Das vorläufige Ergebnis der österreichischen Leistungsbilanz – gemessen auf Basis von Zahlungsströmen - ergab nach Vorliegen von neun Monaten dieses Jahres mit -0,77 Mrd. Euro ein deutlich niedrigeres Defizit als im Vergleichszeitraum 2001 (-3,85 Mrd. Euro).
Das Defizit der Warenzahlungen reduzierte sich von -5,90 Mrd. Euro auf -2,91 Mrd. Euro. Die Zahlungen für Warenimporte lagen im Berichtszeitraum unter den Vergleichswerten 2001 (-2 %), die Exporterlöse dagegen mit +3 % leicht über den Vorjahresvergleichswerten.
Der Überschuss der Dienstleistungen übertraf mit 4,24 Mrd. Euro das vergleichbare Ergebnis 2001 um 0,36 Mrd. Euro. Positive Effekte gingen von mehreren Teilbereichen der Dienstleistungsbilanz aus (insbesondere Transport sowie technische, wissenschaftliche und wirtschaftliche Beratungsleistungen).
Der Reiseverkehr als bedeutendste Komponente wies mit einem Saldo von 1,39 Mrd. Euro einen um 0,12 Mrd. Euro geringeren Überschuss auf als in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Bei der Beurteilung des ungünstigeren Ergebnisses ist zu berücksichtigen, dass die im Vergleich zu den ersten neun Monaten 2001 aufscheinende deutliche Zunahme der Reiseverkehrsausgaben um 9% (auf 8,42 Mrd. Euro) durch eine statistische Erfassungsänderung überzeichnet ist. Hingegen beruht die Zunahme der Reiseverkehrseinnahmen um 7% auf 9,82 Mrd. Euro auf realen Phänomenen.
Die vorläufige Einkommensbilanz schloss mit einem negativen Saldo in Höhe von -0,54 Mrd. Euro. Gemäß der derzeitigen Datenlage verbesserten sich im Vorjahresvergleich die Einkommen aus sonstigen Investitionen, wogegen sich die Abflüsse in der Position Einkommen aus Portfolioinvestitionen sowie aus Direktinvestitionen erhöhten.
Das Defizit der Laufenden Transfers war mit –1,56 Mrd. Euro höher als in der Vergleichsperiode (–1,11 Mrd. Euro), ebenso das Defizit der Vermögensübertragungen mit –0,30 Mrd. Euro (–0,26 Mrd. Euro).
Die Kapitalbilanz verzeichnete im Berichtszeitraum einen Nettokapitalexport, was vor allem auf die Entwicklung der Direktinvestitionsaktivitäten sowie höhere Käufe von ausländischen Wertpapieren durch inländische Anleger zurückzuführen war.
Die lebhafte Direktinvestitionstätigkeit österreichischer Unternehmen hielt auch im September weiter an. Sie belief sich in den ersten neun Monaten dieses Jahres auf (netto) 3,62 Mrd. Euro. Die Neuinvestitionen des Auslands in Österreichs fielen dagegen schwächer aus als in der Vergleichsperiode (brutto 1,64 gegenüber 2,88 Mrd. Euro); durch im gleichen Zeitraum erfolgende Desinvestitionen drehte der Nettowert sogar in einen Kapitalexport in Höhe von 0,22 Mrd. Euro.
Die grenzüberschreitenden Wertpapiertransaktionen zeigen für Jänner bis September 2002 Nettokapitalabflüsse in Höhe von 4,42 Mrd. Euro (Vergleichswert 2001: -1,84 Mrd. Euro). Österreichische Anleger kauften ausländische Wertpapiere in Höhe von 22,54 Mrd. Euro, um 5,24 Mrd. Euro mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der deutliche Anstieg resultiert aus dem verstärkten Erwerb von ausländischen festverzinslichen Wertpapieren; die Käufe von Anteilspapieren waren dagegen um 1,54 Mrd. Euro geringer als im Vergleichszeitraum. Die Veranlagung des Auslands in österreichische Titel belief sich auf 18,11 Mrd. Euro, das waren um 2,66 Mrd. Euro mehr als in den ersten neun Monaten 2001. Auch die Käufe des Auslands konzentrierten sich auf festverzinsliche Wertpapiere.
Die Sonstigen Investitionen ergaben in der Berichtsperiode einen Nettokapitalimport von 5,45 Mrd. Euro, wobei der kurzfristige Kapitalverkehr des Bankensystems das Ergebnis dominiert.
Die offiziellen Währungsreserven zeigten eine transaktionsbedingte Abnahme in Höhe von 1,66 Mrd. Euro.