Presseaussendung


Direktinvestitionslücke Österreichs geschlossen

Ergebnisse der aktuellen Direktinvestitionsbefragung der Oesterreichischen Nationalbank

Wien, 15. 7. 2004




Dank der Ostöffnung ist es gelungen, Österreichs Rückstand bei der aktiven Internationalisierung innerhalb nur eines Jahrzehnts aufzuholen. Zum Jahreswechsel 2002/2003 waren aktive und passive Direkt­investitionsbestände mit 40 ½ bzw. 41 ½ Mrd. EUR beinahe ausgeglichen. 2002 arbeiteten 300.000 Menschen außer­halb Österreichs in Betrieben heimischer Investoren, in Österreich waren 245.000 Menschen in Unternehmen mit ausländischem Einfluss beschäftigt.

Dabei erwirtschaften Österreichs Auslandstöchter wachsende Erträge: Mit 2,7 Mrd. EUR im Jahr 2002 hat sich der Jahresgewinn sogar verdoppelt. Besonders erfolgreich waren einmal mehr die Beteiligungen in Zentral- und Osteuropa, die 1,3 Mrd. EUR zum positiven Jahresergebnis beitrugen. Die Verluste des Jahres 2001 in der EU haben sich als Ausnahme erwiesen. Auch die Ertragslage der heimischen Unternehmen in ausländischem Besitz war mit 3,7 Mrd. EUR ausgezeichnet. 

Detaillierte Daten erscheinen als Beilage zum Statistischen Monatsheft 6/2004 und sind hier abrufbar.


Ein erfolgreicher Aufholprozess

Nach den Ergebnissen der jüngsten Direktinvestitionsbefragung der OeNB belief sich der Wert strategischer Firmenbeteiligungen von Österreichern im Ausland (aktive Direkt­investitionen) zum Jahreswechsel 2002/03 auf 40,5 Mrd. EUR, die ausländischen Beteiligungen in Österreich (passive Direktinvestitionen) repräsentieren einen Wert von 41,5 Mrd. EUR. Damit ist der mit der Ostöffnung einsetzende Aufholprozess bei der aktiven Internationalisierung der österreichischen Wirtschaft beinahe abgeschlossen. 1990 hatte der Wert der aktiven Direktinvestitionen 3,7 Mrd. EUR, jener der passiven Direktinvestitionen 8,5 Mrd. EUR betragen. Vor allem die Auslandsbeteiligungen österreichischer Unternehmen waren 1990 mit nur 2,6% des BIP deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt der grenzüberschreitenden Verflechtung von 8,6% gelegen. Mittlerweile beläuft sich der weltweite Bestand an aktiven Direktinvestitionen auf mehr als 21%, Österreich liegt mit beinahe 19% des BIP aber nur mehr wenig zurück. Dank anhaltend reger Direktinvestitionsaktivitäten im Jahr 2003 ergibt sich laut Zahlungsbilanz­statistik für den Jahreswechsel 2003/2004 ein erwarteter Bestand an aktiven Direktinvestitionen in der Größenordnung von 47 Mrd. EUR, was dann tatsächlich erstmals mehr wäre als die erwarteten 46,7 Mrd. EUR an passiven Beteiligungen (Tabelle 1).

Entwicklung 2002 

Gegenüber dem Jahresende 2001 hat das im Ausland investierte Firmenkapital um 25% zugenommen. Ein nicht unerheblicher Teil des Zuwachses muss dabei nicht mehr aus Österreich zugeführt werden, sondern ist auf endogenes Wachstum zurückzuführen. So sind etwa die in den Bilanzen der Auslandstöchter ausgewiesenen Rücklagen von 12,8 auf 15,5 Mrd. EUR angestiegen und die Gewinnvorträge haben sich zwischen 2001 und 2002 verdoppelt (von 0,7 auf 1,4 Mrd. EUR). Allerdings ist 2002 auch die Zahl der österreichischen Investoren gestiegen (von 935 auf 955). Diese Investoren waren zum Stichtag an 2.442 (+123) ausländischen Unternehmen beteiligt und beschäftigten insgesamt 299.100 Personen (+10,7%).

Wie schon in den vergangenen Jahren konzentrierte sich auch im Jahr 2002 die Zunahme an Direktinvestitionsbeständen auf Zentral- und Osteuropa (3,2 von insgesamt 8,2 Mrd. EUR). Innerhalb der Länder Mittel- und Osteuropas war die Ausweitung der Bestände in der Tschechischen Republik und in Ungarn am größten, gefolgt von Kroatien und Russland. Auch in Slowenien, Polen, und Rumänien betrug die Zunahme jeweils mehr als 100 Mio. EUR. Die Direkt­investitionen in der EU sind um 2,8 Mrd. EUR gewachsen, am meisten in Deutschland, aber auch in Italien und in Dänemark. Die stärksten Zuwächse außerhalb  Europas ergab die Erhebung der OeNB in den karibischen Offshore-Finanzzentren (+1,5 Mrd. EUR). Zu Jahresbeginn 2003 entfielen nur noch 37% der österreichischen DI-Bestände im Ausland auf die Europäische Union, aber bereits 36% auf Mittel- und Osteuropa. Weitere 7% der Direkt­investitionsbestände sind im restlichen Europa veranlagt, größtenteils in der Schweiz und in Liechtenstein. Unter den außer­europäischen Zielen stehen die USA und die karibischen Offshore-Finanzzentren mit 6 bzw. 10% im Vordergrund, auf alle übrigen Länder, darunter die Schwellenländer Asiens und Lateinamerikas, entfallen nur 3% des österreichischen Direkt­investitionskapitals. 

Schon die Zahlungsbilanz des Jahres 2002 hatte ein nur bescheidenes Wachstum passiver  Direktinvestitionen erwarten lassen. Einige größere Desinvestitionen hatten dazu geführt, dass Bestandszuwächse nur auf reinvestierte Gewinne zurückzuführen waren. Die in der Befragung verzeichnete Zunahme des investierten Kapitals um 6,5% ist die niedrigste seit mehr als 10 Jahren. Die Zahl der bestehenden Beteiligungen blieb mit 3.327 unverändert, die Zahl der Investoren hat kaum (+3 auf 3.078) und die Zahl der direkt abhängigen Unternehmen nur leicht (um 26 auf 2.633) zugenommen. Auch die Zahl der Österreicher, die für ausländische Eigentümer arbeiten, stagniert bei 245.000 Personen. 

Die passiven Direktinvestitionen konzentrieren sich traditionellerweise auf Deutschland und die EU. Zwischen Jahresende 2001 und 2002 sind jedoch nur die Bestände im Besitz amerikanischer Investoren, und zwar um 2,4 Mrd. EUR, gestiegen. Die deutschen, italienischen und niederländischen Direktinvestitionsbestände in Österreich haben um 600, 450 und 240 Mio. EUR abgenommen. Dennoch dominieren weiterhin EU-Investoren. 73% der passiven Direktinvestitionen befanden sich zu Jahresende 2002 in ihren Händen, mehr als die Hälfte davon in deutschem Besitz. Auf das übrige Europa kommen weitere 7%, darunter vor allem die Schweiz und Liechtenstein. Wichtigste außereuropäische  Unternehmenseigner in Österreich sind die USA mit 11%, während Geldgeber aus Japan oder den Golfstaaten nur noch 2 bzw. 1% halten. 

Erträge

Die Erträge öster­reichischer Beteiligungsunternehmen im Ausland beliefen sich 2002 auf 2,7 Mrd. EUR; sie haben sich damit gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt (Tabelle 2). Die Eigenkapital­rentabilität österreichischer Direktinvestitionen, die in den frühen neunziger Jahren gelegentlich negativ gewesen war, erreichte mit 8,2% einen Höchststand. Besonders erfolgreich waren einmal mehr die Beteiligungen in Zentral- und Osteuropa, die 1,3 Mrd EUR zum positiven Jahresergebnis beitrugen. Da sich auch die Verluste des Jahres 2001 in der EU als Ausnahme erwiesen haben, verbleiben nur mehr die Beteiligungen in Nordamerika, die in Summe mit Verlust bilanzierten. 

Auch die Erträge der unter ausländischem Einfluss stehenden österreichischen Direkt­investitionsunternehmen erreichten Rekordniveau. Das Jahres­ergebnis konnte erneut um 260 Mio. EUR auf 3,7 Mrd. EUR gesteigert werden. Dieser Zuwachs steht im Einklang mit der Zunahme des Kapitaleinsatzes, sodass sich die Rentabilität mit 11% gegenüber dem Vorjahr praktisch nicht verändert hat. 






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