Österreichs Außenwirtschaft wurde im ersten Quartal 2010 weiterhin durch die Auswirkungen der Krise gebremst, erreichte aber einen Leistungsbilanzüberschuss von 3,2 Mrd EUR. Der Güter- und Dienstleistungsverkehr verzeichnete nur geringe Zuwächse. Deutliche Signale der Zuversicht waren jedoch im grenzüberschreitenden Wertpapiergeschäft erkennbar. Sowohl die Veranlagung als auch die Finanzierung zeigten sich dynamischer als zuletzt. Österreichs Banken bauten ihre Einlagenforderungen im Ausland deutlich aus. Auch das Geschäft mit grenzüberschreitenden Unternehmensbeteiligungen nahm wieder etwas Fahrt auf.
Österreichs Leistungsbilanz schloss im ersten Quartal 2010 mit +3,2 Mrd EUR und erreicht damit etwa das Ergebnis des Vergleichsquartals 2009 (+3,5 Mrd EUR). Gütereinfuhren (+3%) und –ausfuhren (+2%) lagen nur geringfügig über jenen des 1. Quartals 2009. Per saldo ergab die Güterbilanz ein Defizit von 1,1 Mrd EUR (nach -0,8 Mrd EUR). Nahezu unverändert zeigte sich per saldo auch die Dienstleistungsbilanz (+5,5 Mrd EUR). Die Reiseverkehrseinnahmen verzeichneten ein Plus von 3%, während österreichische Touristen im Ausland weniger ausgaben als zuletzt (-3%).
Im grenzüberschreitenden Kapitalverkehr machten sich die besseren Konjunkturaussichten in Form teilweise deutlich gestiegener Transaktionsvolumina bemerkbar. Österreichs Wertpapierforderungen im Ausland wurden im 1. Quartal 2010 netto um 4,8 Mrd EUR aufgebaut, nachdem im Vergleichszeitraum 2009 noch ein Volumen von 1,8 Mrd EUR abgezogen worden war. Das infolge der Krise besonders ausgeprägte Sicherheitsdenken setzte sich im 1. Quartal 2010 nicht fort: Ausländische Investmentzertifikate (+1,4 Mrd EUR), aber auch internationale Aktien (+0,6 Mrd EUR) stießen bei österreichischen Investoren wieder auf deutlich stärkere Nachfrage.
Die gestiegene Zuversicht kam auch im Geschäft mit langfristigen Zinspapieren zum Ausdruck, die von heimischen Investoren um 2,1 Mrd EUR gekauft wurden. Im Vergleichszeitraum 2009 setzten Anleger angesichts des schwierigen Kapitalmarktumfelds noch verstärkt auf den Inlandsmarkt und stießen internationale Papiere im Ausmaß von 2 Mrd EUR ab. Geldmarktpapiere wurden – ähnlich wie im Vergleichszeitraum – im Umfang von rund einer halben Milliarde EUR erworben.
Österreichische Schuldner nahmen ihre Auslandsverpflichtungen aus Wertpapieren im 1. Quartal 2010 um 3,4 Mrd EUR zurück (1. Quartal 2009: 1,8 Mrd EUR). Dies betrifft vor allem heimische Banken, die langfristige Zinspapiere um 2,2 Mrd EUR abbauten. Im Vergleichsquartal 2009 hatten sie ihre Verpflichtungen noch um mehr als 2 Mrd EUR erhöht. Auch der öffentliche Sektor reduzierte seine Verbindlichkeiten aus diesem Segment ( 1,7 Mrd EUR).
Deutliche Signale rückkehrender Dynamik waren aus dem internationalen Zwischenbankgeschäft zu verzeichnen. Österreichs Banken bauten im Ausland Einlagenforderungen von 8,3 Mrd EUR auf (1. Quartal 2009: 0,5 Mrd EUR). Allerdings wurde jenes Niveau, das vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers und der daraus resultierenden Vertrauenskrise zu beobachten war, bei Weitem nicht erreicht (1. Quartal 2008: 16,5 Mrd EUR).
Im Bereich internationaler Unternehmensbeteiligungen scheint die krisenbedingte Talsohle bereits durchschritten worden zu sein. Österreichs Direktinvestoren veranlagten im ersten Quartal 2010 3,5 Mrd EUR und damit um rund die Hälfte mehr als zuletzt (2,4 Mrd EUR). Ebenso ist der Zustrom an ausländischem Kapital in heimische Unternehmen auf 3,6 Mrd EUR gestiegen (nach 2,0 Mrd EUR).