Presseaussendung


Aktuelles Spar- und Kreditverhalten der Österreicher

im Lichte der Kapitalmarkt-und Zinsenentwicklung

Mag. Dr. Peter Zöllner, Direktor
Oesterreichische Nationalbank, 24. 10. 2006

Es gilt das gesprochene Wort.



Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Verfügbares Nettoeinkommen, Konsum und Geldvermögen:

  • Das verfügbare Einkommen wuchs im ersten Halbjahr 2006 nominell um 5,6% gegenüber dem ersten Halbjahr 2005, während sich die Konsumausgaben nominell nur um 3,3% erhöhten.
  • Obgleich damit zu rechnen ist, dass die Konsumausgaben im zweiten Halbjahr stärker wachsen, wird die Sparquote dennoch heuer leicht über dem Vorjahreswert von 9,1% liegen; dafür gibt es vor allem zwei Gründe: 
    - zum einen das Vorsichtssparen, das auch in den letzten Umfragen zum Konsumentenvertrauen zum Ausdruck kommt und 
    zum anderen die eigene Altersvorsorge, die langfristig zunehmend auch eine strukturelle Komponente des Sparens wird.
  • Durch den Anstieg der Sparquote in den letzten Jahren wuchs auch das Finanzvermögen der Haushalte kontinuierlich an: Zum Ende des Halbjahres betrug der Marktwert des Portefeuilles aller Österreicher 367 Mrd EUR; abzüglich der Verschuldung aus Krediten (135 Mrd EUR) ergibt dies ein Nettogeldvermögen von 232 Mrd EUR.
  • Durch den hohen Anteil von Spareinlagen profitieren die Österreicher grundsätzlich bei Zinssatzerhöhungen; der für heuer prognostizierte Rückgang der Inflationsrate führt zu einer höheren Realverzinsung.    

 



Anstieg Finanzierungsüberschuss


in Mrd EUR2003200420051. HJ 20052. HJ 20051. HJ 2006
 
Geldvermögensbildung14,9317,1718,3010,517,7910,13
Finanzierung5,487,697,923,993,932,60
 
Finanzierungssaldo9,459,4810,386,523,867,53

Geldvermögensbildung:

  • Die Privaten Haushalte zeigten ein konstantes Investitionsverhalten: Sie veranlagten im ersten Halbjahr 2006 rund 10 Mrd EUR – ebensoviel wie im ersten Halbjahr 2005.
  • Die Jahreswachstumsrate des Geldvermögens aus Neuinvestitionen lag im ersten Halbjahr 2006 mit rund 5,4% im Durchschnitt der letzten drei Jahre.
  • Der seit 2003 relativ konstante Vermögensaufbau wurde aus Ertragsüberlegungen primär in Wertpapieren aber auch zur eigenen Altersvorsorge in Lebensversicherungen und Pensionskassenansprüchen vorgenommen.   

 

Finanzierung:

  • Die Kreditfinanzierungen lagen im ersten Halbjahr 2006 mit 2,6 Mrd EUR unter jenen der ersten Halbjahre 2004 und 2005.
  • Zinserhöhungen aber auch ein restriktiveres Verhalten der Banken bei Konsumkrediten dürften das Wachstum dieser Kredite abschwächen, während Bankkredite an Unternehmen trotz Zinsenerhöhungen im Jahr 2006 stärker wuchsen als im Jahr 2005.   

 

Finanzierungssaldo:

  • Der Finanzierungsüberschuss der privaten Haushalte lag im ersten Halbjahr 2006 mit 7,5 Mrd EUR um rund 1 Mrd EUR über dem Vergleichswert des Jahres 2005. 
  • Das Finanzvermögen erreichte zum 30. Juni 2006 einen Marktwert von 367,3 Mrd EUR, die Verschuldung betrug zum selben Stichtag 135,2 Mrd EUR, wodurch der Haushaltssektor eine Nettovermögensposition in Höhe von 232,1 Mrd EUR erwirtschaftete.
  • Damit wird die Bedeutung des Haushaltssektors als wesentlicher Kapitalgeber für andere volkswirtschaftliche Sektoren (insbesondere für Unternehmen und den Staat) unterstrichen.   

 

Die Grafik 2 veranschaulicht die Veranlagungs- und Verschuldungsmöglichkeiten der privaten Haushalte, auf die in der Präsentation näher eingegangen wird.

 



Struktur der Finanzströme


Leitzinsanhebungen


in %Dez. 03Dez. 04Dez. 05Sep. 05Dez. 05März 06Juni 06
 
Leitzinssätze       
Euroraum2,002,002,252,002,252,502,75
Schweiz0,751,251,501,251,501,752,00
USA1,002,254,253,754,254,755,25
 
Zinssätze im Neugeschäft der Banken       
Einlagen Haushalte2,092,162,272,012,272,512,81
EUR-Wohnbaukredite Haushalte4,273,833,623,473,623,543,64
EUR-Konsumkredite Haushalte5,165,024,854,804,855,105,34
Kredite in CHF1,551,892,061,912,062,292,61

Zinslandschaft:

  • Am 5. Oktober hat die Europäische Zentralbank nach Dezember, März, Juni und August zum fünften Mal den Leitzinssatz um jeweils einen Viertelprozentpunkt angehoben. Gegenwärtig beträgt der Unterschied zwischen dem US‑amerikanischen und dem Euroraum-Leitzinssatz 200 Basispunkte.
  • Bedeutung hat auch die ziemlich parallel laufende Zinspolitik der Schweizerischen Nationalbank.
  • Die Renditen für langfristige staatliche Schuldverschreibungen im Euroraum wuchsen hingegen zwischen September 2005 und September 2006 von 3,14% auf 3,83% und damit langsamer als die Geldmarktsätze.   

 

Zinssätze im Neugeschäft der Banken:

  • Die Erhöhungen des Leitzinssatzes wurden im Einlagengeschäft der Banken unmittelbar an die Kunden weitergeben. Gleichzeitig erhöhten die Banken auch die Zinssätze für Konsumkredite. Fremdwährungskredite wurden durch die Erhöhung der Zinssätze in der Schweiz verteuert.
  • Die Zinssätze für EUR-denominierte Wohnbaukredite zeigten hingegen noch keinen wesentlichen Anstieg; erklärbar ist dies durch die ‑ aus Wettbewerbsgründen ‑   nach wie vor günstigen Konditionen (auch bei Zwischenfinanzierungen) der Bausparkassen als Reaktion auf die Nachfrage nach Fremdwährungskrediten. Die Attraktivität dieser Finanzierungen gewann somit im Vergleich zu Fremdwährungskrediten.   

 

 



Erhöhung der Einlagen nach Zinsanhebung


 2003200420051. HJ 20052. HJ 20051. HJ 2006
 
Nettoinvestitionen in Einlagen in Mrd EUR6,945,174,773,850,932,85
Einlagenzinssatz im Neugeschäft in %2,222,102,092,092,092,54

Einlagen bei Banken:

  • Private Haushalte erhöhten ihre Einlagenbestände im ersten Halbjahr 2006 um 2,9 Mrd EUR. Sie veranlagten damit etwas weniger als in den ersten Semestern der Jahre 2004 und 2005.
  • Im Berichtszeitraum wurden vor allem Sichteinlagen aufgestockt.
  • Einen Impuls für die Spareinlagen dürfte auch heuer wieder der Weltspartag bringen. Anlässlich der 50-Jahr‑Feier der Leitfigur des Weltspartages wird wahrscheinlich jeder österreichische Haushalt, der ein Sparbuch besitzt, seine Spareinlagen um durchschnittlich 300 EUR erhöhen.   

 

Zinssätze im Neugeschäft:

  • Ein Ansteigen der Zinssätze im Laufe des heurigen Jahres macht die Veranlagung in Bankeinlagen wieder ertragreicher, da auch die Inflationsrate abnimmt und damit eine im Vergleich zum Vorjahr höhere Realverzinsung erwirtschaft werden kann. Allerdings steht den Österreichern am Kapitalmarkt auch eine Vielzahl von Garantieprodukten mit höheren Ertragsaussichten bei gleichzeitiger Kapitalgarantie als Veranlagungsalternative zur Verfügung.   

 

 



Moderate Kreditausweitung


 2003200420051. HJ 20052. HJ 20051. HJ 2006
 
Wohnbaukredite in Mrd EUR4,304,224,151,722,431,49
Konsumkredite in Mrd EUR−1,010,802,171,290,880,56
 
Zinssatz für EUR-Wohnbaukredite in %4,413,903,583,653,503,60
Zinssatz für CHF-Kredite in %1,671,641,921,871,972,36
Zinssatz für EUR-Konsumkredite in %5,425,184,894,984,805,13

Wohnbaukredite:

  • Wohnbaukredite spielen mit einem Anteil von 2/3 der gesamten Nettoneuverschuldung eine dominante Rolle. Im ersten Halbjahr 2006 betrug die entsprechende Mittelaufnahme 1,5 Mrd EUR.
  • Der Markt für Wohnbaufinanzierung wurde von zum Teil sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen geprägt:
    - EUR-denominierte Wohnbaukredite hatten auf Grund der anhaltend attraktiven Angebote der Bausparkassen bis dato kaum Verteuerungen aus Weitergaben der Leitzinsanhebungen erfahren, gleichzeitig haben die Banken die Rahmenbedingungen für dieses Segment laut Ergebnissen des Bank Lending Surveys leicht gelockert.
    - Die laufenden Leitzinserhöhungen der Schweizerischen Nationalbank wurden unmittelbar im Neugeschäft eingepreist; der relative Zinsvorteil zu einem Euro-denominierten Kredit sank geringfügig. Dies ist von besonderer Bedeutung, weil sich Fremdwährungskredite mittlerweile nahezu ausschließlich (97%) auf den Schweizer Franken konzentrieren.   

 

Konsumkredite:

  • Im Gleichklang mit den Zinssatzerhöhungen für Einlagen wurden von den Banken auch die Zinssätze für Konsumkredite angehoben, während in den letzten drei Jahren Verbilligungen eine Konsumkreditausweitung positiv stimuliert hatten.
  • Zu den Zinssatzerhöhungen kommt laut den aktuellen Daten aus dem Bank Lending Survey eine nach wie vor leicht restriktive Geschäftspolitik der Banken.
  • Die Konsumkredite erhöhten sich im Verlauf des ersten Halbjahres um 560 Mio EUR und zeigten damit einen weiterhin sehr volatilen Verlauf.   

 

 



Leichte Erhöhung Nettozinsaufwand


in Mrd EUR2003200420051. HJ 20052. HJ 20051. HJ 2006
 
Zinserträge aus Bankeinlagen (vor KESt)3,373,203,201,611,591,69
Zinsaufwände aus Bankkrediten4,224,074,312,112,202,42
 
Nettozinsaufwand−0,86−0,87−1,11−0,50−0,61−0,73
 
Bankeinlagen (Ultimobestand)158,34163,50168,26167,34168,26171,11
Bankkredite (Ultimobestand)89,4098,33111,27102,51111,27113,33

Zinsenaufwand und –erträge des Haushaltssektors:

  • Auf Grund des hohen Anteils an variabel verzinsten Krediten hatten österreichische Kreditnehmer bei Leitzinssenkungenden Vorteil günstiger Darlehenskonditionen. Dieser hohe Anteil drehte sich nun für die Schuldner in einen Nachteil um.
  • Neben den Zinssatzerhöhungen die, mit Ausnahme von EUR‑denominierten Wohnbaukrediten, bisher unmittelbar an die Kunden weitergeben wurden, spielte auch das schnellere Wachstum der Kredite gegenüber den Einlagen langfristig eine Rolle für den Nettozinsaufwand des Haushaltssektors: Das Jahreswachstum der Kredite war mit fast 7% im Durchschnitt der letzten drei Jahre fast doppelt so hoch wie das Wachstum der Einlagen. Zum aktuellen Stichtag standen 113 Mrd EUR aus Bankkrediten einem Einlagenstand von 171 Mrd EUR gegenüber.
  • Der Nettozinsaufwand lag im ersten Halbjahr 2006 mit 730 Mio EUR um rund 200 Mio EUR höher als im ersten Semester 2005. Bei einer Fortsetzung dieser Entwicklung dürfte der Nettozinsaufwand des Haushaltssektors im Jahr 2006 rund 1,5 Mrd EUR ausmachen.   

 

 



ATX, DAX und Wertpapierrenditen


 2002 Q42005 Q22005 Q32005 Q42006 Q12006 Q22006 Q3
 
ATX (Basis 2002)100265,2300,6318,9360,0325,7336,4
DAX (Basis 2002)100158,6174,4187,0206,4196,5207,6
Sekundärmarktrendite öster. Anleihen (Basis 2002)10075,779,988,0101,1110,1102,8
 
ATX1150,13049,93457,53667,04139,83745,73868,3
DAX2892,64586,35044,15408,35970,15683,36004,4
Sekundärmarktrendite österreichischer Anleihen3,582,712,863,153,623,943,68

Aktienmärkte in Deutschland und Österreich:

  • Die Wiener Börse hatte, vor allem in Einklang mit den Aktienmärkten Osteuropas, im zweiten Quartal 2006 überdurchschnittliche Kurskorrekturen hinnehmen müssen. Zwischen Mitte Mai und Mitte Juni ging der ATX um rund 1.000 Punkte (das sind 23%) zurück. Im gesamten zweiten Quartal verlor der ATX rund 10%.
  • Allerdings zeigen die aktuellen Ergebnisse, dass dieser Einbruch nur temporär war. Mit einem derzeitigen Indexstand von mehr als 4.000 Punkten konnte ein Großteil der Kursverluste wieder wettgemacht werden.
  • Mit einem Kursverlust von knapp 5% im zweiten Quartal 2006 fiel der DAX ebenso wie der EuroStoxx50 weitaus weniger stark, wenn gleich auch deren Kursgewinne in den Vorquartalen im Vergleich zum ATX schwächer ausgefallen waren.   

 

Rentenmarkt in Österreich:

  • Parallel zu den Leitzinsanhebungen rentierten die österreichischen Anleihen im gesamten ersten Halbjahr (3,94% Rendite per 30.6.2006) höher als im Jahr 2005 (3,15% Rendite per 31.12.2005). Ein leichter Rückgang der Sekundärmarktrenditen war für das dritte Quartal 2006 festzustellen, da Investoren in diesem Quartal von kurzfristigen in eher mittel- und langfristige Anleihen umschichteten. Dadurch kam es zu einer Verflachung der Renditenkurve.    

 

 



Hohe Wertpapierkäufe


in Mrd EUR2003200420051. HJ 20052. HJ 20051. HJ 2006
 
Verzinsliche Wertpapiere1,452,491,550,860,691,79
Anteilsrechte0,830,961,781,540,241,64
Investmentzertifikate1,122,883,631,502,131,80
 
Wertpapierinvestitionen3,406,336,963,893,075,23

Wertpapierinvestitionen:

  • Die Haushalte kauften im ersten Halbjahr 2006 Wertpapiere um 5,2 Mrd EUR, wobei sie in ihren Investitionsentscheidungen primär auf angebotsseitige Impulse reagierten.
  • Davon entfiel rund ein Drittel auf verzinsliche Wertpapiere, wodurch der Durchschnitt der bisherigen Halbjahrswerte überschritten wurde.
  • Das Kaufinteresse an Wohnbauanleihen (mit einer KESt-Befreiung bis zu 4% Verzinsung) war mit einem Nettoerwerb von rund 720 Mio EUR weiterhin hoch.
  • Darüber hinaus wurden ‑ aufgrund der anhaltend günstigen Renditenentwicklung ‑   in diesem Segment die Investitionen auch breiter gestreut. Dazu trugen beträchtliche Emissionen im ersten Halbjahr 2006 von „verzinslichen“ Wertpapieren mit Kapitalgarantie aber Aktien-ähnlichen Ertragskomponenten bei.
  • Die Verluste auf Aktienmärkten im Mai 2006 dürften als nur temporär eingeschätzt worden sein, da die Käufe im zweiten Quartal mit rund 1,3 Mrd EUR außergewöhnlich hoch waren; die Nettoneuinvestitionen im ersten Semester 2006 übertrafen das bereits hohe Niveau der Vergleichsperiode. Es wurden vor allem neu emittierte Aktien der Post sowie von Immobiliengesellschaften und auf dem Sekundärmarkt Aktien von Blue‑Chip‑Unternehmen nachgefragt.
  • Das Interesse an Investmentzertifikaten im ersten Halbjahr 2006 war mit Käufen von 1,8 Mrd EUR weiterhin hoch, wenn gleich die Nachfrage im zweiten Quartal spürbar nachließ.   

 

 



Leicht positive Preiseffekte


in Mrd EUR2003200420051. HJ 20052. HJ 20051. HJ 2006
 
Wertpapiertransaktionen3,406,336,963,893,075,23
Preiseffekte2,483,517,483,913,570,34

Preiseffekte der Wertpapierpositionen:

  • Die Wertpapierposition des privaten Haushaltssektors machte Ende Juni 2006 bereits 28% des gesamten Geldvermögens in Höhe von rund 367 Mrd EUR aus. Damit bekommen Preiseffekte auch eine zunehmende Bedeutung für die gesamte Entwicklung des Geldvermögens privater Haushalte.
  • Die Anleger ließen sich von den Kurseinbrüchen auf den Aktienmärkten im zweiten Quartal in ihrer regen Investitionstätigkeit in Wertpapieren nicht abhalten. 
  • Die Wertpapierportfolios der privaten Haushalte brachten in den vorangegangenen Perioden sehr hohe Kursgewinne; trotz der Kursverluste im zweiten Quartal 2006 in Höhe von 2,2 Mrd EUR erreichte daher die Wertsteigerung im Verlauf der letzten 3 ½ Jahre das Ausmaß von 13,8 Mrd EUR – dies entspricht in etwa der Ersparnisbildung im gesamten Jahr 2005.   

 

 



Veränderung des Geldvermögens


in Mrd EUR2003200420051. HJ 20052. HJ 20051. HJ 2006
 
Bargeld und Einlagen8,175,915,223,152,072,23
Investitionen in Wertpapiere3,406,336,963,893,075,23
Erhöhung der Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionskassen2,974,175,342,682,661,78
Sonstige Geldvermögensbildung0,280,600,790,780,000,89
 
Geldvermögensbildung insgesamt14,8217,0118,3010,517,7910,13
Preiseffekte2,583,928,084,363,720,86
 
Nettoveränderung des Geldvermögens17,4020,9326,3814,8711,5110,99

Entwicklung des Geldvermögens:

  • Das Geldvermögen wuchs im ersten Halbjahr 2006 aus Neuveranlagungen und Preiseffekten insgesamt um rund 11 Mrd EUR auf 367 Mrd EUR und damit um 3% gegenüber dem Jahresultimo 2005.
  • Die Wertpapierinvestitionen machten rund 50% der gesamten Neuveranlagungen des privaten Haushaltssektors aus. Dieser Anteil liegt deutlich über dem Durchschnittswert der letzten Jahre.
  • Die Erhöhungen der Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionskassen trugen knapp ein Fünftel zur Geldvermögensbildung bei und unterstreichen die Bedeutung des Vorsorgesparens für die Österreicher.   

 

 



Geldvermögen des Haushaltssektors


 30. 6. 2006
in Mrd EURin %
 
Bargeld und Einlagen183,8450,1
Verzinsliche Wertpapiere29,728,1
Börsenotierte Aktien21,235,8
Sonstige Anteilsrechte9,502,6
Investmentzertifikate42,1511,5
Versicherungs- und Pensionskassenansprüche77,9221,2
Sonstige Forderungen2,860,8
 
Geldvermögen367,24 

 

Das Geldvermögen des Haushaltssektors betrug per 30.6.2006 rund 367 Mrd EUR. Es ist seit 1995 um 70% gestiegen und entspricht dem rund 2,4fachen des verfügbaren Einkommens.

 

 

 

Struktur des Geldvermögens:

  • 2,9 Mio Haushalte – das sind 85% aller Haushalte – hatten auf ihren Sparbüchern Einlagen (einschließlich der kapitalisierten Zinsen) in Höhe von 132,4 Mrd EUR. Grafik 12 veranschaulicht die Verteilung der Sparbücher auf die einzelnen Einlagekategorien: 

 

 



Spareinlagen inländischer Nichtbanken
  • Die sonstigen Einlagen machten 38,7 Mrd EUR aus, der Bargeldbestand erreichte einen Wert von 12,7 Mrd EUR.
  • Mit einem Marktwert von 102,6 Mrd EUR waren 28% des Geldvermögens in Wertpapieren platziert, davon entfielen
    - 11% (42,2 Mrd EUR) auf Investmentzertifikate,
    - 9% (30,7 Mrd EUR) auf börsenotierte Aktien und andere Anteilsrechte und
    - 8% (29,7 Mrd EUR) auf verzinsliche Wertpapiere wie z. B. Anleihen
  • Die Versicherungs- und Pensionskassenansprüche stiegen auf 78 Mrd EUR (21%).
  • Im Rahmen von vergangenen Pressegesprächen hatten wir darauf hingewiesen, dass der (volkswirtschaftliche) Haushaltssektor neben privaten Haushalten auch private Organisationen ohne Erwerbszweck umfasst ‑ wie etwa Vereine, Kirchen und Gewerkschaften. Nunmehr können wir den Anteil dieser Organisationen quantifizieren: Mit einem Beitrag von rund 2,5% zum Gesamtvermögensstand des Haushaltssektors ist die Bedeutung gering; damit gelten Aussagen zum Haushaltssektor als Aussagen über den Status der privaten Haushalte.   

 

 



Internationaler Vergleich der Geldvermögensstruktur


Anteil in % am GeldvermögenATDEFISENLGB
 
Bargeld und Einlagen51,035,029,617,520,525,7
Verzinsliche Wertpapiere7,99,71,32,53,41,3
Aktien und Investmentzertifikate19,323,745,847,217,017,1
Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionskassen21,030,220,632,258,852,6
Sonstige Forderungen0,71,42,70,50,33,2

Struktur des Geldvermögens im Vergleich europäischer Länder:

  • Mit 51% ist der Anteil von Bargeld und Einlagen am gesamten Geldvermögen der privaten Haushalte in Österreich immer noch sehr hoch. Das Sparbuch hat in Österreich eine sehr lange und gefestigte Tradition.
  • Auch in Deutschland ist der Anteil von Bargeld und Einlagen noch relativ hoch, allerdings spielt hier die Altersvorsorge (Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionskassen) bereits eine bedeutendere Rolle.
  • In Großbritannien und den Niederlanden dominieren Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionskassen ‑ bedingt durch ein primär kapitalgedecktes Pensionssystem ‑ die Struktur des Geldvermögens.
  • Anteilsrechte dominieren die Vermögensstruktur in den skandinavischen Ländern.
  • Verzinsliche Wertpapiere spielen in der Vermögensstruktur der hier dargestellten Länder eine durchwegs untergeordnete Rolle. Deutschland und Österreich liegen in diesem Segment an der Spitze.
  • Unterschiedliches Sparverhalten kann insbesondere im historisch-kulturellen Zusammenhang erklärt werden.    

 

 



Clusteranalyse

Clusteranalyse der österreichischen Haushalte nach Anlegertypen:

  • Eine 2004 von der OeNB in Auftrag gegebene Haushaltsbefragung bestätigt, dass Österreicher vorwiegend in konservative Produkte wie Sparbücher, Bausparen oder Lebensversicherungen veranlagen: Mehr als die Hälfte der Befragten ist dieser Gruppe der traditionellen Anleger zuzurechnen. Innerhalb dieser Gruppe tendieren 13% zu vergleichsweise ertragreichen Produkten wie Kapital- oder Prämien-sparbüchern. Das mittlere Geldvermögen (Median) der traditionellen Anleger liegt mit 25.500 EUR um knapp 2.000 EUR über jenem aller österreichischen Haushalte. 
  • Ein Viertel der österreichischen Haushalte kann als kapitalmarktorientiert bezeichnet werden. Etwa die Hälfte dieser Gruppe sind junge, gut ausgebildete und einkommensstarke Personen, die zwar ein relativ geringes Volumen in Kapitalmarktprodukte investieren, jedoch gute Kenntnis der Kapitalmärkte aufweisen. Infolge des niedrigen Durchschnittsalters liegt das mittlere Geldvermögen dieser Investoren nicht über jenem der traditionellen Anleger. Die andere Hälfte dieser als kapitalmarktorientiert identifizierten Gruppe hält 30% ihres Finanzvermögens in Wertpapieren; ihr mittleres Geldvermögen liegt bei 94.600 EUR und ist damit viermal so hoch, wie der Medianwert aller österreichischen Haushalte.
  • Generell steigt das Interesse an Kapitalmarktprodukten mit zunehmender Ausbildung und höherem Einkommen, wenn gleich das Sparbuch auch in vier von fünf Haushalten mit einem Nettoeinkommen von mehr als 2.250 EUR ein Vermögensbestandteil ist.   

 

 




Verleger, Herausgeber und Hersteller:

Oesterreichische Nationalbank

Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit

Mag. Günther Thonabauer 

Tel.: (+43-1) 404 20-6666

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