Es gilt das gesprochene Wort.
Presseaussendung
Wie finanzieren sich Österreichs Unternehmen?
Ergebnisse der Gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung
Mag. Dr. Peter Zöllner, Direktor
Oesterreichische Nationalbank, Wien, 10. 6. 2005
Ausgangssituation: OeNB Prognose:
- Wirtschaftswachstum 2004 real bei 2,0 % (0,8 % im Jahr 2003); Euroraum:1,8% (Quelle: ESZB); EU-15 2,2 %; EU-25 2,3 %; Wirtschaftswachstum Deutschland 1,6 % (Quelle Eurostat).
- In Österreich: Aufgrund fiskalischer Stimulierung (Investitionszuwachsprämie bis Ende 2004) der Investitionsnachfrage bzw. aufgrund eines Nachholbedarfs war das Wachstum der Bruttoanlageinvestitionen (Ausrüstungen, Bauten und sonstige Anlagen) mit 5,9 % auch im Jahr 2004 kräftig (9,4 % im Jahr 2003).(OeNB, Statistik Austria, eig. Berechnungen).
- Die Gewinnsituation der österreichischen Unternehmen hat sich im Verlauf des Jahres 2004 kontinuierlich verbessert. Der Außenfinanzierungsbedarf des Unternehmenssektors stieg in der zweiten Jahreshälfte 2004 nicht im gleichen Ausmaß wie die Investitionstätigkeit, da die dafür erforderlichen Mittel zum Teil durch Innenfinanzierung aufgebracht werden konnten. (Aussage FMSB).
- Heimische Wirtschaft wuchs im Jahr 2004 relativ stark; wenngleich der Konjunkturzyklus im Vergleich zu früheren Zyklen relativ flach verläuft.

| in Mrd EUR | Unternehmen | Staat | Haushalte |
|---|---|---|---|
| Geldvermögensbildung | 5,5 | 1,4 | 17,2 |
| Finanzierung | −13,1 | −4,0 | −7,7 |
- Die Geldvermögensbildung der privaten Haushalte betrug im Jahr 2004 rund 17,2 Mrd EUR während sich die Schuldenaufnahmen auf 7,7 Mrd EUR beliefen.
- Der Haushaltssektor ist traditionell jener Sektor, der den anderen inländischen Sektoren Finanzmittel zur Verfügung stellt.
- Der finanzielle Sektor (Banken, Investmentfonds, Versicherungen und Pensionskassen usw.), der naturgemäß die Mittlerfunktion zwischen Gläubigersektoren (Haushalte) und Schuldnersektoren (Unternehmen und Staat) in der Volkswirtschaft einnimmt, ist in obiger Grafik nicht dargestellt, da dieser Sektor sehr hohe Bruttowerte an finanziellen Investitionen und Schuldaufnahmen ausweist und das Bild somit verzerren würde. Der Finanzierungssaldo des finanziellen Sektors ist aber traditionell nahe Null.
- Den größten Finanzierungsbedarf weist 2004 (wie auch in den letzten Jahren) der Unternehmenssektor aus. Dieser Sektor soll im Folgenden genauer betrachtet werden.

| Anzahl der Beschäftigten | Anzahl der Unternehmen | Anzahl der Unternehmen in % | Anzahl der Beschäftigten | Anzahl der Beschäftigten in % | Umsätze in Mio EUR | Umsätze in % |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1−9 | 218.067 | 86,0 | 572.918 | 23,6 | 71.930 | 16,4 |
| 10−19 | 19.779 | 7,8 | 262.300 | 10,8 | 35.115 | 8,0 |
| 20−49 | 10.042 | 4,0 | 298.656 | 12,3 | 52.551 | 12,0 |
| 50−249 | 4.647 | 1,8 | 466.222 | 19,2 | 105.497 | 24,0 |
| 250 u. mehr | 967 | 0,4 | 826.225 | 34,1 | 173.887 | 39,6 |
| Gesamt | 253.502 | 100,0 | 2.426.321 | 100,0 | 438.980 | 100,0 |
- Österreichische Unternehmen sind vor allem Klein- und Mittelbetriebe.
- Die Struktur der österreichischen Unternehmen nach Beschäftigten zeigt, dass 2002 rund 220.000 Unternehmen (86%) weniger als 10 Mitarbeiter hatten.
- In diesen Unternehmen waren rund 570.000 Mitarbeiter beschäftigt. Der Umsatz belief sich auf 72 Mrd EUR (16%).
- Im Gegensatz dazu gab es in Österreich im Jahr 2002 weniger als 1000 Unternehmen die mehr als 250 Mitarbeiter beschäftigten.
- Insgesamt erreichten diese 967 Unternehmen aber eine Beschäftigungszahl von mehr als 820.000 und einen Umsatz von 174 Mrd EUR (40% der gesamten Umsätze).
- Bildet man die Gruppe der so genannten kleinen und mittleren Unternehmen (Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern) so fallen 99,6% der Unternehmen in diese Gruppe.
- Diese Unternehmen beschäftigten 2002 66% der gesamten Mitarbeiter und erwirtschafteten rund 60% des Gesamtumsatzes.


| in Mrd EUR | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Geldvermögensbildung | 6,8 | 4,4 | 9,1 | 9,4 | 5,5 | |
| Finanzierung | −18,4 | −16,9 | −15,1 | −16,3 | −13,1 | |
| Finanzierungssaldo | −11,7 | −12,5 | −6,1 | −6,9 | −7,6 | |
- Der Bruttofinanzierungsbedarf verringert sich tendenziell seit dem Jahr 2000 und lag 2004 bei 13,1 Mrd EUR.
- Der Rückgang des Bruttofinanzierungsbedarfs 2004 wurde von einer Abschwächung der finanziellen Investitionen begleitet.
- Die Zuwächse in der Geldvermögensbildung sind 2002 besonders hoch gewesen; 2003 stagnierte sie. Im Jahr 2004 waren die finanziellen Investitionen im Vergleich zu 2002 und 2003 deutlich geringer, während die Sachinvestitionen wie schon 2003 auch 2004 wieder anwuchsen.
- Der negative Finanzierungssaldo weitete sich gegenüber 2003 um 700 Mio EUR aus.

| 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | ||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Bruttoanlageinvestitionen in Mrd EUR | 33,0 | 33,1 | 30,8 | 33,7 | 35,7 | |
| Innenfinanzierungsquote in % | 65,5 | 62,3 | 79,9 | 75,7 | 75,0 | |
- Aufgrund fiskalischer Stimulierung (Investitionszuwachsprämie bis Ende 2004) der Investitionsnachfrage bzw. aufgrund eines Nachholbedarfs an Investitionsausgaben war das Wachstum der Bruttoanlageinvestitionen (Ausrüstungen, Bauten und sonstige Anlagen) mit nominell 5,9% auch im Jahr 2004 kräftig, wenn auch geringer als im Jahr 2003 (9,4%) (Quelle: OeNB, Statistik Austria, eig. Berechnungen).
- Neben einer höheren Investitionstätigkeit im Jahr 2004 konnten die Unternehmen auch ihren Cash-Flow steigern, sodass rund drei Viertel der Investitionen aus eigenen Mitteln finanziert werden konnte (Innenfinanzierungsquote rund 75%).
- Rund ein Viertel musste im Jahr 2004 über Außenfinanzierungen (Kredite, Anleihen, Anteilsrechte) abgedeckt werden.

| in Mrd EUR | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Kredite | 17,0 | 11,3 | 6,5 | 5,0 | 4,9 | |
| Anleihen | 2,1 | 0,6 | −0,4 | 4,3 | 2,9 | |
| Eigenkapital | 1,6 | 4,9 | 7,8 | 5,0 | 4,7 | |
| Sonstige Verbindlichkeiten | −2,3 | 0,0 | 1,2 | 2,0 | 0,6 | |
| Unternehmensfinanzierung insgesamt | 18,4 | 16,9 | 15,1 | 16,3 | 13,1 | |
- Die Unternehmensfinanzierung war im Jahr 2004 mit rund 13,1 Mrd. EUR etwas geringer als im Jahr 2003 (16,3 Mrd EUR).
- Rund 5 Mrd. EUR des gesamten Finanzierungsbedarfs der Unternehmen wurde über Kreditaufnahmen abgedeckt. Die Nettokreditaufnahmen entsprachen den Werten aus dem Jahr 2003.
- Die Finanzierung über die Emission von Anleihen gewinnt in den letzten Jahren tendenziell an Bedeutung. So wurden im Jahr 2004 netto (Emissionen minus Tilgungen) rund 2,9 Mrd. EUR emittiert und im Jahr 2003 sogar 4,3 Mrd. EUR. Dieses Bild wird von einigen großen Emittenten dominiert (z. B. ASFINAG, OMV, SCHIG). Die Neuemissionen wurden zum größten Teil ans Ausland abgesetzt.
- In den letzten beiden Jahren wurde jeweils rund ein Viertel des gesamten Finanzierungsbedarfs über Anleiheemissionen abgedeckt.
- Mittels Eigenkapitalemissionen (Aktien und sonstige Anteilsrechte) wurde im Jahr 2004 über ein Drittel des gesamten Finanzierungsbedarfs abgedeckt (36 %). OMV, Immofinanz und Wienerberger als die wichtigsten Emittenten im Jahr 2004 platzierten 1,1 Mrd EUR auf dem Aktienmarkt. Über die Wiener Börse liefen insgesamt rund 2,3 Mrd EUR im Jahr 2004.
- Somit gewinnt die Finanzierung über den Kapitalmarkt im Vergleich zu Kreditaufnahmen tendenziell an Bedeutung und verbreitert so die externen Finanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen.

| in Mrd EUR | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Inl. Bankkredite an Unternehmen (Laufzeit < 1 Jahr) | 0,7 | −1,7 | −0,6 | −3,0 | −0,9 | |
| Inl. Bankkredite an Unternehmen (Laufzeit > 1 Jahr) | 9,0 | 6,6 | −1,2 | 5,8 | 4,5 | |
| Summe | 9,7 | 4,9 | −1,8 | 2,8 | 3,6 | |
- 3,6 Mrd EUR (rund drei Viertel) der gesamten Kreditaufnahmen erfolgten bei inländischen Banken und stiegen damit um rund 800 Mio EUR gegenüber 2003 an.
- Das derzeitig niedrige Zinsniveau dürfte Unternehmen dazu veranlasst haben, kurzfristige Kreditlaufzeiten abzubauen und sie durch langfristige Kredite zu ersetzen.
- Die OeNB Zinssatzstatistik weist eine leichte Reduktion der Kreditzinsen im Neugeschäft (> 1 Mio EUR) für das Jahr 2004 aus. (Durchschnittswert des Jahres 2003: 3.33%; Durchschnittswert des Jahres 2004: 2,93%).
- Aus den Österreich Ergebnissen des Euroraum Bank Lending Surveys ergeben sich zwei Entwicklungen:
- während für große Unternehmen im Jahr 2004 eine leichte Lockerung der Richtlinien für Kreditgewährungen abzulesen war,
- verschärften die Banken die Kriterien für die Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen minimal. - Der Survey zeigt gleichzeitig einen leichten Anstieg der Nachfrage nach Bankkrediten, der vor allem von KMU ausgeht.

| in Mrd EUR | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Bargeld und Einlagen | 0,2 | 0,2 | 0,8 | 3,5 | 3,4 | |
| Anleihen | 0,5 | 0,3 | 0,6 | 1,1 | −0,6 | |
| Kredite und sonstige Finanzaktiva | 5,0 | 2,5 | 1,2 | 1,8 | 2,1 | |
| Anteilsrechte | 1,0 | 1,4 | 6,5 | 3,0 | 0,6 | |
| Geldvermögensbildung insgesamt | 6,8 | 4,4 | 9,1 | 9,4 | 5,5 | |
- Während die Unternehmen ihre Sachinvestitionen weiter erhöhten, flossen im Jahr 2004 rund 40 % weniger zusätzliche Mittel in die Geldvermögensbildung als im Jahr 2003.
- 3,4 Mrd EUR wurden davon in Form von Bargeld und vor allem Einlagen im In- und Ausland geparkt (Liquiditätspolster). Dieser Zuwachs entspricht in etwa jenem des Jahres 2003.
- Die hohen Wertpapierkäufe der Jahre 2002 und 2003 waren im Jahr 2004 nicht beobachtbar. Anleihen wurden im Jahr 2004 sogar verkauft (-600 Mio EUR).
- Anteilsrechte wurden netto im Jahr 2004 um 600 Mio EUR gekauft. Während inländische Beteiligungen verkauft wurden, erhöhten die Unternehmen ihre ausländischen Beteiligungen. Teile dieser strategischen Investitionen im Ausland wurden durch eigene Aktien- und Wertpapieremissionen finanziert.

- Die Kapitalflüsse zwischen dem inländischen Finanzsektor und dem Unternehmenssektor erfolgten primär in Form von Einlagen (auf der Investitionsseite) und Krediten (auf der Finanzierungsseite).
- Für Finanzierungen über den Anleihe- und Aktienmarkt spielte das Ausland eine dominierende Rolle.
- Wie schon im Zuge der Präsentation der Ergebnisse der österreichischen Zahlungsbilanz kommuniziert wurde, war im Jahr 2004 die ausländische Nachfrage nach österreichischen Unternehmensaktien sehr groß; so kauften ausländische Investoren Anteilsrechte inländischer Unternehmungen im Wert von 5,9 Mrd EUR. Zusätzlich erwarben ausländische Investoren verzinsliche Wertpapiere um rund 2,5 Mrd EUR. Per Saldo beliefen sich im Jahr 2004 Finanzierungen ausländischer Gläubiger auf knapp 70%.
- Darüber hinaus verkauften Unternehmen inländische Anteilsrechte (rund
-3,5 Mrd EUR) und erhöhten dafür ihre ausländischen Beteiligungen (rund 4,3 Mrd EUR).

| Ultimo 1995 | Ultimo 2004 | |||
|---|---|---|---|---|
| in Mrd EUR | in % | in Mrd EUR | in % | |
| Inländische Bankkredite1) | 90 | 56,4 | 124 | 39,4 |
| Kredite vom Staat | 3 | 1,7 | 12 | 3,7 |
| Auslandskredite | 5 | 3,1 | 20 | 6,4 |
| Anleihen | 8 | 4,9 | 24 | 7,6 |
| Börsennotierte Aktien | 15 | 9,3 | 39 | 12,4 |
| Sonstige Anteilsrechte | 33 | 20,8 | 86 | 27,4 |
| Sonstige Finanzpassiva | 6 | 3,8 | 10 | 3,1 |
| 159 | 100 | 315 | 100 | |
| 1) inkl. Kredite von sonstigen Finanzinstitutionen und Versicherungen | ||||
- Der Verpflichtungsstand der Unternehmen betrug Ende 2004 rund 315 Mrd EUR oder rund 134% des BIP (in absoluten Beträgen bedeutet dies eine Verdoppelung in den letzten 10 Jahren).
- Bankkredite nehmen mit rund 39 % des Gesamtbestandes an Verbindlichkeiten per Ende 2004 noch immer den größten Teil ein (1995: rund 56 %).
- Im Vergleich dazu hatten Anleiheemissionen mit rund 8 % nach wie vor einen relativ geringen Anteil des Gesamtverpflichtungsbestandes (1995: rund 5 %);
- Rund 170 österreichische Unternehmen emittierten Anleihen. Die Top‑5 Emittenten (ASFINAG, SCHIG, BIG, OMV, EVN) zeichneten für rund 44% des Emissionsvolumens verantwortlich. Die großen österreichischen Emittenten sind überwiegend staatsnahe Unternehmen. Die Top 20 Emittenten decken bereits 77 % des Emissionsvolumens ab.
- Rund 55 % des gesamten Emissionsvolumens ist auf Emissionen mit einem Volumen von über 200 Mio EUR zurückzuführen, 15 % auf ein Emissionsvolumen von über 1 Mrd EUR.
- Vom gesamten Anleiheemissionensvolumen wurden etwas mehr als 50% von staatsnahen Unternehmen emittiert.
- Die Emissionen der österreichischen Unternehmen haben großteils eher längere Laufzeiten; so ist etwa 70 % des gesamten Emissionsvolumens in Papieren mit einer Laufzeit von über fünf Jahren auf dem Markt. - 12,4% (39,1 Mrd EUR; das sind 17% des BIP) der Verpflichtungen bestanden aus börsennotierten Aktien.
- 84 inländische Aktiengesellschaften notierten Ende des Jahres 2004 an der Wiener Börse. Im Jahr 2004 kam es nur zu einer neuen Börsennotierung, allerdings erhöhten einige Unternehmen ihr Aktienkapital (z. B. OMV, Wienerberger, Immofinanz, Immoeast).
- Der Marktwert aller börsennotierten Aktien stieg im Jahr 2004 um 12 Mrd EUR (+43% gegenüber 2003).
- Die Top‑5 Emittenten (Telekom, OMV, VOEST Alpine, Wienerberger, Verbund) hatten einen Anteil von 54% der gesamten Börsenkapitalisierung; von diesen Unternehmen waren 57% in Streubesitz.
- Durch die späte Entwicklung eines Aktienmarktes in Österreich ist auch der Anteil an den Gesamtverpflichtungen im europäischen Vergleich gering. - Eigenkapitalquote in Österreich zum Stichtag 31.12.2004 bei fast 40 %(Ultimo 2003: 36 %; Ultimo 1995: 30 %).

| in % | in Mrd EUR | |
|---|---|---|
| Fremdfinanzierung in EUR (Kredite und Anleihen) | 87,3 | 156,9 |
| Fremdwährungskredite − Inland | 9,0 | 16,2 |
| Fremdwährungskredite − Ausland | 1,3 | 2,4 |
| Fremdwährungsanleihen | 2,4 | 4,3 |
- Rund 87 % (156,9 Mrd EUR) der Fremdfinanzierung der Unternehmen in Form von Krediten und Anleiheemissionen fand in Euro statt. Rund13 % wurden somit in fremder Währung finanziert.
- Von diesen rund 13 % (22,9 Mrd EUR) der Schuldaufnahmen in Fremdwährung waren 9 Prozentpunkte (16,2 Mrd EUR) auf inländische Bankkredite zurückzuführen. 14 Mrd EUR wurden in Schweizer Franken (CHF) aufgenommen, 1,1 Mrd EUR in US-Dollar (USD) und 0,8 Mrd EUR in Japanischen Yen (JPY). Sonstige Fremdwährungen spielten eine untergeordnete Rolle.
- 20 Mrd EUR wurden in Form von Auslandskrediten aufgenommen. Davon waren 2,4 Mrd EUR in Fremdwährungen denominiert und hievon wiederum rund 1,9 Mrd EUR in USD.
- Rund 4,3 Mrd EUR wurden in Form von Fremdwährungsanleihen emittiert, wobei ebenfalls Emissionen in CHF (2,5 Mrd EUR) dominierten. In USD wurde etwa 1 Mrd EUR emittiert und in JPY 0,8 Mrd EUR.

| in Mrd EUR | 1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Inlandskredite | 92 | 99 | 106 | 113 | 121 | 133 | 139 | 139 | 140 | 136 |
| Auslandskredite | 5 | 5 | 4 | 4 | 7 | 12 | 15 | 18 | 20 | 20 |
| Anleiheemissionen | 8 | 7 | 12 | 12 | 15 | 18 | 17 | 17 | 21 | 24 |
| Börsennotierte Aktien | 15 | 17 | 21 | 20 | 22 | 20 | 21 | 24 | 28 | 39 |
| Sonstige Anteilsrechte | 33 | 36 | 44 | 53 | 60 | 66 | 70 | 74 | 81 | 86 |
| Sonstige Verpflichtungen | 6 | 5 | 5 | 6 | 8 | 6 | 6 | 7 | 9 | 10 |
| Insgesamt | 159 | 169 | 193 | 209 | 233 | 255 | 268 | 279 | 298 | 315 |
- Aushaftendes Kreditvolumen seit 2000 relativ konstant.
- Kredite inländischer Sektoren (hauptsächlich Banken, aber auch Staat und Versicherungen) stiegen zwar absolut von 92 Mrd EUR im Jahr 1995 auf 136 Mrd EUR im Jahr 2004, deren relative Bedeutung (Anteil der Inlandskredite an den gesamten Verpflichtungen) fiel allerdings von 58 % auf 43 %.
- Der Finanzierungsbedarf wird zunehmend über den Kapitalmarkt mittels Anleiheemissionen bzw. Ausgabe von Eigenkapital abgedeckt.
- Das Emissionsvolumen von Anleihen stieg von 8 Mrd EUR (5 % der gesamten Verpflichtungen) im Jahr 1995 kontinuierlich auf 24 Mrd EUR (8 % der gesamten Verpflichtungen) im Jahr 2004.
- Das Volumen börsenotierter Aktien stieg von 15 Mrd EUR im Jahr 1995 (9 % der gesamten Verpflichtungen) auf 39 Mrd EUR (12 % der gesamten Verpflichtungen).

| in Mrd EUR | 1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Unternehmen | 20 | 23 | 28 | 29 | 33 | 30 | 28 | 31 | 33 | 34 |
| Banken | 96 | 103 | 113 | 119 | 123 | 133 | 138 | 134 | 137 | 140 |
| Sonstige Finanzinstitute | 5 | 5 | 6 | 7 | 8 | 8 | 8 | 11 | 11 | 13 |
| Staat | 4 | 4 | 4 | 7 | 11 | 13 | 16 | 20 | 23 | 20 |
| Haushalte | 7 | 6 | 7 | 9 | 10 | 11 | 11 | 11 | 13 | 15 |
| Ausland | 27 | 27 | 34 | 39 | 49 | 59 | 66 | 71 | 80 | 93 |
| Insgesamt | 159 | 169 | 193 | 209 | 233 | 255 | 268 | 279 | 298 | 315 |
- Seit Beitritt zur EU bzw. insbesondere seit Verwirklichung der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) stieg die Verflechtung der österreichischen Wirtschaft mit dem Ausland kontinuierlich an. So gewinnt das Ausland auch als Gläubiger der österreichischen Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Gegenwärtig sind 93 Mrd EUR (rund 30 %) der gesamten Verpflichtungen in Hand ausländischer Gläubiger. 1995 waren dies nur 27 Mrd EUR oder 17 %.
- Die inländischen Banken sind nach wie vor der größte Gläubiger der österreichischen Unternehmen. 2004 hatten diese 140 Mrd EUR an Forderungen gegenüber den inländischen Unternehmen. Dies entspricht 44 % der gesamten Verpflichtungen. 1995 lag dieser Anteil noch bei 61%.
- Die seit 1998 gestiegene Bedeutung des Staatssektors als Gläubiger der österreichischen Unternehmen ist vor allem auf die „Rechtsträgerfinanzierung“ zurückzuführen. Hierbei emittierte die Bundesfinanzierungsagentur (ÖBFA) Wertpapiere und gab die daraus lukrierten finanziellen Mittel zum Teil in Form von Krediten an staatsnahe Unternehmen weiter. Diese Unternehmen profitierten somit vom AAA-Rating des österreichischen Bundes.

| in % der Gesamtverpflichtungen | 1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Anteilsrechte gehalten von Ausländern | 8,4 | 9,0 | 9,4 | 10,6 | 10,5 | 11,8 | 13,1 | 13,4 | 14,1 | 16,5 |
| Anleihen gehalten von Ausländern | 2,3 | 1,9 | 4,2 | 4,2 | 5,1 | 5,0 | 4,8 | 4,3 | 4,8 | 5,4 |
| Auslandskredite | 3,1 | 2,7 | 2,3 | 2,0 | 3,0 | 4,8 | 5,5 | 6,4 | 6,6 | 6,4 |
| Sonstige Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland | 3,0 | 2,4 | 2,0 | 2,1 | 2,4 | 1,6 | 1,4 | 1,4 | 1,4 | 1,4 |
- Die gestiegene Bedeutung des Auslandes als Gläubiger der österreichischen Unternehmen ist zum größten Teil auf den Anstieg der Anteilsrechte im Besitz von Ausländern zurückzuführen. So stieg dieser Anteil von 8,4% im Jahr 1995 auf rund 16,5% im Jahr 2004.
- Aber auch der Anteil von Anleihen gehalten von Ausländern bzw. von Krediten aus dem Ausland hat sich in dieser Zeitspanne mindestens verdoppelt.
- Der Anstieg der Aktienkurse von Unternehmen, der im Jahr 2004 12 Mrd EUR ausmachte, erhöhte zusätzlich den Marktwert der Anteilsrechte in ausländischen Besitz.
Internationaler Vergleich

- Mit einer Gesamtverschuldung von 132 % des Bruttoinlandsproduktes weisen die Daten für die österreichischen Unternehmen einen im europäischen Vergleich sehr niedrigen Verschuldungsgrad auf.
- Belgien und Schweden erreichen mit über 350 % Gesamtverschuldung die Höchstwerte.
- Für den Euroraum bzw. die EU‑15‑Länder ergibt sich ein Durchschnittswert von rund 230 %.

- Betrachtet man die Nettoverschuldung des Unternehmenssektors (Verpflichtungen minus Forderungen) in Prozent des Bruttoinlandsproduktes so zeigt sich für Österreich hinsichtlich der Rangordnung ein sehr ähnliches Bild wie jenes der Gesamtverschuldung. Mit 64 % Nettoverschuldung liegen die österreichischen Unternehmen unter dem europäischen Durchschnitt.
- Belgien, mit einer hohen Gesamtverschuldung, hat eine Nettoverschuldung im Bereich der Durchschnittswerte für Euroraum und EU-15, hingegen liegt Schweden auch in der Nettobetrachtung mit 118 % Nettoverschuldung in Prozent des BIP am oberen Ende.

- Mit einem Kreditanteil von 53 % an den Gesamtverpflichtungen liegen die österreichischen Unternehmen im europäischen Vergleich nach wie vor an der Spitze.
- Betrachtet man die Entwicklung der Kreditanteile von 1995 bis 2003, lässt sich feststellen, dass die österreichischen Unternehmen ihren Anteil um 7 Prozentpunkte reduzierten. Ebenfalls starke Rückgänge zeigen sich bei Finnland (‑11 Prozentpunkte), Schweden (‑8 Prozentpunkte) und Italien (‑6 Prozentpunkte).
- Unternehmensanleihen, die in Europa in geringem Umfang emittiert werden, haben in Österreich mit einem Anteil von 7 % im Jahr 2003 hinter Großbritannien und Dänemark (je 11 %) die drittgrößte Bedeutung.
- Während der letzten 9 Jahre stieg in Österreich der Anteil der Unternehmensanleihen um 2 Prozentpunkte. Mit Ausnahme von Ungarn und Spanien erhöhten die Unternehmen aller anderen Länder in diesem Beobachtungszeitraum den Anteil der Anleihen ebenfalls.
- Die Struktur der österreichischen Unternehmensverpflichtungen ist damit bei allen Finanzierungsarten ähnlich jener der dänischen Unternehmen.
- Unternehmensfinanzierungen in Form von Anteilsrechten werden in Österreich im Vergleich zu den anderen Ländern am wenigsten durchgeführt, wie die nächste Grafik, die die Eigenkapitalquote der einzelnen Länder vergleicht, zeigt:

- Die Eigenkapitalquote der Unternehmen, die die Anteilsrechte an den Gesamtverpflichtungen widerspiegelt, ist in Österreich mit 36% im Jahr 2003 von allen betrachteten Ländern am geringsten.
- Trotz einer Erhöhung der Eigenkapitalquote um rund 6 Prozentpunkte im Beobachtungszeitraum 1995 bis 2003 bleibt Österreich Schlusslicht in Europa. Vergleicht man die Werte von 1995 mit jenen von 2003 ist eine deutliche Verringerung des Abstandes zu den anderen europäischen Ländern zu erkennen. Lag Österreich 1995 mit einer Eigenkapitalquote von 30 % noch 16 Prozentpunkte hinter Dänemark, so beträgt der Unterschied 2003 zwischen Österreich und Dänemark nur mehr 2 Prozentpunkte.
- Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist die Erhöhung der Eigenkapitalquote Finnlands. Mit 35 % lag Finnland 1995 vor Österreich an der vorletzten Stelle, 2003 liegt es mit 56 % an der Spitze Europas.
- Im gesamten Euroraum stieg die Eigenkapitalquote um 5 Prozentpunkte.
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Herausgeber:
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Sekretariat des Direktoriums/Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: (+43-1) 404 20-6666
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