gab es eine eigene Konzertreihe, die in Zusammenarbeit mit dem ORF unter dem Titel „Stradivari und Co.“ im Radiokulturhaus stattfand, weiters wurde ein Film über die Sammlung gedreht, der mehrfach im ORF gezeigt wurde.
Wann aber hat man die Gelegenheit, diese wunderbaren Instrumente nicht nur zu hören, sondern auch aus der Nähe zu sehen?
In den Jahren 1993 und 1996 fanden bereits zwei von der OeNB organisierte Instrumentenausstellungen statt, damals konnten die wertvollen Stücke aber nur jeweils einen bzw. zwei Tage bewundert werden.
Im Jahr 2002 entschloss sich die OeNB, eine wissenschaftliche Dokumentation der Sammlung verfassen zu lassen. Hier bot sich eine Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Museum Wien an, mit dem schon seit langem gute und freundschaftliche Kontakte bestehen. Der Leiter der Sammlung alter Musikinstrumente des KHM, Herr Hofrat Dr. Hopfner, hat ein Buch über die Sammlung verfasst, das sich seit seinem Erscheinen größter Beliebtheit in internationalen Fachkreisen erfreut. Was lag also näher, als mit Herrn Dr. Hopfner eine Ausstellung unserer Sammlung zu organisieren?
Für Musiker ist es natürlich immer schwierig, wenn sie ihr „Rüstzeug“, mit dem sie täglich arbeiten, aus der Hand geben müssen, und ich darf mich an dieser Stelle daher bei allen Künstlern bedanken, die mit großem Verständnis auf unseren Wunsch nach einer möglichst umfassenden Ausstellung der Sammlung reagiert haben.
So darf ich heute mit Stolz ankündigen, dass wir heute Abend und in der ganzen kommenden Woche 28 der insgesamt 34 Instrumente in eigens für diese Ausstellung bereitgestellten Vitrinen zeigen können. Es handelt sich um die umfassendste Schau von Streichinstrumenten des klassischen italienischen Geigenbaus, die jemals in Österreich in einer öffentlichen Sammlung zu sehen war.
Ich darf mich auch sehr herzlich bei Herrn Prof. Machold bedanken, der mit Rat und Tat die Vorbereitungen zu dieser Ausstellung unterstützt hat, weiters bei den Geigenbaumeistern, Herrn Richters und Herrn Zens, die hier im KHM alle ausgestellten Instrumente für diese Sonderschau vorbereitet haben.
Mein besonderer Dank gilt auch allen mit den Vorbereitungsarbeiten betrauten Mitarbeitern des Kunsthistorischen Museums, allen voran natürlich Herrn Generaldirektor Wilfried Seipel und Herrn Hofrat Doktor Rudolf Hopfner, die uns bereits zur Präsentation des Buches über unsere Sammlung ihre wunderbaren Räumlichkeiten hier am Heldenplatz zur Verfügung gestellt haben. Auch jetzt geben sie uns wieder die Möglichkeit, unsere Sammlung in diesem Rahmen zu präsentieren, der der allgemeinen Öffentlichkeit als Ausstellungsort für zahlreiche Instrumente bekannt ist, die teilweise von berühmten Musikern und Komponisten gespielt wurden.
Wir wollten aber natürlich am heutigen Abend die wertvollen Violinen, Bratschen und Celli nicht nur in ihren Vitrinen bewundern, sondern unseren Gästen auch die Möglichkeit bieten, musikalische Kostproben zu hören. Die Instrumente aus unserer Sammlung werden ja wie bereits gesagt einerseits jungen Künstlern, die noch am Beginn ihrer Karriere stehen, zur Verfügung gestellt, um ihnen die Möglichkeit zu geben, in den großen Konzertsälen mit entsprechenden Instrumenten erste Erfolge zu erzielen. Andererseits werden die wertvollen Stücke an bereits etablierte Künstler, darunter an drei Konzertmeister der Wiener Philharmoniker, verliehen. Diesem Gedanken wollten wir auch bei der heutigen Eröffnung Rechnung tragen.
Ich freue mich daher sehr, dass heute das junge Minetti-Quartett für uns musiziert hat, und ich möchte diesem Quartett für seine Darbietung ganz herzlich danken. Diese jungen Musiker gelten als äußerst talentierte österreichische Nachwuchskünstler. Als sie im Oktober 2003 einen großen Kammermusikpreis gewonnen haben, reagierte die OeNB sofort und stellte der Geigerin Anna Knopp eine Violine aus ihrer Sammlung zur Verfügung.
Ich möchte aber auch Herrn Prof. Küchl, dem ersten Konzertmeister der Wiener Philharmoniker, sehr herzlich für seine Mitwirkung bei der heutigen Ausstellungseröffnung danken. Er hat sich trotz seiner abendlichen Verpflichtung in der Staatsoper zur Mitgestaltung des musikalischen Programms bereit erklärt. Herr Prof. Küchl konzertiert auf einer Violine von Antonio Stradivari. Diese Violine trägt den Beinamen „Chaconne“, der berühmte Geiger Joseph Joachim hat dieses Stück von Johann Sebastian Bach immer wieder auf diesem Instrument zu Gehör gebracht und so war es nahe liegend, Herrn Prof. Küchl zu bitten, auch am heutigen Abend dieses Solowerk für uns zu spielen, mit dessen Aufführung er sicherlich für einen Höhepunkt bei unserer Veranstaltung gesorgt hat!
Herr Hofrat Dr. Hopfner wird heute Abend für unsere Gäste eine Führung durch diese Sonderausstellung anbieten, und ich darf Sie herzlich zu einer Erfrischung einladen.
Abschließend darf ich noch den Organisatoren einen erfolgreichen Verlauf der Ausstellung wünschen und hoffe, dass zahlreiche Besucher im Laufe der kommenden Tage die Gelegenheit wahrnehmen werden, die Instrumente dieser kostbaren Sammlung zu bewundern.
Verleger, Herausgeber und Hersteller:
Oesterreichische Nationalbank
Sekretariat des Direktoriums / Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Günther Thonabauer
Tel.: (+43-1) 404 20-6666
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