- Per Ende 1999 erreichte der Bestand an aktiven Direktinvestitionen Österreichs im Ausland mehr als 80% des Wertes ausländischer Direktinvestitionen in Österreich.
- Knapp 200.000 Arbeitnehmer in 2095 Unternehmen arbeiten im Ausland für österreichische Eigentümer. Umgekehrt standen 1999 rund 228.000 österreichische Arbeitsplätze in 2540 Unternehmen unmittelbar unter ausländischem Einfluss.
- Österreichs Tochterunternehmen im Ausland verdoppeln 1999 den Jahresgewinn. Auch die ausländisch beeinflussten Unternehmen in Österreich erwirtschaften Rekorderträge.
- Detaillierte Daten erscheinen als Beilage zum Statistischen Monatsheft 6/2001 und sind hier als Acrobat-Reader Dokument abrufbar
Nach den Ergebnissen der jüngsten Direktinvestitionsbefragung der OeNB erreichte der Gesamtstand der österreichischen Direktinvestitionen im Ausland (aktivseitig) per Ende 1999 19,0 Mrd. EUR (262 Mrd. S), der Gesamtstand der ausländischen Direktinvestitionen in Österreich (passivseitig) betrug 23,4 Mrd. EUR (321 Mrd. S).
Wie beinahe jedes Jahr seit der Ostöffnung wuchs der Gesamtstand 1999 auf der Aktivseite mit rund 28 % stärker als auf der Passivseite (16 %). Sowohl die Zunahme der österreichischen Investitionen im Ausland (4,1 Mrd. Euro; 56 Mrd. S) als auch die Zunahme der passiven Direktinvestitionen (um 3,2 Mrd. EUR; 44 Mrd. S) markieren jeweils Höchstwerte. Insgesamt hat sich die „Lücke“ zwischen den Ständen an aktiven und passiven Direktinvestitionen auch 1999 weiter reduziert: Die aktiven Direktinvestitionen erreichten mehr als 81% des Niveaus der ausländischen Direktinvestitionen in Österreich, während sie um 1990, zu Beginn des Aufholprozesses, weniger als ein Drittel betragen hatten.
Die Zunahme aktiver Direktinvestitionen erfolgte bei gleich bleibender Anzahl österreichischer Investoren (rd. 900), die sich an einer größeren Zahl ausländischer Unternehmen (+89) beteiligt haben. 1999 arbeiteten insgesamt 199.200 Ausländer in 2.095 österreichischen Tochterunternehmen im Ausland, was einem Wachstum von 6 % gegenüber 1998 entspricht.
Die Zunahme der passiven Direktinvestitionen ging mit einer Konzentration der Investoren einher. Ihre Zahl nahm um 21 auf 2.992 ab, während die Zahl direkt abhängiger Unternehmen um 17 auf 2.442 anstieg. Die Zahl der Österreicher, die für ausländische Eigentümer arbeiten, blieb mit 228.400 Personen unverändert.
Die Zahlungsbilanzstatistik 2000 zeigte erneut sehr hohe aktive Direktinvestitionsumsätze. Die passiven Ströme waren wegen der Fusion der Bank Austria mit der Hypo-Vereinsbank im Jahr 2000 sogar drei Mal so hoch wie in „normalen“ Jahren. Zum Jahreswechsel 2000/01 dürfte der Bestand daher auf der Aktivseite etwa 23 1/2 Mrd. EUR, auf der Passivseite sogar 30 1/2 Mrd. EUR an investiertem Kapital erreicht haben.
Regionale Struktur
Die stärkste Ausweitung erfuhren die aktiven Direktinvestitionen im Jahr 1999 in Schweden, auf das 15% des Zuwachses entfiel. Schweden wurde damit zum neuntwichtigsten Zielland und erscheint erstmals in der Gruppe der 15 wichtigsten Länder. Deutschland folgt mit 10% des Zuwachses an zweiter Stelle: seine dominierende Stelle als wichtigstes Ziel österreichischer Auslandsinvestitionen ist damit zwar nicht gefährdet, doch hat sich sein Anteil am gesamten, im Ausland investierten Unternehmenskapital innerhalb von 10 Jahren halbiert. Auf den Plätzen folgen die USA, das Vereinigte Königreich, die karibischen Offshore-Finanzzentren und Singapur. Die Ausweitung der Direktinvestitionen in den mittel- und osteuropäischen Ländern war 1999 - zumindest gemessen am Wachstum des Kapitalstocks - relativ schwach. Insgesamt hat sich die Struktur jedoch kaum geändert: Zu Jahresende 1999 entfielen etwa 45% der österreichischen DI-Bestände im Ausland auf die Europäische Union, etwas weniger als 30% auf Mittel- und Osteuropa, 8% auf die USA, 6% auf die Schweiz und 5% auf die karibischen Offshore-Finanzzentren. Auf den Rest der Welt, darunter auch die Schwellenländer Asiens und Lateinamerikas, entfallen bloße 4% des österreichischen Direktinvestitionskapitals.
Betrachtet man die Zahl der Beteiligungen bzw. die Beschäftigtenzahlen, so stellt sich die Situation allerdings anders dar: Am stärksten gewachsen ist die Zahl der Beteiligungen in Mittel- und Osteuropa (ohne Ungarn), nämlich um 66 bei einer Gesamtzunahme um 94 Beteiligungen. Ähnlich ist das Bild beim Beschäftigungszuwachs: Er findet ganz überwiegend in Mittel- und Osteuropa (ohne Ungarn) statt: Mehr als 10.000 von insgesamt 11.500 zusätzlichen Beschäftigten finden sich in dieser Region. Zum Jahreswechsel 1999/2000 arbeiten 130.000 von 200.000 Auslandbeschäftigten in mittel- und osteuropäischen Töchterbetrieben (davon 50.000 in Ungarn, 31.000 in Tschechien, 15.000 in Polen und 12.000 in der Slowakei), während in der EU ein gutes Viertel, außerhalb Europas deutlich weniger als 10% der Beschäftigten zu finden sind.
Drei Viertel des Zuwachses an ausländischem Direktinvestitionskapital in Österreich im Jahr 1999 waren drei Ländern zuzurechnen, nämlich der Schweiz, dem Vereinigten Königreich und Deutschland. Größere Verschiebungen in der Rangreihe der Investoren haben sich dadurch nicht ergeben, wenn man davon absieht, dass das Vereinigte Königreich Japan und Frankreich überholt hat und nun an 6. Stelle liegt. Mittelfristig lässt sich eine wachsende Bedeutung von Geldgebern aus der EU feststellen. Ihr Kapitalanteil ist von gut 60 auf über 70% angestiegen. Auf Deutschland, das wichtigste Herkunftsland, entfallen alleine etwa 40%. Die wichtigsten außereuropäischen Investoren sind die USA mit 7%, Japan mit 3% und die Golfstaaten mit 2%.
Branchenstruktur
Die Neu-Investitionen Österreichs im Ausland konzentrierten sich 1999 zu beinahe drei Viertel auf den Dienstleistungssektor (Tabelle 3). Damit setzte sich die Tendenz der wachsenden Bedeutung dieses Sektors fort. Auf ihn entfallen bereits 70% der aktiven Direktinvestitionsunternehmen im Ausland, während nur 28% im Produktionsbereich und 2% im Sektor Bergbau und Energie liegen. Die höchsten Zunahmen gab es bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen (einschließlich Holdinggesellschaften) und im Finanzsektor. Innerhalb der Sachgüterproduktion sind vor allem die Nachrichtentechnik und die Steinwarenindustrie erwähnenswert. Mehr als verdoppelt hat sich das österreichische Engagement in der Holzindustrie. Nennenswerte Desinvestitionen waren 1999 in keiner Branche zu beobachten.
Entgegen dem Trend der letzten Jahre waren auf der Passivseite starke Investitionen in der Sachgütererzeugung zu verzeichnen: Zu verdanken war der hohe Anteil von 42% vor allem der nachrichtentechnischen Industrie, wo das investierte Auslandskapital um beinahe 900 Mio. EUR anstieg. Noch stärker war die Ausweitung im Handel und in den unternehmensbezogenen Dienstleistungen. Schrumpfende Kapitalbestände gab es im Kreditwesen, bei der Nachrichtenübermittlung und im Maschinenbau. Insgesamt hat sich damit die Struktur leicht zu Gunsten der Sachgütererzeugung verschoben: ihr Anteil stieg von 1998 auf 1999 von 29 auf 31%, während der Dienstleistungssektor von 70 auf 68% zurückging.
Erträge
Die Ertragslage österreichischer Beteiligungsunternehmen im Ausland hat sich 1999 weiter deutlich verbessert. In allen relevanten Zielregionen war das Jahresergebnis 1999 positiv. Insgesamt erwirtschafteten die aktiven Direktbeteiligungen 1999 ein Jahresergebnis von 1,1 Mrd. EUR, beinahe doppelt so viel wie im Vorjahr. Der bisher stets negative Saldo aus Gewinn- und Verlustvorträgen konnte erstmalig von -90 Mio. EUR in einen Gewinnvortrag von 320 Mio. EUR gedreht werden.
Rekordniveau erreichten auch die Erträge der unter ausländischem Einfluss stehenden österreichischen Direktinvestitionsunternehmen. Einerseits konnte das Jahresergebnis um 600 Mio. EUR auf nunmehr 2,55 Mrd. EUR gesteigert werden, gleichzeitig reduzierte sich der Saldo aus Gewinn- und Verlustvorträgen von +470 auf +130 Mio. EUR.
Tabelle 1: Bestände und Ströme an aktiven und passiven Direktinvestitionen in Österreich
Tabelle 2.1: Stand der österreichischen Direktinvestitionen im Ausland zu Jahresende
Tabelle 2.2: Stand der ausländischen Direktinvestitionen in Österreich zu Jahresende
Tabelle 3: Branchenstruktur der aktiven und passiven Direktinvestitionen im Zeitverlauf
Tabelle 4.1: Erträge aus österreichischen Direktinvestitionen im Ausland nach Regionen
Tabelle 4.2: Erträge der ausländischen Direktinvestitionen in Österreich nach Regionen