Presseaussendung


Die österreichische Zahlungsbilanz in den ersten drei Quartalen 2002

Wien, 15. 1. 2003


  • Deutliche Verbesserung der österreichischen Leistungsbilanz vor dem Hintergrund des konjunkturell ungünstigen Umfeldes
  • Weiterhin lebhafte österreichische Direktinvestitionstätigkeit im Ausland; ausländische Direktinvestitionen in Österreich geringer
  • Aktiv- und passivseitig höhere Wertpapiertransaktionen  

Die Leistungsbilanz Österreichs auf Transaktionsbasis verzeichnete in den ersten drei Quartalen 2002 ein Defizit von 0,8 Mrd. Euro gegenüber einem Defizit in Höhe von 3,6 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum 2001. Ausschlaggebend für diese Entwicklung war der auf nahezu 2 Mrd. Euro angewachsene Überschuss der Güter- und Dienstleistungs-bilanz einerseits sowie die deutliche Verringerung des Defizits der Einkommensbilanz andererseits.

Der Saldo der Güterbilanz, der im Vergleichszeitraum noch ein Passivum in der Höhe von 1,6 Mrd. Euro aufwies, drehte in den ersten drei Quartalen 2002 in einen Überschuss von 2,7 Mrd. Euro. Eine anhaltend schwache Binnennachfrage führte zu einem nominellen Rückgang der Güterimporte um rund 3,5 %. Die Exporte konnten hingegen trotz des konjunkturell ungünstigen Umfeldes um (nominell) rund 4 % gesteigert werden.

Der Reiseverkehr als bedeutendste Komponente der Dienstleistungen wies mit 1,4 Mrd. Euro einen nahezu gleich hohen Saldo wie im Vergleichszeitraum 2001 auf. Die von der Statistik ausgewiesenen Reiseverkehrsausgaben stiegen um rund 9 %, wobei aber zu berücksichtigen ist, dass infolge einer statistischen Erfassungsänderung erst wieder für das Jahresergebnis mit geeigneten Vergleichswerten zu rechnen ist. Die Zunahme der Reiseverkehrseinnahmen um 7 % auf 9,7 Mrd. Euro entspricht den tatsächlichen Gegebenheiten.

Eine Verbesserung konnte im Bereich der Einkommensbilanz erzielt werden. Das Defizit des Vergleichszeitraumes verringerte sich um 1,2 Mrd. Euro auf – 1,4 Mrd. Euro. Diese Entwicklung ist überwiegend mit Einkommenszuwächsen aus dem kurzfristigen Kapitalverkehr zu erklären. Der negative Saldo der Einkommen aus Direktinvestitionen sowie aus Portfolioinvestitionen stagnierte mit – 1,2 Mrd. Euro bzw. – 2,4 Mrd. Euro annähernd auf dem Niveau der ersten drei Quartale 2001.

Die Bilanz der laufenden Transfers wies mit 1,3 Mrd. Euro ein um 0,3 Mrd. Euro höheres Defizit aus als in den ersten drei Quartalen des Jahres 2001.
Die Bilanz der Vermögensübertragungen verzeichnete so wie im Vergleichszeitraum 2001 ein relativ geringes Defizit.

Im Bereich der Kapitalbilanz war in den ersten drei Quartalen 2002 gegenüber dem Ergebnis der Vergleichsperiode eine Drehung von einem positiven in einen negativen Saldo festzustellen, der durch Kapitalabflüsse aus Direktinvestitionen, Portfolio-investitionen und Finanzderivaten sowie durch Kapitalzuflüsse aus Sonstigen Investitionen verursacht wurde.

Österreichische Direktinvestoren tätigten in den ersten drei Quartalen 2002 mit netto 4,8 Mrd. Euro um 2 Mrd. Euro mehr – entgegen dem internationalen Trend - Direktinvestitionen im Ausland als im Vergleichszeitraum des Jahres 2001. Rückläufig waren hingegen die ausländischen Direktinvestitionen in Österreich. Im Vergleich zu den ersten neun Monaten des Jahres 2001 (rund 5 Mrd. Euro) betrug das Investitionsvolumen im Berichtszeitraum netto nur 1,2 Mrd. Euro. Damit verstärkte sich die bereits im ersten Halbjahr 2002 feststellbare Abschwächung der Investitionen von Ausländern in Österreich.

Einen deutlichen Anstieg verzeichneten die Portfolioinvestitionen im Vergleich zum Jahr 2001 sowohl auf der Aktiv- als auch auf der Passivseite. Der Erwerb von ausländischen Wertpapieren durch Inländer verdoppelte sich im Berichtszeitraum auf 22,4 Mrd. Euro. Hierbei betrug die Veranlagung in ausländische Anteilspapiere 3,7 Mrd. Euro. Ausländische Rentenwerte wurden von inländischen Investoren im Ausmaß von 18,7 Mrd. Euro erworben (1.-3. Quartal 2001: 11,9 Mrd. Euro). Beim Erwerb österreichischer Wertpapiere durch Ausländer war ein Zuwachs um 58 % auf 18,8 Mrd. Euro feststellbar (2001: 11,9 Mrd. Euro). Bemerkenswert ist, dass in den ersten neun Monaten des Jahres 2002 inländische Anteilspapiere in der Höhe von netto 1,7 Mrd. Euro durch ausländische Anleger gekauft wurden. Im Vergleichszeitraum hatten ausländische Anleger österreichische Anteilspapiere in Höhe von 4,3 Mrd. Euro abgegeben.

Im Bereich der Sonstige Investitionen, der insbesondere Kredite sowie Sicht- und Termineinlagen enthält, waren im Berichtszeitraum Kapitalzuflüsse in Höhe von 3,9 Mrd. Euro gegenüber Kapitalabflüssen von 1,5 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum 2001 festzustellen.


Tabelle – Zahlungsbilanz in den ersten drei Quartalen 2002

 



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