Reden und Präsentationen


Generalversammlung des Verbandes österreichischer Banken und Bankiers

Dr. Klaus Liebscher, Gouverneur
Wien, 24. 6. 2008

Es gilt das gesprochene Wort.


Sehr geehrter Herr Präsident!

Sehr geehrte Damen und Herrn!

 

Sehr gerne habe ich die Einladung zu ihrer Generalversammlung angenommen! Ihr Verband, der sich als Interessensvertretung aller im Inland als Kapital- oder Personengesellschaft niedergelassenen Kreditinstitute versteht, ist, so will es mir scheinen, bei der Verfolgung dieses Ziels sehr erfolgreich, was wohl nicht allein mit der Zahl seiner Mitgliedsinstitute erklärt werden kann. Diese ist ja mit derzeit 64 ordentlichen und 17 außerordentlichen Mitgliedern vergleichsweise gering und hat sich seit meinen ersten offiziellen Kontakten als Gouverneur der OeNB mit ihrem Verband im Jahr 1995 auch kaum verändert. Im Finanzsektor bestimmt sich aber der Einfluss von Institutionen weniger nach der Zahl sondern vielmehr nach dem aggregierten Geschäftsvolumen ihrer Mitglieder und in dieser Hinsicht ist der Verband österreichischer Banken und Bankiers unübertroffen: Ende 2007 betrug der Anteil der Bilanzsumme der von ihm vertretenen ordentlichen Mitglieder an der gesamten Bilanzsumme aller in Österreich tätigen Kreditinstitute gut 38%. Bei den Eigenmitteln belief sich der Anteil auf 41%. 

 

Obwohl ihr Verband also relativ wenige Mitglieder aufweist sind sie andererseits jedoch viel heterogener als jene der vergleichsweise mitgliederstarken Kreditinstitutsverbände. Dies kommt – nicht nur, aber auch – in den Größenunterschieden der Mitgliedsinstitute zum Ausdruck. Das größte Institut vereinte 2007 rund 45% der gesamten Bilanzsumme der im Bankenverband vertretenen ordentlichen Mitglieder auf sich und die 10 kleinsten Institute brachten es zusammen lediglich auf 0,2%. Im Jahr 1995 entfielen auf die größte Mitgliedsbank knapp 39% und auf die 10 kleinsten Mitgliedsinstitute gut 0,5% der Bilanzsumme, die Konzentration war also auch im Bankenverband damals noch geringer. 

 

Lassen Sie mich Ihre heutige Generalversammlung nutzen, um auf einige aktuelle Entwicklungen im Umfeld der Finanzmärkte einzugehen. Zweifellos stellen die seit fast einem Jahr andauernden internationalen Finanzmarktturbulenzen das brisanteste Ereignis seit vielen Jahren dar. 

 

Ausgehend von der Subprime-Krise in den USA ist die Art und Weise, vor allem auch die Dimension bemerkenswert in der Hinsicht, wie sich Turbulenzen auf einen relativ kleinen und abgegrenzten Markt über komplexe Finanzinstrumente zum Transfer des Kreditrisikos in das globale Finanzsystem fortpflanzen konnten. 

  • Anfänglich beschränkten sich die Verwerfungen weitgehend auf den Markt für strukturierte, mit US-Subprime-Krediten unterlegte Produkte, die wegen der Ungewissheit über die Verteilung der daraus resultierenden Verluste auf einzelne Finanzinstitute zu Anspannungen auf dem Geldmarkt und zu einem Austrocknen der Verbriefungsmärkte führten.

  • Mit der Vorlage der Geschäftsergebnisse für das dritte Quartal 2007 zeigte sich, dass auch andere Segmente des strukturierten Kreditmarkts stark betroffen waren, was sich in steigenden Wertberichtigungen und Kreditausfallsprämien (CDS-Spreads) niederschlug.

  • Die nächste Welle erfasste insbesondere US-amerikanische Kredit- und Anleiheversicherer, deren erstklassiges Rating in Zweifel gezogen wurde, da hohe Garantiezusagen für strukturierte Kreditprodukte abgegeben wurden und sich die Kapitalausstattung durch Verluste verringerte.

  • Im Zuge der Turbulenzen kam es in großen Teilen des Finanzsystems zu einem verstärkten Abbau des Kredithebels („leverage“) mit negativen Auswirkungen auf die Liquidität in verschiedenen Märkten, was zum Teil zu deutlich geringeren oder zum völligen Erliegen der Handelsaktivitäten führte. Nach der von der US-Notenbank initiierten Übernahme von Bear Stearns durch JP Morgan und begleitenden geldpolitischen Maßnahmen kommt es seit Mitte März 2008 zu einer gewissen Entspannung. 

Rückblickend lassen sich grosso modo drei Hauptursachen für diese Turbulenzen feststellen, nämlich: 

  • die hohe Liquiditätsausstattung des internationalen Finanzsystems,

  • das mangelnde Risikobewusstsein zahlreicher Finanzmarktakteure und

  • die enorme Komplexität von Finanzinnovationen. 

Die reichliche Liquiditätsversorgung hat zu einer deutlichen Zunahme des Leverage in etlichen Segmenten des globalen und insbesondere des amerikanischen Finanzmarkts geführt. In den USA floss die überschießende Liquidität zu einem erheblichen Teil in den Immobiliensektor, wo in zunehmendem Maß Hypothekarkredite auch an Kreditnehmer schlechter Bonität vergeben wurden. Der sprunghafte Anstieg dieser Subprime-Kredite wurde durch eine unvorsichtige Kreditvergabepolitik gefördert, die massive Verschuldungsanreize setzte.

 

In einem Umfeld genereller und hoher Unsicherheit gewährten die Banken einander nur noch zögerlich Kredit, was sich in sinkender Liquidität auf den unbesicherten Interbankenmärkten und in steigenden Geldmarktzinsen äußerte. In dieser Situation war ein rasches und konstruktives Handeln der Zentralbanken gefordert.

 

Das Eurosystem reagierte auf die Geldmarktanspannungen mit einem aktiven Liquiditätsmanagement, dessen Ziel es war, die kurzfristigen Geldmarktsätze in der Nähe des Leitzinses zu halten.

 

Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass die hierbei getroffenen Maßnahmen keine strukturelle Änderung des geldpolitischen Handlungsrahmens des Eurosystems darstellt, zumal die EZB klar zwischen geldpolitischen Beschlüssen, die der Gewährleistung der Preisstabilität dienen, und Liquiditätsentscheidungen, die der Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit des Geldmarktes dienen, unterscheiden.

 

Von den aktuellen Finanzmarktturbulenzen sind neben Kredit- und Anleiheversicherern, die hohe Garantiezusagen für strukturierte Kreditprodukte abgegeben hatten, vor allem Banken – insbesondere Institute in den USA, in der Schweiz und in Deutschland – betroffen.

 

Das Ausmaß der Wertberichtigungen ist primär vom direkten und indirekten Engagement im US-Subprime-Markt sowie vom Refinanzierungsmuster und vom Geschäftsmodell („originate and distribute“ versus „originate and hold“ 1) der Banken abhängig. Zur Aufrechterhaltung ihrer Risikotragfähigkeit haben etliche der betroffenen Institute Kapitalerhöhungen – vor allem unter Beteiligung staatsnaher asiatischer und arabischer Fonds – durchgeführt.

 

Welche Lehren sind nun aus den jüngsten massiven Verwerfungen auf den Finanzmärkten zu ziehen? Grundsätzlich ist festzuhalten, dass eine genaue Analyse der Ursachen der Finanzmarktturbulenzen unabdingbar ist, bevor Maßnahmen auf internationaler Ebene gesetzt werden. Insgesamtoffenbarten die Turbulenzen aber an mehreren Stellen Schwächen im internationalen Finanzsystem, die behoben werden müssen. 

 

Hiezu zählen u. a.

  • Es ist notwendig, das Risiko- und Liquiditätsmanagement bei den Banken weiterzuentwickeln. Aufgrund der ehemals hohen Liquidität sowie der großen Risikofreudigkeit der Investoren schenkten insbesondere jene Banken, die sich auf die Vergabe von Krediten und deren anschließende Verbriefung konzentrierten, dem Liquiditätsrisikomanagement zu wenig Aufmerksamkeit. Es bestätigt sich auch die Notwendigkeit für Stresstests mit drastischen und dennoch plausiblen Szenarien.   

    • Das Basel Committee of Banking Supervision hat Mitte Juni  „global principles for sound liquidity risk management and supervision” aufgestellt.Unter anderem wird angestrebt, die Standards in folgenden Bereichen zu heben:  

    • Governance-Strukturen zur Definition von unternehmensweiten Liquiditätsrisikotoleranz.

    • Umfassendes Liqudititätsrisikomanagement, u. a. durch die Einbindung von off-balance-sheet Exposures.

    • Abstimmung und Abgleich der Risikoanreize bzw. Risikotoleranz individueller Unternehmenseinheiten mit der Risikobereitschaft des Gesamtinstituts.

    • Straffes Management von intra-day liquidity risks und collateral – Positionen.

    • Aufrechterhaltung von robusten Liquiditätspolstern, um Perioden knapper Liquidität besser widerstehen zu können.

    • Regelmäßige Bekanntgabe des Liquiditätsrisikoprofils und des Liquiditätsrisikomanagements durch die Banken.

Weitere Ansatzpunkte zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit des internationalen Finanzsystems sind aus unserer Sicht:

  • Die internen Anreizstrukturen, vor allem in den großen Investmentbanken mit ihren auf den kurzfristigen und weniger auf den mittel- und langfristigen Geschäftserfolg abzielenden Bonifikations- und Prämiensystemen, sind kritisch zu hinterfragen.

  • Es ist erforderlich, die Transparenz bei strukturierten Produkten und Zweckgesellschaften von Banken aber auch Versicherungen, Investiment- u. Hedge Fonds zu erhöhen, damit Investoren die mit diesen Konstruktionen verbundenen Risiken schneller und leichter erkennen können.In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass Basel II bereits zu einer verstärkten Offenlegung von Risiken beigetragen hat.
  • Bei der Weiterentwicklung der Rechnungslegungsstandards und Bewertungsmodelle sollten die Erfahrungen mit illiquiden Märkten berücksichtigt werden.

  • Die Ratingagenturen täten gut daran, ihren Ratingprozess für strukturierte Produkte zu reformieren und Rollenkonflikte, die sich aus ihren Tätigkeiten als Berater und als unabhängige Bewertungsagenturen ergeben könnten, zu vermeiden.

  • Die Turbulenzen haben einmal mehr gezeigt, dass die internationale Zusammenarbeit zwischen den Zentralbanken und deren Einbindung in die Bankenaufsicht zur Wahrung der Finanzmarktstabilität essenziell sind und weiter verstärkt werden muss.

  • In diese Richtung gehen auch die Empfehlungen des Financial Stability Forum und der EU-Kommission. Sie umfassen eine Verbesserung des Liquiditäts- und Risikomanagements, die Beaufsichtigung von außerbilanzmäßigen Geschäften, die Erhöhung der Transparenz und die Weiterentwicklung von Bewertungsansätzen, die Reform des Ratingprozesses für strukturierte Produkte, die effektivere Umsetzung von Erkenntnissen in Taten sowie die Vertiefung der internationalen Zusammenarbeit im Krisenmanagement.

  • Zur künftigen Vermeidung ähnlicher Finanzmarktprobleme wäre neben den angedachten Maßnahmen vor allem eine Verhaltensänderung bei den Investoren wünschenswert, nämlich eine eingehende Risikoprüfung potenzieller Investments. Dann würde die Disziplinierung durch den Markt besser funktionieren.

Lassen Sie mich zu diesem Themenkomplex abschließend festhalten: 

 

Das günstige wirtschaftliche Umfeld, die hohe Liquidität, niedrige Ausfallsraten ermöglichen es zahlreichen Finanzinstitutionen ihre Aktivseite einfach auszuweiten und ließen sie gewisse Grundstandards des Kreditgeschäftes vernachlässigen.

 

Nicht Investoren suchten Finanzierungsmittel, sondern Banken und andere Finanzinstitutionen suchten Investoren, denen sie unter vielfacher Außerachtlassung der erforderlichen Liquiditäts- und/oder Risikoprämien die Finanzierungsmittel zur Verfügung stellten. Zusätzlich verbunden mit Komplexen Produkten und offensichtlich auch ungenügenden Risikomanagementsystemen. 

 

Ich möchte an dieser Stelle aber ausdrücklich betonen, dass Banken im Interesse des Wachstums einer Volkswirtschaft und seiner Weiterentwicklung Risken übernehmen müssen, dass somit das Bankgeschäft ipso iure Risikogeschäft ist. Andererseits aber die inhaerenten Risken erkannt und der Risikotragfähigkeit des jeweiligen Finanzinstitutes angepasst bzw. angemessen sein müssen. Es macht keinen Sinn Finanzinnovationen von vornherein zu verdammen oder gar zu verbieten aber der risikobewusste Vorgang mit ihnen ist unerlässlich.

 

Ich möchte mich nun der Frage zuwenden, in welchem Umfang die österreichischen Banken von den Verwerfungen auf den internationalen Finanzmärkten tangiert wurden. Man könnte sagen, dass sie ohne gröbere Blessuren davon gekommen sind, sie wurden nur von den „Ausläufern der Sub-prime-Krise betroffen. Das haben sie vorzüglich ihrem Geschäftsmodell des „originate and hold“, ihremhohen Einlagenaufkommen, ihrer Ausrichtung auf das weniger zyklische Privatkundengeschäftund der Konzentration ihrer Aktivitäten auf Österreich sowie Zentral-, Ost- und Südosteuropa zu verdanken. Gemäß einer im März 2008 von OeNB und FMA unter den 30 größten österreichischen Banken 2)durchgeführten Umfrage lag der Abwertungsbedarf im strukturierten Kreditportfolio für das Gesamtjahr 2007 bei rund 1,1 Mrd EUR oder rund 7% des Gesamtexposures. 

 

Im April 2008 wurde eineweitere Umfrage unter den 6 größten und am stärksten im Markt für strukturierte Produkte exponierten Banken durchgeführt, um ihren Abwertungsbedarf im 1. Quartal 2008 zu erheben. Dieser wurde für strukturierte Kreditprodukte mit 550 Mio EUR bis 750 Mio EUR angegeben.

 

Auch bei diesen Zahlen handelt es sich fast ausschließlich um Wertberichtigungen aufgrund von Marktwertveränderungen, die wegen der hohen Volatilität der Marktpreise jeweils nur eine Momentaufnahme darstellen. So spiegeln die Zahlen für die ersten drei Monate 2008 die besonders negativen Marktentwicklungen im Februar und in der ersten Märzhälfte wider. Ab Mitte März hat sich die Lage auf den Finanzmärkten etwas entspannt.Dank ihrer robusten Eigenmittelausstattung und Refinanzierungsstrukturen ist die Stabilität des österreichischen Bankensystems weiterhin sehr hoch und die Gefahr einer Kreditklemme gering. Dennoch sind großvolumige Refinanzierungen über den Geldmarkt schwieriger geworden. Auch die Neubewertung von Risken führt zur Zurückhaltung bei risikoreicheren Investments bzw. zu höheren Zinsaufschlägen.

 

Obwohl sich die österreichischen Banken nicht gänzlich von den internationalen Finanzmarktturbulenzen abschotten konnten, gelang es ihnen, ihre Geschäftsaktivitäten und ihre Profitabilität im Jahr 2007 nochmals deutlich zu steigern. Im ersten Quartal 2008 hinterließen die Verwerfungen auf den internationalen Finanzmärkten aber auch bei ihnen Spuren. Erstmals seit 2002 kam es beim unkonsolidierten Betriebsergebnis der in Österreich meldepflichtigen Kreditinstitute im Jahresabstand zu einem Rückgang.

 

Vor allem der negative Saldo aus dem Finanzgeschäft und zum Teil auch die deutliche Reduzierung des Saldos aus dem Wertpapierprovisionsgeschäft dürften von den Auswirkungen der Finanzmarktturbulenzen herrühren.

 

Das dynamische Bilanzsummenwachstum der österreichischen Banken wird weiterhin maßgeblich vom Auslandsgeschäft in den zentral-, ost- und südosteuropäischen Ländern (CESEE) getragen.

 

Die Bedeutung dieser Länder für das Geschäftsvolumen und die Ertragslage der vor Ort tätigen österreichischen Banken nahm in jüngster Zeit auch ohne größere Bankenübernahmen zu, wobei zuletzt die rege Expansion in Südosteuropa und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten hervorstach. So stiegen die in der CESEE-Region gehaltenen Vermögenswerte von 16% der Bilanzsumme im Jahr 2005 auf knapp 26% im Jahr 2007 an. Der Anteil des CESEE-Geschäfts am konsolidierten Gewinn vor Steuern lag Ende 2007 bei knapp 43%, was einmal mehr bestätigt, dass die Geschäftsaktivitäten der österreichischen Banken in dieser Region deutlich profitabler sind als im Inland.

 

Allerdings darf man nicht vergessen, dass auch die mit den CESEE-Aktivitäten verbundenen Risiken zum Teil deutlich höher sind als in Österreich und dass sich der Wettbewerb in diesen Ländern kontinuierlich verstärkt, was tendenziell auf die Gewinnmargen drückt. Es ist daher unerlässlich, dass die CESEE-Expansion der Banken mit einemadäquaten Risikomanagement, ausreichenden Risikovorsorgen und einem entsprechenden Eigenkapitalpolster einhergeht.

 

Auch der internationale Währungsfonds (IWF) wies im Rahmen seines Ende vergangenen Jahres durchgeführten Follow-ups zum Financial Sector Assessment Program (FSAP) darauf hin, dass die aus dem CESEE-Geschäft resultierenden Risiken einer genauen Beobachtung bedürfen. Im Hinblick darauf unterstrich er auch die Notwendigkeit einer noch engeren Zusammenarbeit der Aufsichtsbehörden in den Heim- und Gastländern. Der IWF anerkannte aber auch, dass die österreichischen Banken die Öffnung der CESEE-Märkte frühzeitig genutzt haben, was sich in der Folge in erhöhten Erträgen und einer verbesserten Risikostreuung niederschlug.

 

Insgesamt stellte der IWF dem österreichischen Finanzsystem erneut ein gutes Zeugnis aus. Und er hielt insbesondere fest, dass Österreichs Finanzsystem weiter gestärkt worden und schockresistent sei.

 

In Bezug auf die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Aufsicht kam der IWF zum Urteil, dass diese – ausgehend von einem hohen Niveau – weiter verbessert worden seien. In einigen Punkten sah der IWF jedoch noch Verbesserungspotenzial.

 

So empfahl er etwa eine weitere Stärkung der Corporate-Governance-Prinzipien und sprach sich für eine klare Definition der Verantwortlichkeiten der Wirtschaftsprüfer sowie die weitere Stärkung ihrer Unabhängigkeit aus. Generell forderte der IWF auch eine stärkere personelle Ausstattung der Aufsicht sowie einen weiteren Ausbau der Vor-Ort-Prüfungen bei Finanzinstituten, grenzüberschreitende Krisensimulationsübungen und intensive Stresstests auch bei Versicherungen und Pensionskassen.

 

Angesichts der in den letzten Jahren erfolgten Umsetzung neuer, äußerst komplexer regulatorischer Vorschriften und der durchgeführten Finanzmarktaufsichtsreform hielt der IWF zudem eine längere Phase der Konsolidierung des aufsichtlichen sowie regulatorischen Rahmens für angebracht. Ich nehme an, dass diese Empfehlung des IWF von Ihnen mit besonderer Freude aufgenommen wird.

 

Lassen Sie mich abschließend einige Worte zur Reform der Finanzmarktaufsicht und deren praktischer Umsetzung sagen. Aufgrund der neuen Gesetzeslage ist die OeNB seit Anfang 2008 im Aufsichtsbereich vom externen Sachverständigen zum integrativen Bestandteil der Bankenaufsicht geworden.

 

Obwohl die Reform in organisatorischer Hinsicht an der Rolle der FMA als Allfinanzaufsichtsbehörde nichts geändert hat, wurden inhaltliche Kompetenzen und damit auch Verantwortung in der Bankenaufsicht auf die OeNB übertragen, die nunmehr für sämtliche Vor-Ort-Prüfungen und die gesamte Einzelbankanalyse und somit für das gesamte „fact finding“ zuständig ist. Damit verbunden ist die Verpflichtung der OeNB, der FMA alle Analyseergebnisse und relevanten Informationen zur Verfügung zu stellen und die FMA unverzüglich zu informieren, wenn eine wesentliche Veränderung der Risikolage eintritt oder ein Verdacht auf Verletzung von bankaufsichtsrechtlichen Bestimmungen vorliegt. Auf Ersuchen der FMA muss die OeNB zudem zusätzlich Einzelbankanalysen erstellen. Die FMA kann sich nunmehr weitgehend auf die Prüfungsergebnisse, Gutachten und Analysen der OeNB sowie die in die gemeinsame – durch die OeNB zu betreibende – Datenbank eingestellten Daten stützen. Daraus resultiert eine neue Form der Zusammenarbeit.Derzeit wird mit Hochdruck die Integration und Optimierung der Finanzmarktanalyse und Bankenaufsicht in der OeNB vorangetrieben. Alle wesentlichen Konzepte und Entscheidungeneinschließlich ihrer technischen, organisatorischen und ressourcenmäßigen Implikationenwerden gemeinsam von OeNB und FMA erarbeitet.

 

Die Umsetzung der Konzepte wird, wie geplant, sukzessive im Laufe des Jahres 2008 erfolgen.Die beschlossene Reform stellt für die Finanzmarktstabilität in Österreich insgesamt ein gutes Ergebnis dar, zumal zahlreiche Doppelgleisigkeiten bereinigt und die Verbindung von mikro- und makroprudenzieller Analyse gewährleistet werden.

 

Eine wesentliche Ergänzung zu den bankaufsichtsbezogenen Änderungen bildet zudem die explizite Verankerung des Finanzmarktstabilitätsauftrags der OeNB in § 44b Nationalbankgesetz.

 

Im Zusammenhang mit der Finanzmarktaufsicht möchte ich einmal mehr darauf hinweisen, dass in Österreich die Amtshaftungsregelungen in diesem Bereich sehr extensiv sind. In anderen EU-Mitgliedstaaten wird die Amtshaftung entweder generell ausgeschlossen oder zumindest enger definiert.

 

Die extensive österreichische Amtshaftung, die selbst im Fall leichter Fahrlässigkeit besteht, wurde auch vom IWF kritisiert, der sich ausdrücklich für eine Einschränkung der Amtshaftungsregelungen im Aufsichtsbereich aussprach. Wir sollten daher eine Regelung anstreben, in der die Aufsicht den Status des öffentlichen Interesses einnimmt, womit die Ansprüche Dritter weitgehend ausgeschlossen werden.

 

Ich wünsche dem Bankenverband und seinen Mitgliedern weiterhin viel Erfolg – im Interesse der Institute, im Interesse des österreichischen Finanzplatzes.

 



1) „Originate and hold“ bezeichnet ein Geschäftsmodell, bei dem die von einer Bank vergebenen Kredite im Regelfall bis zur Fälligkeit bei der kreditvergebenden Bank verbleiben. Es steht im Gegensatz zum „originate and distribute“ Modell, bei dem Kredite an andere Marktteilnehmer weiterverkauft werden.

2) Die 30 befragten Banken weisen zusammen einen Anteil von 68% an der gesamten Bilanzsumme des Bankensystems auf.