Es gilt das gesprochene Wort.
Rede Mag. Dr. Peter Zöllner
Zahlungsbilanz im Jahr 2006
Österreich nützt die Chancen der Globalisierung
Mag. Dr. Peter Zöllner, Direktor
Wien, 24. 4. 2007
Die Zahlungsbilanz im Jahr 2006
Hauptergebnis:
Österreich erreichte 2006 beim Leistungsbilanzergebnis mit +8,2 Mrd EUR (3,2% des BIP) den höchsten Leistungsbilanzüberschuss seiner Geschichte. Zu Beginn der Währungsunion, im Jahr 1999, hatte Österreich noch ein Leistungsbilanzdefizit von 3,2% des BIP ausgewiesen. Die stetige, zuletzt sogar beschleunigte Aktivierung der Leistungsbilanz verdankt die österreichische Volkswirtschaft vor allem einer markanten Verbesserung der Wettbewerbsposition innerhalb der Währungsunion: Hohe Produktivitätsgewinne, kombiniert mit einer moderaten Lohnpolitik haben die heimische Lohnstückkosten und damit die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Österreichs laufend verbessert.
Begünstigt wurde das erfreuliche Ergebnis durch ein hohes Wachstum der Weltwirtschaft und des Welthandels. Wie die WTO kürzlich mitteilte, ist der Welthandel 2006 real doppelt so stark gewachsen wie das Sozialprodukt. Gemessen in USD stiegen die Güterexporte nominell um 15%, die Dienstleistungsexporte um 11%.
Mit wachsenden Leistungsbilanzüberschüssen entwickelt sich Österreich parallel dazu zum Kapitalexporteur (7 Mrd EUR): Die österreichische Volkswirtschaft hat 2006 in Form von strategischen Unternehmensbeteiligungen, den Direktinvestitionen, 3 Mrd EUR im Ausland veranlagt. Im Bereich der Portfolioinvestitionen wurden zwar netto 10 Mrd EUR importiert, dafür ergab sich im Einlagen- und Kreditgeschäft der Banken ein außergewöhnlich hoher Kapitalexport von 13 Mrd EUR.

- Leistungsbilanz Österreichs 2006 laut vorläufigem Ergebnis: 8,2 Mrd EUR oder 3,2 % des BIP
- Positiver Trend der österreichischen Außenwirtschaft beschleunigt sich: Verbesserung gegenüber dem Vorjahr um 3 Mrd EUR
- Ursache: Österreich verbessert seine Wettbewerbsposition; insbesondere innerhalb des Euroraums
Leistungsbilanzentwicklung
1999 -6,3 Mrd EUR -3,2% des BIP
2004 +4,0 Mrd EUR +1,7% des BIP
2005 +5,2 Mrd EUR +2,1% des BIP
2006 +8,2 Mrd EUR +3,2% des BIP

- Österreich mit seiner Tradition der Hartwährungspolitik gehört – ähnlich wie Deutschland – zu den Ländern, die den richtigen Policy-Mix für eine erfolgreiche Außenwirtschaftspolitik gefunden haben.
- Dank einer moderaten Lohn- und Preispolitik der Sozialpartner in Verbindung mit Produktivitätsgewinnen sind die Lohnstückkosten Österreichs seit 1999 kumuliert um 6,9 Prozentpunkte weniger gestiegen als der Durchschnitt des Euroraums (besser nur Deutschland -9,7 Prozentpunkte).
- Daraus ergibt sich eine verbesserte preisliche Wettbewerbsfähigkeit innerhalb des Euroraums, die z. B. am Verbraucherpreisindex abgelesen werden kann: Die Preise sind in Österreich seit 1999 um 2,8 Prozentpunkte weniger gestiegen als im Durchschnitt des Euroraums (besser nur Deutschland -4,4 und Finnland -3,9).
- Die verbesserte preisliche Wettbewerbsfähigkeit, schlägt sich letztlich in den Leistungsbilanzsalden nieder, die sich bei einzelnen Mitgliedern der Währungsunion recht unterschiedlich entwickelt haben

- Schwelle von je 100 Mrd EUR bei Exporten und Importen überschritten. Österreichs Exporte wachsen zwar langsamer als der Welthandel, aber stärker als die Exporte der EU-25
- WTO sagt: Österreich im Warenexport auf Platz 23, bei Importen auf Platz 21 in der Welt
- Wachsende Rolle der mittel-, ost- und südosteuropäischen Handelspartner nach Ostöffnung und EU-Beitritt.
Aktuell: Dynamik vor allem in Osteuropa und auf dem Balkan - Exporterfolge in den USA trotz Euro-Aufwertung
- China wird zum Lieferanten der Welt und auch Österreichs; das Handelsdefizit gegenüber China erreicht 2,5 Mrd EUR und ist damit das zweithöchste nach dem Defizit gegenüber Deutschland
- Ausgehend von einem hohen Niveau nahmen die Güterexporte Österreichs laut Außenhandelsstatistik 2006 um 12,7% zu. Sie stiegen damit stärker als die Importe (10,8%) und leisteten damit einen wesentlichen Beitrag zur Steigerung des Leistungsbilanzüberschusses (zwei Drittel des Zuwachses stammen aus dem Warenhandel).
- Güterstruktur ‑Veränderung 2005 auf 2006: Die größten Exportsteigerungen gab es in der Gütergruppe Maschinen/Fahrzeuge auf die ein gutes Drittel des Exportzuwachses entfiel. Importseitig fallen die Importe von Brennstoffen und Energie ins Auge: mit 14,7 Mrd EUR war der Aufwand mehr als doppelt so hoch als noch 2003. Trotz stagnierender oder schwach wachsender Importmengen stieg die Importrechnung bei Erdöl, Erdölprodukten und Gas vor allem preisbedingt.
- Regionalentwicklung mittelfristig: Unangefochten wichtigster Handelspartner bleibt Deutschland mit einem Anteil am Exportvolumen von etwa 32% und einem Importanteil von 42 %. Der Anteil der Länder Mittel- und Osteuropas stieg zwischen 1992 und 2006 exportseitig von 11,6 auf 19,8%, importseitig von 7,3 auf 15,1%, wobei sich die Dynamik von den unmittelbaren Nachbarländern in jüngster Vergangenheit weiter nach Osten bzw. Südosten verschoben hat. Der daraus resultierende Handelsbilanzüberschuss stieg im gleichen Zeitraum von 1 auf 5 Mrd EUR.
- Regionalentwicklung kurzfristig: Herausragende Erfolge erzielten Österreichs Exporteure 2006 (mit Wachstumsraten jenseits der 20-Prozentmarke) in Polen, Bulgarien, Rumänien, Russland und der Ukraine, aber auch in Irland, Griechenland und Portugal. „Problemgebiete“ waren – mit stagnierenden Exporten – das Vereinigte Königreich und leider auch China. Die stärksten Importsteigerungen gab es (neben Deutschland) gegenüber China, den OPEC-Ländern sowie anderen außereuropäischen Entwicklungsländern.

- Die Dienstleistungsbilanz ist der entscheidende Netto-Devisenbringer der österreichischen Volkswirtschaft. Der Überschuss betrug 2006 mehr als 10 Mrd EUR, davon entfielen auf den Reiseverkehr 6 Mrd EUR und auf die übrigen Dienstleistungen 4 Mrd EUR
- Österreichs Position im Handel mit Dienstleistungen ist besser als im Warenhandel. Laut WTO ist Österreich weltweit der 19.-größte Exporteur von Dienstleistungen (incl. Reiseverkehr). Bei den Importen liegt Österreich auf Platz 18.
- Zuverlässige Dienstleistungsdaten liegen nun in bisher nicht dagewesener Detailtiefe vor: Die größten Überschüsse verzeichnet Österreich beim Transithandel, in Forschung- und Entwicklung und in den Technischen Dienstleistungen. Österreich ist offensichtlich ein wettbewerbsfähiges Know-how Zentrum.
- Die Grafik zeigt die regionale Struktur des Dienstleistungsaußenhandels: Ein Drittel wird mit Deutschland abgewickelt; die wichtigsten Handelspartner liegen in Europa, außereuropäisch sind nur die USA von größerer Bedeutung.
- Die gesamten Dienstleistungsexporte beliefen sich 2006 auf 36 Mrd EUR (+9,2%), die Dienstleistungsimporte auf 25,7 Mrd EUR (+8,3%). Daraus ergibt sich ein Saldo von +10,3 Mrd EUR (2005 auf vergleichbarer Basis +9,3 Mrd EUR).


- Der Reiseverkehr trägt 5,9 Mrd EUR zum Leistungsbilanzüberschuss bei
- Trotz EU-Präsidentschaft und Mozartjahr wuchsen die Einnahmen nur um 3,1%; die Ausgaben stiegen um 8,5%
- Die Regionalgliederung zeigt die 14 wichtigsten Partnerländer: Deutschland nimmt auf beiden Seiten der Bilanz den ersten Platz ein. 40% des Umsatzes entfallen auf Deutschland
- Defizite gibt es vorwiegend gegenüber den populären Mittelmeerdestinationen Italien, Kroatien, Spanien, Griechenland und der Türkei
- International: Nach einer ersten Einschätzung der Welttourismusorganisation war 2006 ein überdurchschnittlich gutes Jahr für die Tourismusindustrie. Die Zahl der Ankünfte im internationalen Tourismus stieg um 4,5% und erreichte 842 Millionen Ankünfte. Die Wachstumspole waren 2006 in Süd- und Südostasien, sowie in Afrika. Für Österreich hat Statistik Austria 20¼ Mio Ankünfte von Ausländern registriert, was einem Plus von 1,5% entspricht. Österreichs Weltmarktanteil ist damit von 2,47 auf 2,40% gesunken. (vor 30 Jahren hatte er noch 5% betragen).
- Nächtigungen: Statistik Austria verzeichnete im Kalenderjahr 2006 mit 119,3 Millionen annähernd gleich viele Nächtigungen wie im Jahr zuvor (+0,1%). Dabei sanken die für die Leistungsbilanz relevanten Ausländernächtigungen um 0,6%, während die Inländernächtigungen um 1,9% stiegen. Das Minus ist fast ausschließlich durch die rückläufigen Nächtigungszahlen deutscher Gäste begründet, während im Übrigen durchwegs positive Wachstumsraten zu verzeichnen waren. Vor allem im osteuropäischen Raum scheint der Urlaub in Österreich populär zu sein, was sich in Wachstumsraten im hohen zweistelligen Bereich niederschlägt.
- Fortgesetzt hat sich der stabile Trend in Richtung höherwertiger Unterkünfte mit einem Plus von 3,2% in der 4/5*-Kategorie, während die Nächtigungen in Privatquartieren weiter zurückgehen. Positive Beiträge zum guten Ergebnis lieferten der Wintertourismus und der Städtetourismus, der 2006 von der EU-Präsidentschaft Österreichs einen zusätzlichen Impuls erhalten haben dürfte (beide Entwicklungen sind ebenfalls seit Jahren zu beobachten). Unter den Bundesländern liegen nur Wien (+4,5%), Salzburg (+2,3) und Oberösterreich im schwarzen Bereich, alle anderen Bundesländer verzeichnen Rückgänge, am stärksten in Kärnten (-3,5%).

- Österreichische Investoren kassieren 2006 mehr als 20 Mrd EUR an Vermögenseinkünften aus dem Ausland (das ist um die Hälfte mehr als die Reiseverkehrseinnahmen)
- Wachsende Bestände an Auslandsvermögen und Auslandsverpflichtungen ließen zusammen mit dem leichten Zinsanstieg die Ströme an Vermögenseinkommen deutlich wachsen
- Einkommen aus Direktinvestitionen seit 2004 knapp positiv
- Einkommenslücke aus Portfolioinvestitionen verringert sich weiter und liegt bei knapp 2 Mrd EUR
- Nettovermögensposition Österreichs gegenüber dem Ausland verzeichnet die Zahlungsbilanz regelmäßig Abgänge in der Einkommensbilanz. 2006 betrug der Abgang – einschließlich der Erwerbseinkommen ‑ 1,5 Mrd EUR.
- Erhaltene und gezahlte Kapitalerträge wachsen parallel um mehr als 13 Prozent und überschreiten die Marke von 20 Mrd EUR. Das Defizit wächst leicht, bleibt aber unter 2 Mrd EUR.
- Das Erwerbseinkommen, die quantitativ am wenigsten bedeutende Position der Einkommensbilanz, zeigt regelmäßig einen Überschuss, der in den letzten Jahren jedoch stetig zurückgeht.
2006: Credit 1,6 Mrd Debet 1,2 Mrd Netto +0,4 Mrd. - Die Einkommen aus Direktinvestitionen haben in den späten neunziger Jahren noch Defizite zwischen 1 und 1,5 Mrd EUR verzeichnet. Durch die erfolgreiche Internationalisierung im Zuge der Ostöffnung konnte das Defizit rasch abgebaut werden. Seit 3 Jahren ist die Bilanz ausgeglichen (leicht positiv).
2006: Credit 5,8 Mrd Debet 5,7 Mrd Netto +0,1 Mrd EUR. - Die wichtigste Einkommensposition sind die Portfolioeinkommen: sie determinieren das Gesamtergebnis: Bei wachsenden Eingängen und Ausgängen zeigt der Nettoabgang eine leicht sinkende Tendenz.
2006: Credit 8,9 Mrd Debet 10,9 Mrd Netto ‑1,9 Mrd EUR. - Die Einkommen aus „Sonstigen Investitionen“ stellen eine traditionelle Überschussposition von rd. 1 Mrd EUR dar. Seit 2002 sinkt dieser Überschuss und 2006 ist er erstmals verschwunden.
2006: Credit 5,6 Mrd Debet 5,6 Mrd Netto ‑0,1 Mrd EUR.

- 2006: Volumen grenzüberschreitender Kapitalströme erreicht mit 160 Mrd EUR einen neuen Höchstwert
- Eine erste Welle der Internationalisierung erfolgte mit dem Beginn der Währungsunion. Die Anleger schichteten ihre Portefeuilles um
- Der Einbruch in den Jahren 2001 und 2002 im Zusammenhang mit Platzen der New-Economy-Blase, Auswirkungen des „September 11th“, Bilanzskandale
- Die Entwicklung seit 2003 unterstreicht die fortschreitende Integration Österreichs in den Prozess der Globalisierung
- Österreich entwickelt sich vom „Mauerblümchen“ zu einem ernstzunehmenden Akteur auf den internationalen Kapitalmärkten
- Seit 2003 zeigt sich eine ausgeprägte Dynamik hinsichtlich der finanzwirtschaftlichen Verflechtung Österreichs. 2006 wurden bei grenzüberschreitenden Finanztransaktionen Forderungen und Verpflichtungen um 160 Mrd EUR ausgeweitet. Dies entspricht bereits 60% der österreichischen Wirtschaftsleistung und bedeutet einen neuen Höchstwert.
- In der Periode 1970 bis 1997 waren die Finanztransaktionen in etwa parallel zur österreichischen Wertschöpfung gewachsen, die Spitzenwerte 1998 bis 2000 entstanden aufgrund der Diversifikation der Portefeuilles und der Integration in den neu geschaffenen gemeinsamen Währungsraum.
- Der Einbruch in den Jahren 2001 und 2002 reflektiert die Unsicherheit auf den Märkten als Folge des Platzens der New-Economy-Blase, des September 11th, der Bilanzskandale in den USA; risikoärmere Veranlagungen wurden bevorzugt.
- Die Summe aus den grenzüberschreitenden Transaktionen betreffend die Veranlagungen Österreichs im Ausland und jene der Ausländer in Österreich wird als Indikator für die Intensität der Veranlagungstätigkeit verwendet.

- Neuinvestitionen Österreichs im Ausland 2006: mehr als 80 Mrd EUR
- Die Zunahme gegenüber 2005 um rund ein Viertel stammt vor allem aus dem stark gestiegenen Auslandsgeschäft der Banken, auf das ich schon bei der Pressekonferenz am 27.3.2007 hingewiesen habe
- Wertpapierveranlagungen sinken etwas (auf das Niveau von 2004)
- Aktive Direktinvestitionsflüsse halbiert (bei hohen Bruttoumsätzen)
- Veranlagungsstruktur: der Nettokapitalexport ging zu 30% in Wertpapierveranlagungen, zu zwei Drittel in Kredite und Einlagen sowie ein Zwanzigstel in strategische Unternehmensbeteiligungen
- Vom gesamten im Jahr 2006 im Ausland netto investierten Volumen, das sind rund 82 Mrd EUR, entfielen 4% auf strategische Unternehmensbeteiligungen, 31% auf Wertpapierveranlagungen und 65 % auf Kredite und Einlagen.
- Der Forderungsaufbau gegenüber 2005 erfolgte vorwiegend durch den außerordentlichen Zuwachs von Sicht- und Termineinlagen bei ausländischen Banken. Der transaktionsbedingte Forderungsaufbau im Interbankenverkehr betrug 26 Mrd EUR gegenüber 10 Mrd EUR im Jahr davor.
- Aber auch Unternehmen erhöhten ihre Auslandsguthaben um 13 Mrd EUR. Dieses Phänomen ist ein Ausdruck der Internationalisierung der Finanztransaktionen: Im Zuge von Konzernumstrukturierungen kommt es zu kurzfristigen Veranlagungen von im Ausland aufgenommenen Krediten.
- Die Kreditvergabe an das Ausland wuchs leicht, auf hohem Niveau von 12,4 auf 13,3 Mrd EUR, darunter die Vergabe langfristiger Bankkredite von 6,5 auf 7,6 Mrd EUR.

- Die Anlagepräferenzen der ausländischen Investoren in Österreich zeigen 2006 eine etwas andere Struktur.
- Die zusätzlich nach Österreich geflossenen 75 Mrd EUR verteilten sich annähernd zur Hälfte auf Wertpapiere und zur Hälfte auf Kredite und Einlagen.
- Der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr beträgt 17%. Er kam aus dem traditionellen Bankengeschäft und aus deutlich verstärkten Wertpapierveranlagungen.
- Atempause bei passiven Direktinvestitionen.
- Von insgesamt 75 Mrd EUR zusätzlich in Österreich veranlagtem Kapital gingen mehr als die Hälfte (53 %) auf Einlagen und knapp die Hälfte (47 %) auf Nettokäufe von Wertpapieren zurück.
- Die Kapitalaufnahme Österreichs stieg gegenüber 2005 um 17 Prozent, wobei Einlagen und Kredite um 6½ Mrd, Wertpapiertransaktionen um 11½ Mrd wuchsen, während die strategische Unternehmensbeteiligungen um 7 Mrd auf nahezu Null sanken.
- Die Kreditaufnahmen im Bereich „Sonstige“ spiegeln ebenfalls die Internationalisierung von Finanztransaktionen wider, sie sind das Gegenstück zu den kurzfristigen Veranlagungen.

- Mit dem Einstieg der Erste Bank in Rumänien und dem Rückzug der Bank Austria aus Polen wurden 2006 gleichzeitig die größte Auslandsinvestition und auch die größte Desinvestition verzeichnet
- Netto-Neuinvestitionen österreichischer Investoren im Ausland 2006 halbiert. Die Brutto-Investitionen und Desinvestitionen lagen jenseits der Marke von 10 Mrd EUR
- Fokus der Investoren liegt derzeit am Westbalkan und in Osteuropa
- Restrukturierung des BA-CA Konzerns und zweier ausländisch dominierter Konzernzentralen determinieren das Ergebnis
- Der Strom österreichischer Direktinvestitionen im Ausland erlitt im Jahr 2006 mit nur 3,3 Mrd EUR Neuinvestitionen einen deutlichen Einbruch und erreichte nur die Hälfte des Niveaus vergangener Jahre. Man muss bis 1999 zurückblicken, um ein geringeres Nettoergebnis bei den strategischen Auslandsinvestitionen zu registrieren. Gleichzeitig erreichten allerdings die Bruttoströme neue Rekordmarken, so dass man in diesem Fall nicht von einer Atempause sprechen kann. Die Neuveranlagungen von Eigenkapital im Ausland erreichten 2006 mit 13 Mrd EUR nahezu das Doppelte des Vorjahrs, gleichzeitig sprengten aber auch die Desinvestitionen mit 12,2 Mrd EUR den üblichen Rahmen um ein Vielfaches.
- Die regionale Verteilung der Neuinvestitionen war 2006 sehr heterogen: Das herausragende Ereignis war der Erwerb der Aktienmehrheit der Banca Comerciala Romana (BCR) durch die Erste Bank der österreichischen Sparkassen AG. Die Rekordsumme an Investitionen in der Türkei (860 Mio EUR) ist durch den Einstieg der OMV in den türkischen Markt dominiert.
Die Reorganisation der BA-CA-Beteiligungen im Zuge der Übernahme der Hypovereinsbank durch den italienischen Unicredito hat das Jahresergebnis ebenfalls stark beeinflusst. Der erzwungene Ausstieg aus dem polnischen Markt 2006 führt dort zu hohen Netto-Desinvestitionen (Bank BPH S.A.), der wettbewerbsrechtlich nötige Verzicht auf die kroatische Splitska Banka (im Gegenzug für eine 2007 zu erwartende Beteiligung an der größeren Zagrebacka Banka) zog auch in Kroatien einen Nettoabbau an Direktinvestitionen nach sich, und die Reorganisation beeinflusste letztlich auch den Wert für Italien.
Daneben haben auch einzelne in Österreich ansässige ausländische Holdingzentralen Auslandsbeteiligungen von erheblichem Wert aufgelöst und die Erlöse an ihre Muttergesellschaften weitergeleitet, was gleichzeitig zur Reduktion aktiver wie passiver Direktinvestitionen führte.
Weniger spektakulär, aber doch erwähnenswert ist das Engagement heimischer Investoren am Balkan: In der früheren jugoslawischen Republik Mazedonien, in Bosnien-Herzegowina und in Serbien-Montenegro erreichten die Investitionen 2006 jeweils historische Höchststände. Schließlich werden auch wieder Mittel in Firmen mit Sitz in Offshore-Finanzzentren veranlagt.

Die herausragende Stellung Österreichs in Osteuropa bestätigte sich auch im Vergleich mit internationalen Kapitalgebern
In nunmehr vier Staaten ist Österreich der wichtigste Direktinvestor
- Neu auf der Liste sind Bosnien und Serbien; eine deutliche Verschiebung – vom 9. auf den 3. Platz ergab sich in der Ukraine

- Atempause bei den passiven Direktinvestitionen: Netto-Investitionen des Auslands in Österreich nur 200 Mio EUR
- Desinvestitionen aus Dänemark, den Vereinigten Staaten und der Schweiz überwiegen das Neuengagement Deutschlands und Spaniens
- Das knapp positive Resultat ist dem Zustrom konzerninterner Kredite und der Reinvestition erwirtschafteter Gewinne zu verdanken
- Fast völlig ausgeblieben sind 2006 die passiven Direktinvestitionen. Der Nettozustrom von 200 Mio EUR war ähnlich niedrig wie 2002 und lag nahe an der statistischen Wahrnehmungsschwelle. Ausschlaggebend war das hohe Volumen an Desinvestitionen (6,4 Mrd EUR), das die Neuinvestitionen von 4,0 Mrd EUR deutlich übertraf. Die reinvestierten Gewinne erreichten trotz hoher Dividendenausschüttungen (3,6 Mrd EUR) ein Volumen von 1,2 Mrd EUR, was dem Durchschnitt der letzten Jahre entspricht. Dank der ebenfalls relativ hohen Kapitalzufuhren im Wege konzerninterner Kredite konnte der leichte Nettozustrom erzielt werden.
- Größter Investor war 2006 einmal mehr Deutschland mit 2,8 Mrd EUR an Neuinvestitionen, wovon 900 Mio EUR auf nicht entnommene Gewinne entfielen. Das relativ starke Engagement Spaniens reflektiert den Kauf des Alpine-Mayreder Baukonzerns durch die FCC S.A. (Fomentos de constructiones y contratas). Die Desinvestitionen betrafen in erster Linie Dänemark, die Vereinigten Staaten und die Schweiz, und sind zum Teil reine „Durchlaufposten“ bei Holdinggesellschaften, die gleichzeitig aktive und passive Direktinvestitionen reduzieren.
- Die größte Einzeltransaktion war der Verkauf des Mobilfunkanbieters tele.ring durch Western Wireless an T-Mobile. Neben dem erwähnten Telekommunikationssektor und der Bauwirtschaft waren Versicherungen, Banken und Energieversorger Ziel ausländischen Interesses. Der Verkauf der BAWAG and den US-Investor Cerberus ist in den Daten des Jahres 2006 nicht enthalten.

- Ursache für den Rückgang bei Wertpapierveranlagungen gegenüber 2005 war ein geringeres Interesse an langfristigen festverzinslichen Wertpapieren ausländischer Emittenten, deren Erwerb um 10 Mrd EUR schrumpfte
- Nach dem Einbruch im Jahr 2001 stieg die Nachfrage nach Investmentzertifikaten das vierte mal in Serie und erreichte 2006 den zweithöchsten Wert der letzten 10 Jahre
- Die Aktienkäufe zeigten im Vergleich zu 2005 eine etwas stärkere Dynamik als die Investmentzertifikate, allerdings ausgehend von einem deutlich geringeren Niveau
- Die Portefeuilles aus Kurzläufern wurden reduziert
- Österreichische Investoren haben 2006 ausländische Wertpapiere um insgesamt 25 Mrd EUR erworben und damit um 9 Mrd EUR weniger als 2005; die Verringerung resultierte nahezu ausschließlich aus Rentenpapieren. Vor allem die institutionellen Investoren (Banken, Investmentfonds, Versicherungen und Pensionskassen) haben die Zukäufe reduziert.
- Insgesamt erhöhte sich die Nachfrage nach Anteilspapieren um +37%; vom Absolutanstieg im Ausmaß von 1,7 Mrd EUR entfielen rund zwei Drittel auf Aktien und das restliche Drittel auf Investmentzertifikate. Im Jahr 2006 betrug die Gesamtveranlagung im Segment Anteilspapiere etwas mehr als 6 Mrd EUR, wobei ein Viertel auf Aktien und drei Viertel auf Investmentzertifikate entfielen.
- Geldmarktpapiere wurden 2006 netto abgestoßen; die quantitative Bedeutung dieses Marktes ist aber gering.

- Bereits das vierte Jahr in Folge verliert der Euroraum als Zielregion an Bedeutung, obwohl der Anteil noch immer bei 55 % liegt
- Gegenläufig nimmt das Interesse an Schuldverschreibungen der neuen EU-Mitgliedsländer stetig zu
- Mit gut 20 Mrd EUR bildeten Investitionen in Schuldverschreibungen das bedeutendste Segment der Wertpapier-Nachfrage.
- Bereits das vierte Jahr in Folge verliert der Euroraum als Zielregion an Bedeutung, dominiert jedoch mit einem Anteil von 55 % nach wie vor. Parallel dazu wächst das Interesse an Emissionen jener Länder, die 2004 der EU beigetreten waren. (Anteil bereits bei 20%).
- Von den 20 Mrd EUR gingen im Berichtsjahr 11,1 Mrd EUR oder 55 % in den Euroraum, an zweiter Stelle liegen die neuen EU-Mitgliedsländer mit einem Anteil von 4,1 Mrd EUR oder rund 20 %: Die Rangliste setzt sich fort mit Nettoveranlagungen in Großbritannien, Dänemark und Schweden (zusammen 1 Mrd EUR). Auf den „Rest der Welt“ entfielen 3,9 Mrd EUR an Wertpapier-Nettokäufen.
- Nach wie vor entfällt der Großteil auf Euro-Papiere (85%), aber immerhin rund 1 ½ % der neu erworbenen Schuldverschreibungen lauten auf Währungen der neuen Mitgliedsländer (vorwiegend Polen und die Tschechische Republik).

- Rekordabsatz österreichischer Wertpapiere im Ausland (+50%)
- 2006 war ein Jahr der Aktien: Absatz österreichischer Aktien betrug 6,8 Mrd EUR, mehr als 2003 bis 2005 in Summe. Der Höhenflug des ATX- spiegelt das große ausländische Interesse wider
- Erklärungsfaktoren sind einerseits das hohe Kursniveau und andererseits eine Reihe von Börsengängen – etwa der Post – und Kapitalerhöhungen – man denke an die Erste Bank und eine Reihe von Immobiliengesellschaften –, die alle auf große Nachfrage aus dem Ausland gestoßen sind
- Eingebrochen und damit auf sein „normales“ Niveau zurückgekehrt ist der Absatz österreichischer Investmentzertifikate
- Einen Rekordabsatz verzeichnet die Statistik auch bei Geldmarktpapieren mit 5½ Mrd EUR, wobei die Expansion vor allem im ersten Halbjahr lag, während die Umlaufvolumina im zweiten Halbjahr zurückgingen
- Stabiler Kern ist aber auch weiterhin der Absatz langfristiger festverzinslicher Wertpapiere
- Ausländische Anleger erwarben 2006 Wertpapiere um netto 35 Mrd EUR. Dieser Rekordwert bedeutet gegenüber 2005 ein Plus von 50%.
- Die Highlights des Börsejahres 2006 aus Sicht der ausländischen Anleger waren die Kapitalaufstockungen der Erste Bank, von bwin (damals: betandwin) und einer Reihe von Immobilien AGs sowie die Börsegänge von Post, Zumtobel und CAT Oil (in Frankfurt).
- Der Auslandsabsatz von Investmentzertifikaten lag mit 600 Mio EUR deutlich unter dem langjährigen Mittel von mehr als 1 Mrd EUR. Gegenüber dem Ausnahmejahr 2005 (damals 3,9 Mrd EUR) ergibt sich geradezu ein Einbruch.
- Investments in Geldmarktpapiere sind ihrer Natur nach sehr volatil. 2006 erreichte der Nettoabsatz mit 5,4 Mrd EUR ein noch nie dagewesenes Ausmaß.
- Der Nettoabsatz an Schuldverschreibungen erreichte 22 Mrd EUR (+25%), ein Wert der zuletzt 2001 überschritten worden ist.

- Kapitalzufluss in Österreich aus Schuldverschreibungen 2006: netto 22 Mrd EUR
- Die Banken dominierten das Geschehen in nie dagewesenem Ausmaß, nahezu drei Viertel des Auslandsabsatzes entfielen auf Bankenemissionen
- Geringere Defizite und ein bereits hoher Auslandsanteil reduzieren die Nachfrage des Staates nach Auslandskapital. Nach Jahren mit sinkendem Nettoabsatz von Staatsschuldverschreibungen im Ausland ist er 2006 wieder leicht auf 5,2 Mrd EUR gestiegen
- Corporate Bonds spielten – mangels Angebot – im abgelaufenen Jahr kaum eine Rolle
- Mit 22 Mrd EUR floss Österreich aus Schuldverschreibungen deutlich mehr Kapital zu als im Jahr 2005 (+25%; +4,3 Mrd EUR).
- Vom Ausland wurden vor allem langfristige Bankenemissionen gekauft; dieses Segment steht für 16 Mrd EUR oder 73 % des gesamten Kapitalimports in dem Bereich. Hier zeigt sich eine Änderung in der Refinanzierung der Banken, es wurde von Einlagen (aus dem Ausland) auf Rentenpapiere umgeschichtet.
- Gegen den mittelfristigen Trend erhöhte der Sektor Staat die Kapitalzufuhr aus dem Ausland in Form von Schuldverschreibungen um 1,5 Mrd EUR. Da der Staat aber 2006 im Gegensatz zum Vorjahr kaum Kredite im Ausland aufgenommen hat, bleibt die gesamte neue Auslandsverschuldung weiterhin rückläufig. Der gesamte Kapitalbedarf der öffentlichen Hand ist im Langzeitvergleich merklich zurückgegangen und der Auslandsanteil ist mit fast 70% schon sehr hoch.
- Der Absatz von Corporate Bonds im Ausland spielte 2006 mit nur 800 Mio EUR eine eher untergeordnete Rolle. Das Angebot (Ausweitung des Umlaufvolumens) hat sich gegenüber dem Jahr 2005 fast halbiert.

- Nach zwei Jahren rückläufiger Entwicklung hat die Vergabe langfristiger Kredite durch Banken an Ausländer 2006 wieder zugenommen
- Der Zuwachs im Neugeschäft geht vor allem auf Kredite an Kunden in Deutschland und Italien zurück, wo österreichische Banken im Massenkundengeschäft recht erfolgreich gewesen sein dürften und auf eine Ausweitung des Leasinggeschäfts, das häufig über eigene Töchter abgewickelt wird
- Trotz eines leichten Rückgangs bleiben die Länder Mittel- und Osteuropas, die nicht zur Beitrittsrunde 2004 gehörten, Schwerpunkt des Auslandsgeschäfts, wobei aber auch die „Neuen Mitgliedsländer“ ein wichtiger Auslandsmarkt bleiben
- Die Kreditvergabe der Banken an Ausländer war 2006 mit 10½ Mrd EUR etwas schwächer als 2005 (11½ Mrd EUR), wobei der Rückgang ausschließlich auf kurzfristige Kredite zurückzuführen ist. Gestiegen ist die Kreditvergabe der Privaten (von 800 Mio auf 2,6 Mrd EUR).
- Der deutliche Anstieg bei der Kreditaufnahme im Ausland (von 6 auf 14 Mrd EUR) steht ebenfalls im Zusammenhang mit der Umstrukturierung des Komplexes Unicredit/HVB/BA-CA.
Zusammenfassung
- Mit einem Überschuss von 8,2 Mrd EUR erzielt die öterreichische Außenwirtschaft ein Rekordergebnis. Aus einem Defizit von 3% des BIP im Jahr 1999 wurde 2006 ein ebenso großes Plus.
- Diesen Erfolg verdankt Österreich – wie auch andere Länder mit Hartwährungstradition – seiner wachsenden preislichen Wettbewerbsfähigkeit und einer moderaten Lohn- und Preispolitik.
- Die wachsenden Leistungsbilanzüberschüsse stärken Österreichs Position als Investor auf den internationalen Kapitalmärkten. 2006 hat Österreich (netto) 6,9 Mrd EUR im Ausland investiert.
- Auch 2006 wuchsen Forderungen und Verpflichtungen gegenüber dem Ausland dynamisch: Nur bei den Direktinvestitionen verzeichnet die Kapitalbilanz eine Atempause.
- 2006 war auch ein Jahr der Aktien: Die Nachfrage des Auslands belief sich auf 6,8 Mrd EUR, mehr als 2003 bis 2005 in Summe. Der Höhenflug des ATX spiegelt das große Interesse des Auslands wider.
Dank an die Melder
- Dank an die Melder – vor allem an die Unternehmen – ohne deren aktiven Beitrag wir den Umstieg auf ein komplett neues Erhebungssystem nicht so glatt hätten bewerkstelligen können.
Rückfragehinweis:
Statistik-Hotline
Tel.: (+43-1) 404 20-5555
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Verleger, Herausgeber und Hersteller:
Oesterreichische Nationalbank
Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Günther Thonabauer
Tel.: (+43-1) 404 20-6666
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