Reden und Präsentationen


"40 Jahre Jubiläumsfonds"

Dr. Klaus Liebscher, Gouverneur
Oesterreichische Nationalbank, 27. 3. 2006


Sehr geehrte Festgäste!

Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Ich darf Sie heute herzlich willkommen heißen in der Oesterreichischen Nationalbank. Im Mittelpunkt der Festveranstaltung steht die 40jährige, erfolgreiche Forschungs-förderungstradition der OeNB, auf die wir mit Stolz zurückschauen können. 

 

Ein wichtiges Anliegen der Oesterreichischen Nationalbank war und ist es weiterhin, zur Zukunftssicherung des Wirtschaftsstandortes Österreich beizutragen. Und wer das Österreich von morgen im Blick hat, muss sich der Forschung und Entwicklung bereits heute widmen. 

 

Ich freue mich so viele Gäste bei unserer heutigen Festveranstaltung zu sehen, begrüße Sie alle sehr herzlich und darf   mich vor allem bei den Mitwirkenden bedanken; Univ.Prof. Dr. Badelt, DI Dr. Consemüller, Univ.Prof. Dr. Scheithauer und Univ.Prof. Dr. Landesmann.

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren! 

 

Die Forschungsförderungsaktivitäten der Oesterreichischen Nationalbank gehen auf das Jahr 1966 zurück.

 

Der Jubiläumsfonds zur Förderung von Forschungs- und Lehraufgaben der Wissenschaft – wie der volle Titel lt. Nationalbankgesetz lautet – wurde aus Anlass des 150-jährigen Bestandsjubiläums der österreichischen Notenbank mit Beschluss des Generalrates vom 23. März 1966 unter der damaligen Präsidentschaft von Herrn Dr. Reinhard Kamitz errichtet. 

 

Dem Beschluss lag damals der Gedanke zugrunde, an Stelle kostspieliger Festlichkeiten eine Einrichtung von dauerndem und allgemeinem Wert zu schaffen. 

 

Die finanzielle Dotierung des Fonds erfolgte erstmals in der Generalversammlung vom 27. April 1966.

 

Das im Gründungsjahr bereitgestellte Fondskapital betrug 100 Mio Schilling (rd. 7,3 Mio EUR) und die erste Zuweisung belief sich auf 10 Mio Schilling (ca. 0,7 Mio EUR).

 

Zusätzlich zu den Erträgen des Fondskapitals, das derzeit 31,5 Mio EUR beträgt, wird der Jubiläumsfonds seither jährlich durch eine Zuweisung aus dem der OeNB, aus dem jeweiligen Geschäftsjahr verbleibenden Reingewinn dotiert. Der Fonds steht österreichischen Forschungsstätten, vorrangig Universitätseinrichtungen und gemeinnützigen außeruniversitären Forschungseinrichtungen, zur Verfügung und übernimmt Personal-, Sachmittelkosten und manchmal auch Gerätekosten.

 

Die ursprünglich 1966 dem Jubiläumsfonds zu Grunde gelegte Idee betraf die Förderung der Grundlagenforschung.

 

Im Jahre 1982 wurde unter dem Titel „wirtschaftsorientierte Forschungsförderung“ eine zweite Förderlinie eingerichtet, um Forschungsvorhaben zu unterstützen, die eine nachhaltige Strukturverbesserung der österreichischen Wirtschaft erwarten lassen. 

 

Wie bereits erwähnt, lag anfänglich die jährliche Dotation der Fördermittel des Jubiläumsfonds bei 0,7 Mio EUR; 1982 waren es rd. 9,5 Mio EUR (davon rd. 2,2 Mio EUR für die Grundlagenforschung); im Jahre 2003 betrug die Zuweisung verglichen mit dem Gründungsjahr des Fonds nahezu das Hundertfache – etwa 70,3 Mio EUR (davon rd. 11 Mio EUR für die Grundlagenforschung). 

 

Seit seiner Gründung hat der Jubiläumsfonds für fast 8500 Forschungsvorhaben rund 668 Mio EUR sowohl der heimischen Grundlagenforschung als auch – bis zum Jahre 2003 – der angewandten Forschung zur Verfügung gestellt und damit einen nicht unerheblichen Beitrag zur Wahrung der Konkurrenzfähigkeit unserer Wirtschaft bzw. zur Schaffung von hochwertigen Arbeitsplätzen geleistet.

 

Der Fonds fördert schwerpunktmäßig wissenschaftliche Arbeiten hoher Qualität aus dem Bereich Wirtschaftswissenschaften und Medizinische Wissenschaften mit klinischem Bezug, daneben aber auch Forschungsvorhaben aus den Sozial- und Geisteswissenschaften.

  

Damit konnte die Arbeit an wissenschaftlichen Projekten in einer großen thematischen Vielfalt ermöglicht und abgesichert werden: Von der archäologischen Forschung an den Tempelanlagen von Ephesos bis zu neuen Therapien in der Krebsforschung oder von komplexen ökonometrischen Modellen.

 

Der Jubiläumsfonds der OeNB hat sich somit als stabiler und unverzichtbarer Pfeiler der Forschungsförderung in Österreich etabliert und dies wird er auch in Zukunft bleiben.

 

Ende 2003 wurde von der österreichischen Bundesregierung die Neuorganisation der Förderung von Forschung umgesetzt und in deren Rahmen auch die Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung (FTE-Nationalstiftung) errichtet. Um eine Verstetigung der Forschungsbeiträge der Oesterreichischen Nationalbank zu erzielen, hat die Generalversammlung der OeNB im Dezember 2003 beschlossen, 1.500 Mio. € aus den Reserven der Bank für den Jubiliäumsfonds umzuwidmen und daraus 75 Mio. € jährlich (ab 2004) der Nationalstiftung zur Verfügung zu stellen. Dadurch wird bei vielen anderen Forschungsförderungsinstitutionen in Österreich (wie etwa dem FWF oder der FFG) eine langfristige, budgetunabhängige Finanzierung möglich sein.

 

Auch nach der Errichtung dieser Nationalstiftung bleibt der Jubiläumsfonds der OeNB seiner Aufgabe treu, in Ergänzung zu den großen Forschungsförderungsinstitutionen des Landes exzellente Grundlagenforschung in Österreich direkt zu fördern und zu finanzieren. Mit seiner flexiblen und unbürokratischen Direktförderung wird der Jubiläumsfonds auch künftig österreichischen Forscherinnen und Forschern in spezifischen Segmenten der Wissenschaft eine Stütze sein.

 

Seit 2004 vergab der Jubiläumsfonds (neben Zinserträgen) jährlich je 9 Mio EUR. Im Jahre 2005 wurden in diesem Bereich 161 Projekte mit   rd. 9,3 Mio EUR gefördert d. h. etwa 28% der eingereichten Forschungsvorhaben konnten bewilligt werden bzw. 20% der beantragten Förderungsmittel wurden zugeteilt. 

 

Die umfangreiche administrative Abwicklung des Jubiläumsfonds von der Überprüfung der Einreichungsunterlagen über die Einholung von internationalen und nationalen Experten-gutachten, die Vorbereitung für die Entscheidungsfindung, die Verständigung der Projektleiter über die getroffenen Entscheidungen bis zur Auszahlung in Teiltranchen, die sachliche, inhaltliche und rechnerische Prüfung sowie das Dokumentieren der Abschluss-berichte obliegt einem kleinen professionellen Team der Abteilung Jubiläumsfonds der OeNB.   Dieser unter der Leitung von Herrn Dr. Höritsch stehenden Abteilung danke ich für den hohen Einsatz sehr herzlich.

 

Die endgültige Beschlussfassung über Förderansuchen ist dem Generalrat vorbehalten, der zweimal jährlich, gestützt auf wissenschaftliche Fachgutachten, über die Förderungs-würdigkeit der Forschungsvorhaben entscheidet. Bei rund 600 eingereichten Projekten pro Jahr benötigt die OeNB für die Abwicklung des Begutachtungsverfahrens jährlich mehr als 1000 Fachgutachten und muss damit nahezu ebenso viele Wissenschaftler bemühen.

 

Die Tatsache, dass die OeNB diese Gutachtertätigkeit nicht finanziell honorieren kann und die Gutachten „trotzdem“ termingerecht einlangen, spricht für die hohe Kooperationsbereitschaft der befassten Fachexperten, denen ich an dieser Stelle auch sehr herzlich danken darf.

 

Bei der heutigen Festveranstaltung werden wir Ihnen zwei hervorragende Projekte präsentieren, die im Laufe der Jahre vom Jubiläumsfonds Unterstützung erfahren haben. Wir sind sicher, dass die Qualität dieser Projekte Sie auch von der Richtigkeit unserer Entscheidungsfindung überzeugen wird.

 

Österreich hat in den vergangenen Jahren in Forschung, Technologieentwicklung und Innovation eine rasante Entwicklung vollzogen. Die jüngsten Erhebungen des Innovation Scoreboard der Europäischen Kommission bescheinigen uns heute, dass wir zum Spitzenfeld in der Europäischen Union aufgeschlossen haben. Dies war nur möglich, weil alle Träger des Innovationssystems in Österreich ihre Kräfte gebündelt und ihren Einsatz und ihr Engagement verstärkt haben.

 

Die OeNB ist stolz, dazu ihren Beitrag geleistet zu haben. Wir dürfen uns aber auf diesen Erfolgen nicht ausruhen. Die OeNB und mit ihr der Jubiläumsfonds, der heute selbst ein Jubiläum feiern kann, werden dabei ihrer Verantwortung treu bleiben – ihrer Verant-wortung für die Wissenschaft,   für die Forschung und für die gesamte österreichische Volkswirtschaft.

 

Der heutige Festakt wird auch von musikalischen Darbietungen umrahmt. In diesem Zusammenhang darf ich auch auf unsere aus 34 Instrumenten bestehende Sammlung wertvoller alter Streichinstrumente der OeNB verweisen, die inzwischen zu einer der bedeutendsten Sammlungen Europas geworden ist   und auch von der Abteilung Jubiläumsfonds verwaltet wird. Die Instrumente werden an junge österreichische Geigenvirtuosen, an österreichische Orchester und an Kammermusikensembles verliehen. 

 

Ich möchte Frau Lidia Baich herzlich begrüßen, die wir bereits auf unserer Violine von Giuseppe Guarneri del Gesú, Cremona 1727, „ex Guilet“ gehört haben und auch nochmals hören werden und ihr für Ihre Mitwirkung sehr danken. Ein herzlicher Dank auch an Hr. Monti, der Frau Baich am Klavier begleitet.


Mehr zu dieser Seite

Ansprechpartner