Presseaussendung


Die positive Ertragsentwicklung setzt sich auch im 2. Quartal 2005 fort

Ertragslage der in Österreich tätigen Kreditinstitute im 1. Halbjahr 2005

Wien, 26. 8. 2005


Das unkonsolidierte Betriebsergebnis1) stieg gegenüber dem 1. Halbjahr 2004 mit 12,0% auf 2,71 Mrd EUR deutlich an. Insbesondere die Provisionserträge aus dem Wertpapiergeschäft konnten stark erhöht werden. Deutliche Steigerungen waren auch bei den Erträgen aus Wertpapieren und Beteiligungen zu beobachten. Dies ist mehrheitlich auf die Erhöhung der Erträge aus Anteilen an inländischen ver­bundenen Unternehmen zurück­zuführen. Die Relation Nettozinsertrag zu den Betriebserträgen sank allerdings auf 47,1%. Die Cost-Income-Ratio betrug zum Berichtszeitpunkt 64,1% und konnte gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres um 1,8%-Punkte verbessert werden. Der Wertberichtigungsbedarf im Kreditbereich wird zum Jahresende 2005 geringer erwartet als in der Vergleichsperiode 2004. Der für das gesamte Geschäftsjahr 2005 erwartete Jahresüberschuss beträgt 2,91 Mrd EUR und liegt mit 3,1% über dem vergleichbaren Wert 2004. 

 

Die Betrieberträge stiegen im 1. Halbjahr 2005 mit 6,3% auf 7,54 Mrd EUR, die Betriebs­aufwendungen erhöhten sich etwas schwächer und zwar um 3,4% auf 4,83 Mrd EUR. Die Cost-Income-Ratio konnte in den ersten 2 Quartalen 2005 im Vorjahresvergleich um 
1,8%-Punkte klar verbessert werden und betrug 64,1%. 

 

Im 1. Halbjahr 2005 meldeten die in Österreich tätigen Kreditinstitute eine leichte Steigerung des Nettozinsertrages um 0,5% auf 3,55 Mrd EUR. Dennoch verringerte sich die Relation Nettozinsertrag zu den gesamten Betriebs­erträgen mit 2,7%-Punkten sehr deutlich und lag zum Berichtszeitpunkt bei 47,1%. Das bedeutet, dass weniger als die Hälfte der Betriebserträge aus dem traditionellen Bankgeschäft lukriert wird. Im 1. Halbjahr 2005 betrug der Total Spread2) 1,14% und reduzierte sich damit gegenüber der Vergleichsperiode 2004 (1,22%). Diese Entwicklung lässt sich auch aus den Daten der EZB-Zins­satzstatistik herleiten. Die dort beobachtete Spanne im Neugeschäft sank zwischen Juni 2004 und Juni 2005 um 0,19%-Punkte. 

 

Die Erträge aus dem Wertpapier- und Beteiligungsgeschäft beliefen sich in den ersten 6 Monaten des Jahres 2005 auf 1,13 Mrd EUR und lagen mit 13,6% klar über dem Wert der Vergleichsperiode 2004. Die tiefere Analyse zeigt, dass dies überwiegend auf die Er­höhung der Erträge aus Anteilen an verbundenen Unternehmen zurück­zuführen ist. Dabei sind mehr­heitlich die Erträge aus Beteiligungen an inländischen verbundenen Unter­nehmen angestiegen3).

 

Der Saldo aus dem Provisionsgeschäft betrug 1,90 Mrd EUR und lag mit 13,9% deutlich über dem Wert der Vergleichsperiode 2004. Mehr als die Hälfte der Steigerungen der Betriebserträge können im 1. Halbjahr 2005 damit begründet werden. Dabei ist die Erhöhung der Provisionserträge aus dem Wertpapiergeschäft besonders her­vorzuheben. Als Ursache hierfür ist der anhaltende Börseboom und der Trend zu höher rentierenden Veranlagungs­formen (Wertpapiere und Investmentfonds) anzuführen. Daraus resultierend erhöhte sich die Relation Saldo aus dem Provisionsgeschäft zu den gesamten Betriebserträgen gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres um 1,7%-Punkte und betrug 25,3%.

 

Der Saldo aus Finanzgeschäften belief sich auf 0,33 Mrd EUR und erhöhte sich um 7,7% sichtbar. Einerseits konnte der Saldo aus Geschäften in Wertpapieren, die nicht wie Finanz­anlagen bewertet werden und Teil des Handelsbestandes sind, deutlich gesteigert werden. Andererseits reduzierten sich der Saldo aus sonstigen Finanzgeschäften   und der Saldo aus dem Devisen-, Sorten- u. Edelmetallgeschäft.

 

Die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen stiegen im 1. Halbjahr 2005 um +3,9% auf 4,04 Mrd EUR. Die Personalaufwendungen erhöhten sich dabei um 
1,5% auf 2,42 Mrd EUR. Die Relation Personalaufwand zu den gesamten Betriebs­aufwendungen reduzierte sich um 0,9%-Punkte auf 50,1%. Der Sachaufwand belief sich auf 1,63 Mrd EUR und stieg mit 7,5% klar an. Daraus resultierend erhöhte sich die Relation Sachaufwand an den gesamten Betriebsaufwendungen mit 1,3%-Punkten auf 33,7%.

 

Die in Österreich tätigen Kreditinstitute erwarten für das gesamte Geschäftsjahr 2005 ein unkonsolidiertes Betriebsergebnis von 5,10 Mrd EUR, welches um 13,3% über dem Wert der Vergleichsperiode 2004 liegt. Der Wertberichtigungsbedarf im Kredit­bereich wird mit 1,61 Mrd EUR um 7,0% unter dem geschätzten Wert der Vergleichs­periode 2004 angesetzt. Für das Jahr 2005 wird mit einem ertragswirksamen Saldo aus der Bewertung von Wertpapieren und Beteiligungen  in der Höhe von 0,10 Mrd EUR gerechnet (Vergleichsquartal 2004: 0,58 Mrd EUR). 

 

Nach Berücksichtigung der Risikokosten und Bewertungsmaßnahmen ergibt sich ein erwartetes Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit auf unkonsolidierter Basis von 3,60 Mrd EUR, welches mit 7,2% klar über dem erwarteten Wert der Vergleichsperiode 2004 liegt (3,35 Mrd EUR). Für das Jahr 2005 wird mit einem a.o. Aufwand von 
0,22 Mrd EUR gerechnet, welcher deutlich über dem erwarteten Wert der Vergleichsperiode 2004 liegt (0,09 Mrd EUR). Die erwarteten Steuern betragen 0,47 Mrd EUR 
(0,44 Mrd EUR). Daraus resultierend erwarten die in Österreich tätigen Kreditinstitute für das gesamte Jahr 2005 einen unkonsolidierten Jahresüberschuss  von 2,91 Mrd EUR, welcher mit 3,1% über dem entsprechenden Vergleichswert des Jahres 2004 (2,82 Mrd EUR), aber auch klar über dem geschätzten Wert der ersten Quartalsmeldung 2005 (2,67 Mrd EUR) liegt. 



Ertragslage der österreichischen Kreditinstitute
1. Halbjahr 2005
 
 1. Halbjahr
200520042003
Mrd EUR% VJ1)Mrd EUR% VJ1)Mrd EUR% VJ1)
 
1.Zinsen und zinsähnliche Erträge11,5311,610,33−2,510,60−10,6
2.Zinsen und zinsähnliche Aufwendungen7,9817,36,80−4,37,11−14,8
I.Nettozinsertrag (1. − 2.)3,550,53,530,93,50−0,6
3.Erträge aus Wertpapieren und Beteiligungen1,1313,60,9922,00,81−2,0
4.Saldo Ertrag/Aufwand aus Provisionen1,9013,91,677,61,552,6
5.Saldo Ertrag/Aufwand aus Finanzgeschäften0,337,70,31−19,30,3895,0
6.Sonstige betriebliche Erträge0,636,40,59−0,20,59−5,9
II. Betriebserträge (I. + 3. + 4. + 5. + 6.)7,546,37,093,76,842,3
7.Allgemeine Verwaltungsaufwendungen4,043,93,890,43,88−0,7
 hv. Personalaufwand2,421,52,380,62,37−0,5
 hv. Sachaufwand1,637,51,510,21,51−1,0
8.Abschreibungen auf Sachanlagen
und immaterielle Vermögensgegenstände
0,35−3,90,37−4,10,387,2
9.Sonstige betriebliche Aufwendungen0,435,00,417,00,39−9,1
III.Betriebsaufwendungen (7. + 8. + 9.)4,833,44,670,64,64−0,9
IV.Betriebsergebnis (II. − III.)2,7112,02,4210,32,199,6
 
Quartalsweise aktualisierte Vorschauwerte für das Geschäftsjahr
IV.Erwartetes Jahres-Betriebsergebnis5,1013,34,5114,73,93−1,8
10.Saldo aus Wertberichtigungen auf Forderungen und Zuführungen zu Rückstellungen für Eventual­verbindlich­keiten und für Kreditrisken gegenüber den entsprechenden Erträgen aus deren Auflösung (exkl. Wertpapiere)1,61−7,01,731,41,71−13,2
11.Saldo aus Wertberichtigungen auf Wertpapiere und Beteiligungen −0,10−82,6−0,58952,2−0,06−468,0
V.Erwartetes Ergebnis der gewöhnl. Geschäftstätigkeit (IV. − 10. − 11.)3,607,23,3547,22,2812,7
12.Erwartetes a.o Ergebnis (Ertrag + /
Aufwand −)
−0,22148,6−0,09−6,3−0,09−28,5
13.Erwartete Steuern von Einkommen, Ertrag und sonstige Steuern0,475,20,448,80,418,6
VI.Erwarteter Jahresüberschuss (+)/− Fehlbetrag (−) (V.+ 12. − 13.)2,913,12,8258,91,7817,4
 
 


Herausgeber:

Oesterreichische Nationalbank

Sekretariat des Direktoriums/Öffentlichkeitsarbeit

Tel.: (+43-1) 404 20-6666

1) Der vorliegende Bericht basiert auf Daten der Quartalsberichtsmeldung gem. § 74 Abs. 2 BWG sowie der QUAB-Verordnung zum Berichtstermin 1. Halbjahr 2005. In dieser Meldung werden die Ertragsdaten auf unkonsolidierter Basis erfasst.

2) Im Rahmen der Total Spread Berechnung werden sämtliche verzinste Aktiva mit den verzinsten Passiva verglichen. Die daraus resultierende Zinsspanne wird um den Endowment Effekt korrigiert. Es ist darauf hinzuweisen, dass bei dieser Methode die unterschiedlichen Laufzeitstrukturen auf der Aktiv- und Passivseite keine Berücksichtigung finden.

3) Dabei konnten zum Berichtstermin 1. Halbjahr 2005 auch Ertragssteigerungen beobachtet werden, die aus Bankverflechtungen entstanden sind, sodass es zu Doppelzählungen kam.