Es gilt das gesprochene Wort.
Rede Mag. Dr. Peter Zöllner
Zahlungsbilanz im Jahr 2007
Ein erfolgreiches Jahr für Österreichs Außenwirtschaft
Mag. Dr. Peter Zöllner, Direktor
Wien, 21. 4. 2008
Die Zahlungsbilanz im Jahr 2007
Hauptergebnis:
2007 war ein wirtschaftlich gutes Jahr mit hohem realem Wachstum, steigender Beschäftigung und sinkender Arbeitslosigkeit.
Österreichs Außenwirtschaft hat mit einem realen Exportwachstum von +8% wesentlich zu diesem Erfolg beigetragen.
Die Voraussetzungen waren günstig: Der Welthandel wuchs 2007 lt. OECD um 6½%. Unser wichtigster Handelspartner, Deutschland, konnte seine Rolle als „Exportweltmeister“ ausbauen, wovon indirekt auch österreichische Unternehmen profitiert haben.
Der niedrige Dollarkurs, der die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Exporteure von Gütern und Diensten langfristig gefährden könnte, hat im abgelaufenen Jahr durch eine Dämpfung der Importpreise für Rohstoffe und Energie auch positive Effekte ergeben.
Leistungsbilanz

2007 bringt neues Rekordergebnis für die Leistungsbilanz Österreichs: Das Plus erreicht 8,8 Mrd EUR oder 3,2 % des BIP
Nach einem Jahrzehnt der Defizite (1992-2001) verzeichnet Österreichs Außenwirtschaft seit 2002 durchwegs Überschüsse
Gegenüber dem Jahr 2006 bedeutet das Ergebnis eine weitere Steigerung um 2½ Mrd EUR. Die Außenwirtschaft hat damit wesentlich zum starken Wirtschaftswachstum beigetragen
Methodischer Hinweis: Schon die Zeitreihe im alten, 2006 abgelösten Erhebungssystem (die dünne Linie) hatte diese kontinuierliche Verbesserung angezeigt. Die Tendenz zur Verbesserung dürfte nur schon früher (ab 1997) und nicht erst um 2000 eingetreten sein
Rekordüberschüsse erzielte nicht nur Österreichs Außenwirtschaft: Auch Deutschland erreichte 2007 ein Leistungsbilanzhoch mit 7½% des BIP

Die Exportwirtschaft behauptet sich trotz Aufwertung des Euro und konnte neuerlich einen Handelsbilanzüberschuss erzielen
Den entscheidenden Beitrag zum Leistungsbilanzüberschuss erbringt jedoch der Handel mit Dienstleistungen. Dabei entfällt die eine Hälfte auf den Reiseverkehr und die andere Hälfte auf die übrigen Dienstleistungen
Die Einkommensbilanz weist das übliche, seit 2004 wachsende Defizit aus
Der Transfersaldo, der vorwiegend EU-Transaktionen, Mitgliedsbeiträge, Hilfslieferungen und auch Gastarbeiterüberweisungen enthält, weist den üblichen geringfügigen Abgang aus

- Die Außenhandelsstatistik von Statistik Austria weist 2007 neuerlich ein Aktivum in der Handelsbilanz aus (Exporte 114,2 Mrd EUR, Importe 113,8 Mrd EUR)
Deutschland und Italien behaupten unangefochten ihre Position als wichtigste Partnerländer Österreichs
China wird zum drittwichtigsten Lieferanten Österreichs. Das bedeutet einen Sprung vom 13. auf den 3. Rang innerhalb von nur acht Jahren. Allerdings sind 2007 die österreichischen Exporte nach China mit einem Drittel sogar stärker gewachsen als die Importe
Der leichte Rückgang der Ausfuhren Österreichs in die USA im Gefolge der Wechselkursentwicklung konnte durch zweistellige Wachstumsraten in Mittel- und Osteuropa kompensiert werden
Günstige Witterung und niedriger Dollarkurs dämpfen die Folgen der außerordentlich hohen Energiepreise
Die Güterexporte Österreichs wuchsen laut Außenhandelsstatistik 2007 nominell um 10,1%. Sie stiegen damit stärker als die Importe (9,2%) und trugen mit annähernd 1 Mrd EUR zur Steigerung des Leistungsbilanzüberschusses bei.
Regionalentwicklung mittelfristig: Unangefochten wichtigster Handelspartner bleibt Deutschland mit einem Anteil am Exportvolumen von etwa 30% und einem Importanteil von 41%. Der Anteil der Länder Mittel- und Osteuropas stieg zwischen 1995 und 2007 exportseitig von 14,2 auf 21,9%, importseitig von 8,9 auf 15,0%. Der daraus resultierende Handelsbilanzüberschuss stieg im gleichen Zeitraum von 1,5 auf 8 Mrd EUR.
Regionalentwicklung kurzfristig: Herausragende Erfolge erzielten Österreichs Exporteure 2007 (mit Wachstumsraten jenseits der 20 Prozentmarke) in Slowenien, Polen, Bulgarien, Griechenland und erstmals auch China. „Problemgebiet“ waren neben einigen eher zweitrangigen Märkten wie Irland oder Belgien vor allem die USA, wo die laufende Abwertung des Dollar Auswirkungen gezeigt hat. (Der Rückgang 2007 war aber immer noch deutlich schwächer als die Zunahme im Jahr davor). Die stärksten Importsteigerungen gab es (neben Deutschland) gegenüber China und den OPEC-Ländern sowie anderen außereuropäischen Entwicklungsländern. Gesunken sind die Importe aus Russland.
Ad China: Österreichs Handel mit China ist stark passiv (-2,9 Mrd EUR). China ist zum drittwichtigsten Lieferanten Österreichs (und der EU) geworden. Mit +33% wuchs der Export nach China erstmal stärker als die Importe (+21%). Wichtigste Importgüter aus China sind Konsumgüter (Bekleidung, Unterhaltungselektronik, Möbel, Spielwaren…).
Die anhaltend hohen Energiepreise haben in der Handelsbilanz 2007 relativ geringe Spuren hinterlassen: Die Importe von Rohöl und Rohölprodukten waren 2007 wertmäßig rückläufig. Der Anstieg der in USD ausgedrückten Rohölpreise um mehr als 10% wurde durch die Abwertung des USD nahezu kompensiert, sodass der Rückgang der Import-Menge um 2,5% zu einer geringeren Erdölrechnung führte als im Vorjahr. Bei Gasimporten waren sowohl Menge als auch Preise rückläufig, was die Gasrechnung um 350 Mio EUR reduzierte. (Relativ warmer Winter 2006/2007). Ähnliches galt 2007 für den Strom, wo die Importe um 12,7% gesunken sind.

2007 verzeichnete die OeNB einen Rekordüberschuss Österreichs aus dem internationalen Dienstleistungsverkehr von über 12 Mrd EUR
Die Einnahmen Österreichs steigen seit 2005 steil an, im letzten Jahr um +11%. Damit wuchsen die Dienstleistungsexporte im Jahr 2007 stärker als die Güterexporte
Mittelfristig (in den letzten 10 Jahren) nahmen die Einnahmen aus dem Dienstleistungsverkehr mit 8% p.a. annähernd gleich schnell zu wie die Güterexporte (9% p.a.)
Unter den Dienstleistungen spielt in Österreich der Reiseverkehr traditionell eine besondere Rolle: Er war immer der bedeutendste Einzelposten und hat einen erheblichen Überschuss erzielt
Die Dynamik im Dienstleistungsverkehr wird jedoch vom weiten Spektrum der übrigen Dienstleistungsarten bestimmt. Die Einnahmen aus diesen unternehmensnahen Dienstleistungen wuchsen im letzten Jahrzehnt mit 11% p.a., während die Reiseverkehrseinnahmen nur um 4% p.a. zulegen konnten
Diese überwiegend klein- und mittelbetrieblich organisierten Dienstleistungsexporteure haben in der wirtschaftspolitischen Diskussion bisher zu wenig Beachtung gefunden
Verglichen mit dem Güterhandel, bei dem Österreich über lange Zeit per saldo Importeur war und erst in den letzten Jahren zu Überschüssen tendiert, tragen die Nettoerträge aus dem Dienstleistungsverkehr schon seit jeher positiv zur Außenwirtschaftsentwicklung bei.
Die Handelsvolumina sind bei Dienstleistungen bislang jedoch deutlich niedriger als bei Gütern. Sie betragen im Verhältnis durchschnittlich ein Drittel (37%) bei Exporten und ein Viertel (26%) bei Importen.
Die Exportquote, also der Anteil der Einnahmen aus dem Dienstleistungsverkehr an der österreichischen Wertschöpfung beträgt mittlerweile 15% (42% bei Gütern). Damit wird das Entwicklungspotential im Ausland erkennbar, wenn man berücksichtigt, dass die gesamte Bruttowertschöpfung in Österreich zu rund 59% auf den Dienstleistungsbereich entfällt (Leistungs- und Strukturerhebung 2005).

Beobachtung des Dienstleistungsverkehrs in Österreich ist seit 2006 im Detail möglich, da die Unternehmen der Nationalbank seitdem direkt Informationen zur Verfügung stellen
Das übrige Dienstleistungsangebot trägt in zunehmendem Ausmaß zur positiven Dienstleistungsbilanz bei. 2007 haben die Nettoeinnahmen daraus erstmals jene aus dem Reiseverkehr knapp überholt
Den zweiten Platz unter den Dienstleistungsexporteuren (nach dem Reiseverkehr) nimmt mit 8½ Mrd EUR die Transportwirtschaft ein: Ihr Anteil ist jedoch seit Mitte der 90er Jahre rückläufig
Die stärkste Dynamik zeigt sich bei den technologiebezogenen Dienstleistungen (EDV-Dienstleistungen, Architektur- und Ingenieursleistungen, Dienstleistungen der Forschung und Entwicklung sowie Einnahmen aus der Nutzung von Patenten und Lizenzen)
Die Exporte solcher wissensbasierter Dienstleistungen wuchsen im Durchschnitt der letzten 10 Jahre mit +17% p.a. deutlich überproportional. Dem gegenüber entwickeln sich die Technologieimporte Österreichs mäßig. Ihr Anteil an den gesamten Dienstleistungsaufwendungen ändert sich kaum. Entsprechend sind Technologie bezogene Dienstleistungen inzwischen die wichtigste Nettoertragsquelle nach dem Reiseverkehr
An vierter Stelle der Einnahmen aus dem Dienstleistungsverkehr kommen Versicherungs- und Finanzdienstleistungen mit 2 Mrd EUR. Sie beinhalten vor allem Provisionserträge aus grenzüberschreitenden Geschäften sowie die „Dienstleistungsspanne“ im ausländischen Versicherungsgeschäft, NICHT aber Zinserträge, Erträge aus Beteiligungen oder Prämieneinnahmen.
Ihr Anteil ist über die Zeit relativ stabil. Siehe Bedeutung von direkten Auslandsniederlassungen österreichischer Unternehmen, v.a. in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Die Exportquote des Finanzsektors in Österreich, also der Beitrag der Erträge, die grenzüberschreitend erzielt werden, an der gesamten Wertschöpfung des Sektors, liegt 2007 dennoch bei mittlerweile 15% und ist steigend.
Österreich ist kein reines Reiseverkehrsland mehr. Der Anteil der Einnahmen aus „wissensbasierten Dienstleistungen“ (neben Technologie, Versicherungs- und Finanzdienstleistungen auch Rechts- und beratende Dienstleistungen sowie Werbung und Marktforschung) liegt bereits bei 22%, und hat sich seit 1995 verdoppelt. Wichtiger Entwicklungsmarkt für Österreich mit potentiell positiven Vorlaufeffekten auch für das Exportpotential im Warenhandel.
Transithandel: Gebietsansässige kaufen Waren aus dem Ausland, die nicht nach Österreich eingeführt, sondern mit einer Handelsspanne ans Ausland weiter verkauft werden.

Beim Export übriger Dienstleistungen liegt der regionale Schwerpunkt zu mehr als zwei Drittel im EU-Raum (70%). Dieser Anteil nimmt im Zeitverlauf nur geringfügig ab
Die Einnahmen aus Bulgarien und Rumänien verzeichneten 2006, also dem Jahr vor dem offiziellen EU Beitritt, einen sprunghaften Anstieg. Auch 2007 entwickeln sich die Exporte in diese beiden Länder, wie auch in jene der ersten Beitrittsrunde sehr dynamisch. Rumänien zählt mittlerweile zu den 10 wichtigsten Exportdestinationen
Die Märkte der Zukunft liegen für Österreichs Dienstleister jedoch noch weiter östlich und südöstlich in Europa (MOEL-09). Seit 2004 verzeichnen die Exporte in diese Regionen hohe Zuwachsraten, v.a. nach Serbien, Russland und die Ukraine. Auch in den OPEC-Staaten konnten österreichsche Anbieter 2007 Absatzerfolge erzielen
Wie im Güterhandel hat China auch als Herkunftsmarkt für Dienstleistungen in Österreich stark an Bedeutung gewonnen, rückte seit Ende der 90er Jahre von Platz 26 auf Platz 17 vor. Als Absatzmarkt für Österreich liegt China jedoch auf ähnlichem Rang und zählt, im Gegensatz zur Situation im Güterhandel, zu den 10 wichtigsten Nettoertragsquellen
Auf der Importseite ist die Konzentration auf die anderen EU-Staaten als Handelspartner noch ausgeprägter und nimmt im Zeitverlauf sogar zu (76%).
An Bedeutung als Herkunftsmarkt Österreichs gewinnen dabei in den letzten Jahren die Länder der ersten Beitrittsrunde, allen voran Ungarn, die Slowakei und die Tschechische Republik.
Wichtigstes Partnerland Österreichs, sowohl bei den übrigen Dienstleistungsexporten als auch –importen, bleibt weiterhin Deutschland mit einem Anteil von je rund einem Drittel an den Einnahmen und Aufwendungen.

Die Einnahmen aus dem Reiseverkehr erreichten 2007 13,8 Mrd EUR. Angesichts von Reiseverkehrsausgaben von 7,7 Mrd EUR ergibt sich ein Überschuss von 6,1 Mrd EUR, das ist knapp die Hälfte des gesamten Überschusses der Dienstleistungsbilanz
Eher untypisch war 2007 der saisonale Verlauf mit einem relativ schwachen Jahresbeginn infolge der schlechten Schneelage, der aber durch eine besonders gute Sommersaison und eine hervorragend beginnende Wintersaison 2007/2008 mehr als kompensiert werden konnte
Die Regionalgliederung zeigt Deutschland auf beiden Seiten der Bilanz als führendes Partnerland. Auf der Einnahmenseite unterstreichen Ungarn auf Platz 6 und Russland auf Platz 10 die wachsende Rolle der mittel- und osteuropäischen Herkunftsmärkte. Auf der Ausgangsseite folgen nach Deutschland: Italien, Kroatien, Ungarn, Spanien, Griechenland und die Türkei. Der vierte Platz Ungarns unter den populären Mittelmeerdestinationen ergibt sich vorwiegend aufgrund des Tages- bzw. des Gesundheitstourismus
Die Einnahmen aus dem Reiseverkehr erreichten 2007 13,8 Mrd EUR, das war um 4,0% mehr als im Jahr davor. Die Reiseverkehrsausgaben beliefen sich auf 7,7 Mrd EUR oder um 0,8% mehr als im Vorjahr. Der Überschuss des Jahres 2007 beträgt daher 6,1 Mrd EUR, das sind 70% des gesamten Leistungsbilanz-Überschusses.
Die Einnahmen und Ausgaben aus dem Internationalen Personentransport bewegten sich 2007 bei 1,85 bzw. 1,65 Mrd EUR und tragen weitere 200 Mio EUR zum Überschuss bei.
International: Nach einer ersten Einschätzung der Welttourismusorganisation war 2007 ein überdurchschnittlich gutes Jahr für die Tourismusindustrie. Die Zahl der Ankünfte im internationalen Tourismus stieg um 6,1% und erreichte beinahe 900 Millionen. Die Wachstumspole waren 2007 der Nahe Osten sowie in Südostasien. Für Österreich hatte Statistik Austria 20,8 Mio Ankünfte von Ausländern registriert, was einem Plus von 2,4% entspricht. Österreichs Weltmarktanteil ist damit von 2,39 auf 2,31% gesunken (vor 30 Jahren hatte er noch 5% betragen). International verliert Österreich durch das Auftreten immer neuer Konkurrenten zwar laufend Marktanteile, eine Studie des Weltwirtschaftsforums bescheinigt Österreich dennoch eine hohe Wettbewerbsfähigkeit mit einem zweiten Platz hinter der Schweiz.
Nächtigungen: Statistik Austria verzeichnete im Kalenderjahr 2007 mit 121,4 Millionen Nächtigungen eine deutliche Steigerung gegenüber dem Jahr davor (+1,6%). Dabei stiegen die für die Leistungsbilanz relevanten Ausländernächtigungen mit +1,3% etwas schwächer als die Inländernächtigungen (+2,7%). Rückläufig und damit einem längerfristigen Trend folgend waren Nächtigungszahlen deutscher Gäste, während die Nächtigungen von Gästen aus mittel-, ost- und südosteuropäischen Herkunftsländern fast durchwegs mit zweistelligen Wachstumsraten zunahmen. Ihr Anteil ist seit der Ostöffnung von etwa 2% auf mittlerweile immerhin schon knapp 8% angestiegen. Stark war 2007 auch die Nachfrage aus den Niederlanden und Dänemark, während der italienische, japanische und US-amerikanische Markt schrumpften.
2007 konnten alle Bundesländer Zuwächse bei den Ausländernächtigungen registrieren. Dabei waren die Zuwächse in den führenden Destinationen Tirol und Salzburg mit 0,2 bzw. 1,2% relativ schwach, während die touristisch weniger entwickelten Länder Burgenland und Niederösterreich mit +5,6 und + 6,5% die stärksten Zuwächse aufwiesen.

- Wachsende Bestände an Auslandsvermögen und Auslandsverpflichtungen ließen zusammen mit steigenden Zinsen die Bruttoströme an Vermögenseinkommen deutlich wachsen
- Österreichische Investoren kassieren 2007 mehr als 26 Mrd EUR an Vermögenseinkünften aus dem Ausland (das ist beinahe das Doppelte der Reiseverkehrseinnahmen). Umgekehrt kostet die Bedienung der Auslandsverpflichtungen die heimische Volkswirtschaft 30 Mrd EUR, was zu einem Nettoabfluss von gut 4 Mrd EUR führt
Die ausgeprägten Defizite der Einkommen aus Direktinvestitionen sind über die Zeit kleiner geworden und seit 2003 „annähernd ausgeglichen“. Das größte Minus ergibt sich bei den Portfolioinvestitionen, wo seit 2005 steigende Defizite zu verbuchen sind
Das Erwerbseinkommen, die quantitativ am wenigsten bedeutende Position der Einkommensbilanz, zeigt regelmäßig einen Überschuss, der in den letzten Jahren jedoch stetig zurückgeht.
2007: Credit 1,5 Mrd Debet 1,2 Mrd Netto +0,3 Mrd.Entsprechend der nach wie vor negativen Nettovermögensposition Österreichs gegenüber dem Ausland – lt. aktuellen Schätzungen überwiegen die Verbindlichkeiten die Forderungen um 50 Mrd EUR – verzeichnet die Zahlungsbilanz regelmäßig Abgänge in der Einkommensbilanz.
Mit erwarteten Jahreserträgen von jeweils mehr als 8 Mrd EUR waren aktive und passive Direktinvestitionen im Jahr 2007 gleichermaßen erfolgreich. (Davon entfallen jeweils etwa ½ Mrd auf „Special Purpose Entities“). Damit oszilliert der Saldo der Einkommen aus Direktinvestitionen seit 2003 nahe um den Nullpunkt, was letztlich der ausgeglichen Direktinvestitionsposition Österreichs entspricht.
Gegenläufig entwickelten sich 2007 die tatsächlichen Gewinnausschüttungen von Direktinvestitionsunternehmen: Die Auslandstöchter heimischer Investoren schütteten mit 2,8 Mrd EUR um 14% mehr aus als im Jahr davor, während österreichische Direktinvestitionsunternehmen ihre Ausschüttungen an ausländische Eigentümer um die Hälfte reduzierten und nur 1,7 Mrd EUR abführten. Die unterschiedliche Ausschüttungsstrategie schlägt sich natürlich in den reinvestierten Gewinnen nieder. Die Reinvestitionen österreichischer Investoren stiegen von 2,9 auf 4,3 Mrd EUR, jene der ausländischen Investoren haben sich hingegen mehr als verdoppelt, von 2,3 auf mehr als 5 Mrd EUR.
Die wichtigste Einkommensposition sind die Portfolioeinkommen; sie determinieren das Gesamtergebnis. Aufgrund der deutlich gestiegenen negativen Nettovermögensposition in den letzten beiden Jahren zeigt der Nettoabgang in dieser Position auch eine steigende Tendenz.
2006: Credit 8,9 Mrd Debet 11,1 Mrd Netto ‑2,2 Mrd EUR.
2007: Credit 10,6 Mrd Debet 13,6 Mrd Netto ‑3,0 Mrd EUR.
Kapitalbilanz

Leistungsbilanzüberschuss 2007 macht Österreich zum sechsten Mal in Folge zum Kapitalexporteur
Die von den USA ausgehende „Sub-prime“-Krise beeinflusst das Verhalten der in- und ausländischen Anleger in der zweiten Jahreshälfte empfindlich. Volumen der grenzüberschreitenden Neuveranlagung im Kalenderjahr leicht rückläufig
Während bei den Wertpapieren das Rekordniveau an Kapitalimporten des Jahres 2006 knapp verfehlt wurde, erzielten die von Banken getragenen Kapitalexporte bei den Sonstigen Investitionen einen neuen Rekordstand
Österreichs Finanzmarktintegration steigt – trotz Finanzmarktturbulenzen – weiterhin rasant: Finanzforderungen und ‑verpflichtungen übertreffen nach ersten Schätzungen zusammen bereits das Fünffache der jährlichen österreichischen Wirtschaftsleistung
Der aus dem Leistungsbilanzüberschuss resultierende Nettokapitalexport der österreichischen Volkswirtschaft verbessert die traditionell negative Internationale Vermögensposition Österreichs deutlich. Diese lag Ende 2007 nach vorläufigen Schätzungen bei rund -50 Mrd EUR

Neuinvestitionen Österreichs im Ausland 2007: mehr als 75 Mrd EUR
- Direktinvestoren bleiben unbeeindruckt: Neues Rekordjahr bei aktiven Direktinvestitionen (2005 „zählt nicht“ wegen „Special Purpose Entities“, die mehr als 50 Mrd EUR „durchschleusen“)
Deutlicher Rückgang bei der Veranlagung in ausländische Wertpapiere. Nach unvermindert dynamischen Neuinvestitionen im ersten Halbjahr bricht die Nachfrage im zweiten Halbjahr ein
Rückkehr zu konservativeren Anlagestrategien angesichts drastisch gewachsener Unsicherheiten
Boom bei Krediten und Einlagen: Banken erweitern ihr Auslandsgeschäft massiv
Die offiziellen Währungsreserven erreichten Ende 2007 12,4 Mrd EUR (2006: 9,8 Mrd EUR). Diese Zunahme resultiert aus einem transaktionsbedingten Forderungsaufbau von 1,9 Mrd EUR sowie aus Bewertungseffekten, die vor allem dem Goldpreisanstieg zuzurechnen sind.
Zeitliche Entwicklung: Der Ausreißer 2005 (sowohl auf der Forderungs-, wie auch auf der Verpflichtungsseite) resultiert aus nachträglich verbuchten „Direktinvestitionen“ von „Special Purpose Entities“ von mehr als 50 Mrd EUR. Hier wurden rein buchhalterische Forderungs- und Verpflichtungspositionen aufgebaut, die mit keinerlei wirtschaftlichen Aktivitäten (ausgenommen evtl. Steuerzahlungen) in Österreich verbunden sind.
Direktinvestitionen: Mehr als 12 Mrd der verbuchten Beträge im Jahr 2007 sind zwar ebenfalls „Durchlaufpositionen“, aber sehr wohl mit Managementaufgaben und Ergebnisverantwortung (der Bank Austria) verbunden. (Näheres siehe Direktinvestitionen)
Portfolioinvestitionen: Normalerweise die größte, 2007 jedoch die kleinste Kategorie der Auslandsveranlagung.

Die Nettoveranlagung des Auslands in Österreich sinkt 2007 auf 71½ Mrd EUR
Die ausländischen Direktinvestitionen in Österreich erreichen 2007 ein Rekordniveau. Wegen des längerfristigen Planungshorizonts reagieren sie mit Zeitverzögerung auf die Finanzmarktturbulenzen. Mittelfristig sind wegen wachsender Finanzierungskosten und sinkender Aktienkurse dämpfende Auswirkungen auf das Direktinvestitionsgeschehen zu erwarten
Banken platzieren 2007 ein Rekordvolumen an langfristigen verzinslichen Wertpapieren im Ausland. Anteilsscheine leiden im zweiten Halbjahr unter der weltweiten Vertrauenskrise
Kreditaufnahme im Ausland bzw. ausländische Einlagen bei heimischen Banken geben deutlich nach
Von dem 2007 neu in Österreich veranlagten Kapital ging mehr als die Hälfte (51%) auf Nettokäufe von Wertpapieren, ein Drittel (31%) auf Direktinvestitionen und eine Fünftel (18%) auf zusätzliche Einlagen von Ausländern bzw. Kreditaufnahmen im Ausland zurück.
Zeitliche Entwicklung: Der Ausreißer 2005 (sowohl auf der Forderungs-, wie auch auf der Verpflichtungsseite) resultiert aus nachträglich verbuchten „Direktinvestitionen“ von „Special Purpose Entities“ von mehr als 50 Mrd EUR. Hier wurden rein buchhalterische Forderungs- und Verpflichtungspositionen aufgebaut, die mit keinerlei wirtschaftlichen Aktivitäten (ausgenommen evtl. Steuerzahlungen) in Österreich verbunden sind.
Direktinvestitionen: Mehr als 12 Mrd EUR der verbuchten Beträge im Jahr 2007 sind zwar ebenfalls „Durchlaufpositionen“, aber sehr wohl mit Managementaufgaben und Ergebnisverantwortung (der Bank Austria) verbunden. (siehe Direktinvestitionen).
Deutlicher Rückgang bei „sonstigen Investitionen“: Nur noch 12 Mrd EUR nach 40 und 34 Mrd EUR in den Jahren davor.

Rekordergebnis bei den strategischen Auslandsinvestitionen dank der Übernahme der osteuropäischen Beteiligungen des Unicredit-Konzerns durch die Bank Austria
Abgesehen von dieser singulären Großtransaktion dominieren 2007 auch sonst Banken und Versicherungen das Geschehen
Der Fokus der Investoren liegt weiterhin in Ost- und Südosteuropa, was man an der Liste der zehn wichtigsten Zielländer ablesen kann: Es waren dies Kroatien, Türkei, Russland, Deutschland, Kasachstan, Ungarn, Bulgarien, Zypern, Rumänien und die Tschechische Republik
Die Breite der Aktivitäten beweisen rd. 450 gemeldete Investitionen von mehr als 1 Mio Euro im Jahr 2007
Die strategischen Investitionen inländischer Investoren in ausländische Unternehmen, also die aktiven Direktinvestitionen, erreichten 2007 einen Wert von 23,2 Mrd EUR. Zieht man von diesem Wert den Kauf privater Liegenschaften im Ausland (166 Mio EUR) und die Aktivitäten sogenannter „Special Purpose Entities“ – ausländische Holdinggesellschaften ohne wirtschaftliche Aktivität in Österreich – ab, so bleiben 23,0 Mrd EUR an Direktinvestitionen im engeren Sinne. Davon entfielen 19,7 Mrd EUR auf den Eigenkapitalerwerb und 4,3 Mrd EUR auf reinvestierte Gewinne, während die konzerninternen Forderungen um 1,1 Mrd EUR zurückgingen. Etwa zwei Drittel des Direktinvestitionsvolumens resultiert aus der Übertragung der Ostaktivitäten des Unicredit-Konzerns an die Bank Austria. Aber selbst ohne diese in ihrer Größenordnung einzigartige Transaktion war das Jahr 2007 von einer Vielzahl mittlerer und größerer Direktinvestitionsprojekte gekennzeichnet.
Die Regionalstruktur der aktiven Direktinvestitionen im Jahr 2007 bestätigt eindrucksvoll die Hypothese eines schrittweisen „Go-East“. Betrachtet man die zwölf wichtigsten Zielländer, auf die mehr als 90% des Investitionsvolumens entfallen, finden sich nur zwei Mitglieder der „alten“ EU-15, nämlich Deutschland – das historisch wichtigste Zielland – auf Platz 4 und Belgien auf Platz 11. Die mitteleuropäischen EU-Mitglieder Slowakei, Tschechien und Ungarn liegen auf den Plätzen 12, 10 und 6, wobei der vordere Rang Ungarns mit dem “Kampf um die MOL“ zu erklären ist, während im übrigen die Reinvestionen dominieren. Auf den Rängen sieben bis neun liegen mit Bulgarien, Zypern und Rumänien weiter entfernte neue Mitgliedsländer. Die drei wichtigsten Investitionsziele des Jahres 2007 waren aber die Kandidatenländer Kroatien und Türkei, sowie der EU-Nachbar Russland mit einem Investitionsvolumen von zusammen 11,3 Mrd EUR. Der fünfte Platz Kasachstans weist bereits über Europa hinaus, und dürfte eher eine Ausnahme bleiben. In acht der zwölf genannten Länder waren die 2007 investierten Beträge historische Rekordwerte.
Klar dominiert war das Geschehen des Jahres 2007 durch den Finanzsektor. Neben der Bank Austria haben vor allem Erste Bank, Raiffeisen, und die Volksbanken, aber auch Versicherungen umfangreiche Auslandsinvestitionen getätigt.
Neben sechs Milliardeninvestitionen zeigt die Statistik etwa 40 Investitionen im dreistelligen Millionenbereich. Weiters verzeichnete die OeNB 2007 immerhin 120 Investitionen jenseits der Schwelle von 10 Mio Euro und 270 kleinere Investitionen von mehr als 1 Mio Euro.

Die hervorragende Positionierung Österreichs in Osteuropa bestätigte sich auch im Vergleich mit konkurrierenden internationalen Kapitalgebern
In vier Staaten ist Österreich der wichtigste Direktinvestor
In den 17 meldenden Partnerländern kommt Österreich auf einen durchschnittlichen „Marktanteil“ von mehr als 10% aller Direktinvestitionen.

Das Geschehen um die Bank Austria dominierte auch die passiven Direktinvestitionen: neben der bereits erwähnten Übertragung der Ostaktivitäten wurde 2007 auch der Eigentumsübertrag an die italienische Unicredit vollzogen
Dementsprechend gab es 2007 noch nie dagewesene Desinvestitionen aus Deutschland bei gleichzeitigen Rekordinvestitionen Italiens. Weitere Mittel kamen vor allem aus den Niederlanden, den Vereinigten Staaten, dem Vereinigtem Königreich, Luxemburg und der Schweiz
Selbst nach Abzug der Transaktionen rund um die Bank Austria war 2007 ein Jahr mit starken passiven Direktinvestitionen
Ausländische Unternehmenseigner investierten 2007 netto 22,6 Mrd EUR in ihre österreichischen Beteiligungen, womit die aktiven Direktinvestitionen die passiven geringfügig überstiegen. Wenn man auch auf der Passivseite die Aktivitäten des Unicredit-Konzerns in der Größenordnung von 12 Mrd EUR in Abzug bringt markieren die Nettoinvestitionen in Österreich einen neuen Rekordwert. Bemerkenswert ist die Finanzierungsstruktur, die ausnahmsweise Kredite als die wichtigste Finanzierungsquelle (+14,7 Mrd EUR) ausweist. Die vorläufigen Schätzungen für die reinvestierten Gewinne ergeben einen Wertzuwachs von 5,0 Mrd EUR. Der Nettozuwachs an ausländischem Eigenkapital war mit 2,7 Mrd EUR relativ schwach, weil der Bruttozustrom an Eigenkapital in Höhe von 19,9 Mrd EUR durch Desinvestitionen von 17,2 Mrd EUR nahezu kompensiert wurde.
Der wichtigste Investor im Jahr 2007 war Italien mit +11,4 Mrd EUR. Dies reflektiert unter anderem die Tatsache, dass die Unicredit im Gegenzug für die Übertragung des gesamten Ostgeschäfts (außer Polen und Ukraine) 55 Mio junge Aktien der BA-CA erhalten hat. Gegenüber Deutschland verzeichnet die aktuelle Direktinvestitionsstatistik ein Minus von 9 Mrd EUR, was den Rückzug der HypoVereinsbank widerspiegelt. Gleichzeitig gab es aber natürlich auch neue Engagements deutscher Unternehmen in Österreich, man denke den Einstieg der Bayerischen Landesbank bei der Hypo-Alpe-Adria, oder die Übernahme des Baumaschinenkonzern Neuson-Kramer durch die Wacker AG. Weitere große Transaktionen, die im Jahresergebnis 2007 enthalten sind, waren der Verkauf der BAWAG an den US-Fonds Cerberus oder die in den Medien kolportierte Investitionen des russischen Investors Deripaska.

Österreichs Neuinvestitionen in ausländische Wertpapiere nahmen 2007 gegenüber den Vorjahren deutlich ab und zeigten den geringsten Wert seit 1998 (2001 war wegen der Übernahme der Bank Austria durch die Hypo-Vereinsbank eine Ausnahme)
Nach annähernd unvermindert dynamischer Nachfrage im ersten Halbjahr haben Investoren im zweiten Halbjahr – ausgelöst durch die Finanzmarktkrise in den USA – Anteilsscheine und langfristige verzinsliche Wertpapiere abgestoßen. Wichtigste Akteure dabei waren österreichische Investmentfonds.
Die Rückkehr zu konservativeren Veranlagungsformen führte erstmal im Kalenderjahr zu Nettoverkäufen ausländischer Aktien. Wie in anderen Positionen konzentrierte sich das Geschehen auf das dritte Quartal
Österreichische Investoren haben 2007 ausländische Wertpapiere um insgesamt 15 Mrd EUR erworben und damit um 12 Mrd EUR weniger als 2006; die Verringerung resultierte sowohl aus Renten- als auch aus Anteilspapieren. Vor allem Investmentfonds, die 2005 und 2006 noch massiv ausländische Wertpapiere kauften, trugen als Nettoverkäufer zu diesem Ergebnis entscheidend bei.
Insgesamt verringerte sich die Nachfrage nach Anteilspapieren von 6,8 Mrd EUR auf knapp 1,1 Mrd EUR. Investmentzertifikate wurden nach 5,1 Mrd EUR im Vorjahr in 2007 um 2,7 Mrd EUR neu gekauft (jedoch im zweiten Halbjahr netto bereits verkauft, und zwar insbesondere Aktienfonds); Aktien wurden 2007 – insbesondere beeinflusst vom dritten Quartal – um 1,6 Mrd EUR verkauft.
Bei langfristigen verzinslichen Wertpapieren verringerte sich die Nachfrage von 21 Mrd EUR im Jahr 2006 auf 12 Mrd EUR. 2005 hatten die Nettoneuinvestitionen in diesem Segment noch 30 Mrd EUR betragen. Wie bei den Anteilspapieren trugen auch hier die Investmentfonds entscheidend zu dieser Entwicklung bei.
Speziell im dritten Quartal zeigten sich die Auswirkungen der Finanzmarktturbulenzen; ausländische Schuldverschreibungen und Anteilspapiere wurden netto von den inländischen Anlegern verkauft.
Geldmarktpapiere wurden 2007 netto geringfügig zugekauft; der Bund weitete seine Investitionsaktivitäten bei Geldmarktpapieren aus. Ende August erreichten die Nettoneuinvestitionen 19 Mrd EUR. Bis Jahresende verkaufte der Bund diese Wertpapiere wieder zur Gänze ohne neu zu investieren.

Während die Neuinvestitionen in ausländische Schuldverschreibungen in den letzten beiden Jahren insgesamt deutlich zurückgegangen sind, haben sie 2007 in der Zielregion „Rest der Welt“ mit 4,7 Mrd EUR einen neuen Rekordwert erzielt
Hauptverantwortlich zeigten sich hier Nettoneuinvestitionen in den USA im Ausmaß von 3,1 Mrd EUR
In den „neuen EU-Mitgliedsländern“ gab es nach kräftigen Investitionen in den beiden letzten Jahren erstmals leichte Desinvestitionen
Wertpapiere anderer ost- und südosteuropäischer Länder wurden etwas mehr gekauft als in den letzten beiden Jahren
Die Nachfrage nach ausländischen Schuldverschreibungen verringerte sich 2007 deutlich gegenüber den letzten Jahren.
Hievon betroffen waren Schuldverschreibungen aus den EU15 Ländern, die den geringsten Wert seit 1998 aufwiesen, sowie der „neuen EU-Mitgliedsländer“, in denen es sogar zu leichten Desinvestitonen kam. Insgesamt kamen nur 58% der Nettoneuinvestitionen auf die EU27 gegenüber mehr als 80% in den Vorjahren. In den Jahren 2002 und 2003 erreichte dieser Wert sogar 90%.
Hauptverantwortlich für die leichten Desinvestitionen in den „neuen“ EU-Ländern zeigten sich Netto-Rückkäufe bei polnischen und ungarischen Schuldverschreibungen.
Die etwas gestiegenen Investitionen in anderen ost- und südosteuropäischen Ländern wurden vor allem von Schuldverschreibungen aus der Ukraine und Kroatien getragen.
Unverändert entfällt der Großteil auf Euro-Papiere (90%), auch die Nettoneuinvestitionen in US-Schuldverschreibungen waren zu 85% in Euro.

Der Rekordabsatz österreichischer Wertpapiere im Ausland aus dem Jahr 2006 konnte mit dem zweithöchsten Absatz beinahe wieder erreicht werden (-6%)
Entsprechend den internationalen Vorgaben kam insbesondere in der zweiten Jahreshälfte 2007 der Absatz von Anteilspapieren ins Stocken. Aktien wurden nach dem Rekordjahr 2006 nur noch zu 1,9 Mrd EUR verkauft und Investmentzertifikate bewegten sich mit 0,7 Mrd EUR wie schon 2006 auf niedrigem Niveau
Der Absatz langfristiger verzinslicher Wertpapiere erreichte mit 30 Mrd EUR erneut einen Rekordwert und lag 30% über dem Vorjahresniveau. Hierfür verantwortlich zeigte sich der massive Nettoabsatz von Bankenanleihen im ersten Halbjahr 2007
Ähnlich wie auf der Veranlagungsseite war auch der Bund als Emittent von Geldmarktpapieren aktiver denn je
Ausländische Anleger erwarben 2007 Wertpapiere um netto 36 Mrd EUR, -6% unter dem Rekordwert des Vorjahres.
Die Highlights des Börsejahres 2007 aus Sicht der ausländischen Anleger waren der Börsegang der Strabag und die Kapitalerhöhung der Immoeast. Für bedeutende Desinvestitionen sorgte die Übernahme von Böhler Uddeholm durch die Voest, die den (ausländischen) Streubesitz aufkaufte.
Der Auslandsabsatz von Investmentzertifikaten lag mit 700 Mio EUR deutlich unter dem langjährigen Mittel von mehr als 1 Mrd EUR. Ähnlich wie auf der Aktivseite wurden inländische Aktienfonds netto verkauft.
Der Nettoabsatz an Schuldverschreibungen erreichte erneut nach 2006 einen Rekordwert von 30 Mrd EUR (+30%).
Speziell im dritten Quartal zeigten sich die Auswirkungen der Finanzmarktturbulenzen; inländische Schuldverschreibungen und Anteilspapiere wurden netto von den ausländischen Anlegern verkauft.
Der Nettoabsatz bei Geldmarktpapieren 2007 erreichte zwar nicht das Jahresniveau von 2006 (3,2 Mrd nach 6,7 Mrd EUR), allerdings war der Bund ähnlich wie auf der Veranlagungsseite als Emittent von Geldmarktpapieren in diesem Segment aktiver denn je. Bis Ende August erreichte der grenzüberschreitende Nettoabsatz dieser Papiere ein Rekordniveau von 18 Mrd EUR. Bis Ende des Jahres wurden diese Verpflichtungen wieder großteils abgebaut.

Der Kapitalzufluss nach Österreich aus Schuldverschreibungen erreicht 2007 netto 30 Mrd EUR
Nach dem Rekordabsatz 2006 übertrafen die Banken erneut dieses Ergebnis und verkauften (insbesondere im ersten Halbjahr) Schuldverschreibungen im Ausmaß von knapp 19 Mrd EUR, das sind knapp zwei Drittel des Nettoabsatzes inländischer Schuldverschreibungen im Ausland
Die Nachfrage des Staates nach Auslandskapital zeigte sich gegenüber 2006 kaum verändert
Corporate Bonds spielten mit einem Nettoabsatz von 4 Mrd EUR im abgelaufenen Jahr wieder eine wichtigere Rolle als im Jahr zuvor
Mit 30 Mrd EUR floss Österreich aus Schuldverschreibungen erneut deutlich mehr Kapital zu als im Jahr 2006 (+30%; +7,1 Mrd EUR).
Vom Ausland wurden vor allem Bankenemissionen gekauft; dieses Segment steht für 19 Mrd EUR (hievon wiederum mehr als 13 Mrd in EUR, aber auch 2,6 in CHF und 1,7 in GBP) oder 62 % des gesamten Kapitalimports in dem Bereich. Hier hält die schon 2006 beobachtete Änderung in der Refinanzierung der Banken an: es wurde von Einlagen (aus dem Ausland) auf Rentenpapiere umgeschichtet.
Angesichts mäßiger Defizite und eines bereits hohen Auslandsanteils blieb die Mittelaufnahme des Staates im Ausland annähernd auf dem Vorjahresniveau.
Der Absatz von Corporate Bonds im Ausland spielte 2007 mit 4 Mrd EUR wieder eine wichtigere Rolle. Das Angebot hat sich gegenüber 2006 verdoppelt und erreichte wieder ähnliche Werte wie 2005.

Der aus dem Leistungsbilanzüberschuss resultierende Nettokapitalexport wurde vor allem in den Kreditbereich kanalisiert, der einen Nettoexport von 32 Mrd EUR zeigte
Allein die Banken erhöhten ihre Kreditforderungen um 21 Mrd EUR. Der Großteil davon floss in die EU15, allen voran nach Deutschland, aber auch in die neuen EU-Mitgliedsländer sowie die MOEL-09. Gleichzeitig haben die „sonstigen Finanzinstitute“ – u. a. auch im Zusammenhang mit der Restrukturierung des Unicredit-Konzerns – netto Kredite getilgt
Sicht- und Termineinlagen ergaben dagegen netto einen Zufluss von rund 10 Mrd EUR (2006: Abfluss von 14,6 Mrd EUR)
Die Entwicklung des Interbankenmarkt war im Jahr 2007 deutlich durch das Auftreten der Immobilienkrise gekennzeichnet: Die im ersten Halbjahr noch dynamische Kreditvergabe wurde im 3. Quartal aktiv- wie passivseitig massiv eingebremst und zeigte sich auch im 4. Quartal äußerst verhalten
Der aus dem Leistungsbilanzüberschuss resultierende Nettokapitalexport (6,3 Mrd EUR) wurde vor allem in den Kreditbereich kanalisiert, der einen Nettoexport von 32 Mrd EUR zeigte (2006: Import von 0,8 Mrd EUR).
Allein die Banken erhöhten ihre Kreditforderungen um 21 Mrd EUR (2006: 10,6). Mit 8,3 Mrd floss der Großteil davon in die EU15, allen voran nach Deutschland (3,3 Mrd EUR). Aber auch die neuen EU-Mitgliedsländer (6,1 Mrd EUR) sowie die MOEL-09 (4,3 Mrd EUR) waren wichtige Zielregionen. Gleichzeitig trugen die sonstigen Finanzinstitute durch Nettokredittilgungen von 12,3 Mrd EUR zur Entwicklung der Kapitalbilanz bei.
Zusammenfassung
Mit einem Überschuss von 8,8 Mrd EUR erzielt die österreichische Außenwirtschaft 2007 ein Rekordergebnis. Aus einem Defizit von 2,9% des BIP im Jahr 1995, dem Jahr des EU-Beitritts, wurde 2007 ein Plus von 3,2%.
Diesen Erfolg verdankt Österreich vor allem dem Export von Gütern und Dienstleistungen, das heißt den qualifizierten Mitarbeitern und innovativen Managern in den Unternehmen, aber auch guten makroökonomischen Rahmenbedingungen.
Der traditionelle Devisenbringer „Reiseverkehr“ war mit einem Einnahmen-Überschuss von 6 Mrd EUR erneut erfolgreich, wurde aber von den übrigen Dienstleistungen mit Überschüssen von zusammen 6,2 Mrd EUR erstmals übertroffen.
Die wachsenden Leistungsbilanzüberschüsse stärken Österreichs Position als Investor auf den internationalen Kapitalmärkten. 2007 hat Österreich (netto) 6,3 Mrd EUR im Ausland investiert.
Ausgelöst durch die von den USA ausgehende Subprime-Krise änderte sich das Anlegerverhalten in der zweiten Jahreshälfte deutlich. Die Daten der Kapitalbilanz spiegeln die merklich konservativeren Veranlagungsstrategien der Investoren wieder.
Österreicher haben sich 2007 von einem Teil ihrer ausländischen Aktien getrennt und – in der zweiten Jahreshälfte – auch keine ausländischen Schuldverschreibungen mehr erworben. Attraktiv waren die kurzfristigen Geldmarktpapiere.
Hohe Verkäufe im ersten Halbjahr führten 2007 zu einem Rekordabsatz österreichischer Schuldverschreibungen im Ausland. Im Vordergrund standen Bankenemissionen, aber auch Corporate Bonds um 4 Mrd EUR konnten im Ausland abgesetzt werden.
Der Großteil des Kapitalexports erfolgte im Rahmen des Bankgeschäfts, wobei österreichische Banken ihre Kreditforderungen im Ausland um 21 Mrd EUR ausweiteten.
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