Reden und Präsentationen


„Österreich und der Euro“

Slowakisch-Österreichische Handelskammer

Dr. Klaus Liebscher, Gouverneur
Bratislava, 22. 11. 2006

Es gilt das gesprochene Wort.


Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Ich möchte zunächst in Erinnerung rufen, dass die europäische Integration zuallererst ein Friedensprojekt ist, dabei aber auch ein bedeutendes wirtschaftliches Erfolgsmodell. So konnte die Europäische Union im Laufe ihrer Geschichte wahrlich beachtliche Erfolge erzielen: Binnenmarkt, Wirtschafts- und Währungsunion (WWU), Stabilitäts- und Wachstumspakt, Lissabon-Agenda oder EU-Erweiterungen sind nur einige Stichworte für ein in meinen Augen beeindruckendes politisches wie auch wirtschaftliches Programm der letzten Jahrzehnte, das die Europäische Union (EU) sowohl vertieft als auch erweitert hat. Dabei stellen die Erweiterungen der Europäischen Union um zehn neue Mitglieder im Mai 2004, darunter die Slowakei, sowie um Bulgarien und Rumänien ab 1. Jänner 2007 historisch sehr bedeutsame Integrationsschritte dar.

 

Aus Sicht einer Zentralbank war vor allem die europäische Wirtschafts- und Währungsunion bislang zweifellos eine Erfolgsgeschichte gemeinsamer europäischer Integrationsbemühungen:

 

Das unabhängige Eurosystem, d. h. die EZB und die an der Währungsunion teilnehmenden nationalen Zentralbanken, hat durch seine umsichtige und glaubwürdige Geldpolitik bislang sehr erfolgreich Preisstabilität und Kaufkraft von mehr als 310 Mio Menschen im Euro-Währungsgebiet gesichert und damit auch einen wertvollen Beitrag zur Erwartungsstabilisierung und Investitionssicherheit, zu nachhaltigem Wachstum und zu Beschäftigung im Euroraum geleistet. 

 

Durch ihre Bemühungen zur Vertiefung der europäischen Finanzmärkte hat das Eurosystem weiters wesentlich zur Stärkung des Euro als internationale Reserve-, Anlage- und Transaktionswährung neben dem US-Dollar und somit zur Stabilisierung des internationalen Finanzsystems beigetragen. 

 

Seit seiner Einführung hat der Euro stetig an internationaler Bedeutung gewonnen. Er ist eine Weltwährung geworden, die weit über den Euroraum hinaus als Zahlungsmittel akzeptiert wird. Heute werden 25% der globalen Währungsreserven in Euro gehalten, 40% aller Devisengeschäfte in unserer Gemeinschafts­währung abgewickelt, und zahlreiche Länder außerhalb des Euroraums verwenden den Euro als Anker- oder Reservewährung. Dank der ihm zugrunde liegenden Stabilitätspolitik verfügt der Euro als Weltwährung meines Erachtens mittel- bis langfristig über ein ähnliches Potenzial wie der US-Dollar.

 

Der weitere Erfolg der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion wird maßgeblich davon abhängen, wie die im Maastricht-Vertrag vorgesehene „Stabilitätsarchitektur“ gelebt wird – d. h. also konkret von der Weiterführung einer preisstabilitätsorientierten Geldpolitik, einer soliden, auf nachhaltig gesunde Finanzen ausgerichteten Haushaltspolitik – insbesondere unter strikter Anwendung des revidierten Stabilitäts- und Wachstumspakts – und von verstärkten europaweiten Anstrengungen im Bereich der Strukturreformen und unter effizienter Umsetzung der strategischen Ziele der Lissabon-Agenda. 

 

Dies gilt umso mehr, als wir uns heute in einem völlig neuen weltwirtschaftlichen Umfeld der internationalen Arbeitsteilung und der weltumspannenden Märkte bewegen und geeignete Antworten zur Nutzung der Chancen und Bewältigung der Herausforderungen der Globalisierung brauchen. 

 

Um die Vorteile der weltwirtschaftlichen Integration, z. B. in Form fallender Transport- und Informationskosten, niedriger Importpreise sowie einer größeren Produkt- und Dienstleistungsauswahl, lukrieren zu können, sind im Güter- und Dienstleistungsbereich weitere Anstrengungen in Richtung Spezialisierung, Innovation und Diversifikation zu setzen und flexible Anpassungen im Bereich der Arbeitsmärkte notwendig. 

 

Investitionen in Aus- und Weiterbildung, eine verstärkte Wissensorientierung der Wirtschaft und eine unternehmensfreundliche Standortpolitik werden zunehmend zu zentralen strategischen Erfolgsfaktoren und können wesentlich dazu beitragen, die Attraktivität Europas gegenüber der USA und einzelnen südostasiatischen Staaten (z. B. China, Indien) zu erhöhen. 

 

Die angemessene Antwort unter diesen neuen Rahmenbedingungen liegt u. a. in einer weiteren Vertiefung der europäischen Zusammenarbeit. Denn nur die Stimme eines starken, geeinten Europas hat in der Welt entsprechendes Gewicht und kann über die Mitgestaltung internationaler Rahmenbedingungen und Entscheidungen dazu führen, die Vorteile offener Märkte effizient zu nutzen und deren Nachteile zu minimieren. 

 

Obwohl der europäische Integrationsprozess bislang nicht immer einer einfachen, geradlinigen Strategie folgte, hat sich die EU doch als stets handlungsfähig erwiesen – und wir sind mit fast 490 Mio Menschen (EU-27) zweifelsohne ein großer politischer und ökonomischer Faktor. Angesichts der bisherigen Integrationserfolge sind die EU-Mitgliedstaaten daher gut beraten, sich auf die strategischen Vorteile der konsequenten Weiterführung eines gemeinsamen Integrationsweges zu besinnen, Reformen zielstrebig umzusetzen und für künftige Reformmaßnahmen bereit zu sein, um Wachstum und Produktivität in der EU zu steigern und damit ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken. Die europäische Integrationsarbeit muss weitergehen! 

 

Gerade für kleine und offene Volkswirtschaften wie Österreich und die Slowakei sind die Vorteile barrierefreier Wirtschaftsbeziehungen und stabiler Wechselkurse evident. Vor Eintritt in die Währungsunion waren in Österreich die starken wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem preisstabilen Nachbarn Deutschland Ausgangspunkt für die Entscheidung, seine Währung an die Deutsche Mark anzubinden. 

 

Mit dieser so genannten „Hartwährungspolitik“ wurde nicht nur eine niedrige Inflationsrate importiert, sondern auch ein Großteil des Wechselkursrisikos eliminiert – und die Vorteile einer gemeinsamen Währung in gewisser Weise vorweggenommen. In diesem Sinn stellte die Einführung der gemeinsamen Geldpolitik bei der Etablierung der Währungsunion für Österreich keine Einschränkung und keinen „realpolitischen Verlust“ der geldpolitischen Autonomie dar, sondern ganz im Gegenteil. So bin ich jetzt beispielsweise Mitglied des EZB-Rates und habe im Kreise dieses Gremiums eine gleichberechtigte Stimme bei Entscheidungen des Eurosystems. Mit dem Beitritt zum Euroraum haben sich aber auch die Aufgaben unseres Hauses signifikant verändert, wodurch eine Neuorientierung unserer Strukturen erforderlich wurde. 

 

Heute gehört die Oesterreichische Nationalbank zu den modernen und schlanken Zentralbanken des unabhängigen Eurosystems. Wir spielen eine aktive Rolle bei der Gestaltung und Umsetzung der Geldpolitik, der Ausgabe und dem Umlauf   sicheren Bargeldes, bei der Erhaltung der Stabilität des Finanzsektors und dem reibungslosen Funktionieren der Zahlungssysteme, um nur einige Beispiele zu nennen. Die beiden Worte „Stabilität und Sicherheit“ im Leitbild der Oesterreichischen Nationalbank umfassen damit die Kernaufgaben einer jeden nationalen Notenbank im Rahmen des Europäischen Systems der Zentralbanken. 

 

Über diese Aufgaben, aber auch über unseren sehr wichtigen Kommunikationsauftrag   in Österreich tragen wir zum Erfolg des Euro bei. Heute können rund 310 Millionen Bürger in 12 Ländern tagtäglich die Vorteile unserer gemeinsamen Währung erfahren. 

 

Sie leben in einem Umfeld niedriger Inflationsraten, niedriger Zinssätze und stabiler Inflationserwartungen – alles Elemente eines günstigen wirtschaftlichen Umfelds, das Investitionen und Unternehmertum fördert und somit – wie bereits erwähnt – einen bedeutenden Beitrag zu Wachstum und Beschäftigung liefert. 

 

Wir sollten uns aber gewahr sein, dass diese Erfolge von Währungsunion und Euro keine Selbstverständlichkeit sind. In diesem Zusammenhang darf man nämlich nicht übersehen, dass sich die Anreizstrukturen der wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger mit der Einführung des Euro geändert haben. Durch die Übernahme der gemeinsamen Währung wurde auf einen Schlag das innereuropäische Wechselkursrisiko eliminiert. 

 

Gleichzeitig verlor das Regelwerk der Konvergenzkriterien an Wirkung. Der Wegfall dieses Anreizsystems im Euroraum musste und muss durch ein gesteigertes Problem- und Verantwortungsbewusstsein sowie mehr Selbstdisziplin in der Wirtschaftspolitik ersetzt werden. An die Stelle der Konvergenzkriterien traten im Bereich der öffentlichen Finanzen die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspaktes. Sanktionen der Finanzmärkte auf eine laxe Budgetgebarung können sich nun auf das gesamte Eurogebiet auswirken, was eine strikte Einhaltung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes auch so wichtig macht. Leider musste das Verfahren bei einem übermäßigen Defizit, das eigentlich für Ausnahmesituationen vorgesehen war, in der Vergangenheit allzu oft angewendet werden. Die betroffenen Länder gingen jedoch höchst unterschiedlich mit dieser Situation um, wobei einige Länder auch nach Jahren noch nicht zu einem soliden haushaltspolitischen Pfad zurückgefunden haben. 

 

Österreich befand sich seit Beginn der Währungsunion nie in der Gefahr, die Defizitobergrenze von 3% zu überschreiten – so betrug die Defizitquote im Jahr 2005 1,5 %, für 2006 werden rund 1,2 % (1,16%) erwartet.

 

Die aktuelle Phase des konjunkturellen Aufschwungs sollte nun einige Spielräume zur wirksamen und nachhaltigen Budgetkonsolidierung bieten. Diese werden bereits von einigen Ländern – wenngleich nicht von allen – genutzt.

 

Dieser Appell richtet sich auch an eine neue österreichische Bundesregierung, die eine Fortsetzung des bisherigen stabilitätsorientierten Kurses in der Fiskalpolitik als Priorität sehen sollte – mit dem Ziel, einen ausgeglichenen öffentlichen Haushalt anzustreben – und darüber hinaus auch jene Maßnahmen zu setzen hat, damit der Wirtschaftsstandort Österreich als weiterhin attraktiv eingeschätzt wird.

 

Innerhalb der EU ist Österreich durchaus ein Beispiel für ein kleines Land, das in den letzten Jahren mutige Reformen gesetzt hat. Ich möchte hier als Beispiel nur die – anfangs vehement kritisierte – Pensionsreform nennen. Diese hat – wie eine Studie unserer volkswirtschaftlichen Abteilung gezeigt hat – die nachhaltige Finanzierbarkeit des Pensionssystems in den kommenden Jahren wesentlich verbessert. 

 

Strukturreformen müssen ein Herzstück der nationalen wirtschaftspolitischen Strategien bilden, um den erreichten Wohlstand zu sichern und zukünftige Wachstumspotentiale zu erschließen. Dazu zählen vor allem Investitionen in Innovation, Forschung und Entwicklung, weitere Deregulierung, Bürokratieabbau u. a.m.

 

Österreich – früher über Jahrhunderte im „Herzen Europas“ gelegen – ist durch die Spaltung Europas in Ost und West für mehrere Jahrzehnte an den Rand gedrängt gewesen. Erst durch den Fall des eisernen Vorhangs und die Erweiterung der EU ist Österreich wieder ins Zentrum Europas gerückt. 

 

So kann Österreich heute von sich behaupten, eine Drehscheibe zu den neuen EU-Mitgliedstaaten und den Länder Südosteuropas zu sein – sowohl auf der politischen und institutionellen Ebene, als auch auf Unternehmensebene. 

 

Die österreichischen Entscheidungsträger haben dieses Potenzial erkannt und fördern diesen strategischen Vorteil, indem sie gezielt das unternehmerische Umfeld verbessern. Durch die Körperschaftssteuersenkung auf 25% und die Einführung der in Europa einzigartigen Gruppenbesteuerung wurde die Attraktivität Österreichs als Unternehmens­standort weiter gehoben. Ich hoffe daher, dass diese nicht abgeschafft wird.

 

Diese steuerlichen Faktoren sind jedoch nur als ergänzende Elemente eines Gesamtbilds an positiven Standortvorteilen zu sehen, die von der zentralen geographischen Lage, über das hohe Qualifikationsniveau bis zu den Errungenschaften der Sozialpartnerschaft – nämlich moderate Lohnstückkosten in Verbindung mit Flexibilität und sozialem Frieden – reichen. 

 

Der mit der EU-Erweiterung verbundene Abbau von Handelsbarrieren zwischen Ost- und Westeuropa hat, wie erwartet, zu einer raschen Intensivierung des Austausches von Waren und Dienstleistungen geführt. So entwickelte sich auch der Außenhandel zwischen Österreich und der Slowakischen Republik nicht nur sehr dynamisch, sondern auch relativ gleichgewichtig. Im Jahr 2005 beliefen sich die österreichischen Exporte in die Slowakei auf 1,64 Mrd. EUR, demgegenüber standen Importe aus der Slowakei in Höhe von rund 1,7 Mrd. EUR (d. h. 1,7% Export- bzw. 1,8% Importanteil gemessen am gesamten Außenhandel Österreichs).

 

Österreich hat – basierend auf den guten traditionellen Handelsbeziehungen und durch den rechtzeitigen Eintritt in diese Wachstumsmärkte – bereits signifikant von der wirtschaftlichen Integration dieser Region Europas profitiert. 

 

Nimmt man die Größe unseres Landes als Maßstab, dann sogar mehr als jedes andere westeuropäische Land. Ein Achtel aller österreichischen Exporte geht bereits in die neuen Mitgliedsstaaten, die somit nach Deutschland den zweitwichtigsten Mark für heimische Produkte darstellen. 

 

Besonders der Bankensektor hat das Potential Osteuropas früh erkannt und auch zu nutzen gewusst. Österreich ist mittlerweile zum größten Investor im osteuropäischen Bankenmarkt aufgestiegen und hält einen Marktanteil von durchschnittlich 25%. In der Slowakei und Kroatien beträgt dieser Wert sogar rund 40% (Slowakei 44%, Kroatien 45%). 

 

Das Betriebsergebnis der österreichischen Bankentöchter in Zentral-, Ost- und Südosteuropa hat sich in der Zeit von 2002 bis 2005 mehr als verdoppelt und manche österreichische Bank erwirtschaftet bereits die Hälfte ihres jährlichen Konzernergebnisses in diesen Regionen. 

 

Durch den Schritt in den Osten ist es unseren Banken nicht nur gelungen, Vorteile für ihr eigenes operatives Geschäft zu lukrieren – sie haben auch einen bedeutenden Beitrag zum europäischen Integrationsprozess geleistet. Solche wirtschaftlichen Verflechtungen, die ein zentrales Anliegen der Europäischen Union seit ihren Gründertagen waren, führen zu beachtlichen Wohlfahrtsgewinnen und tragen zu wirtschaftlicher und politischer Stabilität bei.

 

Die Vorteile einer erweiterten Europäischen Union liegen auf der Hand. Sowohl im Hinblick auf das Wirtschaftswachstum als auch hinsichtlich der Reformgeschwindigkeit ist Zentral- und Osteuropa zurzeit die dynamischste Region innerhalb Europas. 

 

Mit dem EU-Beitritt haben sich die neuen Mitgliedstaaten verpflichtet, alle notwendigen Maßnahmen zu setzen, um ihre Mitgliedschaft in der Wirtschafts- und Währungsunion durch die Einführung des Euro zu vervollständigen. 

 

Der Übertritt in den Euroraum ist an die Erreichung eines hohen Grades an wirtschaftlicher Konvergenz gebunden, wobei insbesondere auch deren Nachhaltigkeit sicherzustellen ist. Dazu gehören ein hohes Ausmaß an Preisstabilität, eine auf Dauer tragbare Finanzlage der öffentlichen Hand, eine mindestens zweijährige, erfolgreiche Teilnahme am Wechselkursmechanismus II (WKM II) sowie eine gewisse Angleichung der langfristigen Zinssätze an das Niveau der Währungsunion.

 

Die Slowakei beabsichtigt, mit 1. Jänner 2009 dem Euro-Währungsgebiet beizutreten. Dadurch würde die Slowakei in der Lage sein, an den Vorteilen der Gemeinschaftswährung teilzuhaben. 

 

Diese umfassen die Beseitigung des Wechselkursrisikos innerhalb des Eurogebietes, einen glaubwürdigen geldpolitischen Rahmen zur Sicherung von Preisstabilität und Kaufkraft, makroökonomische Stabilität und günstige Finanzierungsbedingungen und eine größere Widerstandsfähigkeit gegenüber internationalen Schocks und Krisen. 

 

Lassen Sie mich nach diesen grundsätzlichen Bemerkungen mit einigen praktischen Aspekten und Erfahrungen der Euro-Einführung in Österreich fortfahren.

 

Die WWU-Mitgliedstaaten der ersten Runde hatten eine relativ komfortable Vorbereitungszeit auf den Euro. Der Ablauf wurde 1995 und die Teilnahme 1998 entschieden, die Einführung des Eurobargeldes erst mit 1.1.2002 fixiert, sodass die ersten Währungsunion-Teilnehmer einige Jahre Zeit hatten, sich auf die Umstellung einzustellen und vorzubereiten. 

 

Staaten wie die Slowakei werden demgegenüber in einer anderen Position sein: Die Übergangszeit zwischen der unwiderruflichen Festlegung der Wechselkurse und der Einführung des Euro-Bargelds wird viel kürzer sein. 

 

Aber im Unterschied zu 1999 existiert der Euro bereits. Und Sie können die reichhaltigen Erfahrungen, die Staaten wie Österreich mit der Euro-Umstellung gemacht haben, nutzen, um den Beitritt der Slowakei zur Währungsunion so erfolgreich und reibungslos wie möglich zu gestalten. 

 

Österreichs Ziel nach dem EU-Beitritt 1995 war es, 1999 bei der ersten Runde der Wirtschafts- und Währungsunion dabei zu sein. Die Qualifikation für die Teilnahme gelang dank einer nachhaltig disziplinierten Wirtschaftspolitik, aber auch einer ambitionierten Budgetkonsolidierung. Die praktische Umstellung auf den Euro verlief dank einer gut geplanten Strategie reibungs- und problemlos, einer Strategie, die von der Legistik über die Logistik bis hin zur intensiven Kommunikation mit der Politik, Wirtschaft und Bevölkerung alle Bereiche einer nationalen Koordination unterworfen hat. Wenn wir dafür so etwas wie den Schlüssel zum Erfolg ausmachen wollen, dann ist das sicherlich der Geist der Kooperation und des Konsenses, der alle beteiligten Akteure in dieser Frage an einem Strang hat ziehen lassen.

 

Eine dermaßen fundamentale Maßnahme wie eine Währungsumstellung bedarf einer sehr genauen Planung. Alle Kandidatenländer für die Euroumstellung haben nationale Masterpläne erstellt, und ich glaube sagen zu können, dass Österreich zu jenen Staaten gehört hat, die besonders akribisch geplant haben. Nicht nur der Staat, auch die Bundesländer und Gemeinden in Österreich haben eigene Aktionspläne aufgestellt, die mit dem nationalen Plan akkordiert waren. Um diese Informationsflüsse zu koordinieren, wurde ein nationales Steuerungskomitee etabliert, das von Finanzministerium und Oesterreichischer Nationalbank geführt wurde. 

 

In diesem Gremium waren alle Ministerien vertreten, die Sozialpartner, die Bankenverbände und die Vertreter von Ländern und Gemeinden. Dieses Komitee hat sich als sehr effizientes Steuerungsmedium erwiesen: Da alle entscheidenden Kräfte eingebunden waren, kam es zu keinen Informationslücken, niemand fühlte sich ausgeschlossen und niemand fühlte sich veranlasst, den Prozess durch Kritik oder unkoordiniertes Handeln zu ins Stocken zu bringen. Die OeNB selbst hatte ein eigenes Komitee zur Bargeld-Einführung eingerichtet, das den Prozess der Umstellung logistisch steuerte.

 

Davor hat die Vorbereitung auf den Euro schon eine Reihe von Umstellungen in der OeNB selbst notwendig gemacht: Die Maastricht Regeln bedingten eine Organisationsreform. Die geldpolitischen Instrumente wurden der Konzeption der künftigen EZB angepasst. Buchhaltungs- und Informatiksysteme mussten umgestellt werden. Und schließlich musste das neue Bargeld gedruckt werden.

 

Intern waren wir also gut auf den „Tag X“ vorbereitet. Aber der Euro musste ja nicht unter den Bankmitarbeitern eingeführt werden, sondern in der gesamten Volkswirtschaft. Wie haben wir die Außenwelt auf die große Umstellung vorbereitet? 

 

Lassen Sie mich einige unserer zentralen Herausforderungen und Maßnahmen nennen: Österreich ist ein Land mit einem hohen Bargeldzahlungsanteil. Für die Euro-Umstellung war es deshalb wichtig, die Menschen zur Benutzung von Bankomaten und elektronischen Zahlungsformen zu ermutigen. So könnten allzu lange Schlangen vor den Schaltern der Banken vermieden werden. Es musste dabei überlegt werden, mit welchen Denominationen die Bankomaten zu füllen sind. Zu Beginn der Euroumstellung hat sich Österreich für 10er und 100er-Banknoten entschieden, weil diese Werte relativ nahe den früheren wichtigsten Schilling-Denominationen waren. 

 

Durch die anfängliche Konzentration auf niedrige Euro-Werte mussten auch die Handelsunternehmen nicht so viel Wechselgeld halten. Erst nach und nach haben wir dann auch andere Denominationen hinzugefügt.

 

Der öffentliche Sektor hatte eine wichtige Vorbildfunktion in der Euro-Umstellung. Für wichtige Preise des öffentlichen Sektors wie Steuerklassen, Sozialversicherungsbeträge, Gebühren und Abgaben, Fahrscheine, Briefmarken, Parkscheine etc. wurden Rundungsregeln festgelegt. Auch alle Hinweise in Gesetzestexten, die Bezüge zum Zentralbankzinssatz enthalten, müssen beachtet und geändert werden.

 

Der wichtigste Kontakt zur Bevölkerung bei der Euro-Umstellung lief aber über den Unternehmenssektor. Die Unternehmen müssen nicht nur ihre Zahlungssysteme, ihre EDV-Anlagen und ihre Buchhaltungssysteme, sondern vor allem auch das gesamte Preissystem umstellen. 

 

Signalpreise müssen neu berechnet werden, was massive Auswirkungen auf Marketing- und Kommunikationsstrategien hat. Hier besteht ein hohes Risiko, dass es zu Preisanpassungen nach oben kommt. 

 

Die Bargeldumstellung selbst erforderte ein hohes Maß an Kommunikations- und Informationsarbeit sowie große logistische Anstrengungen: Produktion der Banknoten und Münzen, Vorverteilung des Bargelds, Förderung von Sicherheit und Lagerungskapazitäten, Ausgabe des neuen Bargelds und schließlich Rückholung der alten Bargeldbestände.

 

Die Branchen, die am meisten Bargeldtransaktionen aufweisen, sind kleine Lebensmittelhändler, Tabaktrafiken, Bäckereien, Transportunternehmen, Apotheken, Hotels und Restaurants. Auf diese galt es, gezielte Informationsmaßnahmen abzustimmen.

 

Um eine rasche Umstellung zu gewährleisten, wurde auch an den Gewohnheiten und der Einstellung der Bevölkerung gearbeitet. Je verbreiteter die Benutzung von Kreditkarten und bargeldlosem Zahlungsverkehr ist, desto weniger Aufwand ist für die Verteilung von Bargeld in der Umstellungsperiode notwendig. Je größer die Akzeptanz des neuen Bargelds in der Bevölkerung ist, desto schneller werden alte in neue Bargeldbestände getauscht werden. 

 

Im Endeffekt gelang es tatsächlich, die Periode der Doppelzirkulation kürzer als erwartet zu halten. Am Ende der zweiten Woche wurden schon rund 90% der Transaktionen in Euro abgewickelt. Das lag zum einen daran, dass es mühsam ist, zwei Währungen gleichzeitig in der Geldbörse zu halten. Zum anderen setzte auch so etwas wie ein Modeeffekt ein – es galt als modern, in Euro zu zahlen, und dieser Effekt überwog allfällige Skepsis gegenüber der neuen Währung bei weitem. Diesen Effekt zu erzielen, ist vor allem eine Kommunikationsaufgabe. Flankierende Maßnahmen auf der logistischen Seite sind zur Unterstützung notwendig.

 

Wenn ich mir die Bargeldhaltung in der Slowakei anschaue, liegt sie – meinen Informationen entsprechend – so wie in vielen anderen Nachbarstaaten über dem EU-Durchschnitt. Sie ist höher als in Österreich, aber auch Österreicher verwenden – wie ich schon ausführte – mehr Bargeld als der Durchschnittseuropäer.

 

Es kann sich also auszahlen, spezielle Anreize zu setzen und Maßnahmen zu treffen, um diesen hohen Bargeldanteil schnell umzutauschen. Zum Beispiel durch die Gebührenstruktur: In Österreich wurden im Bankensektor keine Gebühren von Privatpersonen für den Umtausch von so genannten „Haushaltsmengen“ eingehoben. Diesbezüglich hatte die OeNB den Banken zwar einen Richtwert in Höhe von 3.000 Euro pro Person und pro Tag gegeben, letztlich blieb aber die endgültige Definition der „Haushaltsmengen“ im Ermessen der Banken.

 

Gesamt gesehen hatte das den Effekt, dass die Leute ihr Bargeld mehr oder weniger sofort nach dem 31. Dezember 2001 eintauschten. Andererseits wissen wir auch mehr als fünf Jahre nach der Euro-Einführung von sehr hohen Bargeldbeträgen in Schilling, die noch nicht umgetauscht wurden, da wir für die letzte Serie von Schilling-Bargeld keine Frist für den Umtausch gesetzt haben.

 

Um den Bargeldbestand zu senken, haben wir schon vor der Einführung des Euro Anstrengungen unternommen, um die Haushalte zur Rückgabe von überzähligen Münzbeständen zu bewegen. Es gab Kampagnen, in denen vorgeschlagen wurde, gesammelte Kleinbetragsmünzen in der Bank einzutauschen oder für karitative Organisationen zu spenden. Spendenboxen wurden auf verschiedenen öffentlichen Plätzen aufgestellt.

 

Ich bin jetzt auf einige praktische Details des Übergangs zum Euro eingegangen. Damit wollte ich Ihnen zeigen, wie viele Dimensionen dieser Währungswechsel hatte und wie sehr das Gelingen oft von kleinsten Details abhängt, die von Experten genau geplant werden müssen. 

 

Wir werden gerne unsere Erfahrungen der Umstellung vom Schilling auf den Euro mit unseren Kollegen in der Slowakischen Nationalbank teilen und die bereits aufgebaute Kooperation diesbezüglich in den nächsten Monaten weiter intensivieren.

 

Zwei Nachbarstaaten wie Österreich und die Slowakei, die in den letzten Jahren schon gut vernetzt und zusammengewachsen sind, sind ein lebendiges Beispiel dafür, wie nutzbringend wirtschaftliche Integration für beide Seiten sein kann. Möge dieser Weg weiter intensiv beschritten werden und uns immer näher zusammenbringen.