Rede Mag. Dr. Peter Zöllner


Pressekonferenz „Zahlungsbilanz 2002“

Österreich am Vorabend der EU-Erweiterung

Mag. Dr. Peter Zöllner , Direktor
Wien, 28. 4. 2003

Es gilt das gesprochene Wort.


Die Leistungsbilanz Österreichs

  • Erstmals seit zehn Jahren erzielt Österreich einen Leistungsbilanzüberschuss: 1,6 Mrd Euro oder 0,7% des BIP
  • Mit einer Verbesserung um 5½ Mrd Euro liegt Österreich innerhalb des Euroraums an dritter Stelle
  • Entscheidende Verbesserung der Handelsbilanz durch Exporterfolge bei rückläufigen Importen
  • Geringere Einkommensabflüsse tragen zur Aktivierung bei              


Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Österreich konnte im Jahr 2002 zum ersten Mal seit 1991 wieder einen Leistungsbilanzüberschuss erzielen.


(siehe Grafik 1: Leistungsbilanzsaldo in % des BIP)


Mit 1,6 Mrd Euro bzw. 0,7% des BIP liegt das Ergebnis allerdings immer noch in jener Bandbreite, die wir traditionell als „ausgeglichen“ bezeichnen. Den entscheidenden Beitrag für diese Verbesserung lieferte die Handelsbilanz. Aber auch die niedrigeren Nettoabflüsse bei den Vermögenseinkommen haben zur Aktivierung der Bilanz beigetragen. 

Der Umschwung in Österreich erfolgte im Gleichklang mit der generellen Entwicklung im Euroraum. Erstmals seit 1999 hat auch die Leistungsbilanz des gesamten Euroraums wieder mit einem Überschuss abgeschlossen, und zwar mit über 60 Mrd Euro bzw. 1% des BIP, wobei auch hier die Handelsbilanz den entscheidenden Beitrag leistete. Insgesamt haben acht von zwölf Mitgliedsstaaten ihren Leistungsbilanzsaldo verbessert, allen voran Deutschland. Mit einer Verbesserung um 5½ Mrd Euro liegt Österreich – absolut betrachtet – an dritter Stelle. 

Hintergrund dieser Entwicklung im Währungsraum sind die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen: Der erhoffte Wirtschaftsaufschwung in der EU ist im Jahr 2002 nicht eingetreten; die privaten Konsumausgaben waren generell schwach und die Ausrüstungsinvestitionen sind OECD-weit eingebrochen. Im Lichte des Vertrags von Maastricht sind auch der öffentlichen Nachfrage Grenzen gesetzt. 

Die zunehmenden Überschüsse des Euroraums spiegeln dabei in gewisser Weise die wachsenden Leistungsbilanzdefizite der Vereinigten Staaten wider. Dieses liegt derzeit bereits bei 5% des BIP bzw. 500 Mrd USD. Mit anderen Worten: Die USA benötigen derzeit einen Kapitalzufluss von 2 Mrd Euro pro Arbeitstag. Der wachsende Finanzierungsbedarf der USA – Schlagwort: twin deficits - dürfte ein Grund dafür sein, dass trotz eines nach wie vor bestehenden Wachstumsvorsprungs der Dollar gegenüber dem Euro zuletzt an Wert verloren hat. 

Neben dem Euroraum haben auch Japan, China und andere asiatische Staaten, die Schweiz, Norwegen und Russland sowie die OPEC-Staaten markante Leistungsbilanzüberschüsse. 

Den Beitrag Österreichs zum Leistungsbilanzüberschuss des Euroraumes kann man noch besser an Hand der Regionalgliederung beurteilen.

 

(siehe Grafik 2: Österreichs Leistungsbilanz nach Regionen)

 

Österreichs Leistungsbilanzsaldo hat sich zwar sowohl gegenüber dem Euroraum als auch gegenüber dem Rest der Welt verbessert, doch war der Leistungsbilanzsaldo mit den Ländern des Euroraumes nach wie vor deutlich negativ (2002 - 5,4 Mrd; 2001 - 8,1 Mrd Euro), während der Überschuss gegenüber den Ländern außerhalb des Euroraumes auf +7 Mrd Euro angewachsen ist (2001 + 4,2 Mrd Euro). Damit trug Österreich überproportional zum Leistungsbilanzüberschuss des Euroraumes bei.
Rechnet man die Überschüsse Österreichs gegenüber den 10 Beitrittsländern seit der Ostöffnung zusammen, kommt man auf beachtliche 27 Mrd Euro.



Die Güterbilanz

  • Erstmals seit Bestehen der 2.Republik weist die Handelsbilanz einen Überschuss auf 
  • Gedämpfte Inlandsnachfrage bewirkt Einfuhrrückgang 
  • Exportquote erreicht mit 36% neuerlich ein Rekordniveau              

 

Entscheidend für das Leistungsbilanzergebnis 2002 war die markante Verbesserung der Handelsbilanz. Erstmals seit Bestehen der 2.Republik weist die Handelsbilanz einen Überschuss auf. Die österreichischen Exporte wuchsen im Berichtsjahr um immerhin 4,1%, während die Importe angesichts des schwachen Konsums und rückläufiger Anlage-Investitionen wertmäßig um 2,2% zurückgingen. Die Entwicklung folgt hier dem Euroraum, wo die Exporte um 2,4% stiegen und die Importe um 3,4% abnahmen. Gegenüber ihren Mitbewerbern aus dem Euroraum konnte die österreichische Exportwirtschaft offensichtlich und erfreulicherweise Marktanteilsgewinne erzielen.

 

(siehe Grafik 3: Österreichs Export- und Importquoten)

 

Die Exporterfolge konzentrierten sich auf medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse, auf Gas und elektrischen Strom, auf den Export von Transportmitteln und Büromaschinen, sowie von Holz- und Papierprodukten. Österreich erzielt mit seiner Exportquote von 36% neuerlich einen Rekordwert, bleibt aber weiterhin hinter den „Weltmeistern“ Belgien und Holland zurück.
Die krisenhafte Entwicklung im Nahen Osten hat die Handelsbilanz nur wenig beeinflusst. Im Vergleich zu den 70iger und 80iger Jahren spielen die Energieimporte heutzutage eine wesentlich geringere Rolle. Im Jahr 2002 sind zwar die Energieimporte leicht gestiegen, die Energierechnung belief sich aber insgesamt nur auf 5 ½ Mrd Euro. Betrachtet man den wichtigsten Einzelposten, den Erdölimport, so zeigt sich, dass trotz gestiegener Mengen bei geringfügig niedrigeren Durchschnittspreisen vor allem der Wechselkurs des Dollars zu einer Reduktion der Kosten für die Ölimporte geführt hat. 

Unter regionalen Gesichtspunkten bleibt natürlich der Euroraum, – und insbesondere Deutschland – der wichtigste Absatzmarkt Österreichs. Dank seiner überdurchschnittlichen Dynamik und der räumlichen Nähe verdient aber der Bereich der Beitrittsländer1) besondere Beachtung:

 

(siehe Grafik 4: Österreichs Handel mit den Beitrittsländern)

 

Die wachsende Bedeutung dieser Länder als Absatzmarkt österreichischer Produkte lässt sich im Anteil an den Gesamtexporten gut ablesen. Er stieg von 4% zur Zeit der Ostöffnung auf zuletzt 12%. Auch im Jahr 2002 war das Wachstum der Exporte in diese Region mit 5,7% deutlich höher als etwa jenes der Exporte in die EU mit 3,1%. In Absolutbeträgen belief sich der Handelbilanzüberschuss im Jahr 2002 auf fast 2 Mrd Euro. Seit der Ostöffnung waren es insgesamt schon 15½ Mrd Euro. Dabei verlief die Entwicklung im Jahr 2002 in einzelnen Beitrittsländern durchaus unterschiedlich. Während die Ausfuhren nach Ungarn stagnierten, boomten die Exporte ins Baltikum. Gegenüber der Tschechischen Republik hat sich die Dynamik der Handelsbeziehungen zwar abgeschwächt, dennoch bewegte sich die Wachstumsrate des Exports im Durchschnittsbereich.

 

(siehe Tabelle 1: Handelspartner Österreichs Top 10)

 

Freilich gibt es auch außerhalb Europas dynamische Exportmärkte. So hat sich die Wachstumsrate der Exporte nach China zwar halbiert, mit 38% war sie aber immer noch bemerkenswert hoch. In absoluten Werten überschritten die Exporte nach China in der Berichtsperiode erstmals die 1 Mrd Euro Grenze (1,2 Mrd Euro). Damit ist China noch vor Japan das Hauptexportland Österreichs im asiatischen Raum.


Die Reiseverkehrsbilanz

  • Überraschend gutes Tourismusjahr für Österreich
  • Nächtigungsplus auch in der schwierigen Sommersaison – Österreich „profitiert“ von der abnehmenden Beliebtheit von Fernreisen
  • Reiseverkehrsbilanz weiter verbessert Einnahmen +5%, Ausgaben -1%
    Anzeichen für zunehmende Zurückhaltung bei den Ausgaben           

 

Erste vorläufige Schätzungen der Welttourismusorganisation für 2002 weisen ein überraschend starkes Wachstum von 3,1% bei der Zahl internationaler Touristenankünfte aus. Auch in Österreich ist die Zahl der Ausländernächtigungen im Kalenderjahr 2002 wieder gestiegen.

Auffallend ist die Tatsache, dass im abgelaufenen Jahr nicht nur die Nächtigungszahlen in der Wintersaison zugenommen haben. Nach einem Jahrzehnt, in dem es fast nur deutliche Rückgänge gegeben hat, gab es 2002 auch in der Sommersaison ein deutliches Nächtigungsplus. Freilich ist zu vermuten, dass dieser Erfolg nicht nur den Bemühungen der Tourismusanbieter zu verdanken ist, sondern auch mit den Ereignissen des 11. September und der Krise in Nahost zu tun hat. Österreichs Ruf als sicheres Reiseland und seine geographische Nähe zu den wichtigsten Quellmärkten dürften sich vorteilhaft ausgewirkt haben. Nach den vorläufigen Zahlungsbilanzergebnissen der Deutschen Bundesbank hat Österreich als Zielland deutscher Touristen etwa ab Mitte 2001 seit langer Zeit wieder Marktanteile gewonnen – vorwiegend zu Lasten der Überseedestinationen.

 

(siehe Grafik 5: Reiseverkehrsausgaben der Deutschen Urlaube)

 

Im Einklang mit den Nächtigungszahlen entwickelten sich die Deviseneinnahmen aus dem Reiseverkehr (+4,8%). Unter Berücksichtigung der Preisentwicklung sind die Einnahmen pro Nächtigung allerdings real kaum gestiegen. Im Jahresverlauf zeigte sich eine wachsende Zurückhaltung der ausländischen Gäste bei den Ausgaben. Darin kommt vermutlich die ungünstige Konjunkturlage in den wichtigsten Herkunftsländern zum Ausdruck.

Die Folgen des 11. September schlagen sich weiterhin in der Statistik der Herkunftsländer nieder. Deutliche Rückgänge gab es bei den Gästen aus Fernmärkten, vor allem aus den USA. Die Zuwächse konzentrieren sich wie schon im Vorjahr auf die traditionellen Nahmärkte, insbesondere Deutschland und die Niederlande. Besonders dynamisch, wenngleich bei immer noch relativ geringen Absolutzahlen, entwickeln sich die Märkte in den Beitrittsländern. Immerhin kamen Ungarn, Polen, Tschechen und Slowaken zusammen bereits auf 2,65 Mio Nächtigungen, das ist deutlich mehr als etwa Amerikaner oder Franzosen und entspricht etwa der Bedeutung italienischer Gäste. Die österreichische Tourismuswirtschaft wird von einem steigenden Wohlstand in den Beitrittsländern vermutlich erheblich profitieren können.

 

(siehe Grafik 6: Einnahmen und Ausgaben im österreichischen Reiseverkehrsbilan)

 

Zurückhaltend mit ihren Reiseverkehrsausgaben waren auch die Österreicher: So ist sowohl die Zahl der Reisen als auch die Reiseverkehrsausgaben (im weiteren Sinne) im Jahr 2002 geringfügig gesunken. Dadurch verbesserte sich der Überschuss der Reiseverkehrsbilanz um 800 Mio auf 3,2 Mrd Euro. 

Sehr geehrte Damen und Herren!

An dieser Stelle erwähnen wir üblicherweise die „Deckungsquote“, die beschreibt, in welchem Ausmaß der Reiseverkehrsüberschuss zur Abdeckung des Defizits im Warenhandel beigetragen hat. Mangels Außenhandelsdefizit muss oder kann die Berechnung diesmal entfallen.

Die Resultate einer Umfrage, die im Auftrag von OeNB und Statistik Austria bei 12.000 Haushalten durchgeführt wird, verweist ebenfalls auf sinkende Attraktivität von Zielen in Übersee: Der geschätzte Rückgang um 600 Mio Euro entspricht einem Minus von beinahe 30%. Den Rückgängen bei den „übrigen Mittelmeerländern“, das sind die Türkei, Nordafrika, Israel, Malta und Zypern, dürften ähnliche Ursachen zu Grunde liegen. Beliebtestes ausländisches Urlaubsland bleibt - trotz eines Rückgangs um 200 Mio - Italien mit 18% der Gesamtausgaben.


Die Einkommensbilanz

  • Defizit der Einkommensbilanz um 1 Mrd Euro verringert
  • Erträge aus Krediten und Einlagen entwickeln sich günstiger als 2001
  • Die quantitativ wichtigste Teilkomponente ist der negative Saldo aus Zinsen für Schuldverschreibungen

 

(siehe Grafik 7: Komponenten der Einkommensbilanz Österreichs)

 

Im Jahr 2002 hat sich der Nettoabfluss in der Einkommensbilanz um 1,1 Mrd Euro auf 2,3 Mrd verringert. Mit dem Abbau des Handelsbilanzdefizits ist die Einkommensbilanz – trotz der eingetretenen Verbesserung – zum größten Minusposten in der österreichischen Leistungsbilanz geworden: Angesichts wachsender grenzüberschreitender Vermögensveranlagungen wächst auch der Strom des damit zusammenhängenden Einkommens. Heute übertreffen die Einkommensströme in ihrer quantitativen Bedeutung bereits den Reiseverkehr. 

Neben den Arbeitsentgelten für Grenzgänger und Saisonniers, die auch 2002 zu dem üblichen Überschuss – in der Höhe von ½ Mrd Euro - geführt haben, bestimmt das Vermögenseinkommen diese Bilanz.

Während die Einkommen aus Direktinvestitionen und Portfolioinvestitionen ein Defizit in gewohnter Größenordnung aufweisen, haben die Einkünfte aus restlichen Komponenten (Kredite, Bankeinlagen, Währungsreserven) durch wachsende Überschüsse merklich zum Abbau des Leistungsbilanzdefizits beigetragen.

 

(siehe Grafik 8: Gläubiger und Schuldner gegenüber dem Ausland)

 

Da Österreich – Bankensektor, Staat, Unternehmen und Haushalte – bekanntlich mit rund 20% des BIP im Ausland verschuldet ist, fließt natürlich auch mehr Einkommen ins Ausland als umgekehrt. Größte Nettoschuldner sind der Staat und die Banken, während institutionelle Anleger, Unternehmen, private Haushalte und OeNB Nettovermögensbesitzer sind. Dementsprechend ist der Staat Nettozahler; OeNB und institutionelle Anleger dagegen die herausragenden Nettoempfänger von Vermögenseinkommen aus dem Ausland. Die Banken verstehen es, trotz negativer Auslandsposition einen Einkommensüberschuss zu erzielen.

 

(siehe Grafik 7: Komponenten der Einkommensbilanz Österreichs)

 

Einkommen aus Direktinvestitionen

 

  • Anhaltend hohe Gewinnausschüttungen bei Direktinvestitionen
  • Gewinnüberweisungen aus zentral- und osteuropäischen Ländern verdreifacht   
               

 

Die seit dem Jahr 2000 zu beobachtenden hohen Gewinnausschüttungen von Direktinvestitionsunternehmen halten an: Der Strom ausgezahlter Gewinne nach Österreich lag 2002 bei über 1 Mrd Euro, der Gewinnabfluss erreichte 1,8 Mrd Euro. Auf Basis der vorliegenden Ertragsschätzungen belaufen sich die nicht ausgeschütteten Gewinne ebenfalls auf 1 bzw. 1,8 Mrd Euro. Damit ergibt sich für aktive wie passive Direktinvestitionen eine Ausschüttungsquote von 50%. Für viele Unternehmen sind ihre Auslandstöchter zu wichtigen Ertragsbringern geworden. Das gilt für inländische Töchter fremder Konzerne ebenso wie mittlerweile auch für die Auslandstöchter österreichische Investoren. Besonders erfreulich war wiederum die Entwicklung in Zentral- und Osteuropa. Während nämlich die Dividendenzahlungen aus der EU im Jahr 2002 um 40% gefallen sind (auf 320 Mio Euro), haben sich die Gewinnüberweisungen aus Zentral- und Osteuropa verdreifacht (auf 230 Mio Euro).

Einkommen aus Portfolioinvestitionen

 

  • Einkommensabflüsse aus Wertpapieren nahezu unverändert
  • Langfristig festverzinsliche Wertpapiere dominieren das Geschehen              

 

Der Saldo der Erträge aus Wertpapierveranlagungen hat sich nach Jahren wachsender Defizite gegenüber 2001 kaum verändert: Dieser erfreulichen, möglicherweise auch überraschenden Entwicklung liegen zwei Ursachen zu Grunde: Zum einen ist das Nominalzinsniveau weiter gesunken, vor allem aber sind die Forderungsbestände österreichischer Gläubiger im abgelaufenen Jahr deutlich stärker gewachsen als die entsprechenden Verbindlichkeiten. Die Trendwende hat bereits früh im Jahr 2002 eingesetzt, so dass sich die Ertragseffekte dank der periodengerechten Verbuchung in der Transaktionsbilanz ebenfalls bereits im Jahr 2002 bemerkbar gemacht haben.

Der bei weitem überwiegende Anteil der Portfolioerträge von 5,6 Mrd Euro entfällt auf festverzinsliche Veranlagungen und darunter insbesondere langfristige (92%). Die Aktienerträge fallen mit 350 Mio vergleichsweise bescheiden aus. Sehr ähnlich ist auch die Zusammensetzung der zu zahlenden Portfolioeinkommen von 8,9 Mrd Euro; 96% entfallen auf festverzinsliche Wertpapiere, die Rolle der Aktien ist – nicht zuletzt mangels Angebot – hier noch geringer.

 

(siehe Grafik 9: Regionales Nettovermögenseinkommen aus Portfolioinvestitionen)

 

Angesichts der hohen Nettoverschuldung ist es nicht überraschend, dass Österreich in fast alle Regionen netto Einkommensabflüsse verzeichnet. Wie die Grafik zeigt, ist die einzige Ausnahme die Gruppe der Beitrittsländer. Betrachtet man die Bruttoströme ergibt sich folgendes Bild:

Wie die gesamte Außenwirtschaft Österreichs konzentrieren sich auch die Wertpapiererträge auf die EU. Deutschland steht bei den erhaltenen Erträgen mit beinahe 30% an erster Stelle; der in den vergangenen Jahren hohe Kapitalbedarf und die hohe Attraktivität des US Kapitalmarktes kommt mit einem Anteil von 11% zum Ausdruck. Die Beitrittsländer tragen immerhin 4% bei.
Die zu zahlenden Zinsen (und Gewinne) gehen zu 55% in den Euroraum. Besonders hohe Anteile finden sich aber auch bei den prominenten Finanzplätzen, etwa dem Vereinigten Königreich (24%) und der Schweiz (12%).

 

(siehe Grafik 7: Komponenten der Einkommensbilanz Österreichs)

 

Einkommen aus Krediten, Einlagen und Währungsreserven

 

  • Zunahme des Einkommensüberschusses aus Krediten, Einlagen und Währungsreserven
  • Nettoeinkommenszufluss sowohl aus dem Euroraum als auch aus den Beitrittsländern  
                

 

Der Einkommensüberschuss Österreichs aus grenzüberschreitenden Krediten, Einlagen und Währungsreserven hat sich im Jahr 2002 annähernd verdoppelt und betrug über 2 Mrd Euro. Eine positive Entwicklung zeigt sich bereits seit 1999. Gegenüber 2001 sind die Ausgaben aus österreichischer Sicht wesentlich stärker als die Einnahmen zurückgegangen. 

Die für Österreich positive Entwicklung der Einkommen aus Krediten und Einlagen war wesentlich durch das Ergebnis der Geschäftsbanken bedingt, deren Nettoeinkommensüberschuss bereits 2001 gestiegen war und sich im vergangenen Jahr verdreifachte. Während der Überschuss aus Krediten nach dem Spitzenwert im Jahr 2001 rückläufig war, reduzierte sich das Defizit aus Einlagen signifikant. Aufgrund der Bedeutung von Einlagen in USD bei österreichschen Banken bewirkte der Zinsrückgang in den USA zusammen mit einer Verringerung der Verpflichtungsbestände ein Sinken der Zinsaufwendungen.

 

Die Bilanz der laufenden Transfers

 

  • Beitragsrückzahlungen der EU verringern Österreichs Nettobeitrag              

 

Der negative Saldo der laufenden Transfers betrug in der Berichtsperiode 1,7 Mrd Euro, was einer Erhöhung um 340 Mio Euro entspricht. Ausschlaggebend für die Zunahme der Kapitalabflüsse waren in erster Linie Transaktionen des privaten Sektors. Die laufenden Transfers des öffentlichen Sektors wurden von den Transaktionen mit der EU dominiert. 2002 beliefen sich die Beiträge Österreichs an die EU auf 2,1 Mrd Euro, die Rückflüsse auf 1,6 Mrd Euro, woraus eine Nettozahlung von 420 Mio Euro resultierte.


Die Kapitalbilanz Österreichs

  • Erstmals seit 10 Jahren ist Österreich wieder Kapitalexporteur; 5,7 Mrd Euro netto im Ausland veranlagt
  • Risikoärmere Anlageformen treten verstärkt in den Vordergrund              

 

Für die Analyse der Kapitalbilanz muss man sich die finanzwirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Jahres 2002 in Erinnerung rufen. Hauptcharakteristikum der Finanzmärkte war und ist wohl das besonders hohe Maß an Unsicherheit. Nach dem Einbruch der Börsen seit Mitte 2000, haben Ereignisse wie der 11. September, aber auch die Bilanzskandale – vor allem in den USA – zu einer erheblichen Verunsicherung der Anleger beigetragen. Mehrfache Zinssenkungen der Notenbanken haben den Optimismus nicht zurück bringen können. Private Anleger, Fonds, aber auch Banken und Versicherungen haben mit enormen Abwertungen ihres Aktienvermögens zu kämpfen. Sichere Anlageformen wie Schuldverschreibungen treten wieder in den Vordergrund. Kurzfristige Veranlagungen sollen flexibles Reagieren auf geänderte Marktlagen erlauben.

 

(siehe Grafik 10: Finanzierungssaldeninländischer Sektoren)

 

Wie in fast allen Volkswirtschaften sind auch in Österreich die privaten Haushalte der Sektor mit Finanzüberschüssen, während sich Unternehmen und Staat verschulden. Das Ausland musste im gesamten vergangenen Jahrzehnt die Lücke zwischen Mittelaufkommen und Mittelverwendung schließen. Im Jahr 2002 hat sich das Bild aber wesentlich geändert: Das Sparen der privaten Haushalte einschließlich dem Finanzüberschuss des finanziellen Sektors war im Berichtsjahr erstmals wieder seit langer Zeit höher als der Nettofinanzierungsbedarf der Unternehmen und des Staats. Während sich für den Staat, vor allem Konjunktur bedingt, ein höheres Defizit ergab, reduzierten die Unternehmen sehr stark ihren Finanzierungsbedarf, wie sie auch ihre Investitionen stark zurückschraubten. Per saldo kam es daher im Jahr 2002 zu einem Nettoüberschuss gegenüber dem Ausland. 
Wie schlägt sich nun der Finanzüberschuss bzw. Finanzierungsbedarf der einzelnen Sektoren in der Kapitalbilanz nieder?

Der Haushaltssektor tritt im Ausland weder als Gläubiger noch als Schuldner nennenswert in Erscheinung. Auch die Unternehmen in Österreich sind selten groß genug, um massiv auf internationalen Finanzmärkten aufzutreten. Ein wichtiger Weg der internationalen Verflechtung sind hier jedoch die Direktinvestitionen, die in den neunziger Jahren an Bedeutung gewonnen haben. Unmittelbar im Ausland aktiv wird hingegen der Staat, ganz überwiegend freilich als Schuldner. Ausländische Gläubiger sind für die Finanzierung der Staatsschuld bereits wichtiger als Inländer. Den bedeutendsten Anteil an finanziellen Auslandsvermögen und – verpflichtungen weist der finanzielle Sektor aus, wobei die Banken per saldo im Ausland Mittel aufnehmen, die sie dann vorwiegend inländischen Unternehmen und Haushalten zur Verfügung stellen, während Versicherungen, Investmentfonds und Pensionskassen das Vermögen der Österreicher in Form von Portfolioinvestitionen im Ausland veranlagen. Auch die OeNB hält mit ihren Währungsreserven ein nennenswertes Auslandsvermögen.


Direktinvestitionen

  • Die Direktinvestitionen Österreichs im Ausland liegen nur knapp unter dem Rekordergebnis des Jahres 2000 
  • Direktinvestitionen des Auslands in Österreich sind eingebrochen 
  • Erstmals seit den frühen neunziger Jahren investiert Österreich mehr in grenzüberschreitende Unternehmensbeteiligungen als das Ausland in Österreich              

 

In Bezug auf Direktinvestitionsaktivitäten ist weltweit eine markante Ernüchterung unübersehbar. Das anhaltende Tief der Aktienkurse lässt viele Erwerbungen im Nachhinein als kostspielige Investition erscheinen. Noch dazu erschwert die niedrige Bewertung der Beteiligungen die Finanzierung weiterer Expansionsschritte. Generell ist daher nach der Halbierung des weltweiten Volumens im Jahr 2001 mit einem weiteren Rückgang zu rechnen. Die UNCTAD geht für 2002 von einem Rückgang um etwa ein Viertel aus. Für den Euroraum stellte die EZB fest, dass vor allem die Direktinvestitionen des Euroraums im Rest der Welt stark gesunken sind, während die passiven Direktinvestitionen nur wenig abgenommen haben.

Die Entwicklung in Österreich weicht von diesem Muster ab: Die aktiven Direktinvestitionen Österreichs haben sogar zugenommen und erreichten das zweithöchste jemals gemessene Volumen. Tatsächlich eingebrochen sind hingegen die Nettoinvestitionen des Auslands in Österreich.

 

(siehe Grafik 11: Direktinvestitionen nach Regionen – Jahresendstände)

 

Wie schon im Jahr 2001 konzentrierten sich die neu getätigten aktiven Direktinvestitionen auf Osteuropa, was den weiteren Anstieg des Anteils an den Gesamtbeständen bewirkte. Spitzenreiter unter den Zielländern war vor allem dank der Aufstockung der Beteiligung der Erste Bank an der Ceska Sporitelna die Tschechische Republik mit 890 Mio Euro. Die Investitionen von 760 Mio in Polen stehen mit Umstrukturierungen innerhalb des HVB-Bank Austria Konzerns im Zusammenhang. Ein außergewöhnlich hohes Investitionsvolumen war in Kroatien (mit 450 Mio Euro) zu verzeichnen. Mit Ungarn, Slowenien und der Slowakei finden sich drei weitere Beitrittsländer auf der Liste der 10 wichtigsten Zielländer österreichischer Direktinvestitionen.

 

(siehe Tabelle 2: Österreich als Direktinvestor in Osteuropa)

 

Entsprechend prominent ist die Rolle Österreichs als Geldgeber in einer Reihe von Beitrittsländern oder Beitrittskandidaten. Das kleine Österreich ist in Slowenien und Kroatien mit 50 bzw. 30% sogar der bedeutendste Investor aus dem Ausland. Auch in Ungarn, der Tschechischen und der Slowakischen Republik kommt Österreich auf Medaillenränge, übertroffen nur von Deutschland und den Niederlanden. 

Sehr geehrte Damen und Herren!

Wie die vorhin erwähnten Beispiele bereits andeuten, war im Jahre 2002 wieder einmal der Finanzsektor der wichtigste Direktinvestor im Ausland. Das Engagement der Banken und Versicherungen erstreckte sich von den traditionellen Zielen in Mitteleuropa über Kroatien und Bosnien bis nach Bulgarien und Weißrussland. Die österreichischen Finanzinstitute hatten schon sehr frühzeitig erkannt, welche Chancen Mittel- und Osteuropa bietet, und dehnen ihren Aktionsradius weiter kontinuierlich aus. Angesichts des starken Wettbewerbs und der relativ geringen Erträge in Österreich, haben sich die österreichischen Banken schon bald nach der Wende in ihrer Suche nach profitablen Geschäftsmöglichkeiten dieser Region zugewandt. Mittel- und Osteuropa wurde zum erweiterten Heimmarkt, zur profitablen Alternative zu dem „overbanked Österreich“. Die Notwendigkeit dieser Länder, die staatlichen Banken zu privatisieren bzw. maroden Banken wieder auf die Beine zu helfen, schuf interessante Einstiegsmöglichkeiten. Nach allen gängigen Indikatoren ist diese Region "underbanked", d. h. ein Entwicklungs- und damit Hoffnungsgebiet für Finanzdienstleister. So lag im Jahr 2000 das Verhältnis von Gesamtbankaktiva zum Bruttoinlandsprodukt in Mittel- und Osteuropa bei rd. 70 %, während diese Relation im Euroraum bei rd. 260% liegt. Als Konsequenz dieser noch relativ geringen Intermediationsrolle des Bankensektors kann man in den nächsten Jahren überdurchschnittliche Wachstumsraten erwarten. 

Neben der Finanzwirtschaft traten im Jahr 2002 vor allem die Mineralölindustrie, der Telekommunikationssektor, aber auch der Handel, die Transportwirtschaft und der Tourismus als Auslandsinvestoren in Erscheinung.

Drastisch war im Berichtsjahr der Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen in Österreich. Der in der Kapitalbilanz ausgewiesene Wert von 1,8 Mrd Euro ist der geringste seit 1995. Dennoch haben insgesamt etwa 400 Unternehmen neue Direktinvestitionen in Österreich begründet oder bestehende durch Kapitalzufuhr erweitert. Allerdings handelt es sich meist um relativ kleine Vorhaben, nur etwa 30 erreichen einen zweistelligen Millionenbetrag. Nach den Megadeals der Jahre 2000 (Bank Austria) und 2001 (Austria Tabak) gab es im Jahre 2002 aber nicht nur keine neue Großinvestition, sondern auch zahlreiche Desinvestitionen. Betragsmäßig fiel dabei der teilweise Rückzug der Telekom Italia aus Österreich ins Gewicht, aber auch die traditionsreiche Firma Bösendorfer ist z. B. wieder aus ausländischen in österreichische Hände gekommen.

 

(siehe Grafik 12: Direktinvestitionsbestände in % des BIP)

 

Per Saldo hat Österreich damit erstmals seit den frühen neunziger Jahren mehr im Ausland investiert als umgekehrt und damit die „Direktinvestitionslücke“ merklich abbauen können.


Portfolioinvestitionen

  • Im Gegensatz zu 2001 lagen die grenzüberschreitenden Wertpapierinvestitionen der Österreicher über jenen der ausländischen Anleger
  • Der Wunsch nach sicherer Veranlagung treibt österreichische Investitionen in Rentenpapiere auf Höchstwerte    
              

 

(siehe Grafik 13: Österreicher kaufen ausländische Wertpapiere)

 

Mit 25½ Mrd Euro haben österreichische Investoren im Jahr 2002 annähern doppelt soviel in ausländische Wertpapiere veranlagt wie im Jahr zuvor. Die Käufer stammten zur Hälfte aus dem so genannten „sonstigen Sektor“ – darunter fallen vor allem Investmentfonds und Versicherungen, aber auch Unternehmen und Private, während ein gutes Drittel der Transaktionen auf die Aktivitäten von Banken zurückgeht. Nahezu drei Viertel der Investitionen gingen in den Euroraum, vor allem nach Deutschland. Nur 10% der Mittel wurden in US-Papiere veranlagt, während immerhin bereits 5% der Veranlagungen Emissionen der Beitrittsländer betrafen.

Nach wie vor konzentrieren sich österreichische Käufe auf festverzinsliche Wertpapiere. Mit 69% waren langfristige festverzinsliche Wertpapiere die populärste Wertpapierkategorie. Dies war der höchste Jahreswert seit 1997.

 

(siehe Grafik 14: Österreicher kaufen ausländische Schuldverschreibungen)

 

Bevorzugt gekauft wurden Schuldverschreibungen aus dem Euroraum (82%), worin ebenfalls ein Wunsch nach Sicherheit zum Ausdruck kommen dürfte. Mit einem Drittel sind deutsche Emittenten bei österreichischen Investoren am beliebtesten. Emissionen aus den USA waren mit 6% dagegen weit abgeschlagen und rangieren gleichauf mit Emissionen aus den Beitrittsländern. Bemerkenswert ist der Vorjahresvergleich: Schuldverschreibungen des Euroraums wurden 2002 doppelt soviel erworben wie 2001, während sich das Anlagevolumen in Schuldverschreibungen der USA 2002 gegenüber 2001 halbierte.

In engem Zusammenhang mit der Regionalgliederung steht die währungsweise Betrachtung. Die dominierende Rolle des Euro als Nominalwährung hält Wechselkursrisiken gering. Mit einem Anteil von 3% bewegen sich Dollaranleihen in der Größenordnung von „Exotenwährungen“, etwa dem Polnischen Zloty (2%), der dänischen Krone (2%), dem Forint oder der Tschechischen Kronen (1%).
Eine Reaktion auf Unsicherheit und Instabilität dürften auch die ungewöhnlich hohen Investitionen in Geldmarktpapiere anzeigen. OeNB, Staat und Banken haben noch nie so hohe Beträge kurzfristig „zwischengeparkt“ wie 2002.

Nur 15% der neu im Ausland veranlagten Mittel flossen in den Erwerb von Aktien und Investmentzertifikaten. 3 von insgesamt 3,8 Mrd Euro entfielen dabei auf Aktien, womit eine übliche Größenordnung erreicht wurde. Die Ergebnisse der Jahre 2000 und 2001 waren Ausnahmefälle: Im Jahr 2000 dominierte ein großes Einzelgeschäft (HVB-BA), 2001 hingegen standen die Anleger unter dem Eindruck der Börsenkrise und agierten extrem zurückhaltend.

 

(siehe Grafik 15: Ausländische Anleger kaufen österreichische Wertpapiere)

 

Mit 20 Mrd Euro haben ausländische Investoren im Jahr 2002 nur wenig mehr in österreichische Wertpapiere investiert als im Jahr davor. Langfristige festverzinsliche  Wertpapiere waren dabei mit 19 Mrd Euro die mit Abstand attraktivste Wertpapierkategorie für ausländische Anleger. Im Vordergrund des Interesses standen Staatsanleihen. Der rege Nettoabsatz während des Jahres 2002 führte dazu, dass nunmehr bereits mehr als zwei Drittel der umlaufenden Staatspapiere in ausländischer Hand sind.

 

(siehe Grafik 16: Ausländische Anleger kaufen österreichische Schuldverschreibungen)

 

Neben dem Staat haben vor allem österreichische Banken im Ausland Wertpapiere begeben. Unternehmensanleihen sind in Österreich nach wie vor quantitativ wenig bedeutend, obwohl eine leichte Zunahme zu verzeichnen war. Mittelfristig sollte aber auch in Österreich dieses Marktsegment an Bedeutung gewinnen. 

Die ins Ausland verkauften Schuldverschreibungen waren zu fast 70% in Euro denominiert, mit einigem Abstand folgten US-Dollar und Schweizer Franken.

Geldmarktpapiere waren angesichts der anhaltenden Unsicherheit in den Finanzmärkten ein (relativ) beliebtes Veranlagungsinstrument. So hat die Republik vor allem in der ersten Jahreshälfte entsprechende Finanztitel aufgelegt, die praktisch zur Gänze im Ausland begeben wurden. In der zweiten Jahreshälfte setzt allerdings eine Gegenbewegung ein, wo Tilgungen und Rückkäufe überwogen. Über das Jahr gerechnet verringerte der Staat seine Verpflichtungen aus Geldmarktpapieren gegenüber dem Ausland um rund 700 Mio Euro. Auch die Banken verringerten ihre Verpflichtungen aus Geldmarktpapieren gegenüber dem Ausland um rund 300 Mio Euro.

Ausländische Investoren erwarben im Jahr 2002 Anteilspapiere im Ausmaß von 2 Mrd Euro. Jeweils etwa die Hälfte entfiel auf Investmentzertifikate bzw. auf Aktien. Das Interesse des Auslands am heimischen Aktienmarkt galt zu 2/3 Bankenaktien (vor allem im Zuge der Erste Bank – Kapitalaufstockung) und zu 1/3 Unternehmensaktien (prominent dabei die Telekom Austria-Aktie). 
Aus den Veranlagungen österreichischer Investoren im Ausland bzw. ausländischer Investoren in Österreich ergab sich per saldo einen Kapitalexport im Ausmaß von 5½ Mrd Euro.

Bevor wir nun zur letzten Kategorie der Kapitalbilanz kommen, möchte ich Ihnen noch einmal einen Gesamtüberblick über die Struktur der Finanzströme an Hand einer Grafik vorstellen.

 

(siehe Grafik 17: Komponenten der Kapitalbilanz)

 

Bei der kleinen, aber wichtigen Kategorie der Direktinvestitionen erkennt man deutlich den Anstieg bei den aktiven und den Einbruch bei den passiven Beteiligungen. Die Portfolioinvestitionen sind stets das dominierende Element. Starke Schwankungen charakterisieren die Sonstigen Investitionen, unter denen Einlagen und Kredite zusammengefasst sind.



Sonstige Investitionen – Kredite und Einlagen

  • Rückgang der Forderungen und Verpflichtungen aus Sicht- und Termineinlagen bei inländischen Banken
  • Gegenüber den 10 Beitrittsländern bislang jedoch höchste Kreditvergabe               

 

Markantestes Ergebnis im Jahr 2002 war die deutliche Reduktion des Auslandsgeschäfts der österreichischen Banken um jeweils mehr als 10 Mrd Euro. Im Verlaufe des Jahres zogen sie Kapital von ihren ausländischen Sicht - und Terminkonten ab, gleichzeitig haben auch die ausländischen Institute ihre Einlagen in Österreich reduziert. 

Die Auslandskredite zeigen, dass die Vergaben ausschließlich im Bereich der langfristigen Kredite erfolgten, im kurzfristigen Bereich kam es zu Kapitalrückflüssen, das heißt zu Tilgungen. Nach Schuldnerländern gegliedert ergaben sich zwei gegenläufige Entwicklungen: Aus dem Euroraum kam es zu merklichen Kapitalrückflüssen bzw. Tilgungen, im Gegensatz dazu erreichte die Ausweitung der Kreditlinien gegenüber den 10 Beitrittsländern neue Höchstwerte (1,7 Mrd Euro). 

Die österreichische Volkswirtschaft erhöhte ihre Kreditverbindlichkeiten im Ausland in annähernd demselben Ausmaß wie im Jahr davor (um knapp 2,5 Mrd Euro), was der Hälfte des Transaktionsvolumens des Jahres 2000 entspricht. Die Kreditaufnahme erfolgte zu jeweils 40% im Euroraum bzw. in den drei EU-Mitgliedsstaaten außerhalb des Währungsraums. 

Insgesamt resultierte aus dem Kapitalverkehr im Bereich der Sonstigen Investitionen, also bei Krediten und Einlagen, ein Kapitalzufluss nach Österreich im Ausmaß von 2 Mrd Euro.


Währungsreserven

Im Jahr 2002 verringerten sich die österreichischen Währungsreserven als Folge ertragsoptimierender Transaktionen um 1,8 Mrd Euro. Zum Jahresultimo 2002 hielt die OeNB Währungsreserven im Wert von 12,4 Mrd Euro. Dies sind etwa um 5 Mrd Euro weniger als im Jahr zuvor. Der Unterschied zwischen Transaktionswerten auf der einen und der Bestandsveränderung auf der anderen Seite resultiert aus Bewertungsänderungen und Bilanzumschichtungen. 

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Lassen Sie mich bitte abschließend noch einen Dank aussprechen, einen Dank an die Melder – seien es nun Banken oder Unternehmen – ohne deren aktiven Beitrag wir unserer Zahlungsbilanzstatistik nicht erstellen könnten. Auch wenn natürlich vieles voll automatisiert ist, müssen wir doch immer wieder auch direkt bei unseren Meldern Rücksprache halten, um etwa unklare Sachverhalte aufzuklären. All dies ist – auf beiden Seiten – mit Aufwand verbunden.

Außerdem möchte ich Sie ausdrücklich auf unsere Statistik-Hotline unter der Telefonnummer 40420- 5555 hinweisen, die sich seit eineinhalb Jahren wachsender Beliebtheit – auch bei Journalisten – erfreut. Selbstverständlich sind wir aber auch jetzt bereit, auf Ihre Fragen zu antworten.


Herausgeber:

Oesterreichische Nationalbank

Sekretariat des Direktoriums/Öffentlichkeitsarbeit

Tel.: (+43-1) 404 20-6666

1) Zu den Beitrittsländern gehören: Ungarn, Tschechische Republik, Slowakische Republik, Slowenien, Polen, Estland, Lettland, Litauen, Malta, Zypern.

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