- Zum 31.Dezember 1998 hatte Österreich Auslandsverpflichtungen in der Höhe von 2.824 Mrd. ATS (205,2 Mrd. EUR).
- Da die Auslandsaktiva Österreichs zum selben Stichtag 2.318 Mrd. ATS (168,5 Mrd. EUR) betrugen, hatte Österreich per Saldo Nettoverpflichtungen gegenüber dem Ausland in der Höhe von 506 Mrd. ATS (36,8 Mrd. EUR), das entspricht rund 20% gemessen am BIP. Der größte Teil ist auf die Abdeckung der negativen Leistungsbilanzsalden zurückzuführen. Da Österreich auch 1999 ein Leistungsbilanzdefizit haben wird, ist eine Trendwende nicht zu erwarten.
- Wesentlich für die Entwicklung des Finanzvermögens auf der Aktiv- und Passivseite Österreichs war der weitere Aufbau des grenzüberschreitenden Wertpapierbesitzes sowie steigende Direktinvestitionen. Mit weiteren Beteiligungen und Wertpapierkäufen ist anhand der ersten Ergebnisse auch 1999 zurechnen.
- Die tiefe wirtschaftliche Verflechtung führte schon vor der Einführung des Euro zu hohen grenzüberschreitenden Forderungen und Verpflichtungen gegenüber den anderen Ländern der Wirtschafts- und Währungsunion. Mit einem Anteil von mehr als 50% spielten die Währungen des Euroraums eine entscheidende Rolle in der Bildung von Finanzvermögen von Österreichern im Ausland sowie von Ausländern in Österreich.
Entwicklung der grenzüberschreitenden Vermögenspositionen 1998
Der Wirtschaftsraum und Finanzplatz Österreich war auch im Jahr 1998 für Ausländer interessant, weshalb die Auslandsverpflichtungen Österreichs im Jahr 1998 um 311 Mrd. ATS auf 2.824 Mrd. ATS stiegen. Damit erreichten die Auslandspassiva zum Berichtsstichtag 31. Dezember 1998 eine Internationalisierungsquote von 107% gemessen am BIP, wodurch Österreich zu jenen OECD-Ländern gehört, die eine relativ hohe Internationalisierungsquote aufzuweisen haben. Der Zuwachs um rund 12% gegenüber dem Vergleichszeitpunkt des Vorjahres ist im Wesentlichen auf zwei Entwicklungen zurückzuführen:Einerseits wurde der Standort Österreich durch zusätzliche Direktinvestitionen von ausländischen Firmen weiter ausgebaut, wodurch sich der Beteiligungsstand um 74 Mrd. ATS erhöhte. Diese Expansion wurde auch durch die Liberalisierung im Telekommunikationsbereich unterstützt. Neben der Beteiligung an der Telekom Austria durch die Telecom Italia erhöhten Ausländer vor allem in den Branchen Energieversorgung und Kfz-Industrie ihre Beteiligungen. Der von Ausländern gehaltene Investitionsstock aus Direktinvestitionen betrug nach ersten Schätzungen mehr als 300 Mrd. ATS zum Stichtag 31. Dezember 1998.Andererseits erhöhten die Ausländer ihre Portefeuilles in inländischen Wertpapieren. Der Marktwert der im Auslandsbesitz befindlichen Wertpapiere betrug zum Berichtsstichtag 1.430 Mrd. ATS, das bedeutet eine Zunahme gegenüber dem Vergleichszeitpunkt des Vorjahres um 17%. Maßgeblich für diese Entwicklung war der Auslandsabsatz von festverzinslichen Wertpapieren, die vom Staat emittiert wurden. Ausländer hielten zum Jahresultimo rund 2/5 aller im Umlauf befindlichen Wertpapiere dieses Sektors mit einem Marktwert von 648 Mrd. ATS. Der größte Teil resultiert aus langfristigen Wertpapieren, die eine durchschnittliche ursprüngliche Laufzeit von knapp mehr als zehn Jahren haben. Die Restlaufzeit dieser Papiere betrug zum Stichtag im Durchschnitt 6,2 Jahre. Knapp weniger als zehn Prozent der zum Stichtag im Auslandsbesitz befindlichen Wertpapiere werden 1999 fällig. Nach Nominalwährungen gegliedert bestand der Auslandsbesitz zu 60% aus Emissionen in Währungen des Euroraums.Gleichzeitig baute Österreich sein Auslandsvermögen um rund 218 Mrd. ATS aus und hatte zum Stichtag 31. Dezember 1998 ein aus Finanzinvestitionen aufgebautes Vermögen von 2.318 Mrd. ATS. Wesentlicher Motor dieser Entwicklung ist der finanzielle Sektor Österreichs unter Einbeziehung der OeNB, der Banken sowie der sonstigen Finanzinstitute (insbesondere Investmentfondgesellschaften, Versicherungen) mit einem beherrschenden Anteil von knapp 80% an dem gesamten Auslandsvermögen Österreichs (1.820 Mrd. ATS). Die OeNB trug nachhaltig mit ihrem in den Währungsreserven enthaltenen Auslandsvermögen zu diesem Ergebnis bei. Die Banken hatten infolge ihrer traditionell starken Rolle als finanzintermediärer Sektor im Auslandsgeschäft knapp 50% des österreichischen Auslandsvermögens in ihren Büchern (1.140 Mrd. ATS). Das Finanzvermögen der Banken bestand vorwiegend aus kurzfristigen Einlagen im Zwischenbankverkehr, langfristigen Krediten mit starker Ausrichtung auf Osteuropa und Wertpapierinvestitionen sowohl im Euroraum als auch in Amerika. Daneben entwickelten sich die sonstigen Finanzinstitute zunehmend als Drehscheibe für die Auslandsveranlagungen von privaten Haushalten und Unternehmen. Ihr Anteil an der Vermögensposition im Ausland betrug zum 31. Dezember 1998 15%. Die Investmentfondgesellschaften und Versicherungen als wichtigste Vertreter des Sektors "sonstige Finanzinstitute" erwarben in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausländische Wertpapiere als Deckungsstock für ausgegebene Investmentzertifikate bzw. Versicherungspolizzen, die zum überwiegenden Teil an inländische Nichtbanken verkauft wurden. Zum Stichtag 31. Dezember 1998 betrug das Wertpapier-Portefeuille der inländischen institutionellen Anleger 334 Mrd. ATS, das ist knapp die Hälfte des gesamten Investitionsstocks aller Österreicher in ausländischen Wertpapieren. Daneben hielten private Haushalte ausländische Wertpapiere aus Direktveranlagungen, die einen Marktwert von 108 Mrd. ATS aufwiesen.Die tiefe wirtschaftliche Verflechtung Österreichs mit der Europäischen Union und – mit Beginn der Stufe 3 der Wirtschafts- und Währungsunion – mit dem Euroraum lässt sich auch in den grenzüberschreitenden Finanzinvestitionen ablesen. Leistungsbilanzdefizite, die in den Neunzigerjahren wesentlich zu einem negativen Finanzierungssaldo gegenüber dem Euroraum führten, dürften daher per Saldo auch aus dem Euroraum finanziert worden sein, da rund 40% der Auslandsforderungen bzw. 45% der Auslandsverpflichtungen gegenüber der Wirtschafts- und Währungsunion bestehen.Weiterführende Details sind in den Berichten und Studien, 3/1999 enthalten. Die Internationale Vermögensposition ist im Statistischen Monatsheft als Tabelle 7.1.0 für die Jahre 1993 bis 1998 veröffentlicht.
Internationale Vermögensposition 1998 – Tabelle 1
Internationale Vermögensposition 1998 – Tabelle 2