Um eine zeitnahe Information zur Verfügung zu stellen, veröffentlicht die OeNB monatlich Cash-Daten der österreichischen Zahlungsbilanz jeweils ca. 6 Wochen nach Ende des Berichtsmonats. Diese monatlich veröffentlichten Informationen zeigen auf hoher Aggregationsebene erste Trends, die erfahrungsgemäß durch die vierteljährlich erstellten Berichte der Zahlungsbilanz auf Transaktionsbasis weitgehend bestätigt werden. Vor kurzem wurde "Die österreichische Zahlungsbilanz im 1. Quartal 2002" (Transaktionswerte) zur Verfügung gestellt. Die nunmehr für die ersten sechs Monate des Jahres 2002 vorliegenden Cash-Daten folgen im Wesentlichen den seit Jahresanfang beobachteten Trends.
Für Jänner bis Juni 2002 zeigte die Leistungsbilanz – gemessen auf Basis von Zahlungsströmen – einen Überschuss von 0,80 Mrd. Euro gegenüber einem Defizit von -1,82 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dies ist auf den um fast 3 ½ Mrd. Euro höheren Überschuss der Teilbilanzen Warenzahlungen und Dienstleistungen zurückzuführen.
Die Warenzahlungen stiegen im Berichtszeitraum Jänner bis Juni exportseitig um 5 %, während sie importseitig um 1 % abnahmen. Dadurch verringerte sich deren Defizit um 2,53 Mrd. Euro auf -1,78 Mrd. Euro.
Die wichtigste Komponente der Dienstleistungsbilanz, der Reiseverkehr, ergab für den Berichtszeitraum einen Überschuss von 2,47 Mrd. Euro (+0,85 Mrd. Euro gegenüber Jänner bis Juni 2001), wobei der Anstieg der Einnahmen aus dem Ausländertourismus 10 % betrug. Der Rückgang der grenzüberschreitenden Reiseverkehrsausgaben der Österreicher um 6 % ist durch eine statistische Erfassungsänderung etwas überzeichnet.
Das Nettodefizit aus der Einkommensbilanz erhöhte sich im Vorjahresvergleich um 0,21 auf -0,32 Mrd. Euro. Die höheren Nettoabflüsse der Einkommen aus Portfolioinvestitionen sowie aus Direktinvestitionen wurden durch höhere Nettozuflüsse der Einkommen aus sonstigen Investitionen nur zum Teil kompensiert.
Das Defizit der Laufenden Transfers war mit -1,35 Mrd. Euro höher als in der Vergleichs-periode des Vorjahres (-0,74 Mrd. Euro). Das Defizit der Vermögensübertragungen war mit -0,12 Mrd. Euro ebenfalls höher als im Vergleichszeitraum 2001.
Die Kapitalbilanz zeigte im Berichtszeitraum in den Teilbilanzen Direktinvestitionen, Portfolioinvestitionen und Finanzderivate Nettokapitalabflüsse.
Im Bereich der Direktinvestitionen österreichischer Unternehmen im Ausland wurde der Vorjahresvergleichswert deutlich, nämlich um 0,69 Mrd. Euro überschritten; der Kapitalexport aus dieser Position betrug im Berichtszeitraum 2,26 Mrd. Euro. Bei den Direktinvestitionen des Auslands in Österreich ergaben sich durch ein relativ hohes Volumen an Desinvestitionen ebenfalls Nettokapitalabflüsse (0, 26 Mrd. Euro).
In der Teilbilanz Portfolioinvestitionen stand dem Erwerb von ausländischen Wertpapieren durch österreichische Anleger in Höhe von 19,10 Mrd. Euro (Jänner bis Juni 2001: 16,56 Mrd. Euro) ein Anstieg der Veranlagung des Auslands in österreichische Titel von 16,66 Mrd. Euro gegenüber (Jänner bis Juni 2001: 14,42 Mrd. Euro). Bei den Portfolioinvestitionen der Österreicher im Ausland zeigt sich eine Fortsetzung der Tendenz zur Umstrukturierung von Anteilspapieren in festverzinsliche Wertpapiere: Der Erwerb von ausländischen festverzinslichen Wertpapieren erreichte im Berichtszeitraum einen Wert von 16,29 Mrd. Euro gegenüber 12,43 Mrd. Euro in den ersten sechs Monaten 2001; die Veranlagung in ausländischen Anteilspapieren betrug 2,81 Mrd. Euro gegenüber 4,14 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum 2001. Die Nachfrage ausländischer Anleger nach österreichischen festverzinslichen Wertpapieren war mit 15,45 Mrd. Euro in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um etwa 2 Mrd. Euro höher als im Vergleichszeitraum 2001; der Erwerb von österreichischen Anteilspapieren war mit 1,21 Mrd. Euro leicht höher als in der Vergleichsperiode (1,04 Mrd. Euro).
Die Kapitalströme unter dem Titel Sonstigen Investitionen – überwiegend das Ergebnis der grenzüberschreitenden Einlagen- und Kreditbewegungen des Bankensystems – schlossen in der Berichtsperiode mit einem Nettokapitalimport von 1,22 Mrd. Euro.
Die offiziellen Währungsreserven zeigten eine transaktionsbedingte Abnahme in Höhe von 0,57 Mrd. Euro.