Es gilt das gesprochene Wort.
Rede Mag. Dr. Peter Zöllner
Pressekonferenz „Zahlungsbilanz 2003“
Österreichs Position in der globalisierten Wirtschaft
Mag. Dr. Peter Zöllner , Direktor
Oesterreichische Nationalbank, Wien, 20. 4. 2004
Die Leistungsbilanz im Jahr 2003
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Österreichs Leistungsbilanz schloss 2003 mit einem Defizit von 2 Mrd. Euro, das sind 0,9% des Bruttoinlandsprodukts. Damit zeigt die Leistungsbilanz nach dem kleinen Überschuss des Jahres 2002 (+0,4 Mrd. Euro) wieder ein negatives Vorzeichen. In der Definition der OeNB bewegt sie sich aber immer noch im „ausgeglichenen“ Bereich. Diesen sehen wir traditionell innerhalb der Bandbreite von ± 1 % des BIP.
Schwache Exporte verringern den Überschuss der Güter- und Dienstleistungsbilanz
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Dabei schlossen die Güter- und die Dienstleistungsbilanz jeweils mit einem Überschuss von 1,7 bzw. 0,8 Mrd. Euro, während die Einkommensbilanz und die Transferbilanz das übliche Defizit – in der Höhe von 2,5 bzw. 2,1 Mrd. Euro auswiesen. Ausschlaggebend für die Veränderung war die Bilanz der Güter und Dienstleistungen. Ihr Überschuss war um beinahe 2 Mrd. Euro geringer als 2002.
Die Güterbilanz
Geringste Exportsteigerung (1,4%) seit 1995
Gemäß den Außenhandelsdaten von Statistik Austria wies Österreich im Jahr 2003 ein Handelsbilanzdefizit von 1,3 Mrd. Euro aus. Insgesamt wurden Waren im Ausmaß von rund 78,5 Mrd. Euro exportiert und im Ausmaß von rund 79,8 Mrd. Euro importiert. Im Vergleich zum Jahr 2002 bedeutet dies eine Zunahme der Warenexporte um 1,4% und der Importe um 3,5%.
Das mäßige Wachstum der Exporte hat seine Hauptursache in der Konjunkturschwäche unseres wichtigsten Abnehmers, Deutschland. Die deutsche Wirtschaft schrumpfte im abgelaufenen Jahr um 0,1%. Der Wertgewinn des Euro hat die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Exporte sicherlich beeinflusst. Aber der Wechselkurs ist nur einer unter vielen Bestimmungsgründen für die Wettbewerbsfähigkeit. Es gibt auch Informationen, dass Exporteure Preisnachlässe gewähren mussten, um die Aufwertung des Euro zu kompensieren. Andererseits löste die Erwartung einer anspringenden Konjunktur in Österreich eine verstärkte Nachfrage nach Ausrüstungsgütern aus, die durch Vorziehkäufe im Zusammenhang mit der Investitionszuwachsprämie verstärkt wurde. Höhere Investitionen führen erfahrungsgemäß auch zu verstärkten Warenimporten. Aufgegliedert nach Gütergruppen sind starke Zunahmen bei der Einfuhr von Maschinen/Fahrzeugen sowie von Brennstoffen und Energie zu beobachten. Die höheren Energieimporte lassen sich aus verstärkten Lieferungen von Gas und Strom sowie Erdölprodukten erklären.
Die Reiseverkehrsbilanz
Österreichische Tourismusanbieter erzielen trotz eines schrumpfenden Weltmarkts ein kleines Plus bei Nächtigungen und Deviseneinnahmen
Für den weltweiten Tourismus war das Jahr 2003 ein ausgesprochen schwieriges Jahr. Laut der Welt-Tourismusorganisation ist die Zahl der internationalen Touristen um 1,2% gesunken. Schrumpfende Gästezahlen sind in den letzten dreißig Jahren nur vier Mal aufgetreten. Ursache dieser außergewöhnlichen Entwicklung waren lt. WTO der Irakkrieg, die Lungenkrankheit SARS und die schwache weltwirtschaftliche Entwicklung. So gesehen hat sich die österreichische Tourismuswirtschaft gut behauptet. Die Zahl der Ankünfte von Ausländern ist um 2,5%, die Zahl ihrer Nächtigungen um 0,6% gestiegen. Die Reiseverkehrseinnahmen betrugen 12,3 Mrd. Euro, ein Plus von 3,1%. Der Weltmarktanteil Österreichs wird wachsen.
Die Reiseverkehrsausgaben sind in ähnlicher Größenordnung gewachsen und erreichten 10,2 Mrd. Euro, woraus ein praktisch unveränderter Saldo von +2 Mrd. Euro resultiert. Eine Haushaltsbefragung im Auftrag der OeNB zeigt, dass 13% der Ausgaben auf Geschäftsreisen entfallen, 8% auf Tagesreisen und 17% auf Einkaufsausgaben.
Die Einkommensbilanz
Einkommensbilanz bei reduzierten Bruttoströmen weiterhin negativ; im Vergleich zu 2002 war der Überschuss aus den Nettokapitalerträgen des Bankensektors rückläufig, während die Netto-Einkommensabflüsse aus Wertpapieren etwas geringer waren
Der bedeutendste Kapitalabfluss in der österreichischen Leistungsbilanz war auch 2003 bei der Einkommensbilanz, nämlich 2,5 Mrd. Euro. Die Einkünfte aus Erwerbseinkommen, im Wesentlichen Arbeitsentgelte von Tagespendlern und Saisonniers, ergaben einen den Jahren davor entsprechenden Überschuss von ½ Mrd. Euro. Die Nettozahlungen an das Ausland unter dem Titel Vermögenseinkommen fielen im Vergleich zum Jahr 2002 etwas höher aus: 3 Mrd. Euro gegenüber 2,8 Mrd. Euro.
Im Einzelnen waren die Netto-Einkommensabflüsse aus Direktinvestitionen etwas höher, während sich die Nettoaufwände aus grenzüberschreitenden Wertpapierinvestitionen leicht verringerten.
Ausschlaggebend für das Jahresergebnis waren damit die Einkommenszuflüsse aus Krediten, Einlagen und Währungsreserven. Hier konnte Österreich zwar erneut einen Netto-Einkommenszufluss realisieren, das Ausmaß von 1,5 Mrd. Euro fiel jedoch im Vergleich zum Jahr davor um eine ½ Mrd. Euro geringer aus. Weiterhin trägt diese Einkommenskategorie jedoch dazu bei, die Defizite aus den Vermögenseinkommen der Direkt- und Portfolioinvestitionen Österreichs zu einem Drittel zu kompensieren.
Entscheidenden Einfluss für die Entwicklung 2003 hatten vor allem geringere Nettoeinkünfte des Bankensektors im Auslandsgeschäft als Folge des allgemeinen Rückgangs des Zinsniveaus und der sukzessiven Abwertung des US-Dollars.
Die Kapitalbilanz im Jahr 2003
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Direktinvestitionen
Aktive Internationalisierung der österreichischen Wirtschaft schreitet voran; mit 6,3 Mrd. Euro an aktiven Direktinvestitionen wird der bisherige Höchstwert leicht übertroffen
Laut UNCTAD haben sich die Direktinvestitionen im Jahr 2003 bei 650 Mrd. US-Dollar weltweit stabilisiert. Verglichen mit dem bisherigen Rekordjahr 2000, als die Transaktionen ein Volumen von 1,4 Billionen erreicht hatten, bedeutet dies eine Halbierung. Ausgelöst wurde der Einbruch durch das plötzliche Ende des Börsebooms, politische Unsicherheiten als Folge des 11. September 2001, Bilanzskandale und die über drei Jahre anhaltende Konjunkturflaute.
Österreichs Direktinvestitionen waren 2001 ebenfalls deutlich zurückgegangen, hatten sich aber 2002 bereits wieder erholt und übertreffen 2003 vor allem wegen eines starken vierten Quartals wieder die Marke von 6 Mrd. Euro. Nach derzeitiger Datenlage dürfte das Ergebnis 2003 sogar eine neue Höchstmarke erreichen (6,3 Mrd. Euro gegenüber 6,2 Mrd. im Jahr 2000).
Ausländische Direktinvestoren halten Österreich die Treue: Einbruch 2002 war ein Ausreißer, keine Trendwende
Auch bei den Direktinvestitionen des Auslands in Österreich war seit dem Jahr 2000 damals hatte die Fusion der Bank Austria mit der Hypo-Vereinsbank zu einem Rekordergebnis von 9,6 Mrd. Euro geführt ein Rückgang zu verzeichnen. 2002 waren die Direktinvestitionen auf nur 1 Mrd. Euro eingebrochen. Wir hatten schon vor einem Jahr darauf hingewiesen, dass hier Sondereffekte entscheidend seien, insbesondere einzelne Desinvestitionen, wie der Rückzug der Telekom Italia aus Österreich. Bereits zur Jahresmitte 2003 war zu erkennen, dass die passiven Direktinvestitionen auf ein „normales“ Niveau zurückkehren würden, und somit nicht etwa verschlechterte Standortbedingungen zu einer Abwendung ausländischer Investoren von Österreich geführt haben. Mit hohen Investitionen im vierten Quartal erreichen die passiven Direktinvestitionen 2003 mit 6,1 Mrd. Euro den dritthöchsten bisher beobachteten Wert.
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Eine Untersuchung von Beschäftigtenzahlen und grenzüberschreitenden Unternehmensbeteiligungen zeigt, dass Direktinvestitionen keine Einbahnstraße sind; auch in Österreich werden durch ausländische Direktinvestitionen Arbeitsplätze geschaffen oder zumindest erhalten. Andererseits sichern österreichische Direktinvestitionen im Ausland oft auch österreichische Arbeitsplätze ab. Allerdings zeigt die Grafik sehr wohl, dass die Beschäftigungsentwicklung bei österreichischen Auslandstöchtern dynamischer ist.
Österreichs herausragende Rolle als Brückenkopf führt dazu, dass die ausländischen Investoren ihren österreichischen regionalen Headquarters finanzielle Mittel zuführen, die dann ihrerseits an Töchter in den Beitrittsländern – oder anderswo – weitergeleitet werden. Solche Beträge werden dann auf beiden Seiten der Direktinvestitionsbilanz registriert und erhöhen damit die Bruttowerte. Die arbeitsintensiveren Investitionen finden dann meist in den osteuropäischen Ländern statt, in Österreich bleiben die wertschöpfungsintensiveren Aktivitäten.
Portfolioinvestitionen
Österreicher erwarben weniger ausländische Wertpapiere, zugleich wurden an ausländische Investoren inländische Wertpapiere im selben Ausmaß verkauft wie 2002
Per saldo schlossen die grenzüberschreitenden Wertpapiertransaktionen im Jahr 2003 mit einem Kapitalimport von 5 Mrd. Euro. Das Interesse der ausländischen Investoren zeigte sich gegenüber 2002 unverändert, während die österreichischen Anleger ihre Nettoinvestitionen um mehr als ein Drittel reduzierten.
Nach wie vor bestimmten die Kapitalmarktpapiere das Bild: Aktivseitig flossen unter diesem Titel 17,2 Mrd. Euro ab, passivseitig belief sich der Kapitalimport auf 18,1 Mrd. Euro. Der Bestand an ausländischen Geldmarktpapieren in österreichischen Portefeuilles wurde 2003 reduziert, durch Tilgung der ausländischen Schuldner oder durch Verkauf; dadurch flossen 3,4 Mrd. Euro nach Österreich zurück. Etwas anders zeigt sich die Situation bei inländischen Geldmarktpapieren: Die ausländischen Anleger erhöhten ihren Bestand durch Nettoinvestitionen im Ausmaß von 0,7 Mrd. Euro. Der grenzüberschreitende Handel in Anteilsscheinen, das betrifft Aktien und Investmentzertifikate, zeigte 2003 in beiden Richtungen geringere Nettoinvestitionen als 2002.
Euro Wertpapiere dominierten den Wertpapierhandel
Die bestimmende Rolle des Euro lässt sich am besten im bedeutendsten Segment der Portfolioinvestitionen, dem Handel in Kapitalmarktpapieren feststellen. Die österreichischen Anleger investierten 2003 nahezu ausschließlich in Euro-Wertpapiere (95%); erwähnenswert sind darüber hinaus der US-Dollar (3%) und der Forint (2%).
Das Interesse der ausländischen Investoren konzentrierte sich ebenfalls auf die Gemeinschaftswährung: 79% der Neuveranlagung betrafen Euro-Emissionen, 22% US-Dollar und 3% Schweizer Franken Papiere.
Sonstige Investitionen – Kredite und Einlagen
Das Auslandsgeschäft der österreichischen Banken hat 2003 im Gegensatz zum Jahr davor deutlich zugenommen
Aus Krediten und Bankeinlagen ist 2003, im Gegensatz zum Jahr davor, netto Kapital im Ausmaß von 2,8 Mrd. Euro aus Österreich abgeflossen. Maßgeblich für diesen Bereich des internationalen Kapitalverkehrs ist die Entwicklung des Auslandsgeschäfts der österreichischen Banken. Dieses liegt inzwischen laut Bankenstatistik sowohl aktiv- als auch passivseitig bei rund 30% der Bilanzsumme. 2003 haben die Banken ihre Kreditlinien gegenüber ausländischen Schuldnern von 2 ½ auf 11 Mrd. Euro erhöht. Auch der Zwischenbankenverkehr hat im Gegensatz zum Jahr davor erneut zugenommen. Dies betraf Einlagenbestände bei ausländischen Banken als auch Einlagen ausländischer Banken im Inland, die vor allem der Refinanzierung von Fremdwährungskrediten dienen.
Währungsreserven
Der Bestand der offiziellen, österreichischen Währungsreserven betrug per Ende 2003 10 Mrd. Euro. Gegenüber dem Jahr davor haben sich die Währungsreserven insgesamt um 2,4 Mrd. Euro verringert. Neben Bewertungseffekten betrugen die transaktionsbedingten Veränderungen 1,8 Mrd. Euro. Diese betrafen die Festgeld- und Wertpapierbestände der Oesterreichischen Nationalbank.
Österreich in der globalisierten Wirtschaft
Die Globalisierung ist seit Jahren ein schlagzeilenträchtiges Thema. Mit dem Ende des Kalten Krieges stellt sich die Welt zusehends als ein einziger Wirtschaftsraum dar. Handelsströme und Tourismus, Firmenzusammenschlüsse und Finanzmärkte umfassen zunehmend die ganze Welt. Ich möchte Ihnen heute an Hand der Daten zur außenwirtschaftlichen Verflechtung Österreichs, wie sie in der Zahlungsbilanz und der Internationalen Vermögensposition abgebildet sind, die wichtigsten Charakteristika der Einbettung Österreichs in die weltwirtschaftlichen Zusammenhänge schildern. Dabei möchte ich kurz die Entwicklung der Globalisierung in fünf wichtigen Bereichen, nämlich
dem Handel,
dem Tourismus,
bei den Direktinvestitionen,
den Wertpapiermärkten und
den Kreditbeziehungen
skizzieren und der regionalen Struktur der außenwirtschaftlichen Verflechtung Österreichs gegenüberstellen.
Besonderes Augenmerk soll dabei auf den Europäischen Binnenmarkt gelegt werden, der in wenigen Tagen durch den Beitritt der neuen Mitgliedsländer deutlich größer wird. Durch die zehn neuen Länder wächst Europa flächenmäßig um ein Viertel, die Bevölkerung der EU erhöht sich um knapp 20% (auf 455 Mio. Menschen). Die wirtschaftliche Potenz dieser Länder ist freilich noch stark entwicklungsfähig. So hätte sich z. B. das BIP der EU im Jahr 2002 nur um 444 Mrd. Euro das ist etwa das Doppelte des österreichischen BIP und damit um knapp 5% erhöht. Dennoch wird die Erweiterung gerade für Österreich auch wirtschaftlich deutlich größere Auswirkungen haben, und zwar einfach aus geographischen Gründen: vier der neuen Mitglieder haben eine gemeinsame Grenze mit Österreich. Auf Slowenien, Ungarn, die Slowakische und die Tschechische Republik entfällt beinahe die Hälfte der österreichischen Landesgrenze (47%).
Ansprechen möchte ich auch die Rolle der Vereinigten Staaten von Amerika, einfach weil sie die dominierende Volkswirtschaft auf dem Globus sind. Ein Drittel des weltweiten Bruttosozialprodukts wird in den USA erwirtschaftet. Schließlich ist Asien seit einigen Jahren die Weltregion mit dem dynamischsten Wachstum, was eine gesonderte Betrachtung dieser Region rechtfertigt.
Trotz der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung der Dienstleistungen ist der Güterhandel auch heute noch ein wesentlicher Motor der zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtung. Der Welthandel wächst fast immer schneller als die Produktion, was sich an den wachsenden weltweiten Export (oder Import-) quoten ablesen lässt. Um 1960 betrug der Welthandel erst 9% der Produktion, Anfang der achtziger Jahre war er auf 12% angestiegen und mittlerweile hat er 20% überschritten. Nach ersten, gerade veröffentlichten Berechnungen der WTO erreichte das Volumen der weltweiten Waren-Exporte 2003 rd. 7.300 Mrd. US-Dollar, das rd. 33-fache des österreichischen Bruttoinlandsproduktes. Österreich belegte bei den Warenexporten mit einem Anteil von 1,3% den weltweit 21. Platz; bei den Dienstleistungen mit 2,3% sogar die 12. Stelle (Tourismus).
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Kleine Volkswirtschaften haben mehr oder weniger zwangsläufig – wegen der kleineren nationalen Beschaffungs- und Absatzmärkte – eine überdurchschnittliche Handelsverflechtung mit dem Ausland: 2003 erreichte die österreichische Waren-Exportquote – ebenso wie im Jahr davor den historischen Höchstwert von 35%, wodurch die Integration in den Weltmarkt unterstrichen wird. Diese zunehmende Einbindung Österreichs in den internationalen Warenverkehr ist allerdings regional stark konzentriert.
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Der Handel mit den EU-Ländern dominiert, Beitrittsländer gewinnen an Bedeutung
Der Anteil der Exporte in die EU-Länder an den österreichischen Gesamtexporten ist seit 1991 v.a. zu Gunsten der Beitrittsländer um 8 Prozentpunkte zurückgegangen und liegt bei 60%. Im selben Zeitraum verringerte sich der Anteil Deutschlands um 7 Prozentpunkte. Der Rückgang des Anteils der Exporte in die EU hat also zum überwiegenden Teil mit dem rückläufigen Anteil der Güterausfuhren nach Deutschland zu tun.
Auch 2003 war die Zuwachsrate der Güterexporte in die EU-Länder mit 0,5% unterdurchschnittlich und mit Abstand die niedrigste seit 1994. Gegenüber den Niederlanden, Spanien und dem Vereinigten Königreich gab es sogar nennenswerte Rückgänge. Deutschland kaufte 2003 immerhin um rund 1% mehr Güter als im Jahr davor. Mit Österreichs zweitwichtigstem Handelspartner Italien wurde im Berichtsjahr ein Exportzuwachs von rund 6% verzeichnet.
Der Anteil der Importe aus den EU-Ländern an den österreichischen Gesamtimporten erreichte innerhalb des Beobachtungszeitraumes (1992-2003) im Jahr 1995 den Höchstwert von 72%. Seither hat sich dieser Anteil – wiederum zu Gunsten der Beitrittsländer um 6 Prozentpunkte verringert und liegt bei 66%. Mit einem Anteil von 41% ist auch auf der Importseite Deutschland das mit Abstand wichtigste Herkunftsland. 2003 wurde die Zunahme der Warenimporte aus der EU vor allem durch den 5%igen Anstieg der Einfuhren aus Deutschland verursacht.
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Ein entscheidender Grund für die rückläufigen Anteile des EU-Handels liegt in der wachsenden Rolle der Beitrittsländer. Hatte der Anteil der heutigen Beitrittsländer am Gesamtexport Österreichs 1989 gerade erst 5% betragen, erreicht er heute bereits 13%. Damit spielt dieser Raum für die österreichische Exportwirtschaft eine weit größere Rolle, als für die anderen EU-Länder; so liegt z. B. der Anteil der Warenex bzw. importe Finnlands mit den zentral- und osteuropäischen Ländern bei jeweils rund 7%.
Das überproportionale Wachstum des Osthandels hat auch 2003 angehalten: Während die österreichischen Gesamt-Warenexporte um 1,4% zunahmen, stiegen die Exporte in die Beitrittsländer deutlich rascher, nämlich um 3%. Die Beitrittsländer trugen mit 0,4 Prozentpunkten mehr zum Exportwachstum bei als die gesamte EU, deren Beitrag bei 0,3 Prozentpunkten lag. Ungarn und die Tschechische Republik gehören inzwischen beständig zu den zehn wichtigsten Exportmärkten Österreichs, Ungarn liegt derzeit. an der 7. Stelle und die Tschechische Republik an der 8. Stelle.
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Natürlich sind auch die Importe Österreichs merklich angestiegen; der Anteil der 10 Beitrittsländer an den gesamten österreichischen Importen ist seit 1990 um 8 Prozentpunkte angestiegen (von 3% auf 11%). Erstmals seit 1990 ist die Tschechische Republik Österreichs wichtigstes Importland unter den 10 Beitrittsländern. Im Jahr 2003 verzeichnete Österreich sogar erstmals einen negativen Außenhandelssaldo mit diesem Land. Gegenüber der Slowakischen Republik ist der Außenhandelssaldo bereits seit 1999 negativ. Dennoch ist der Beitrittsraum eine Region, mit der Österreich beständig Handelsbilanzüberschüsse erwirtschaftet hat, sie summierten sich in den letzten 10 Jahren auf insgesamt rund 15 ½ Mrd. Euro.
Ab dem 1. Mai 2004 werden rd. drei Viertel des österreichischen Außenhandels innerhalb des Binnenmarktes abgewickelt werden.
USA wichtigster außereuropäischer Partner
Die USA sind mit beinahe einem Drittel des Welt-BIP die bedeutendste Volkswirtschaft der Erde. Im weltweiten Güterhandel spielen sie ebenfalls eine herausragende Rolle (17% des Welthandels gehen in die USA und 11% kommen von dort). Im österreichischen Außenhandel gewinnen die USA sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen an Bedeutung: Der Anteil hat sich seit 1991 von 3% auf 5% erhöht. 2003 nahmen die Exporte um 2% zu, während sich die Güterimporte um 13% verringerten. Daraus ergab sich ein Überschuss von knapp 1 Mrd. Euro.
Noch ungenutzte Chancen in Asien
Asien hat sich in den neunziger Jahren als eine der wirtschaftlich dynamischsten Regionen der Welt etabliert. Trotz der Krisen in Thailand und Indonesien hat alleine der Riesenmarkt China zu einer Umlenkung der weltweiten Handelsströme geführt. 2002 hat Asien mehr als ein Fünftel aller Weltexporte auf sich gezogen und immerhin 18% aller Exporte stammen aus Asien.
Österreichs Exporteure nutzen diese Chancen noch zu wenig. Nur 6% der österreichischen Exporte gehen derzeit nach Asien, die zwei wichtigsten Länder China und Japan rangieren in der österreichischen Exporthitliste erst auf den Plätzen 15 und 16. Nach Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten haben die Exporte 2003 – erstmals seit 1998 um 5% abgenommen. Verantwortlich dafür sind vor allem die Exportrückgänge nach China (-23%) und Japan (-6%). China bleibt trotzdem vor Japan das wichtigste Zielland österreichischer Exporte im asiatischen Raum.
2003 zeigte der österreichische Außenhandel gegenüber Asien ein Defizit im Ausmaß von 1,9 Mrd. Euro, das jeweils zur Hälfte auf Japan und China entfällt.
Tourismus
Der internationale Tourismus ist wohl die populärste Form der Globalisierung. Innerhalb von dreißig Jahren hat sich die Zahl der internationalen Touristenankünfte weltweit vervierfacht. In Österreich liegt diese Boomphase schon etwas länger zurück, aber auch Österreich konnte zwischen etwa 1960 und 1990 eine Vervierfachung der Ausländernächtigungen verzeichnen. Natürlich sind auch die Österreicher selbst viel mobiler geworden. Aus Erhebungen von Statistik Austria wissen wir, dass auch die Zahl der Auslandsurlaube der Österreicher zwischen 1969 und 2002 ebenfalls beinahe den vierfachen Wert erreicht hat. Bis in die Mitte der achtziger Jahre überwogen im Urlaubsverhalten der Österreicher die Inlandsurlaube, heute führen zwei Drittel der Urlaubsreisen ins Ausland. Laut Mikrozensus 2002 hat aber immer noch die Mehrheit der Österreicher (52%) innerhalb des letzten Jahres überhaupt keine Urlaubsreise (mit zumindest 4 Nächtigungen außerhalb des Wohnortes) unternommen.
Deutschland ist wichtigster Herkunftsmarkt, Italien das beliebteste Urlaubsziel
Auch wenn uns die Kataloge der Reiseveranstalter vor Augen führen, dass heute fast jeder Punkt der Erde für Urlauber erreichbar ist, so ist doch die „Reichweite“ des Tourismus normalerweise beschränkt. Die Deutschen waren (und sind) die mit Abstand wichtigste Gästegruppe für die österreichischen Tourismusbetriebe. Derzeit sind 60 Prozent aller ausländischen Touristen Deutsche (mit abnehmender Tendenz). Mit ihren Deviseneinnahmen konnte über viele Jahre hinweg ein wesentlicher Teil des traditionellen österreichischen Handelsbilanzdefizits abgedeckt werden.
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Auch bei den Reisezielen der Österreicher dominieren Nahziele. Liebstes Urlaubsland der Österreicher ist seit langem Italien. Vor allem dank vieler Geschäftsreisen ist aber auch hier Deutschland das Reiseziel Nummer zwei. Auf den Rängen folgen in der Befragung Griechenland, Spanien, Kroatien und die Türkei. Außereuropäische Ziele liegen bei den Ausgaben in der letzten Dekade bei 10 bis 20% mit steigender Tendenz.
Insgesamt ist die Rolle der EU dominant: Auf sie entfallen bei den Nächtigungen 85%; bei den Einnahmen 80%; und bei den Ausgaben immer noch über 60%.
Die Beitrittsländer sind ein touristischer Hoffnungsmarkt
Die Beitrittsländer stellen einen zwar immer noch kleinen, aber rasch und stetig wachsenden Herkunftsmarkt dar. Ihr Anteil bei Nächtigungen und Einnahmen liegt bei 3 4% und entspricht damit bei weitem nicht dem Bevölkerungsanteil der neuen Mitglieder. Dies ist klarerweise ein Ausdruck des Rückstands in der Wohlstandsentwicklung. Noch können es sich nur wenige der neuen EU Bürger leisten, bei uns Urlaub zu machen, wobei jene, die heute schon reisen, durchaus ausgabefreudig sind. Einzelne Regionen Österreichs, wie etwa die Skigebiete Ostösterreichs, haben dabei schon erheblich höhere Anteile von Gästen aus den Beitrittsländern. Im Zuge des wirtschaftlichen Aufholprozesses der neuen Mitglieder entwickelt sich hier ein wachsender Markt, in dem Österreich sehr gute Chancen hat. Schätzungen von Tourismusexperten gehen davon aus, dass die Zahl der Ausländernächtigungen durch den wachsenden Wohlstand in den Beitrittsländern Jahr für Jahr um etwa 300.000 steigen könnte, das wäre ein zusätzliches Wachstum von jährlich 0,4 Prozentpunkten.
Etwas größer ist die Bedeutung der Beitrittsländer bei den Reiseverkehrsausgaben der Österreicher mit etwa 8%. Dabei spielen in diesem Raum Tagesreisen zu Einkaufszwecken und Geschäftsreisen eine überdurchschnittliche Rolle, obwohl es natürlich auch in Ostmitteleuropa interessante touristische Angebote im Bereich Städtetourismus, Wellness oder beim preisgünstigen Familienurlaub gibt.
Gäste aus Übersee nach wie vor unterrepräsentiert
Auch im Tourismus sind die Vereinigten Staaten Weltmarktführer. Laut IWF entfielen 2002 18% der weltweiten Reiseverkehrseinnahmen auf die USA – kein Land der Welt hat höhere Einnahmen erzielt. Auch bei den Ausgaben lagen sie mit 14% auf Platz eins. 2003 könnten allerdings die Deutschen als Folge der Wechselkursänderungen ihrem traditionellen Ruf als „Reiseweltmeister“ wieder gerecht werden. Im österreichischen Reiseverkehr liegt der Nächtigungsanteil der US-Amerikaner mit 1 2% weit abgeschlagen. Ihre Rolle ist geringer als jene der Belgier oder der Schweizer, und es ist zu erwarten, dass sie in naher Zukunft von Tschechen oder Ungarn zahlenmäßig überholt werden.
Jeder fünfte im weltweiten Reiseverkehr ausgegebene Dollar stammt mittlerweile aus Asien. Der Anteil Asiens am Nächtigungsaufkommen in Österreich ist im letzten Jahrzehnt aber nur von 1% auf 1,5% angewachsen.
Finanzmärkte
Starke Zunahme der finanziellen Offenheit der österreichischen Volkswirtschaft seit Einführung des Euro
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Spiegelbildlich zur realwirtschaftlichen Verflechtung nimmt die Internationalisierung Österreichs auch im Bereich der Finanzwirtschaft stetig zu: Als Indikator für dieses Phänomen wird der „Internationalisierungsgrad“ verwendet. Dieser wird – unter Verwendung der Internationalen Vermögensposition als Summe der grenzüberschreitenden Forderungs- und Verpflichtungsstände ausgedrückt in Prozent des BIP errechnet. Lag der Internationalisierungsgrad Österreichs in der ersten Hälfte der 90er Jahre bei rund 150% des BIP, so hat er sich inzwischen auf mehr als 300% verdoppelt. Die für die so genannte „financial openness“ bestimmende Komponente war die Entwicklung der Wertpapierbestände, deren Anteil an dem Indikator auf über die Hälfte anstieg.
Österreichs Finanzverflechtung mit dem Ausland liegt im europäischen Mittelfeld; der Euroraum insgesamt hat eine intensivere Auslandsverflechtung als die USA
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Mit dem mehr als Dreifachen des BIP liegt Österreich unter den Euroländern im Mittelfeld. Eine stärker ausgeprägte Auslandsverflechtung zeigen Länder mit einer starken Präsenz von Multinationalen Konzernen – wie zum Beispiel Niederlande und Belgien, oder Irland mit einem – im Vergleich zur Wirtschaftsleistung des Landes – „überdimensionierten“ Finanzzentrum. Geringere Internationalisierungsgrade sind bei Spanien, Italien und Griechenland zu beobachten.
Bei den Pre-ins sticht das Vereinigte Königreich hervor.
Aufschlussreich ist auch ein Vergleich der so genannten global players auf den internationalen Finanzmärkten, nämlich Euroraum, USA und Japan. Die „financial openness“ des Euroraums zeigt naturgemäß geringere Werte als die einzelnen Euroländer, da die Finanzbeziehungen zwischen den Euro-Ländern ausgeblendet sind. Der entsprechende Indikator liegt jedoch mit 234% des BIP per Ende 2002 weit über den Vergleichswerten der USA (149%) und Japans (116%).
Direktinvestitionen
Ein Bereich, der wegen des Booms an Firmenzusammenschlüssen in den späten neunziger Jahren geradezu synonym für Globalisierung verwendet wird, sind dieDirektinvestitionen. Während das Weltbruttosozialprodukt, ausgedrückt in US-Dollar seit 1980 im Durchschnitt jährlich um 5% nominell gewachsen ist, war das Wachstum der Direktinvestitionsbestände mit über 10% pro Jahr doppelt so hoch. Dementsprechend ist nach den Aufzeichnungen der UNCTAD die Relation Direktinvestitionsvolumen zu BIP in diesem Zeitraum weltweit von 6% auf 22% gestiegen.
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Direktinvestitionslücke im Zuge der Ostöffnung stark verringert
Österreich, das ursprünglich eine niedrige internationale Verflechtung über Direktinvestitionen aufwies (1980: 1% aktivseitig, 4% passivseitig), hat vor allem seit Beginn der neunziger Jahre einen Aufholprozess gestartet. Heute liegt der geschätzte Bestand an Direktinvestitionen in Österreich bzw. aus Österreich mit annähernd 20% des BIP nur mehr knapp unter dem weltweiten Durchschnitt, wobei die passiven Direktinvestitionen immer noch leicht überwiegen.
Das in aller Welt investierte Kapital stammt natürlich ganz überwiegend aus den reichen, entwickelten Ländern; die Hälfte hat seinen Ursprung in der EU, ein weiteres Viertel in Nordamerika. Aber auch bei den Zielländern dominieren die Industriestaaten, die man korrekter Weise heute eher Dienstleistungsstaaten nennen müsste. 37% des Kapitals sind in der EU und weitere 22% in Nordamerika investiert, während nur ein Drittel in Entwicklungsländer ging.
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Deutsche Firmen sind mit Abstand wichtigste Direktinvestoren
Im Falle Österreichs ist „Globalisierung“ mittels Direktinvestitionen ebenfalls sehr stark regional begrenzt, mit einem ganz deutlichen Schwerpunkt bei Deutschland. Deutsche Investoren bestimmen das Geschehen bei passiven Direktinvestitionen nach wie vor sehr stark. Der Anteil Deutschlands ist mit dem EU-Beitritt Österreichs sogar noch gestiegen und liegt bei etwa 45%. Zählt man die übrigen 13 Mitgliedsstaaten hinzu kommt man auf einen EU-Anteil von 75%.
Trotz der regen Aktivität österreichischer Investoren in den Transformationsländern im vergangenen Jahrzehnt nimmt aber auch bei den aktiven Direktinvestitionen Deutschland den 1. Platz ein, wenn man das Volumen des investierten Kapitals als Messgröße verwendet. Der Anteil Deutschlands ist seit dem Beginn der neunziger Jahre allerdings von über 25 auf 18% gesunken. Ähnlich verlief auch die Entwicklung bei den übrigen EU-Staaten. Trotz einer steten Zunahme des investierten Kapitals ist die Bedeutung der EU als Zielland österreichischer Direktinvestitionen von über 52% auf unter 40% zurückgegangen. Dieser relative Bedeutungsschwund der „alten“ EU hat einen einfachen Grund: die Beitrittsländer, vor allem Ungarn, die Tschechische und die Slowakische Republik, Polen und Slowenien.
Österreichische Firmen erkämpfen sich einen Spitzenplatz unter den Investoren in den Transformationsländern
Die Beitrittsländer boten für Direktinvestitionen österreichischer Firmen eine einmalige Chance. Alte Verbindungen aus der Zeit des Kalten Krieges ermöglichten es österreichischen Unternehmen einen „First-Mover“-Vorteil zu lukrieren. Per Jahresende 1989 gab es bereits 120 Beteiligungen österreichischer Unternehmen in jenen Ländern, die jetzt in die EU aufgenommen werden, 93 davon in Ungarn. Nach einer Schwächephase gegen Mitte der neunziger Jahre boomten die jährlichen Direktinvestitionen erneut, nachdem die Länder ihre Beitrittsanträge zur EU gestellt hatten und der Privatisierungsprozess vorangetrieben worden war. Und während sich die Investitionen Österreichs zunächst auf Ungarn, und später auf die Tschechische Republik konzentriert hatten, wurde der Aktionsradius immer größer. In der jüngsten Vergangenheit sind rege Aktivitäten vor allem auch in Südosteuropa zu verzeichnen, wo Bulgarien und Rumänien, wie möglicherweise auch Kroatien und andere Nachfolgestaaten Jugoslawiens auf eine EU-Mitgliedschaft zusteuern. Zu Jahresanfang 2002, dem aktuellsten verfügbaren Wert, gab es bereits mehr als 1.200 Beteiligungen in Mittel- und Osteuropa also 10-mal mehr als 1989 , davon beinahe 400 in Ungarn, 300 in Tschechien und jeweils mehr als 100 in Polen und der Slowakei.
Auch 2003 haben österreichische Investoren stark in einigen Beitrittsländern investiert. In Summe waren es 3 Mrd. Euro, wovon jeweils 1 Mrd. Euro auf Ungarn und Polen sowie ½ Mrd.Euro auf Malta entfielen. Mittlerweile hat der Wert des in den Beitrittsländern investierten Kapitals 15 Mrd. Euro überschritten, was mehr als ein Drittel des Bestands an österreichischen Auslandsinvestitionen ausmacht. Weltweit entfielen per Ende 2002 lt. UNCTAD hingegen nur 2% des Direktinvestitionskapitals auf diese 10 Zielländer. Somit ist das kleine Österreich zu einem der führenden Investoren dieser Region geworden.
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Folgt man den Daten der Partnerländer liegt Österreich in Slowenien und Kroatien an erster, in der Slowakei, in Ungarn und in der Tschechischen Republik an dritter Stelle, übertroffen meist nur von Deutschland und den Niederlanden. In Bulgarien und Rumänien, die 2007 zur EU stoßen könnten, sind wir der viert- bzw. sechstgrößte Auslandsinvestor.
Es gibt auch schon Direktinvestitionen der künftigen Mitgliedsländer in Österreich; der Zufluss im Jahr 2003 belief sich jedoch bloß auf 28 Mio. Euro, und der geschätzte Bestand liegt bei weniger als 200 Mio. Euro. Während also der EU-Beitritt der Zehn den „EU-Anteil“ bei den aktiven Direktinvestitionen von einem auf mehr als zwei Drittel verdoppelt, ändert er sich passivseitig nur um Zehntelprozente (75%).
Schwache Direktinvestitionsbeziehungen mit Ländern außerhalb Europas
Ein Viertel der aktiven bzw. ein Fünftel der weltweiten passiven Direktinvestitionsbestände entfallen auf die USA. Sie sind damit gleichzeitig der größte Investor und das bedeutendste Zielland von Direktinvestitionen. In Österreich gehören dagegen nur rd. 6% der ausländischen Direktinvestitionen US-amerikanischen Eigentümern und auch als Zielland ist die Rolle der USA mit 7% deutlich unterdurchschnittlich. Mit einem Investitionsbestand von 2,4 (aktiv) bzw. 2,2 Mrd. Euro (passiv) per Jahresende 2001 waren die USA sowohl wichtigster außereuropäischer Investor als auch wichtigstes außereuropäisches Zielland.
Österreichische Direktinvestitionen in Asien sind dagegen zahlenmäßig sehr beschränkt. Für die im Wesentlichen klein- und. mittelständische Wirtschaft sind die räumlichen und kulturellen Distanzen oder das wirtschaftliche Risiko meist zu groß. Nach der Bestandsstatistik der OeNB lag der Anteil Asiens bei den aktiven Direktinvestitionen bei 2%, umgekehrt kamen etwa 3% des in Österreich investierten Kapitals aus Asien. Österreichische Auslandsengagements findet man in China, Singapur, Malaysien, Thailand, Hongkong, Indien und Indonesien; bei den passiven Direktinvestitionen treten vor allem Japan und die Golfstaaten in Erscheinung.
Wertpapiermärkte
Ende der 70er und in den 80er Jahren begann für Europa das Zeitalter der Securitisation, d. h. das Kapital geht über das Instrument Wertpapiere „direkt“ vom privaten Schuldner zum privaten Investor, ohne die klassische Intermediationsrolle der Banken. Dabei wurden zunehmend nicht nur heimische Märkte in Anspruch genommen, sondern auch die grenzüberschreitenden Aktivitäten intensiviert.
Der Euro erhöhte die Attraktivität österreichischer Rentenpapiere am internationalen Finanzmarkt
Für Österreich war eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. Darüber hinaus belegen steigende grenzüberschreitende Umsätze das Interesse ausländischer Investoren an österreichischen Anleihen: Bis Ende der 80er-Jahre betrugen die entsprechenden Nettokapitalimporte relativ konstant um die 2 Mrd. Euro pro Jahr. Anfang der 90er Jahre stieg der Wert auf das mehr als Dreifache an.
Österreichs Beitritt zur EU und die Vorbereitung auf die Einführung des Euro brachten einen weiteren merkbaren Internationalisierungsschub. Die Möglichkeiten des erweiterten Heimmarktes der einheitlichen Währung wurden genutzt.
Globalisierung bzw. Internationalisierung bedeutet jedoch nicht nur das Nutzen der internationalen Kapitalmärkte zur Mittelaufnahme, sondern auch zur Veranlagung.
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Österreichische Investoren bewegen sich zu vier Fünftel am europäischen Finanzmarkt
Aktivseitig, d. h. unter dem Aspekt der Investition entdeckte Österreich den internationalen Kapitalmarkt Mitte der 80er Jahre. Bis dahin lagen die grenzüberschreitenden Nettoankäufe pro Jahr unter 1 Mrd. Euro, 1984 überschritten sie erstmals diese Schwelle und bewegen sich seit 1998 im zweistelligen Milliardenbereich. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch ordnungspolitische Änderungen (Investmentfondsgesetz) und die (bevorstehende) Einführung des Euro.
Die Hauptakteure auf den internationalen Kapitalmärkten sind Banken und die so genannten institutionellen Anleger – Investmentfonds, Pensionskassen und Versicherungen , die im Schnitt für mehr als 90% der Neuveranlagungen stehen.
Traditionell war für Österreich auch bei Investitionen in Rentenpapiere immer der europäische Markt von zentralem Interesse. Dies führt zu einer dominierenden Rolle bei der Struktur der Wertpapierportefeuilles: Die Bestände ausländischer Wertpapiere in österreichischem Besitz erreichten Ende 2002 insgesamt einen Wert von 117 Mrd. Euro; bei rd. 75% dieser Forderungen handelte es sich um Forderungen gegenüber Emittenten aus der EU. Im Verlauf des Jahres 2003 verstärkte sich diese Entwicklung, sodass zum Jahresende vom Gesamtstand im Ausmaß von 130 Mrd. Euro 80% auf EU-Papiere entfielen.
Aufgrund des geringeren Angebots liegt der entsprechende Anteil der 10 Beitrittsländer zu Ende 2003 erst bei 3%.
Bei gegebener Dominanz des europäischen Kapitalmarkts sind die geringeren Anteile der USA mit 7% und Asiens mit 1% nicht weiter überraschend. In den vergangenen beiden Jahren hat sich der Anteil der USA zugunsten des Euroraums sogar verringert.
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Ein Vergleich der Portefeuilles in Rentenwertpapieren der einzelnen EU-Länder per Ende 2002 lässt erkennen, dass für Österreich Investitionen in der EU einen besonders hohen Anteil haben. Einen höheren Stand zeigen nur Belgien und Finnland. Auch in diesem Fall ist die Bedeutung der räumlichen Nähe beobachtbar: Neben Österreich halten nur Deutschland und Griechenland einen erwähnenswerten Anteil an Forderungen gegenüber den Beitrittsländern.
Kreditbeziehungen
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Die Globalisierung Österreichs zeigt sich auch in der Entwicklung des Kapitalverkehrs bei Krediten und Einlagen. Seit dem EU-Beitritt haben sich die jährlichen Kapitalströme daraus auf 25 Mrd. Euro verdoppelt.
Bestimmend für diesen Kapitalbereich und Indikator der Globalisierung ist die Entwicklung des Auslandsgeschäfts der Banken. Das Volumen grenzüberschreitender Kredite und Einlagen hat sich seit 1995 weltweit um rund 40%, in Österreich aber sogar um rund 66% auf 104 Mrd. Euro erhöht. Damit machen die Auslandsforderungen weltweit rund 32% des BIP (2002) aus, in Österreich bereits 46% (2002: 44%). Diese zunehmende Auslandsverflechtung gilt – sowohl für Österreich als auch international – gleichermaßen für die Passivseite der Bilanzen.
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Der europäische Finanzmarkt ist Hauptzielgebiet österreichischer Forderungen und Verpflichtungen aus Krediten und Einlagen. Die Ausweitung der Kreditbeziehungen hat sich seit Einführung des Euro beschleunigt
Europa dominiert den internationalen Kapitalverkehr Österreichs bei Krediten und Bankeinlagen. Vor allem der Zwischenbankenverkehr mit Deutschland ist für Österreich von großer Bedeutung. Die Einführung des Euro und damit die Förderung eines gemeinsamen Finanzmarktes in Europa haben den grenzüberschreitenden Kreditbeziehungen Dynamik verliehen.
Die Ausleihungen der österreichischen Banken in den EU-Raum sind seit 1999 sprunghaft angestiegen. Die Kreditlinien betragen nunmehr 4 bis 5 Mrd. Euro pro Jahr. Ende 2003 hat der EU-Raum bereits einen Anteil am Auslandsgeschäft der österreichischen Banken von knapp der Hälfte.
Im Vergleich dazu geht im internationalen Bankengeschäft rd. ein Drittel in die EU.
Die Finanzierung Österreichs über Auslandskredite konzentriert sich in noch stärkerem Ausmaß als die Investitionen auf die Mitgliedstaaten der EU. Der Zufluss von Kreditkapital aus der EU ist von weniger als 100 Mio. Euro auf rund 2,5 Mrd. Euro pro Jahr gestiegen. Rund 60% der diesbezüglichen Auslandsverpflichtungen betreffen derzeit den EU-Raum. Deutschlands Anteil an den jährlichen Kreditaufnahmen hat durch die nunmehr EU-weite Streuung von 55% auf 17% abgenommen. Durch den Wegfall des Wechselkursrisikos hat sich auch der Heimmarkt für Direktkredite erweitert und wurde genutzt.
Die Kreditlinien der österreichischen Banken gegenüber den Beitrittsländern entwickeln sich äußerst dynamisch. Diese sind nach den derzeitigen EU-Mitgliedsländern das Hauptzielgebiet der Auslandsausleihungen
Nach den EU Ländern sind die Beitrittsländer mit einem Anteil von mehr als 16% an den Forderungen der inländischen Geschäftsbanken die wichtigsten Kreditnehmer im Ausland. Weltweit sind es nur rund 2%.
Trotz starker Präsenz österreichischer Tochterbanken in den Beitrittsländern entwickeln sich auch die grenzüberschreitenden Kreditlinien aus Österreich weiterhin äußerst dynamisch. 2003 erreichten die Neuausleihungen mit 2 Mrd. Euro einen Höchstwert. Ende 2003 betrug das ausstehende Kreditvolumen der österreichischen Banken gegenüber den neuen Beitrittsländern 13,5 Mrd. Euro. Die wichtigsten Zielländer sind dabei Slowenien, Ungarn und die Tschechische Republik.
Die erweiterte EU ist damit für Österreich auch Hauptzielgebiet im internationalen Kapitalverkehr mit Krediten und Einlagen. 2003 betrafen 71% der Investitionen und 62% der Finanzierungen diese Region.
Das Kreditgeschäft der österreichischen Banken mit außereuropäischen Regionen hat geringes Gewicht. Von Bedeutung sind lediglich Einlagen zum Zweck der Refinanzierung von Fremdwährungsausleihungen
Der Kreditverkehr Österreichs mit den außereuropäischen Wirtschaftsregionen hat sich bislang kaum entwickelt. Amerika ist hierbei mit einem Anteil von rund 9% noch am bedeutendsten. Weltweit liegt der Anteil allein der USA bei 28%.
Mit Ausnahme des Jahres 2002 blieb die Neuvergabe von Krediten durch österreichische Banken jeweils unter 1 Mrd. Euro pro Jahr. Der Zufluss von Kreditkapital aus Amerika ist bislang überhaupt vernachlässigbar. Aus österreichischer Sicht spielen die Einlagen bei inländischen Banken die größte Rolle im Kapitalverkehr mit diesem Land. Hauptmotiv dafür dürfte die Refinanzierung in US-Dollar sein.
Auch der Kreditverkehr mit Asien hat bislang kaum Bedeutung. Nur im Zusammenhang mit der Refinanzierung von Fremdwährungsausleihungen an inländische Kreditnehmer in japanischen Yen spielt diese Region eine Rolle.
Resümee
Österreichs wirtschaftliche Verflechtung mit dem Ausland hat durch die Ostöffnung, den EU-Beitritt und die Teilnahme an der Währungsunion eine wesentliche Intensivierung erfahren. Dennoch ist der grenzüberschreitende Aktionsradius beschränkt. Nachbarländer und – im Bereich der Finanzmärkte – der Euroraum sind das „natürliche“ Aktionsfeld der österreichischen Wirtschaft. Die Erweiterung der EU bietet daher besondere Expansionschancen für die österreichische Wirtschaft.
Außerhalb Europas sind die USA als größte Volkswirtschaft der Erde meist der wichtigste Partner Österreichs; ihre unmittelbare wirtschaftliche Bedeutung liegt jedoch deutlich hinter den wichtigen europäischen Partnern. Die dynamischen Volkswirtschaften Asiens spielen für die österreichischen Außenwirtschaftsbeziehungen bisher nur eine nachrangige Rolle, obwohl es durchaus Ansätze gibt, sich verstärkt in diesem Wachstumsmärkten zu etablieren.
Österreich nimmt also am weltweiten Prozess der Globalisierung Teil, die „Entfernung“ spielt für die mittelständisch strukturierte Volkswirtschaft Österreichs aber nach wie vor eine erhebliche Rolle. Zusammenfassend könnte man sagen, Österreichs Globalisierung ist - derzeit noch - vor allem eine Europäisierung.
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