- Die Direktinvestitionen Österreichs im Ausland beliefen sich im 1.Halbjahr 2001 auf 1,65 Mrd € (22,7 Mrd S), zweieinhalb Mal soviel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
- In Osteuropa wurden in den ersten sechs Monaten 2001 bereits 1,4 Mrd € investiert, mehr als normalerweise in einem ganzen Jahr. 560 Mio. € entfallen auf die Slowakische Republik.
- Abgeschwächt hat sich der Kapitalzufluss aus dem Ausland: Er lag mit 1,35 Mrd € (18,6 Mrd S) unter dem Niveau der letzten Jahre.
Bei der Vorstellung ihres Jahresberichts in Wien am 18. September hatte die UNCTAD prognostiziert, dass der weltweite Boom an Direktinvestitionen im Jahr 2001 zu Ende gehen dürfte. Ursache für die Abschwächung sei vor allem das verlangsamte Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten und die stark gesunkenen Börsenkurse. In Österreich tritt diese Abschwächung in sehr asymmetrischer Weise auf. Während nämlich die passiven Direktinvestitionen tatsächlich merklich schwächer wachsen als in den Jahren zuvor, erweisen sich die aktiven Direktinvestionen als sehr robust. Das Volumen aktiver Neuinvestitionen österreichischer Investoren könnte den Vorjahreswert noch einmal übertreffen.
Die aktiven Direktinvestitionen österreichischer Unternehmen im Ausland beliefen sich im ersten Semester 2001 auf netto 1.650 Mio. EUR und erreichten damit den höchsten, jemals in den ersten 6 Monaten eines Jahres erreichten Wert. Das laufende Halbjahresergebnis bewegt sich in der Größenordnung der 1996 oder 1997 innerhalb eines ganzen Jahres getätigten Investitionen. Der Betrag von 1.650 Mio. EUR setzt sich zusammen aus Beteiligungen in Höhe von 1.510 Mio EUR (darunter 50 Mio EUR für Grundstückserwerb) und 120 Mio EUR an reinvestierten Gewinnen, während die konzerninternen Kreditbeziehungen nur zusätzliche 10 Mio EUR beitrugen. Im Beteiligungskapital enthalten sind Bruttoneuinvestitionen von rund 2.730 Mio EUR, denen 1.210 Mio an Desinvestitionen gegenüberstanden. Die relativ hohen Desinvestitionen stehen in Zusammenhang mit der Restrukturierung eines europäischen Finanzkonzerns. Diese Restrukturierung führte zu Netto-Desinvestitionen innerhalb der EU und umgekehrt zu hohen Beteiligungen in Übersee (Offshore-Financial Centers). 1,4 von 1,6 Mrd EUR Nettoinvestitionen flossen nach Mittel- und Osteuropa. Das ist mehr als alle bisherigen Jahresgesamtergebnisse mit Ausnahme des Jahres 2000: Spitzenreiter war die Slowakei (560 Mio EUR) vor Ungarn (210 Mio EUR), Slowenien (200 Mio. EUR) und Polen (100 Mio EUR). Neben Osteuropa sind nur noch die Investitionen in Deutschland und der Schweiz bzw. Liechtenstein mit 230 und 110 Mio EUR erwähnenswert. Die Branchen mit den höchsten Investitionen waren bisher die Banken, der Telekommunikationssektor und der Handel. Angesichts von mehr als 500 Fällen, in denen im laufenden Jahr neues Kapital bereit gestellt worden ist, finden sich jedoch in fast allen Branchen neue oder aufgestockte Beteiligungen.
Die passiven Direktinvestitionen des Auslands in Österreich waren in Absolutbeträgen mit 1.350 Mio EUR nicht viel geringer als die aktiven Direktinvestitionen. Im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren ist jedoch ein deutliches Nachlassen der Direktinvestitionsaktivität in Österreich nicht zu übersehen. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr wird sich das Vorjahresergebnis, das von der Fusion der Bank Austria mit der Hypo-Vereinsbank geprägt war, natürlich bei weitem nicht erreichen lassen, ein dritter oder vierter Platz ist jedoch wahrscheinlich.
Die Netto-Neuinvestitionen resultieren aus Brutto-Investitionen an Beteiligungskapital in der Höhe von 1.010 Mio EUR, denen die Desinvestitionen von 230 Mio. EUR gegenüberstehen, plus die geschätzten reinvestierten Gewinne von 700 Mio EUR. Die Kreditgewährung schließlich führt zu einem Abzug finanzieller Mittel im Ausmaß von 120 Mio EUR.
Dem langjährigen Durchschnitt entsprechend kam der Großteil des investierten Kapitals aus Deutschland (37% bzw. 490 Mio EUR). Auf den Plätzen folgen die Vereinigten Staaten (370 Mio oder 28%), die Niederlande (260 Mio; 19%) und die Schweiz (mit 140 Mio; 11%). Diese vier Länder waren auch nach den Resultaten der Befragung zu den Direktinvestitionsbeständen per Jahreswechsel 1999/2000 die vier wichtigsten Herkunftsländer ausländischen Kapitals in Österreich.
Der Telekommunikationssektor – in den vergangenen Jahren stets ein bevorzugtes Ziel ausländischer Investitionsprojekte – spielt im Jahr 2001 bisher keine Rolle. Größere Projekte betrafen unternehmensbezogene Dienstleistungen (häufig mit IT-Bezug), Banken und den Fremdenverkehr, im produzierenden Bereich waren die Sparten Elektronik, Steinwaren, Druck- und Verlagswesen, Chemie und Maschinenbau vertreten.