Presseaussendung


Finanzvermögen der Österreicher

Ergebnisse der Gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung

Mag. Dr. Peter Zöllner, Direktor
Oesterreichische Nationalbank, Wien, 24. 10. 2005

Es gilt das gesprochene Wort.


Private Haushalte in Österreich

Ausgangssituation, Rahmenbedingungen1)

 

  • Wirtschaftswachstum 20052), real: 1,7% (2004: 2,4%)
  • Verfügbares Einkommen 20052), real: +1,7% (2004: +1,6%)
  • Private Konsumausgaben   20052), real: +1,4% (2004: +0,8%)
  • Sparquote 2005 (Anstieg gegenüber 2004) +0,3%2) bzw.+0,6% Prozentpunkte3)
    Sparquote 2004: 9%
  • Inflationsrate 20052): 2,4% (2004: 2,1%)
  • Arbeitslosenquote 20052): 5,1% (2004: 4,8%)
  • Die Spareinlagenzinsen im Neugeschäft im 1. Halbjahr 2005: 2,81% (2004: 2,82%)
  • Effektivzinsen für Wohnkredite im Neugeschäft im 1. Halbjahr 2005: 4% (2004: 4,26%) 
  • Entwicklungen auf den Aktienmärkten im 1. Halbjahr 2005: 
    ATX: +25%
    DAX: +8%
    EuroStoxx 50: +8%       

 



Geldvermögensbildung und Finanzierung der privaten Haushalte


in Mrd EUR2002200320041. HJ 20042. HJ 20041. HJ 2005
 
Geldvermögensbildung13,314,917,29,77,411,5
Finanzierung5,95,57,73,83,93,9

 

  • Die Geldvermögensbildung stieg im ersten Halbjahr 2005 auf 11,5 Mrd EUR, dies entspricht einer Erhöhung gegenüber dem ersten Halbjahr 2004 um 18% (1,8 Mrd EUR); durch Neuveranlagungen stieg das Geldvermögen seit Jahresanfang 2005 um 3,5% (inklusive Kurssteigerungen um 4,7% auf 345,3 Mrd EUR).
  • In den Jahren 2001 bis 2004 ist ein Saisonmuster beobachtbar:
    Knapp mehr als die Hälfte der Investitionen werden im ersten Halbjahr getätigt, damit dürfte sich die Geldvermögensbildung im Gesamtjahr 2005 in der Größenordnung von rund 20 Mrd EUR bewegen (2004:17,2 Mrd EUR).
  • Dies bedeutet, dass die Ersparnisbildung der privaten Haushalte weiter ansteigt und damit auch zu einer Erhöhung der Sparquote führt
    (Anmerkung: WiFO und IHS prognostizieren in ihrer September-Vorschau einen Anstieg der Sparquote um 0,3% bzw. 0,6% Prozentpunkte).
  • Die Neuverschuldung im ersten Halbjahr 2005 betrug, wie in den ersten sechs Monaten 2004 rund 3,9 Mrd EUR und bewirkte eine Erhöhung der Kreditverpflichtung seit Jahresanfang um 3,2%. Der Schuldenstand zur Jahresmitte 2005 betrug 123,5 Mrd EUR.       

 



Zusammensetzung der Geldvermögensbildung


in Mrd EUR2002200320041. HJ 20042. HJ 20041. HJ 2005
 
Bargeld, Einlagen und sonstige Forderungen7,68,26,02,63,43,8
Wertpapiere2,83,46,34,41,94,0
Versicherungs- und Pensionskassenansprüche2,93,34,82,72,14,1

 

  • Im ersten Halbjahr 2005 wurden die verfügbaren Finanzmittel in Höhe von 11,5 Mrd EUR zu 30% in kurzfristigen, liquiden Finanzmittel geparkt und zu jeweils 35% für Wertpapierkäufe verwendet bzw. zur Erhöhung der Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionskassen genützt.
  • Die gestiegene Bedeutung der Wertpapierveranlagung, die dem langjährigen Trend entspricht, war – bedingt durch das konjunkturell schwierige Umfeld sowie den Finanzmarktunsicherheiten, die mit einer hohen Liquiditätspräferenz einhergingen – im Zeitraum 2000-2002 unterbrochen worden. Private Haushalte bevorzugten sichere und liquide Anlageformen wie Bargeld und Einlagen. 
  • Der Anteil der Wertpapiere an der Geldvermögensbildung stieg in den letzten Jahren wieder an (von 21% im Jahr 2002 auf 37% im Jahr 2004, die Zahlen für das erste Halbjahr sprechen für eine Fortsetzung dieser Entwicklung). Damit zeichnet sich eine Rückkehr zum langfristigen Trend ab, der eine Substitution von Bargeld und Einlagen durch Wertpapierveranlagungen zeigt.
  • Neben den Wertpapierkäufen spielen die anwachsenden Ansprüche der privaten Haushalte aus Lebensversicherungen und gegenüber privaten Pensionskassen in der Geldvermögensbildung – und zwar relativ unabhängig von der konjunkturellen Entwicklung – eine zunehmende Rolle.    

 



Bargeld und Bargeldeinlagen der privaten Haushalte


in Mrd EUR2002200320041. HJ 20042. HJ 20041. HJ 2005
 
Bargeld3,91,20,7−0,91,6−0,3
Sichteinlagen1,73,62,21,40,82,1
Termin- und Spareinlagen2,03,33,12,11,01,6
Einlagenzinsen (kapitalge-wichtet) für den Bestand in %2,02,01,9

 

  • 3,4 Mrd EUR und damit 30% der gesamten Geldvermögensbildung flossen im ersten Halbjahr 2005 in die verschiedenen Einlagenkategorien.
  • Die geänderten Veranlagungsschwerpunkte der privaten Haushalte führten tendenziell zu einer Abnahme der Anteile an der gesamten Geldvermögensbildung
  • Das starke Wachstum des Bargeldbestandes nach der Euroeinführung hat damit wieder abgenommen. Die höhere Bedeutung von Prepaid- und Kreditkarten verstärkte die Tendenz einer geringeren Nachfrage nach Bargeld.
  • Das Wachstum der Sichteinlagen wird durch das Auftreten von Direktbanken, die Sichteinlagen zu Spareinlagenkonditionen anbieten, noch weiter verstärkt.
  • Der kapitalgewichtete Zinssatz für Einlagen der privaten Haushalte bewegte sich in den letzten 18 Monaten von 2,01% auf 1,94% leicht abwärts.   

 



Wertpapierkäufe der privaten Haushalte


in Mrd EUR2002200320041. HJ 20042. HJ 20041. HJ 2005
 
Anleihen1,61,42,52,00,50,9
Aktien0,70,81,00,50,41,6
Investmentzertifikate0,51,12,91,91,01,6

 

  • Anleihen, Aktien und Investmentzertifikate wurden um rund 4,0 Mrd EUR im ersten Halbjahr 2005 gekauft. Dies ist zwar um rund 400 Mio EUR weniger als im ersten Halbjahr 2004, dokumentiert aber das anhaltend starke Interesse der Privatanleger an Wertpapieren.
  • In den letzten Jahren rückten alle Wertpapierkategorien wieder stärker ins Blickfeld der Investoren. Im ersten Halbjahr 2005 war das Interesse der Österreicher an Aktien besonders hoch. Das Kaufvolumen von 1,6 Mrd EUR liegt über den Aktienkäufen im Gesamtjahr 2004.
  • Der Zeitpunkt und die Höhe der Investitionen in Anleihen und Aktien waren aber auch von der Emissionstätigkeit abhängig. Primärmarkttransaktionen, wie z. B. die Emission von neuen Bankenanleihen oder der Platzierung von großvolumigen Aktienemissionen, beeinflussen die Wertpapierveranlagungen.
  • Im Detail schaut dies folgendermaßen aus:   

 



Top-Seller der einzelnen Wertpapierkategorien


in Mrd EUR2002200320041. HJ 20042. HJ 20041. HJ 2005
 
inl. Wohnbauanleihen0,91,12,31,60,70,4
inl. Immobilienaktien0,30,30,50,40,10,7
Investmentzertifikate von inl. Rentenfonds2,00,80,80,60,21,0
Anteil an den gesamten Wertpapierinvestitionen in %1156657585452

 

  • Zerlegt man die einzelnen Wertpapierkategorien weiter, so stellt sich heraus, dass die Veranlagungen von einzelnen Wertpapierarten dominiert wurden:
    - Wohnbauanleihen von inländische Banken, die bis zu 4% KEST befreit sind 
    - inländische Immobilienaktien
    - inländische Rentenfonds bei der Veranlagung in Investmentzertifikate
    Im ersten Halbjahr 2005 entfallen auf jede dieser Wertpapierkategorien rund die Hälfte der Wertpapierinvestitionen in Anleihen, Aktien und Investmentzertifikate. Diese drei Wertpapierarten machten in Summe in den vergangenen 2 ½ Jahren zwischen 50% und 65% der gesamten Wertpapierkäufe aus.
  • Dabei dürften Sicherheitsaspekte beim Kauf von Wertpapieren verstärkt eine Rolle spielen:
    - Bei direkten Veranlagungen in Wertpapiere wurden Wohnbauanleihen und Immobilienaktien ausgewählt, denen eine niedrigere Volatilität der Kurse unterstellt wird.
    - Bei Veranlagungen in Investmentzertifikate betrifft dies Wertpapiere mit angebotener Kapitalgarantie, die derzeit einen Boom erleben.   

 



Private Vorsorge gewinnt zunehmend an Bedeutung


in Mrd EUR2002200320041. HJ 20042. HJ 20041. HJ 2005
 
Lebensversicherungen2,32,23,61,91,73,0
Ansprüche gegenüber Pensionskassen0,40,80,70,40,40,4
Anteil an der Geldvermögensbildung in %202125232830

 

  • Seit Jahren ist eine steigende Bedeutung der privaten Vorsorge zu beobachten. Die Vorsorgeprodukte leisten dabei einen stabilen Beitrag zur Geldvermögensbildung, der im ersten Halbjahr schon bei rund 30% lag. Gegenüber dem Jahr 2004 ist insbesondere durch höhere Ansprüche aus Lebensversicherungen ein signifikanter Anstieg zu beobachten.
  • Die Vermögenswerte aus den Ansprüchen gegenüber Lebensversicherungen und Pensionskassen beliefen sich Ende Juni 2005 auf 62,5 Mrd EUR und machten damit knapp weniger als ein Fünftel des gesamten Geldvermögens aus (Zum Vergleich: Im Euroraum betrug der Anteil dieser Vorsorgeprodukte – Ende 2004 – bei 26%).
  • Ein zusätzlicher Impuls kommt von der Zukunftsvorsorge:
    Ende 2004 wurden 80% des verwalteten Vermögens in Höhe von 530 Mio EUR in Form von Versicherungsprodukten angeboten. Die Zahl der Verträge lag Ende 2004 bei 460.000.
  • Auch im zweiten Halbjahr ist mit hohen Zuwächsen zu rechnen:
    - Änderung der Rententafeln auf Grund steigender Lebenserwartung ab 2006
    - Verringerung der Garantieverzinsung von 2,75% auf 2,25% ab 2006   

 



Zusammensetzung der Kredite an den Haushaltssektor


in Mrd EUR2002200320041. HJ 20042. HJ 20041. HJ 2005
 
Wohnbaukredite3,65,05,02,32,72,0
Konsumkredite1,6−1,00,80,50,21,3
sonstige Kredite0,71,42,01,01,00,6
 
Kredite insgesamt5,95,47,83,83,93,9
davon Fremdwährungskredite3,23,33,61,81,82,0

 

  • Die Kreditaufnahmen des Haushaltssektors stiegen im ersten Halbjahr 2005 gegenüber dem ersten Halbjahr des Jahres 2004 von rund 3,8 Mrd EUR auf rund 3,9 Mrd EUR leicht an. Die Verschuldung wuchs bis zur Jahresmitte um 3,5% auf 123,5 Mrd EUR. 
  • Die Jahreswachstumsrate der Kredite erreichte im zweiten Quartal 2005 einen Wert von 6,8%, der aber mehr als 1%-Punkt unter dem Wert für den Euroraum lag.
  • Rund die Hälfte dieses Finanzierungsbedarfes wurde im ersten Halbjahr über Fremdwährungskredite abgedeckt, die fast ausschließlich in Schweizer Franken aufgenommen wurden. Der Anteil von Fremdwährungskreditaufnahmen an den gesamten Kreditaufnahmen stieg damit gegenüber dem Jahr 2004 leicht an, war jedoch geringer als in den Jahren 2002 und 2003.
  • Hauptgrund für die Kreditaufnahmen des Haushaltssektors war auch im ersten Halbjahr 2005 die Wohnraumbeschaffung, wenngleich Konsumkredite und sonstige Kredite in Summe etwas an Bedeutung gewannen.
  • Die Österreich Ergebnisse des Euroraum Bank Lending Survey vom Juli 2005 zeigen einen leichten Anstieg der Nachfrage nach Konsumkrediten seit Ende 2004.   

 



Wohnbaukreditaufnahmen der privaten Haushalte


 2002200320041. HJ 20042. HJ 20041. HJ 2005
 
Wohnbaukredite in Mrd EUR3,65,05,02,32,72,0
Kreditzinsen (kapitalgewichtet) für den Bestand in %4,64,44,3

 

  • Die Kreditaufnahmen für Wohnraumbeschaffung   beliefen sich im ersten Halbjahr 2005 auf rund 2 Mrd EUR und machten damit etwas mehr als die Hälfte der gesamten Kreditaufnahmen aus.
  • Die Kreditaufnahmen für Wohnraumbeschaffung waren damit etwas geringer als in den beiden Halbjahren 2004. Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten wurde laut Bank Lending Survey etwas geringer eingestuft als Ende des Jahres 2004. Gleichzeitig waren jedoch die Finanzierungskonditionen weiterhin sehr günstig und die Richtlinien der Banken für die Gewährung von Wohnbaudarlehen wurden seit Ende 2004 sogar etwas gelockert.
  • Die Verschuldung aus Wohnbaukrediten betrug Ende des ersten Halbjahres 2005 rund 73 Mrd EUR, wobei knapp 25% in Fremdwährungen aufgenommen wurden. Diese Fremdwährungskredite waren fast ausschließlich in Schweizer Franken denominiert. Zum Vergleich: Die Bauspardarlehen machten zum selben Zeitpunkt 19% der gesamten Wohnbaukredite aus.
  • Die Wohnbaukredite machten damit knapp 60% der gesamten Verschuldung aus.   

 



Nettogeldvermögen des Haushaltssektors


in Mrd EURGeldvermögenVerpflichtungenNettogeldvermögen
 
1995214,973,6141,3
1996225,878,1147,8
1997234,081,7152,3
1998245,983,8162,1
1999262,391,5170,8
2000276,897,8179,0
2001283,0101,6181,4
2002291,6106,5185,0
2003309,0109,5199,4
2004329,7119,3210,4
1.HJ.2005345,3123,5221,8

 

  • Ende Juni 2005 standen dem Geldvermögen des Haushaltssektors von 345,3 Mrd EUR Verbindlichkeiten von 123,5 Mrd EUR gegenüber. Dies führt zu einem Nettofinanzvermögen von 221,8 Mrd EUR, das seit 1995 um 57% anwuchs. Das Nettovermögen entspricht 2005 etwa dem 1½-fachen des verfügbaren Nettoeinkommens aller Österreicher.
  • Das Pro-Kopf‑Vermögen Österreichs, das als statistischer Durchschnittswert für internationale Vergleiche herangezogen wird, betrug Ende 2004 rund 26.000 EUR. Pro Haushalt ergibt dies einen Durchschnittwert von rund 64.000 EUR.
  • Die nachfolgende Grafik illustriert diese Größenordung im europäischen Vergleich:   

 



Nettogeldvermögen pro Kopf 2004


in EURNettogeldvermögen pro Kopf
 
Litauen2.080
Estland3.796
Ungarn4.502
Norwegen9.825
Portugal15.020
Spanien19.352
Finnland19.613
Österreich25.870
Deutschland30.269
Dänemark32.149
Schweden32.484
Frankreich33.570
Italien46.241
Vereinigtes Königreich47.763
Niederlande48.826
Belgien57.947

 

  • Österreich rangiert mit einem Nettogeldvermögen pro Kopf von rund 26.000 EUR im internationalen Vergleich keineswegs im Spitzenfeld.
  • Ein Nettogeldvermögen in der Größenordnung von mehr als 30.000 EUR pro Kopf hatten die Deutschen, Dänen, Schweden und Franzosen. Spitzenreiter mit mehr als 46.000 EUR pro Kopf sind die Italiener, Briten, Niederländer und Belgier.   

 



Geldvermögen der privaten Haushalte, 30. 6. 2005


 Ultimo 199530. 6. 2005
in Mrd EURin %in Mrd EURin %
 
Bargeld und Einlagen1346218253
Anleihen3315288
Aktien und Beteiligungen84267
Investmentzertifikate943811
Lebensversicherungen22105015
sonstige Versicherungsansprüche94226

 

  • Das gesamte Geldvermögen stieg auf 345 Mrd EUR, das entspricht rund 235% des verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte.
  • Das Portfolio der privaten Haushalte zeigt im langfristigen Trend seit 1995 eine Verschiebung von Einlagen zu Wertpapieren und Versicherungsprodukten:
    Bargeld und Einlagen: 1995: 62%, 1. Halbjahr 2005: 53%;
    Wertpapiere: 1995: 23%, 1. Halbjahr 2005: 26%
    Investmentzertifikate haben sich innerhalb dieses Zeitraums auf 38 Mrd EUR fast vervierfacht.
    Ansprüche gegenüber Lebensversicherungen wuchsen von 22 Mrd EUR auf 50 Mrd EUR und damit auf 15% des gesamten Geldvermögens an.
  • Obwohl die privaten Haushalte im langfristigen Vergleich eine Verringerung des Einlagenbestandes vorgenommen hatten, so war ihr Anteil (insbesondere im internationalen Vergleich) noch immer sehr hoch und wurde, wie die nachfolgende Grafik zeigt, von den Spareinlagen dominiert:   

 



Geldvermögen der privaten Haushalte, 30. 6. 2005


 Ultimo 199530. 6. 2005
in Mrd EURin %in Mrd EURin %
 
Bargeld108148
Sichteinlagen1183117
Termineinlagen1153
Spareinlagen1128413373

 

  • Vom gesamten Bargeld- und Einlagenbestand entfielen Ende Juni 2005 auf Spareinlagen 73%. Im Vergleich dazu betrug ihr Anteil Ende 1995 noch 84%. Diese Veranlagungskategorie verlor im Zeitverlauf Anteile an die Kategorie Sichteinlagen. Die Anteilsverschiebung wurde durch das Auftreten von Direktbanken, die täglich fällige Einlagenkonten zu Spareinlagenkonditionen anbieten, verstärkt.
  • 18 Mrd EUR (oder 13,5%) von diesen Spareinlagen machten die Einlagen bei Bausparkassen aus. Ende Juni gab es 5,2 Mio Bausparverträge im Ansparstadium.
  • Der Bargeldbestand hatte am gesamten Liquiditätspolster von 182 Mrd EUR einen Anteil von 8%. In dieser Position sind auch die 1,7 Mrd EUR enthalten, die auf Schilling lauten. Rund die Hälfte dieses Schillingbestands sind Silbermünzen.   

 



Durchschnittswert der einzelnen Spareinlagenkategorien


 Wert je Einlagen­kategorie in Mrd EURDurchschnitts­betrag je Einlagen­kategorie in EUR
 
bis 10.000 EUR391.994
bis 20.000 EUR3813.274
bis 50.000 EUR2030.408
bis 100.000 EUR1467.428
bis 500.000 EUR15169.467
bis 1 Mio EUR2632.488
bis 3 Mio EUR21.494.099
über 3 Mio EUR26.208.629

 

  • Diese Grafik zeigt die Verteilung der 23 Mio Spareinlagen nach Größenklassen und der jeweiligen durchschnittlichen Einlagenhöhe in dieser Größenklasse.
  • Rund 30% (39 Mrd EUR) der gesamten Spareinlagen liegen auf Einlagenkonten der Klasse 0 – 10.000 EUR, wobei durchschnittlich 2000 EUR auf diesen Konten liegen. Weitere 29% sind der Klasse 10.000 – 20.000 EUR zuzuordnen und haben eine durchschnittliche Einlagenhöhe von rund 13.000 EUR.
  • Auch bei Spareinlagen ist eine relativ große Ungleichverteilung zu beobachten, obwohl dieses Finanzierungsinstrument in Österreich das traditionelle Ansparinstrument darstellt, da etwas mehr als 40% der gesamten Einlagen sind den Größenklassen über 20.000 EUR zuzuordnen. Das Vermögen auf den rund 300.000 Konten in den höchsten Einlagenkategorien (mit mehr als 50.000 EUR) war mit 35 Mrd EUR fast so hoch, wie das Sparvolumen der rund 20 Millionen Sparkonten der niedrigsten Einlagenkategorie bis 10.000 EUR (39 Mrd EUR).   

 



Geldvermögen in handelbaren Wertpapieren, 30. 6. 2005


in Mrd EURDirekt­veranlagungFonds­verwaltung
 
inländische Anleihen24
inländische börsennotierte Aktien11
ausländische Anleihen4
ausländische börsennotierte Aktien6
inländische Investmentzertifikate36
ausländische Investmentzertifikate2

 

  • Der Marktwert der handelbaren Wertpapiere im Besitz des Haushaltssektors betrug 82 Mrd EUR zum 30.Juni 2005. 
  • Mit 44 Mrd EUR wurde mehr als die Hälfte dieses Vermögens direkt in Anleihen und Aktien veranlagt. Der Schwerpunkt in der Direktveranlagung lag bei inländischen Anleihen, die mit einem Wert von 24 Mrd EUR einen Anteil von 55% hatten. Die privaten Haushalte hatten mit einem Vermögenswert von 19,6 Mrd EUR vor allem Bankanleihen in ihrem Portefeuille. Private Anleger hatten bei der Veranlagung in inländische Aktien zu mehr als 70% Titel von Unternehmen des ATX‑Prime Market in ihrem Besitz. Diese Vermögenswerte entsprachen knapp 10% der Marktkapitalisierung dieser Unternehmen.
  • 46% (38 Mrd EUR) des gesamten Wertpapiervermögens waren Investmentzertifikate, das sind knapp 30% der gesamten Spareinlagen im Besitz von Österreichern (zum Vergleich: 1995 betrug der Anteil nur 8%).
  • Die inländischen Investmentzertifikate im Besitz privater Anleger machten 30% des gesamten bei inländischen Fonds veranlagten Vermögens aus. Von diesen 36 Mrd EUR entfielen 44% auf Zertifikate von Rentenfonds.   

 



Veranlagungsschwerpunkte


in Mrd EURDirekt­veranlagungFonds­verwaltung
 
inländische Anleihen246
inländische börsennotierte Aktien111
ausländische Anleihen418
ausländische börsennotierte Aktien610
sonstige Vermögenswerte und Immobilien3

 

  • Während bei der direkten Veranlagung der Schwerpunkt auf inländischen Wertpapieren lag (35 Mrd EUR), wurden von den Fonds, die im Besitz von privaten Anlegern waren, vor allem ausländische Wertpapiere (Marktwert Ende Juni 2005: 28 Mrd EUR) gekauft.
  • Das Verhältnis inländische Wertpapiere zu den ausländischen Wertpapieren aus der Direktveranlagung bzw. aus der Fondsverwaltung ist derzeit 1:1
  • Der Besitz börsennotierter Aktien (aus direkter und indirekter Veranlagung) erreichte Ende Juni 2005 einen Marktwert von 28 Mrd EUR. Die Position Aktien und Beteiligungen erreichte somit – unter Berücksichtigung der indirekten Veranlagung – einen Anteil von mehr als 10% am gesamten Geldvermögen.   

 



Struktur des Geldvermögens der privaten Haushalte 2004


Anteil in % an den GesamtforderungenBargeld und EinlagenAnleihenAktien und Investment­zertifikateVersicherungs­sparen
 
Österreich5481721
Dänemark2262547
Belgien31143420
Niederlande2231758
Finnland3214521
Deutschland36112230
Frankreich3522736
Italien26223517
Spanien4134016
Portugal41103217
Schweden1834436
Vereinigtes Königreich2821654
Norwegen3921842
Estland290655
Litauen511453
Ungarn4493611
 
Durchschnitt3463227

 

  • Mit einem Bargeld- und Einlagenanteil von 54% am gesamten Geldvermögen liegen die österreichischen privaten Haushalte im europäischen Vergleich nach wie vor an der Spitze.
  • Anleihen werden von privaten Haushalten in ganz Europa, mit Ausnahme von Italien, nur in geringem Umfang gehalten.
  • Ein ganz anderes Bild als das der Anleihen zeigt das Geldvermögen in Form von Aktien und Investmentzertifikaten. Österreich liegt hier mit einem Anteil von 17% gleich wie die Niederlande, das Vereinigte Königreich und Norwegen im unteren Fünftel. Beachtenswert sind die Anteile der neuen EU-Mitgliedsstaaten, wobei hier zu erwähnen ist, dass die Absolutwerte sehr gering sind.
  • Auch der Bereich des Versicherungssparens ist in Österreich nach wie vor mit einem Anteil von 21% relativ gering. Ein, dem österreichischen sehr ähnliches Bild zeigt sich in Belgien (20%), Finnland (21%), Italien (17%), Spanien (16%) und Portugal (17%). Bedingt durch ein primär kapitalgedecktes Pensionssystem sind in den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich die Anteile mit mehr als 50% am gesamten Geldvermögen besonders hoch.    

 



Einfluss von Bewertungseffekten auf den Vermögensaufbau


in Mrd EUR2002200320041. HJ 20042. HJ 20041. HJ 2005
 
Transaktionen13,314,917,29,77,411,5
Bewertungseffekte−3,82,53,51,71,94,0

 

  • Der Vermögensaufbau der privaten Haushalte wird wieder zunehmend durch Bewertungseffekte (vor allem Wertpapierkursgewinne) unterstützt: Während die weltweiten Kursverluste im Jahr 2002 noch deutlich negative Effekte auf das Vermögenswachstum hatten, waren 2003 und 2004 bereits spürbare Bewertungsgewinne feststellbar. 
  • Positive Bewertungseffekte auf das gesamte Geldvermögen sind trotz unterschiedlicher Börsenentwicklungen und Anteile von Aktien und Investmentzertifikaten am Geldvermögen im Jahr 2004 in ganz Europa zu beobachten.
  • Dieser Trend hat sich in Österreich im ersten Halbjahr 2005 noch verstärkt: Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2005 mit 4 Mrd EUR bereits höhere Bewertungsgewinne erzielt als im gesamten Jahr 2004 (3,5 Mrd EUR).
  • Die Bewertungseffekte spiegeln insbesondere die Steigerung des ATX wider:   

 



Kursgewinne privater Haushalte aus inländischen börsenotierten Aktien


 2002200320041. HJ 20042. HJ 20041. HJ 2005
 
Kursgewinn in Mrd EUR0,31,01,91,00,91,3
Anstieg des ATX in %13457292225

 

  • Der ATX setzt seinen Höhenflug des Jahres 2004 (+57%) im ersten Halbjahr 2005 fort (+25%). Private Haushalte lukrierten Kursgewinne in Höhe von 1,3 Mrd EUR, davon 930 Mio EUR allein im zweiten Quartal 2005. Der Anstieg des Vermögensbestands aus inländischen börsenotierten Aktien im 2. Quartal (von 8,7 Mrd EUR auf 10,6 Mrd EUR) resultierte somit zur Hälfte aus Kursgewinnen.
  • 91% (1,1 Mrd EUR) der Kursgewinne im ersten Halbjahr 2005 sind dem ATX‑Prime Market zuzurechnen.
  • Banken, die im ATX zu den wichtigsten Branchen zählen, steuerten 0,2 Mrd EUR zu den Kursgewinnen privater Haushalte bei.   

 

 




Herausgeber:

Oesterreichische Nationalbank

Sekretariat des Direktoriums/Öffentlichkeitsarbeit

Tel.: (+43-1) 404 20-6666

1) Private Haushalte inkludieren auch Selbständig Erwerbstätige sowie private Organisationen ohne Erwerbszweck.

2) WiFO-Prognose September 2005

3) IHS-Prognose September 2005

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