Reden und Präsentationen


Ausgewählte Entwicklungen am österreichischen Finanzmarkt im Krisenjahr 2009

Mag. Dr. Aurel Schubert, Mag. Dr. Michael Pfeiffer
Wien, 18. 5. 2010

Es gilt das gesprochene Wort.


Factsheet


Entwicklung der Zinssätze in der Eurozone
Renditen 10-jähriger Staatsanleihen
Aktienindizes


Österreichs Finanzvermögen liegt zu einem Drittel im Ausland

  • Das gesamte unkonsolidierte Finanzvermögen1) der österreichischen Volkswirtschaft betrug zum Jahresende 2009 rund 2.400 Mrd EUR oder 870% des BIP.

  • Der finanzielle Sektor2) hielt 61% des Finanzvermögens, der Haushaltssektor 20%, die nicht-finanziellen Unternehmen 15% und der Staat 5%.

  • Rund ein Drittel des Vermögens besteht aus ausländischen Finanzanlagen. Vor zehn Jahren betrug dieser Anteil erst ein Viertel.

  • Ebenfalls ein Drittel hielt das Ausland an den gesamten inländischen Verbindlichkeiten. Der Auslandsanteil erhöhte sich seit 2000 um rund 7 Prozentpunkte.

  • Von den gesamten Auslandsverpflichtungen entfiel

    • rund die Hälfte auf den Finanzsektor und hier vor allem auf Banken aus dem Einlagengeschäft,

    • rund ein Drittel auf den Staat auf Grund des Wertpapierabsatzes im Ausland sowie

    • ein Fünftel auf die nicht-finanziellen Unternehmen, deren Auslandsverpflichtungen insbesondere durch strategische Beteiligungen aus dem Ausland (d. h. Direktinvestitionen) dominiert werden.



Internationale Finanzverflechtungen rückläufig

  • Die Finanzkrise führte 2009 erstmals seit den 1990er-Jahren zu einer – wenn auch nur geringfügigen -  internationalen Entflechtung der österreichischen Finanzwirtschaft. Österreichs (unkonsolidiertes) Finanzvermögen im Ausland lag bei 757 Mrd EUR (-1%), die Verpflichtungen bei 784 Mrd EUR (-3%). In der Vergangenheit waren jedes Jahr – teils enorme – Anstiege dieser Größen verzeichnet worden.

  • Auch die Internationalisierungsquote (Summe der Aktiva und Passiva gemessen am BIP) reduzierte sich geringfügig auf 557% (2008: 559%). Dieses Phänomen war bislang nur nach dem Platzen der Dotcom-Blase 2002 aufgetreten.

  • Österreichs internationale Finanzverflechtung liegt aber weiterhin auf sehr hohem Niveau. Ausländische Kapitalmärkte bleiben auch künftig unverzichtbarer Bestandteil der heimischen Veranlagung und Finanzierung.

  • Österreichs Nettoverpflichtungen gegenüber dem Ausland zeigten sich in den vergangenen Jahren durchwegs rückläufig. Sie haben sich seit 2006 auf 27 Mrd EUR halbiert. Der Leistungsbilanzüberschuss des Jahres 2009 (6,3 Mrd EUR) ermöglichte einen Nettokapitalexport ins Ausland – und damit eine Verringerung der Auslandsverpflichtungen – in Höhe von 4 Mrd EUR3).



Österreichs Risiko ist auch innerhalb Europas breit gestreut

  • Österreichs wichtigste Anlageregion ist – trotz des intensiven Engagements der vergangenen Jahre in Ost- und Südosteuropa – weiterhin der Euroraum. 337 Mrd EUR oder 46% des gesamten im Ausland gehaltenen Finanzvermögens sind in diesem erweiterten Heimmarkt und somit ohne Währungsrisiko investiert.

  • Weitere 117 Mrd EUR entfallen auf die Länder der letzten EU-Erweiterungsrunden 2004 und 20074), deren ökonomischer Aufholprozess verglichen mit jenem der Regionen Ost- oder Südosteuropa bereits weit fortgeschritten ist.

  • In Griechenland liegen nur 8,6 Mrd EUR oder 1% des Auslandsvermögens.



Keine Großprojekte bei grenzüberschreitenden Unternehmensbeteiligungen

  • Im Einklang mit der weltweiten Entwicklung sind auch in Österreich die  Direktinvestitionen im Jahr 2009 geradezu eingebrochen. Aktive Direktinvestitionen von 2,7 Mrd EUR sind 85% weniger als im Vorjahr und der niedrigste Wert seit zehn Jahren.

  • Davon entfielen 2,2 Mrd EUR auf den Eigenkapitalerwerb und weitere 2,2 Mrd EUR auf reinvestierte Gewinne, während die konzerninternen Forderungen um 1,8 Mrd EUR zurückgefahren wurden.

  • Die Zahl der „Großprojekte“ mit Eigenkapitalinvestitionen von mehr als 100 Millionen Euro ist 2009 auf weniger als zehn gesunken, nachdem es 2008 noch etwa 20 und 2007 sogar 50 solcher Großprojekte gegeben hatte.

  • Die Investitionen der Verbundgesellschaft in Deutschland (Innkraftwerke) und der Türkei brachten diese beiden Länder an die Spitze der Zielregionen.

  • Die üblichen Investitionen Österreichs in Zentral-, Ost- und Südosteuropa sind 2009 fast zur Gänze ausgefallen. Neben Rumänien (400 Mio EUR) am vierten Platz findet sich nur noch Kroatien mit 300 Mio EUR auf Platz 10. Der Ausstieg der OMV aus der ungarischen MOL führte in Summe zu hohen Desinvestitionen in Ungarn.



Krise lähmt Direktinvestitionen

  • Ausländische Unternehmenseigner investierten 2009 netto 5,1 Mrd EUR in ihre österreichischen Beteiligungen. Diese passiven Direktinvestitionen erfolgten vor allem in Form nicht entnommener Gewinne (+3,0 Mrd EUR) und durch die Gewährung zusätzlicher konzerninterner Kredite (+2,5 Mrd EUR).

  • Beim Eigenkapital kam es 2009 netto sogar zu Desinvestitionen, ein Ergebnis, das seit 1992 erst ein Mal aufgetreten ist. Darunter fallen auch einzelne „Notverstaatlichungen“ im Bankensektor.

  • Die wichtigsten Neuinvestitionen des Jahres 2009 waren der Einstieg der spanischen Criteria Caixa bei der Erste Group Bank als Minderheitseigentümer und die Beteiligung eines US-amerikanischen Private Equity Funds bei der Telekom Austria AG.

  • Deutschland als traditionell wichtigster Investor in Österreich konnte – trotz einiger gegenläufiger Desinvestitionen – mit einer Netto-Kapitalzufuhr von 1,3 Mrd EUR, unter anderem auch für den Erwerb der AUA, seinen Spitzenrang behaupten.

  • Auffallend hoch waren 2009 die Investitionen aus Russland und China auf den Rängen sieben und neun.



Unveränderte Zurückhaltung am internationalen Geldmarkt
Grafik6b_Unveränderte Zurückhaltung am internationalen Geldmarkt

  • Beginnend mit dem Vertrauensverlust im vierten Quartal 2008 setzte sich auch 2009 die Zurückhaltung zwischen den Banken am internationalen Geldmarkt fort.

  • Nach einigen Jahren, die – aus österreichischer Sicht – von intensivem Aufbau der kurzfristigen (d. h. mit einer Ursprungslaufzeit kleiner oder gleich einem Jahr) Interbankforderungen und -verpflichtungen geprägt waren, setzte ab dem vierten Quartal 2008 eine Flucht aus dem internationalen Geldmarkt ein.

  • Nachdem die österreichischen Banken ihre grenzüberschreitenden, kurzfristigen Interbankforderungen im vierten Quartal 2008 um 16 Mrd EUR reduziert hatten, setzte sich dieser Trend 2009 mit einem Abbau von knapp 14 Mrd EUR fort.

  • Auch die kurzfristigen Verpflichtungen österreichischer Banken gegenüber ausländischen Gläubigern wurden nach einem Abbau von rund 36 Mrd im vierten Quartal 2008 um weitere 15 Mrd EUR reduziert.



Kreditvergabe an das Ausland gestoppt

  • Die Kreditgewährung der Banken an ausländische Nichtbanken ist 2009 völlig eingebrochen. Per Saldo wurden sogar Kreditmittel in Höhe von 3,3 Mrd EUR aus dem Ausland abgezogen. Ein derartiger Rückgang konnte selbst nach dem Platzen der Dotcom-Blase 2002 nicht beobachtet werden. In den beiden Vorjahren waren noch außergewöhnlich hohe Volumina investiert worden.

  • Der Rückzug aus dem Auslandsgeschäft erstreckte sich sowohl über Industrieländer als auch über Wachstumsmärkte. Die EU-15 waren davon etwa im selben Ausmaß betroffen wie die Länder der letzten EU-Erweiterungsrunde oder die MOEL-10. Überproportional vorsichtig agierten die Banken im Rest der Welt.

  • Österreichs Banken hielten Ende 2009 – das Geschäft der Auslandstöchter nicht eingerechnet – Kreditforderungen von rund 102 Mrd EUR. Davon entfielen 86% auf langfristige Forderungen.



Ausländische Investoren sind wichtigste Kapitalgeber

  • 2009 belief sich das Markt bewertete Volumen von langfristigen verzinslichen Wertpapieren österreichischer Emittenten auf rund 480 Mrd EUR. Das sind 170% des BIP.

  • Größter Kapitalgeber ist mit einem Zwei Drittel-Anteil (rund 308 Mrd EUR) für alle Segmente das Ausland. Beim Staat sind es sogar knapp 80%.

  • Der Haushaltssektor, drittwichtigster Kapitalgeber, hält ca. 8% der inländischen Anleihen, wobei Staatsanleihen bisher kaum den (direkten) Weg ins Portfolio der österreichischen Haushalte gefunden haben.

  • Die Refinanzierung über den Kapitalmarkt spielt für Österreichs Banken (exkl. OeNB) eine wichtige Rolle. Mit rund 256 Mrd EUR oder einem Viertel der (unkonsolidierten) Gesamtverbindlichkeiten (1.030 Mrd EUR) bildeten langfristige verzinsliche Wertpapiere Ende 2009 eine ähnlich wichtige  Finanzierungsquelle wie die Einlagen von inländischen Nichtbanken (281 Mrd EUR). Allerdings werden mehr als 20% wiederum von österreichischen Banken gehalten.

  • Auch für den Staat hat die Finanzierung über langfristige verzinsliche Wertpapiere eine zentrale Bedeutung (174 Mrd EUR Marktwert Ende 2009). Rund 78% der Bruttoschulden entfallen auf Wertpapiere.

  • Für österreichische nicht-finanzielle Unternehmen spielt die Fremdfinanzierung über verzinsliche Wertpapiere (sog. corporate bonds) eine untergeordnete Rolle (ca. 44 Mrd EUR Ende 2009); ihre Kreditschulden betragen etwa 203 Mrd EUR (knapp das Fünffache).



Österreich finanziert sich 2009 großteils am inländischen Kapitalmarkt

  • 2009 zeigte sich jedoch am österreichischen Anleihenmarkt ein völlig konträres Bild zu den Jahren davor.

  • Speziell für Banken, wo ausländische Investoren netto ihre österreichischen Anleihen abstießen (-500 Mio EUR), hatte das Ausland eine geringere Bedeutung als in den Jahren zuvor. Unter den Neuemissionen von Banken waren es vor allem staatsgarantierte Anleihen sowie Pfandbriefe, die die Refinanzierung im Ausland aufrecht erhalten konnten.

  • Als größter Kreditgeber des Staates traten 2009 erstmals seit langer Zeit die heimischen Banken auf (+6,9 Mrd EUR). Sie erhöhten damit ihren Besitz an langfristigen heimischen Staatspapieren gegenüber 2008 um ca. 75%. Die österreichischen Banken setzten somit auf Sicherheit.

  • Das Ausland hingegen hatte 2009 als Kapitalgeber für den Staat eine weitaus geringere Rolle als etwa noch 2008. Aus langfristigen Titeln wurden 3,3 Mrd (gegenüber 7,6 Mrd EUR 2008) im Ausland abgesetzt; Geldmarktpapiere, die Ende 2008 zu günstigen Konditionen zur Finanzierung des Bankenpakets um 7 Mrd EUR ans Ausland verkauft wurden, sind 2009 teilweise wieder rückgeführt worden (-1,9 Mrd).

  • Bemerkenswert war auch das Interesse des Haushaltssektors an Neuemissionen nicht-finanzieller Unternehmen (+700 Mio EUR). Die Österreicher vertrauten damit der Stärke der heimischen Wirtschaft und ließen sich durch hohe Renditeaufschläge eher anlocken als verschrecken.

  • Während Kredite an nicht-finanzielle Unternehmen 2009 rückläufig waren, finanzierten sich   zumindest größere   Unternehmen erfolgreich am Kapitalmarkt. Der Nettoabsatz erreichte hier 6 Mrd EUR.



Keine Bindung in der Krise – ausländische Anleihen werden abgestoßen
Keine Bindung in der Krise – ausländische Anleihen werden abgestoßen

  • Während nach Österreichs Beitritt zur EU ausländische Schuldverschreibungen – teils massiv – gekauft wurden, setzte 2008 und 2009 ein Gegentrend ein.

  • Sowohl 2008 als auch 2009 wurden netto jeweils knapp 3 Mrd EUR verkauft, 2007 noch 12 Mrd gekauft und 2005 – das stärkste Jahr an Zukäufen – sogar 30 Mrd in ausländische Schuldverschreibungen netto investiert.

  • Banken und Fonds sind die bedeutendsten Investoren. Banken traten 2008 und 2009 erstmals als Nettoverkäufer auf. Das spiegelt einerseits das Sicherheitsdenken – liquide Mittel wurden 2009 vor allem in österreichische Staatsanleihen investiert – und andererseits den verringerten Veranlagungsbedarf wider. Insbesondere Anleihen aus den Euroländern – Deutschland, Italien und Griechenland – wurden verkauft.

  • Heimische Fonds traten – bedingt durch den Abzug von Nettomitteln durch ihre Kunden – bereits ab Mitte 2007 und insbesondere 2008 als Nettoverkäufer ausländischer Anleihen auf. Aufgrund von Umschichtungen (von liquiden Bankeinlagen auf Wertpapiere) und moderaten Nettomittelzuflüssen kehrten Fonds 2009 allerdings wieder auf die Käuferseite zurück.

  • Im Gegensatz zu Banken erhöhten Fonds 2009 insbesondere den Anteil von Staatsanleihen des Euroraums – ausgenommen Deutschland. Dies dürfte auf die vergleichsweise niedrigen Renditen deutscher Staatsanleihen zurückzuführen sein.



Wiener Börse erholt sich 2009 wieder
Wiener Börse erholt sich 2009 wieder

  • Nach dem dramatischen Einbruch von 2008 stieg die Marktkapitalisierung der österreichischen börsennotierten Aktien5) 2009 wieder deutlich an (um ca. 40% von rund 60 Mrd auf 84 Mrd EUR).

  • Neben Wertpapierkurseinbrüchen war die rückläufige Marktkapitalisierung 2008 auch durch Delistings an der Wiener Börse beeinflusst worden.

  • Börsengänge gab es in den letzten zwei Jahren keine. Kapitalerhöhungen sorgten 2009 zwar für leicht positive Transaktionen; sie erreichten aber nicht das Niveau von 2006 und 2007.

  • Während ausländische (nicht-strategische) Investoren 2008 österreichische Aktien massiv verkauften, traten sie – ebenso wie ausländische strategische Investoren (passive Direktinvestitionen) – 2009 wieder als Käufer auf.

  • Private Haushalte kauften inländische Aktien billig ein. Während sie Ende des vierten Quartals 2008 und in der ersten Hälfte 2009 noch als bedeutende Käufer auftraten (ca. +700 Mio EUR), ließ das Interesse im zweiten Halbjahr 2009 deutlich nach (-140 Mio EUR).

  • Ausländische börsennotierte Aktien wurden – bereinigt um einen Sondereffekt – von nicht-strategischen Investoren um knapp 1 Mrd EUR zugekauft. Hauptverantwortlich zeichneten dafür die heimischen Fonds (ca. 400 Mio) und auch private Haushalte (ca. 300 Mio). Heimische Fonds hatten allerdings 2008 noch massiv verkauft (-4,8 Mrd EUR).



Österreichischer Fondsmarkt nach schwerem Einbruch wieder auf Wachstumskurs
Österreichischer Fondsmarkt nach schwerem Einbruch wieder auf Wachstumskurs

  • Gemeinsam mit dem Aktienmarkt erholten sich 2009 sowohl der in- als auch der ausländische Fondsmarkt (2009: +9,7 Mrd EUR bzw. 9,2% des bereinigten Fondsvolumens).

  • Zurückzuführen war diese Erholung vor allem auf die Aufwärtsbewegung an den internationalen Börsen. Nach zwei Jahren mit Nettomittelabflüssen verzeichneten heimische Fonds 2009 auf Jahresbasis aber auch wieder moderate Nettomittelzuflüsse (bereinigt exkl. Ausschüttungen: 1,6 Mrd EUR).

  • Nach stetigem Wachstum der Fondsvolumina bis Mitte 2007 war es in der zweiten Jahreshälfte 2007 und 2008 zu einem starken Einbruch gekommen. Dieser war einerseits von den Verlusten an den internationalen Börsen, aber auch von starken Nettomittelabflüssen geprägt (Mitte 2007 bis Q1 2009 bereinigt exkl. Ausschüttungen: -24,4 Mrd EUR).

  • Während ausländische Wertpapiere von heimischen Fonds 2007 und 2008 netto verkauft worden waren, wurden die Cashbestände bei inländischen Banken erhöht. Dadurch hatte sich erstmals wieder der Inlandsanteil des bereinigten Fondsvolumens von 21% Mitte 2007 auf 25,5% Ende 2008 erhöht.

  • 2009 hingegen war wieder der umgekehrte Trend zu beobachten, wodurch der Inlandsanteil wieder auf 22% zurückging.



Institutioneller Anleger stützt den heimischen Fondsmarkt

  • Versicherungen, Pensionskassen sowie Betriebliche Vorsorgekassen zeichneten für Zuflüsse im Jahr 2009  hauptverantwortlich. Sie kehrten bereits im vierten Quartal 2008 auf die Käuferseite zurück und stützten damit die heimische Fondsindustrie (2009: +3,5 Mrd EUR).

  • Dadurch gewannen Spezialfonds in den letzten Jahren spürbar an Bedeutung in Österreich: Ihr Anteil am verwalteten Fondsvolumen stieg in den Jahren 2008 und 2009 von 29% auf 38%.

  • Der Haushaltssektor verkaufte heimische Fonds (aller Anlagekategorien) während der Krise massiv (-6,9 Mrd EUR zwischen Ende 2006 und Mitte 2009) – im zweiten Halbjahr 2009 gab es erstmals seit 2 1/2 Jahren wieder Nettozuflüsse (knapp 1 Mrd EUR).

  • Ähnliches trifft auf ausländische Investoren und inländische Kreditinstitute (inkl. OeNB) zu. Auf Jahresbasis finden sich ausländische Investoren seit zwei Jahren (-3,3 Mrd EUR) und inländische Kreditinstitute seit drei Jahren (-5,4 Mrd EUR) auf der Verkäuferseite.

  • 2009 wurden auch ausländische Investmentzertifikate nach den Verkäufen von 2008 wieder gekauft. Heimische Fonds und private Haushalte zeichneten –ähnlich wie bei ausländischen Aktien – dafür hauptverantwortlich, aber auch Pensionskassen und Versicherungen erhöhten ihre Anteile.

  • Private Haushalte kauften 2009 auf Jahresbasis mehr ausländische als inländische Investmentzertifikate.


Zusammenfassung

  • Finanzmärkte waren 2009 durch historischen Tiefstand des Zinsniveaus gekennzeichnet. Aktienmärkte hatten den Schock der Krise bereits im Frühjahr 2009 überwunden und expandierten im weiteren Jahresverlauf wieder.

  • Österreichs Finanzverflechtung mit dem Ausland war 2009 erstmals seit den 1990er Jahren leicht rückläufig; dies aber auf hohem Niveau. Zuvor waren immer – teils enorme – Zuwächse der Finanzverflechtung verzeichnet worden. Angesichts der Finanzkrise mieden Investoren vorsichtshalber riskante Auslandsveranlagungen und konzentrierten sich auf den Inlandsmarkt.

  • Der Leistungsbilanzüberschuss des Jahres 2009 verschaffte Österreich Handlungsspielraum an den internationalen Kapitalmärkten: Die Auslandsverpflichtungen konnten um rund 4 Mrd EUR reduziert werden.

  • Die wirtschafts- und währungspolitische Integration Österreichs in den Euroraum rentiert sich in Krisenzeiten: Fast die Hälfte des gesamten österreichischen Auslandsvermögens liegt in dieser Region, ohne jegliches Währungsrisiko.

  • Kapitalmärkte sind für hochentwickelte Volkswirtschaften wie Österreich essenziell: Ende 2009 entfiel rund ein Viertel der gesamten Bankverpflichtungen auf Anleihen. Den Großteil der österreichischen Anleihen (aller Emittenten) hält das Ausland.

  • 2009 zeigte sich jedoch ein völlig konträres Bild: Die Inlandsfinanzierung gewann im Umfeld der Finanzkrise massiv an Bedeutung.

  • Private Haushalte vertrauten der österreichischen Wirtschaft – sie kauften sowohl österreichische Unternehmensanleihen als auch – speziell zu Jahresbeginn und damit zu günstigen Kursen – österreichische Aktien.

  • Infolge des Aufwärtstrends an den Aktienmärkten seit dem Frühjahr 2009 erfreute sich auch die Fondsindustrie wieder vermehrten Zulaufs.

  • Der Trend des zweiten Halbjahres 2009 am österreichischen Kapitalmarkt setzte sich auch im ersten Quartal 2010 weitgehend fort.



Verleger, Herausgeber und Hersteller:

Oesterreichische Nationalbank

Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit

Mag. Günther Thonabauer 

Tel.: (+43-1) 404 20-6666

1) Die Finanzanlagen des Finanzsektors (ohne Auslandstöchter und – filialen), aber auch von nichtfinanziellen Unternehmen, dem privaten Haushaltssektor und dem Staat untereinander und gegenüber dem Ausland.

2) Banken, OeNB, sonstige Finanzinstitutionen (wie Investmentfonds), Versicherungen und Pensionskassen.

3) Die Differenz zwischen Leistungs- und Kapitalbilanzsaldo ergibt sich im Wesentlichen aus der „Statistischen Differenz“.

4) Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Tschechische Republik, Ungarn. Exklusive Malta, Slowakei, Slowenien und Zypern, die mittlerweile dem Euroraum angehören.

5) Hierbei handelt es sich auch um österreichische börsennotierte Unternehmen, die nicht an der Wiener Börse notieren.

Mehr zu dieser Seite

Presseaussendungen