Es gilt das gesprochene Wort.
Rede Mag. Dr. Peter Zöllner
Zahlungsbilanz im Jahr 2005
Blickpunkt Außenwirtschaft: Österreich als internationaler Investor
Mag. Dr. Peter Zöllner, Direktor
Wien, 25. 4. 2006
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen im Jahr 2005
Internationales Umfeld
Die seit 2004 expandierende Weltwirtschaft wurde auch 2005 vor allem durch den asiatischen Raum, insbesondere China, getragen. Im Sog der chinesischen Volkswirtschaft nahmen auch benachbarte Regionen wieder an Fahrt auf, so etwa Japan, das seine langjährige Stagnation langsam zu überwinden scheint. Ausländische Kapitalzuflüsse in asiatische Schwellenländer dürften 2005 einen neuen Rekordwert erreicht haben, wobei insbesondere langfristig motivierte strategische Unternehmensbeteiligungen von großer Bedeutung waren. Damit ergibt die aktuelle Veranlagungsstruktur ein anderes Bild als unmittelbar vor der Asienkrise 1998, als kurzfristiges Finanzkapital nach Asien floss.
Gleichzeitig ist der unter Volllast laufende Konjunkturmotor Chinas – neben den durch Wirbelstürme verursachten Raffinerieausfällen in den USA ‑ eine wesentliche Ursache für den anhaltenden Anstieg des Ölpreises. Das moderate Wachstum der Eurozone von 1,3 % wurde durch diesen Faktor jedenfalls spürbar negativ beeinflusst, aber auch die USA waren mit einer deutlich höheren Ölrechung konfrontiert als 2004. Nicht zuletzt deshalb ist das Zwillingsdefizit der USA neuerlich angestiegen; dieses Dauerthema kann damit zu einem Vertrauensproblem werden. Bislang haben sich allerdings die Befürchtungen einer Kapitalflucht und der daraus resultierenden Dollarabwertung nicht bestätigt. Problematisch zeigte sich für die amerikanische Handelsbilanz der große Wettbewerbsdruck durch die chinesische Exportwirtschaft.
Österreich
Österreich erreichte beim Leistungsbilanzergebnis mit +3 Mrd EUR (1,2% des BIP) im Euroraum-Vergleich (-0,3%) ein überdurchschnittlich gutes Ergebnis. Die heimische Volkswirtschaft konnte sich 2005 mit einem Wachstum von 1,9% vom Durchschnitt der Eurozone abheben, was vor allem durch die positive Entwicklung der Exporte ermöglicht wurde. Die Nachfragebelebung in wichtigen Handelspartnerländern ‑ wie z. B. in Deutschland ‑ ist hierfür ebenso als Grund zu nennen wie die preisliche Wettbewerbsfähigkeit infolge hoher Produktivität. Die gesamten Güterimporte nahmen 2005 um 4 ½ Mrd EUR zu, ein Drittel davon ging auf die höhere Energierechnung zurück. Bei leicht rückläufigen Mengen schlugen hier die Preiseffekte zu Buche.
Gleichzeitig etablierte sich Österreich auch eindrucksvoll als Kapitalexporteur: Der Erwerb ausländischer Wertpapiere durchbrach erstmals die Schwelle von 30 Mrd EUR, ebenso erreichten die strategischen Unternehmensbeteiligungen im Ausland mit über 7 ½ Mrd EUR einen neuen Höchstwert, wobei neue Regionen in den Fokus heimischer Investoren rückten. Aber auch der österreichische Finanzmarkt konnte bei ausländischen Anlegern weiter reüssieren: Wie schon 2004 war das neuerliche Kursfeuerwerk des österreichischen Aktienindex ATX bemerkenswert, das insbesondere durch das anhaltende Interesse ausländischer Investoren an heimischen börsenotierten Unternehmen ausgelöst wurde. Auch die Direktinvestitionen von Ausländern brachten einen überdurchschnittlichen Kapitalzufluss (knapp über 7 Mrd EUR).

- Leistungsbilanz Österreichs 2005 laut vorläufigem Ergebnis: 3 Mrd EUR oder 1,2 % des BIP.
Ähnlich gutes Ergebnis nur 1982. - Positiver Trend der österreichischen Außenwirtschaft seit 2000 setzt sich fort.
- Gleichzeitig etablierte sich Österreich – entgegen seiner traditionellen Rolle – als internationaler Kapitalgeber.
- Die positive Entwicklung des österreichischen Leistungsbilanzsaldos setzte sich auch 2005 fort. 2005 lag das vorläufige Leistungsbilanzergebnis Österreichs bei einem Aktivum von 3 Mrd EUR und damit bei 1,2 % des BIP.
- Das Aktivum der Leistungsbilanz liegt damit am oberen Rand der von der OeNB als ausgeglichen bezeichneten Bandbreite. Man muss bis ins Jahr 1982 zurückgehen, um ein ähnlich gutes Ergebnis zu finden.
- Gleichzeitig etablierte sich Österreichs Wirtschaft eindrucksvoll als Kapitalexporteur. Bisher wurde Österreich eher in der Rolle eines Kapitalimporteurs gesehen.

- 2005 deutlich gestiegener Einnahmenüberschuss aus dem grenzüberschreitenden Güter- und Dienstleistungsverkehr: 6,5 Mrd EUR.Treibt Leistungsbilanzüberschuss nach oben.Eindeutig erkennbarer Aufwärtstrend seit acht Jahren. Was heißt das?
- Österreichische Unternehmen sind im Ausland wettbewerbsfähig.
- Das wirkt positiv auf die Inlandskonjunktur.
- Die Bilanz der Güter und Dienstleistungen ist seit acht Jahren der Motor für die Verbesserung des Ergebnisses der Leistungsbilanz. Im Jahr 2005 gingen vier Fünftel der Ausweitung des Aktivums im Ausmaß von rund 2 ½ Mrd EUR auf diese Teilbilanz zurück.
- Neben dem Reiseverkehr tragen auch andere Teilbereiche der Dienstleistungen, wie der Transport – hier vor allem der Luftverkehr ‑ Kommunikationsdienste und der Transithandel zu der Verbesserung der Leistungsbilanz bei.

- Stabile Handelsbeziehungen mit den großen Partnerländern – Deutschland, Italien, Frankreich sowie den USA. Machen zusammen mehr als die Hälfte des gesamten Warenverkehrs aus.
- Ein Drittel des gesamten Importzuwachses geht auf die höhere Energierechnung zurück; Durchschlagen von Preiseffekten, da Mengen rückläufig.
- Ausgehend von einem hohen Niveau nahmen die Güterexporte Österreichs 2005 um 4,5% zu. Ein wichtiger Impuls für die heimische Konjunkturentwicklung.
- Kräftig war die Zunahme bei den Ausfuhren von pharmazeutischen Produkten und chemischen Erzeugnissen (+11%). Laut Ergebnissen der Statistik Austria entwickelte sich die Ausfuhr von Maschinen und Fahrzeugen etwas schwächer als im Jahr davor (-3%); hier dürfte allerdings eine Änderung in der Erhebung das Ergebnis schlechter darstellen als es der Realität entspricht. Dieses Segment ist mit einem Anteil von 42% nach wie vor die wichtigste Kategorie der heimischen Außenwirtschaft.
- Wichtigster Handelspartner bleibt Deutschland mit einem Anteil am Exportvolumen von knapp einem Drittel und einem Wachstumsbeitrag von rund einem Viertel. Darüber hinaus konnte Österreich Ausfuhrsteigerungen in den Erdöl exportierenden Staaten – vor allem der GUS mit einem Beitrag zum Wachstum von einem Achtel – verbuchen, ausgehend jedoch von einem niedrigen Niveau (Anteil am Gesamtexport: 3 %).
- Die gesamten Güterimporte nahmen 2005 um 4,4 Mrd EUR (+4,8%) zu. Ein Drittel dieses Zuwachses geht auf die höhere Energierechnung zurück. Bei leicht rückläufigen Mengen schlugen hier die Preiseffekte bei Erdöl zu Buche. Die GUS ‑ im Speziellen Russland ‑ gewann als Energielieferant Österreichs an Bedeutung, wobei die Hälfte des Zuwachses in Höhe von 0,9 Mrd EUR je auf Gas und Rohöl entfiel.
- 2005 liegt China am 6. Rang der für Österreich wichtigsten Einfuhrländer. Der Bedeutungsgewinn im Jahresvergleich geht auf vermehrte Importe von Bekleidung und Unterhaltungselektronik zurück.
- Die Handelsbilanz bewegte sich in Summe in etwa auf dem Niveau des Vorjahres, einem Defizit von 1,5 Mrd EUR.

- Positive Impulse für die Leistungsbilanz kommen aus Transport, Kommunikation und Transithandel.
- Wichtigste Komponente der Dienstleistungen bleibt jedoch der Reiseverkehr. Einnahmenüberschuss 2005 gestiegen: um 1 auf 3,6 Mrd EUR.
- Weiter Zurückhaltung der Österreicher bei Ausgaben für Auslandsreisen.
- Trotz starkem Wettbewerb mit anderen Destinationen kann Österreich seine hohen Einnahmen aus dem Reiseverkehr leicht ausbauen.
- Die Daten der Zahlungsbilanzstatistik zeigen auch im Jahr 2005 eine große Zurückhaltung der Österreicher bei Ausgaben für Auslandsreisen. Nach Erhebungen von Statistik Austria – die in Kooperation mit der OeNB durchgeführt wurden – beliefen sich Ausgaben für Auslandsreisen auf 10,3 Mrd EUR, davon 1,4 Mrd auf den Internationalen Personentransport und 8,9 Mrd auf den Reiseverkehr im engeren Sinn.
- Die Einnahmen aus dem Reiseverkehr erreichten hingegen ein Niveau von 15,4 Mrd EUR, davon 3 Mrd für den Internationalen Personentransport. Das nominelle Einnahmenplus von 4,1 Prozent bei einer gleichzeitigen Steigerung der Nächtigungszahlen um 2,1% (auf 87,7 Millionen) ergibt eine Zunahme der Einnahmen pro Nächtigung um 2%, ein Wert der leicht unter der touristischen Exportpreissteigerungsrate von 2,7 Prozent liegt.
- Im internationalen Vergleich dürfte Österreich trotz der guten Einnahmen- und Nächtigungsentwicklung Marktanteile verloren haben. Weltweit wuchsen die Ankünfte im grenzüberschreitenden Tourismus nämlich um 5,5 Prozent, in Österreich aber nur um 3 Prozent.

- Erträge heimischer Investoren 2005 auf 17 Mrd EUR gestiegen, damit deutlich über den Einnahmen aus dem Reiseverkehr.
- Gründe: Erfolgreiche Internationalisierung österreichischer Unternehmen sowie Rekordinvestitionen in ausländische Wertpapiere.
- Auch die Ausgänge sind 2005 gestiegen, jedoch in geringerem Ausmaß.
- Einkommenslücken aus Direktinvestitionen und Wertpapierveranlagungen schrumpfen.
- Per Saldo verringerte sich das Einkommensdefizit um fast ½ auf 2 Mrd EUR.
- Die Nettozahlungen Österreichs aus dem Titel Einkommen verringerten sich um knapp ein Viertel auf 1,4 Mrd EUR; es ist dies der zweitniedrigste Wert in den letzten 5 Jahren. Die Reduktion stammt ausschließlich aus den Vermögenseinkommen, den Erträgen aus grenzüberschreitenden Veranlagungen. Der Nettoaufwand aus diesem Titel nahm um 0,4 Mrd EUR auf 1,9 Mrd EUR ab.
- Die aktive Rolle Österreichs auf den internationalen Finanzmärkten wirkt sich auf die Erträge aus den grenzüberschreitenden Veranlagungen aus: 2005 lukrierten heimische Investoren bereits 17 Mrd EUR aus ihrem Auslandsvermögen, das ist deutlich mehr als die Eingänge aus dem Reiseverkehr.
- Die größte Entlastung kam aus dem Bereich der Wertpapierveranlagungen (Portfolioinvestitionen), wo sich der Nettoabfluss von 2,7 Mrd EUR im Jahr 2004 auf knapp 2 Mrd EUR im Berichtsjahr 2005 verminderte. Dies ist eine Folge der Rekordinvestitionen der Österreicher in Wertpapiere; die Erträge inländischer Investoren stiegen um 18 % auf 7,6 Mrd EUR, während die Zahlungen an das Ausland nur um rund 4 ½ % auf 9,6 Mrd EUR zunahmen.
- Die erfolgreiche Internationalisierung der österreichischen Unternehmen führte zu einem ständigen Schrumpfen der Einkommenslücke aus Direktinvestitionen: Die von ausländischen Töchtern erhaltenen Dividenden erreichten 2005 bereits 90% der an ausländische Mütter gezahlten Dividenden.
- Aufgrund stärker gestiegener Ausgänge als Eingänge nahm das Aktivum aus sonstigen grenzüberschreitenden Vermögensanlagen, d. s. vor allem Kredite und Einlagen sowie die Investitionen der Notenbank, gegenüber dem Jahr davor auf knapp ½ Mrd EUR ab.

- 2005: Volumen grenzüberschreitender Kapitalströme erreicht 130 Mrd EUR. Neuer Höchstwert.
- Einbruch in den Jahren 2001 und 2002 im Zusammenhang mit Platzen der New-Economy-Blase, Auswirkungen des „September 11th“, Bilanzskandale.
- Langfristiger Trend: Internationalisierung Österreichs beschleunigt sich.
- Seit 2003 zeigt sich eine ausgeprägte Dynamik hinsichtlich der finanzwirtschaftlichen Verflechtung der österreichischen Außenwirtschaft. 2005 wurden bei grenzüberschreitenden Finanztransaktionen 130 Mrd EUR umgesetzt. Dies entspricht mehr als der Hälfte der österreichischen Wirtschaftsleistung und bringt einen neuen Höchstwert.
- Der Einbruch in den Jahren 2001 und 2002 reflektiert die Unsicherheit auf den Märkten als Folge des Platzens der New-Economy-Blase, des September 11th, der Bilanzskandale in den USA; risikoärmere Veranlagungen wurden bevorzugt. Zusätzlich fand eine Umstrukturierung des Auslandsgeschäftes der Banken statt, begleitet von einer Bilanzverkürzung.
- In der Periode 1970 bis 1997 waren die Finanztransaktionen in etwa parallel zur österreichischen Wertschöpfung gewachsen, die Spitzenwerte 1998 bis 2000 entstanden aufgrund der Diversifikation der Portefeuilles und der Integration in den neu geschaffenen gemeinsamen Währungsraum.
- Die Summe aus den grenzüberschreitenden Transaktionen betreffend die Veranlagungen Österreichs im Ausland und jene der Ausländer in Österreich wird als Indikator für die Intensität der Veranlagungstätigkeit verwendet.

- Neuinvestitionen Österreichs im Ausland 2005: 65 Mrd EUR.
- Zunahme gegenüber 2004 um rund ein Drittel. Stammt vor allem aus Wertpapierkäufen.
- Veranlagungsstruktur: Mehr als die Hälfte Wertpapierveranlagungen, ein Drittel Kredite und Einlagen und ein Zehntel strategische Unternehmensbeteiligungen.
- Vom gesamten im Jahr 2005 im Ausland investierten Volumen, das sind rund 65 Mrd EUR, entfiel mehr als die Hälfte auf Wertpapierveranlagungen, ein Zehntel auf strategische Unternehmensbeteiligungen und 35 % auf Kredite und Einlagen.
- Der Forderungsaufbau nahm gegenüber 2004 um 34 % zu, wobei der Nettoankauf von Wertpapieren 16 %-Punkte beitrug, Direktinvestitionen 3 %-Punkte und die Entwicklung von Krediten und Einlagen 12 %-Punkte.
- Die Wertpapierveranlagungen des Jahres 2005 bestätigen somit eindrucksvoll die seit einigen Jahren beobachtete Dynamik.

- 2005: Ausland veranlagte 64 Mrd EUR in Österreich.
- Anstieg gleichfalls um ein Drittel. Kam vor allem aus dem traditionellen Bankengeschäft.
- Anlagepräferenzen der ausländischen Investoren in Österreich zeigen andere Struktur: Mehr als die Hälfte Kredite und Einlagen, mehr als ein Drittel Wertpapiere und wiederum ein Zehntel Direktinvestitionen.
- Die Anlagenpräferenzen der ausländischen Investoren zeigten eine etwas andere Struktur: Von insgesamt 64 Mrd EUR zusätzlich in Österreich veranlagtem Kapital gingen mehr als die Hälfte (53 %) auf Einlagen, 36 % auf Nettokäufe von Wertpapieren und 11 % auf Direktinvestitionen zurück.
- Die Kapitalaufnahme Österreichs stieg gegenüber 2004 um nahezu ein Drittel, wobei Einlagen und Kredite diese Erhöhung mit fast 90 % dominierten, strategische Unternehmensbeteiligungen trugen knapp 10 % bei, während Wertpapiertransaktionen leicht abnahmen.

- Regionen im Osten Europas gewinnen für österreichische Investoren weiter an Bedeutung.
- In Richtung Süden und Osten 11 weitere Länder als Zielgebiet heimischer Kapitalgeber, die in folgende Regionen zusammengefasst werden können: Balkanstaaten, zwei Beitrittsländer, ausgewählte „GUS-Staaten“; ebenso zieht auch die Türkei zunehmend österreichisches Kapital an.
- Die Wirtschaft greift der Diskussion um die künftige Erweiterung der EU voraus.
- Österreich bestätigt damit – wie schon vor der jüngsten Erweiterung – seine Rolle als Early Mover in diesen Emerging Markets.
- Verschiebung der Anlagepräferenzen innerhalb Osteuropas von den zehn neuen EU Mitgliedsländern in Richtung der so genannten MOEL‑11 (Mittel- und osteuropäische Länder).
- Da sich die Entwicklung differenziert gestaltet, werden vier Regionen untersucht: Balkanstaaten mit den Ländern Albanien, Mazedonien, Bosnien, Serbien-Montenegro, und Kroatien, die Beitrittsländer Rumänien und Bulgarien, ausgewählte „GUS-Staaten“ mit Russland, Weißrussland, Ukraine, Moldawien und schließlich die Türkei.
- Der Trend zu den neuen Regionen Balkan, den Beitrittsländern, den GUS-Staaten und die Türkei ist vor allem bei strategischen Unternehmensbeteiligungen und den Kreditgewährungen österreichischer Banken zu beobachten, in beiden Fällen erfolgte die Erschließung der neuen Zielregionen zu lasten der Investitionen in die 10 neuen EU-Mitgliedsländer.
- Im Zusammenhang mit Wertpapierveranlagungen zogen die 10 neuen EU-Mitgliedsländer 2005 mehr österreichisches Kapital an, die entsprechenden Investitionen im Euroraum gingen gegenüber 2004 zurück.

- 2005 neuer Rekordwert bei österreichischen Firmenbeteiligungen im Ausland: 7,5 Mrd EUR.
- Zentral- und Osteuropa bedeutendste Zielregion.
- Neue EU-Mitglieder zogen seit dem Beitritt jedoch viel weniger österreichisches Kapital an. Beträge sind weit von den historischen Höchstwerten entfernt. Ausnahme ist Slowenien.
- Neue Länder im Osten gewinnen aus Sicht Österreichs an Bedeutung: Ukraine, Bulgarien und Rumänien, Kroatien.
- Wichtigstes Einzelland 2005 jedoch Deutschland mit einem Investitionsvolumen von 1,6 Mrd EUR.
- Die österreichischen Direktinvestitionen im Ausland erreichten im abgelaufenen Kalenderjahr mit netto 7,5 Mrd EUR eine neue Rekordmarke. Da die heimischen Auslandbeteiligungen zunehmend höhere Erträge abwerfen, wächst auch die Bedeutung der reinvestierten Gewinne. Nach vorläufigen Schätzungen trugen sie 2005 mit 1,1 Mrd EUR zum außergewöhnlichen Jahresresultat bei.
- Zentral- und Osteuropa war mit einem Anteil von 46% auch 2005 die bedeutendste Zielregion. Wichtigstes Einzelland war jedoch Deutschland mit einem Investitionsvolumen von 1,6 Mrd EUR. Auf den Plätzen zwei, drei und vier folgen bereits die Ukraine, Bulgarien und Rumänien1). Bestätigt wird der Trend nach Destinationen außerhalb der EU-25 durch Kroatien, das mit 350 Mio EUR hinter der Schweiz, den Bahamas und dem Vereinigten Königreich Platz acht einnahm.
- Die neuen EU-Mitglieder haben dagegen seit dem Beitritt viel weniger österreichisches Kapital anzogen: Die entsprechenden Beträge sind weit von den historischen Höchstwerten entfernt. Nur in Slowenien, das mit hoher Wahrscheinlichkeit bald Mitglied des Euroraums sein wird, erreichten die Investitionen mit 240 Mio EUR eine nennenswerte Größenordnung. In Ungarn und Polen hingegen ging die Eigenkapitalzufuhr überwiegend auf reinvestierte Gewinne zurück.

- Die herausragende Stellung Österreichs in Osteuropa bestätigte sich auch im Vergleich mit internationalen Kapitalgebern.
- In drei Staaten ist Österreich der wichtigste Direktinvestor.
- Im Vergleich zu einem Jahr davor verbesserte Österreich seine Präsenz vor allem in Bulgarien (vom 4. auf den 1. Platz) und Rumänien (vom 7. auf den 2. Platz)

- Direktinvestitionen in Österreich 2005: 7,2 Mrd EUR.
- Außerordentlich hohes Niveau. Bisher nur im Jahr 2000 erreicht (Übernahme der Bank Austria durch die HVB).
- Wie auf der Aktivseite: Wichtigster Investor war Deutschland.
- Luxemburg (Holdinggesellschaften), Italien (Aufkauf des Großteils des Streubesitzes an BA-CA Aktien durch die UniCredito) und Deutschland deckten zusammen 90% des Investitionsflusses nach Österreich ab.
- Die passiven Direktinvestitionen erreichten mit netto 7,2 Mrd EUR ebenfalls ein außerordentlich hohes Niveau, das bisher nur im Jahr 2000, dem Jahr der Übernahme der Bank Austria durch die HVB, übertroffen wurde. Die reinvestierten Gewinne erreichten ein Volumen von 1,3 Mrd EUR, was dem Durchschnitt der letzten Jahre entspricht.
- Die größte Transaktion des Jahres betraf BA-CA. Zwar findet die Übernahme der HVB durch die italienische UniCredito selbst in der österreichischen Zahlungsbilanz keinen Niederschlag, jedoch wird der Aufkauf des Großteils des Streubesitzes an BA-CA Aktien durch die UniCredito deutlich sichtbar. Er steht hinter dem herausragenden Investitionsvolumen von 2,2 Mrd EUR aus Italien.
- Dennoch war auch 2005 Deutschland mit 3,4 Mrd EUR erneut der mit Abstand wichtigste Investor. Zusammen mit Luxemburg, wo zumeist über Holdinggesellschaften Mittel zur Konzernfinanzierung verteilt werden, deckten diese drei Länder 90% des Investitionsflusses nach Österreich ab.

- Das internationale Kredit – und Einlagengeschäft stark gestiegen, damit auch das Auslandsgeschäft der Banken merklich ausgebaut: Transaktionsvolumen insgesamt stieg gegenüber 2004 um die Hälfte auf 57 Mrd EUR, jenes der Banken auf 42 Mrd EUR – ebenso +50 %.
- Wichtiger Geschäftszweig ‑ langfristige Kreditgewährungen – jedoch im Vergleich zu 2004 reduziert; betraf vor allem die 10 neuen EU-Mitgliedsländer.
- Mit Blick in den Osten, dem bekannten Schwerpunktgebiet der heimischen Banken, zeigt sich regionale Verschiebung in Richtung Kroatien, Bosnien und Serbien, gefolgt von den Beitrittsländern Bulgarien und Rumänien und weiter Ukraine sowie Türkei.
- Im Bereich der so genannten sonstigen Investitionen, die im Wesentlichen für das traditionelle Bankengeschäft stehen, nahm das Transaktionsvolumen insgesamt gegenüber 2004 um die Hälfte auf 57 Mrd EUR zu.
- Drei Viertel dieses Volumens ging 2005 auf die grenzüberschreitende Aktivität der österreichschen Banken zurück; in diesem Segment stieg das Transaktionsvolumen auf 42 Mrd EUR, was ebenfalls einem Anstieg auf das Eineinhalbfache entspricht.
- Der in diesem Bereich bedeutendste Geschäftszweig der heimischen Banken, nämlich Kreditgewährungen, weitete sich gegenüber 2004 auf mehr als den doppelten Wert aus (11,6 Mrd EUR).
- Dahinter verbergen sich zwei unterschiedliche Tendenzen: im kurzfristigen, volatilen Segment drehte der Nettokapitalzufluss im Jahr 2004 in einen Nettokapitalexport im Berichtsjahr. Die langfristigen Kreditlinien wurden von 9 ½ Mrd EUR auf 6 ½ Mrd EUR reduziert, allerdings unter einer deutlichen Verlagerung der Zielregionen. Im Berichtsjahr gingen nur knapp 30% der neu gewährten Kredite an die 10 neuen EU-Mitgliedsländer und 56% an Bulgarien und Rumänien sowie die anderen 9 mittel- und osteuropäischen Länder; 2004 waren die entsprechenden Anteile bei 42% bzw. 40% gelegen.

- 2005 neuer Rekordwert bei österreichischen Wertpapierkäufen im Ausland: 34 Mrd EUR, ausgehend von bereits hohem Niveau.
- Trend von 2004 setzt sich damit fort.
- Konzentration auf Schuldverschreibungen. Anteilsscheine mit leichtem Zuwachs.
- Bereits 2004 hatten die österreichischen Anleger mit 26,6 Mrd EUR um mehr als die Hälfte zusätzlich in Wertpapiere investiert als 2003. Ausgehend von diesem bereits hohen Niveau erreichten die Veranlagungen 2005 mit einer Zunahme um rund 30 % auf 34,3 Mrd EUR einen neuen Rekordwert.
- Das Kaufinteresse konzentrierte sich zu 86 % auf Schuldverschreibungen und zu 14 % auf Anteilsscheine in Form von Aktien und Investmentzertifikaten, Geldmarktpapiere spielten keine Rolle.
- Mit einem Anteil von fast 60 % an den Neuveranlagungen traten 2005 wieder die institutionellen Investoren – Investmentfonds, Versicherungen und Pensionskassen – verstärkt an den Märkten auf. 2004 war der Großteil (56 %) auf die Banken entfallen.

- Bereits das dritte Jahr in Folge verliert der Euroraum als Zielregion an Bedeutung, obwohl der Anteil noch immer bei knapp 60 % liegt.
- 2005 zunehmendes Kaufinteresse an Emissionen der neuen EU-Mitgliedsländer (convergence trades). Dabei dominiert der Euro als Emissionswährung (70 %).
- Mit knapp 30 Mrd EUR bildeten Investitionen in Schuldverschreibungen das bedeutendste Segment der Nachfrage.
- Bereits das dritte Jahr in Folge verliert der Euroraum als Zielregion an Bedeutung, dominiert jedoch mit einem Anteil von 58 % nach wie vor. Das Kaufinteresse verlagerte sich zunehmend auf die restlichen Länder der EU, wobei 2005 auch Emissionen jener Länder, die 2004 der EU beigetreten waren, zunehmend an Gewicht gewannen.
- Von den 30 Mrd EUR gingen im Berichtsjahr 17,3 Mrd EUR oder 58 % in den Euroraum, an zweiter Stelle liegen bereits die neuen EU-Mitgliedsländer mit einem Anteil von 4,3 Mrd EUR oder rund 15 %: vor allem Polen (1,8 Mrd EUR), Ungarn (1,3 Mrd EUR) und Zypern (knapp 1 Mrd EUR). Die Rangliste setzt sich fort mit Nettoveranlagungen in Großbritannien, Dänemark und Schweden sowie den USA.
- Die Emissionswährungen der Papiere aus den neuen EU-Mitgliedsländern gliedern sich wie folgt: rund 70 % in Euro, rund 16 % eigene Währungen (Forint, Zloty), US-Dollar und Yen mit jeweils rund 6 %.

- Investitionen ausländischer Anleger in österreichische Wertpapiere 2005: netto 23 Mrd EUR.
- Wiener Börse steht weiterhin hoch im Kurs. Volumen des Aktienabsatzes jedoch aufgrund eines Sondereffekts verringert (Aufkauf des Großteils des ausländischen Streubesitzes an BA-CA Aktien durch die UniCredito).
- Stark gestiegenes Interesse an österreichischen Investmentzertifikaten.
- Ausländer nutzen Österreich als Kompetenzzentrum Osteuropa.
- Ausländische Anleger nahmen 2005 ihre Investitionen etwas zurück, mit netto 23,1 Mrd EUR konnte das hohe Niveau 2004 (netto 25,8 Mrd EUR) nicht ganz erreicht werden. Im längerfristigen Vergleich liegt dieses Ergebnis an vierter Stelle.
- In diesem Ergebnis ist jedoch auch der spiegelbildliche Effekt zu dem bei den Direktinvestitionen erwähnten Aufkauf des Großteils des ausländischen Streubesitzes an BA-CA Aktien durch die UniCredito enthalten; diese Komponente führt zu einer Verkürzung des Nettoerwerbs österreichischer Aktien durch Ausländer.
- Blendet man diese Transaktionen aus, so ist das internationale Interesse an österreichischen Aktien unverändert hoch. Gefragt waren Wr. Staedtische sowie Raiffeisen Internationale Bank-Holding AG – beides Börsengänge ‑, Voest Alpine (Abbau des ÖIAG Anteils), Wienerberger und Boehler Uddeholm.
- Mit knapp 18 Mrd EUR floss Österreich aus Schuldverschreibungen etwas weniger Kapital zu als im Jahr davor.

- Kapitalzufluss in Österreich aus Schuldverschreibungen 2005: netto 18 Mrd EUR.
- Big Player sind die Banken, die mehr als die Hälfte des Kapitalimports lukrierten.
- Der Staat halbierte die Kapitalzufuhr aus dem Ausland über Schuldverschreibungen. Umschichtung in Kredite.
- Absatz von Emissionen des Unternehmenssektors (Corporate Bonds) im Ausland um mehr als 1 Mrd EUR zugenommen. Neuer Höchstwert.
- Mit knapp 18 Mrd EUR floss Österreich aus Schuldverschreibungen etwas weniger Kapital zu als im Jahr davor.
- Vom Ausland wurden vor allem langfristige Bankenemissionen gekauft; dieses Segment steht für 10 Mrd EUR oder 57 % des gesamten Kapitalimports in dem Bereich.
- Der Sektor Staat halbierte die Kapitalzufuhr aus dem Ausland in Form von Schuldverschreibungen, die Kompensation hiefür findet sich unter Krediten. Diese Umschichtung in Darlehen geht Hand in Hand mit Veranlagungsstrategien ausländischer institutioneller Investoren.
- Der grenzüberschreitende Absatz der so genannten Corporate Bonds, der Emissionen des Unternehmenssektors, nahmen gegenüber 2004 um mehr als 1 Mrd EUR zu und erreichten mehr als 4 Mrd EUR. Großvolumige Wertpapieremissionen tätigten sowohl die ASFINAG als auch die ÖBB-Infrastruktur, wovon der größte Teil ins Ausland abgesetzt wurde. Ebenso wurden Papiere von Energie AG Oberösterreich und Wienerberger AG verkauft.
Publikationsstrategie
- Dank an die Melder, ohne deren aktiven Beitrag wir unsere Zahlungsbilanzstatistik nicht erstellen könnten. Umso bedeutender im Jahr der Umstellung, seit Jänner dieses Jahres neben den Banken auch stärkere Einbeziehung der Unternehmen in die Erfassung von Außenwirtschaftsdaten.
- Ein Erhebungssystem dieser Größenordnung benötigt zu Beginn eine Stabilisierungsphase. Daher haben wir uns entschlossen, für eine kurze Übergangsperiode die monatliche Veröffentlichung der Zahlungsbilanzdaten auszusetzen. Die Ergebnisse für die Monate Jänner bis März 2006 wird die OeNB Mitte Mai mit einer Presseaussendung publizieren. Ab diesem Zeitpunkt werden wir wieder zu dem Ihnen bekannten monatlichen Publikationsrhythmus zurückkehren (z. B. Mitte Juni die Ergebnisse für April 2006). Diese monatlichen Presseaussendungen sollen vor allem Aufschluss über wesentliche Trends in den grenzüberschreitenden Kapitaltransaktionen geben.
- Die Quartalsergebnisse der Zahlungsbilanz, die mehr Detailinformationen zu den einzelnen Teilbereichen bieten, werden in der gewohnten Vorgangsweise veröffentlicht. Das Ergebnis für das 1. Quartal 2006 können Sie also Anfang Juli 2006 erwarten.
- Darüber hinaus werden wir Ihnen, den Journalisten, spezielle Seminare anbieten, um Sie mit der Welt des neuen Erhebungssystems vertraut zu machen und Ihnen Hintergrundinformationen zu bieten.
Rückfragehinweis:
Statistik-Hotline
Tel.: (+43-1) 404 20-5555
E-Mail senden
Verleger, Herausgeber und Hersteller:
Oesterreichische Nationalbank
Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Günther Thonabauer
Tel.: (+43-1) 404 20-6666
1) Die Beteiligung der Erste Bank an der rumänischen BCR (Banca Comerciala Romana), die vertraglich noch im Dezember 2005 fixiert worden war, ist in den Daten des Jahres 2005 nicht enthalten.
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