Presseaussendung


Güterexporte als Triebfeder für Leistungsbilanzüberschuss

Zahlungsbilanz im ersten Halbjahr 2004

Wien, 8. 10. 2004



Der Leistungsbilanzüberschuss Österreichs liegt infolge deutlich gestiegener Güterexporte knapp über einer Milliarde Euro. Österreichische Investoren veranlagten mit 20 Mrd Euro fast doppelt so viel in ausländische Wert­papiere wie im ersten Halbjahr 2003. Mehr als die Hälfte dieses Zuwachses betraf den volatilen Bereich der Geldmarktpapiere.

Die österreichische Leistungsbilanz auf Transaktionsbasis ergab im ersten Halbjahr 2004 mit 1,1 Mrd Euro einen höheren Überschuss als im Vergleichszeitraum 2003 (0,7 Mrd Euro) und bestätigt damit den Trend, der sich schon nach ersten Berechnungen im August dieses Jahres abgezeichnet hatte. Dieses Ergebnis resultiert aus einem – be­dingt durch deutlich gestiegene Güterausfuhren – größeren Überschuss in der Güter- und Dienstleistungsbilanz von 3,4 Mrd Euro. Höhere Nettodefizite aus Einkommen und aus Laufenden Transfers wirkten diesem Effekt entgegen.

Die Güterbilanz zeigte im ersten Halbjahr 2004 einen Überschuss von 2,1 Mrd Euro, nachdem im Vergleichszeitraum ein nahezu ausgeglichener Saldo vorgelegen war. Mit etwas mehr als 43 Mrd Euro verzeichneten Österreichs Güterausfuhren gegenüber den ersten sechs Monaten 2003 Zuwächse um 11%, während die Einfuhren nur um rund 6% anstiegen. Besondere Dynamik war vor allem im 2. Quartal 2004 mit Exportzuwächsen von 16% erkennbar. Die leicht rückläufigen Reiseverkehrseinnahmen des ersten Halbjah­res 2004 wurden durch deutlich geringere Ausgaben österreichischer Touristen im Ausland überkompensiert, wodurch sich ein Reiseverkehrsplus von 2,8 Mrd Euro ergab (nach 2,3 Mrd Euro im ersten Halbjahr 2003).

Die Einkommensbilanz verzeichnete im ersten Halbjahr 2004 mit 1,0 Mrd Euro einen etwas höheren Abgang als im Vergleichszeitraum (‑0,8 Mrd Euro). Während Nettoein­kommen aus Sonstigem (insbesondere Kredite und Einlagen) einen merkbar geringeren Überschuss ergaben (0,5 nach 0,8 Mrd Euro), blieben Einkommen aus Direktinvestitio­nen und Portfolioinvestitionen nahezu unverändert. Ausgeglichen schloss die Bilanz der Vermögensübertragungen.

Die Kapitalbilanz war im ersten Halbjahr 2004 durch Nettokapitalimporte aus Portfolio­investitionen sowie durch Nettokapitalexporte aus Sonstigen Investitionen, Direktinvestitionen und Finanzderivaten gekennzeichnet.

Österreichs Direktinvestitionen im Ausland ergaben per saldo Abflüsse in Höhe von 2,5 Mrd Euro, was einem Rückgang um 0,9 Mrd Euro entspricht. Deutlich geringer wa­ren auch die Veranlagungen ausländischer Direktinvestoren in Österreich, die sich im ersten Halbjahr 2004 auf 1,7 Mrd Euro beliefen (nach 3,6 Mrd Euro in der Vergleichs­periode 2003).

Sehr dynamisch zeigten sich österreichische Portfolioinvestitionen im Ausland, die im ersten Halbjahr 2004 19,8 Mrd Euro betrugen und somit fast das Doppelte des Ver­gleichswertes 2003 (10,6 Mrd Euro) erreichten. Diese Dynamik entstand im 2. Quartal 2004: Allein in diesem Zeitraum wurden um 8 Mrd Euro mehr in ausländische Wertpa­piere veranlagt als im Vergleichsquartal 2003. Besonders deutlich fiel die Nachfrage nach Geldmarktpapieren aus, mehr als die Hälfte dieses Zuwachses entfiel auf Veranlagungen in diesem Segment. Als Investoren traten vor allem Finanzinstitutionen und der öffent­liche Sektor auf. Gesteigertes Interesse zeigten auch ausländische Investoren an österreichischen Wertpapieren, die im Berichtszeitraum im Umfang von 21,4 Mrd Euro abgesetzt wurden (1. Halbjahr 2003: 18,0 Mrd Euro). 

Die Teilbilanz Sonstige Investitionen, die insbesondere Kredite sowie Sicht- und Termin­einlagen umfasst, zeigte im Berichtszeitraum per saldo Kapitalabflüsse in Höhe von 2,3 Mrd Euro (1. Halbjahr 2003: 10,6 Mrd Euro). Maßgeblich für diese Entwicklung war ein Substitutionseffekt: Der öffentliche Sektor investierte in Geldmarktpapiere statt in kurzfristige Termineinlagen.

Die offiziellen Währungsreserven nahmen transaktionsbedingt um 1,2 Mrd Euro ab.

Tabelle – Transaktionenbilanz


Herausgeber:

Oesterreichische Nationalbank

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