Presseaussendung


Wie veranlagen die Österreicher?

Mag. Dr. Peter Zöllner, Direktor
Oesterreichische Nationalbank, 23. 10. 2007

Es gilt das gesprochene Wort.


 



Tabelle 1
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen in Österreich
 
Wirtschaftsindikatoren 20062007
 
 Wirtschaftswachstum, realVeränderung zum Vorjahr3,33,4
 Konsumausgaben, realVeränderung zum Vorjahr2,11,9
 Sparquotein % des verfügbaren Einkommens9,79,9
 Inflationsrate (HVPI)Veränderung zum Vorjahr1,51,9
 Arbeitslosenquotein % der Erwerbspersonen (Eurostat)4,74,3
 
Konsumentenvertrauen Dez. 06Jun. 07
 
 Sparen, in der allgemeinen Wirtschaftslage16869
 Finanzielle Situation in den letzten 12 Monaten1−15−10
 
     

Konsum und Sparen

  • Die Konsumnachfrage der privaten Haushalte dürfte laut aktuellen Prognosen auch  2007 schwach ausfallen. Die Konsumausgaben liegen damit seit 7 Jahren unter dem langfristigen Durchschnitt.

  • Sparen:

    • zum einen spielen Vorsorgemotive eine bedeutende Rolle. So wird die eigene Altersvorsorge langfristig zunehmend eine strukturelle Komponente des Sparens.

    • zum anderen das Vorsichtssparen; das kommt auch in den letzten Umfragen zum Konsumentenvertrauen zum Ausdruck.

  • Durch den hohen Anteil von kurzfristig gebundenen Veranlagungsformen profitierten die Österreicher grundsätzlich bei Zinssatzerhöhungen; die für heuer prognostizierte Erhöhung der Inflationsrate dämpft allerdings die Realverzinsung. Erst ab einer Bruttoverzinsung von nominell ca. 3% kommt es zu einem realen Ertrag (nach KESt).

  • Nicht zuletzt auf Grund der „Subprime-Krise“ in den USA überdenken sowohl die Banken und institutionellen Anleger ihre Risikoposition, als auch die Privatinvestoren. Die Risikoaversion der österreichischen Haushalte ist sehr hoch, weshalb die Österreicher bei der Wahl der Finanzierungsinstrumente daher noch mehr auf Sicherheit achteten und daher verstärkt in liquide Mittel investierten. Die Struktur der Geldvermögensbildung in den letzten 25 Jahren zeigt jedoch, dass diese Entwicklung ein temporäres Phänomen darstellt.



Entwicklung auf den Finanzmärkten


Aktuelle Entwicklung auf den Finanzmärkten:

  • Die EZB erhöhte seit Dezember 2005 ihre Leitzinsen in 8 Schritten um insgesamt 200 Basispunkte, wodurch die Geldmarktsätze ebenfalls anstiegen. Die Renditen langfristiger Staatsanleihen zeigten ebenfalls Anstiege, allerdings wesentlich moderater. Bis zum Ende des ersten Halbjahres 2007 kam es zu einer laufenden Verflachung der Zinsstrukturkurve.

  • Auch über den Sommer prolongierte sich diese Entwicklung. Während die Renditen nachgaben, erhöhten sich die Geldmarktzinsen durch die anhaltende Liquiditätsknappheit im Interbankenmarkt in Folge der Subprime-Krise. Es kam zu einer inversen Zinsstrukturkurve.

  • Der Aktienmarkt in Österreich entwickelte sich zwischen Jänner und September 2007 nicht sehr positiv (in Summe leicht gestiegene Kurse aber bei hoher Volatilität); allerdings haben hier Einzelereignisse das Bild getrübt und nicht die Entwicklung im Zuge der „Subprime-Krise“ in den USA. Aber schon bei einer mittelfristigen Betrachtung von 5 Jahren ist sehr gut zu erkennen, dass die Börsenkapitalisierung tendenziell stark wuchs.



Ansteigender vermögensaufbau im ersten Halbjahr 2007


 
in Mrd EUR2004200520061. HJ 20062.HJ 20061. HJ 2007
 
Geldvermögensbildung17,018,917,79,97,811,4
Finanzierung−7,5−7,9−5,9−2,7−3,2−2,1
Finanzierungssaldo9,511,011,87,24,69,3
       

Geldvermögensbildung:

  • Der Haushaltssektor erhöhte sein Geldvermögen durch Neuinvestitionen (Geldvermögensbildung) um 11,4 Mrd EUR im ersten Semester 2007. Dieser Wert liegt – ähnlich der Ersparnisbildung –  um rund 1,5 Mrd EUR (+15%) über dem Wert des ersten Halbjahres 2006. Ausschlaggebend war die höhere Geldvermögensbildung vor allem im zweiten Quartal.

  • Die wesentliche Triebfeder der Erhöhung war der Zuwachs bei den Einlagen, teilweise auch zulasten der Wertpapiere.

 

Finanzierung:

  • Österreicher verschuldeten sich im ersten Halbjahr 2007 mit 2,1 Mrd EUR um rund 600 Mio EUR geringer als in den ersten sechs Monaten des Jahres 2006.

  • Der Rückgang ist vor allem auf die schwächere Ausweitung der Konsumkredite zurückzuführen.

 


Finanzierungssaldo:

  • Der Finanzierungsüberschuss der privaten Haushalte lag im ersten Halbjahr 2007 mit 9,3 Mrd EUR um rund 2 Mrd EUR über dem Vergleichswert des Jahres 2006.

  • Das Finanzvermögen erreichte zum 30. Juni 2007 einen Marktwert von rund 413 Mrd EUR, die Verschuldung betrug zum selben Stichtag 141 Mrd EUR, wodurch der Haushaltssektor eine Nettovermögensposition in Höhe von 272 Mrd EUR erwirtschaftete.

  • Damit wird die Bedeutung des Haushaltssektors als wesentlicher Kapitalgeber für andere volkswirtschaftliche Sektoren (insbesondere für Unternehmen und den Staat) unterstrichen.

Die Grafik 3 veranschaulicht die Veranlagungs- und Verschuldungsmöglichkeiten der privaten Haushalte, auf die in der Präsentation näher eingegangen wird.



Struktur der Finanzströme aus Sicht des Haushaltssektors




Renaissance der Einlagen im ersten Halbjahr 2007



 
in Mrd EUR2004200520061. HJ 20062.HJ 20061. HJ 2007
 
Bargeld und Einlagen5,95,26,62,24,37,3
Wertpapiere6,37,15,54,80,71,7
Versicherungs- und Pensionskassenansprüche4,25,74,71,92,81,8
Sonstige Forderungen0,61,01,01,00,00,6
 
Summe17,018,917,79,97,811,4
       

Komponenten der Geldvermögensbildung:

  • DerHaushaltssektor veranlagte in Finanzprodukte insgesamt 11,4 Mrd EUR.

  • Dabei war das Interesse an den liquiden Veranlagungsformen Bargeld und Einlagen besonders hoch. Diese stiegen von 2,2 Mrd EUR im ersten Halbjahr 2006 auf 7,3 Mrd EUR heuer an. Diese Entwicklung wurde einerseits begünstigt durch die Anhebung der Neugeschäftszinssätze, andererseits aber auch durch die Volatilität auf den Kapitalmärkten.

  • Im Gegensatz dazu waren die Käufe und Verkäufe in den verschiedenen Wertpapierkategorien sehr selektiv. Über alle Wertpapierarten betrachtet, gingen die Investitionen auf 1,7 Mrd EUR zurück.

  • Wie eingangs erwähnt, bildet die private Vorsorge eine strukturelle Komponente des Sparens, die dazu führt, dass die Ansprüche zu Lebensversicherungen- und Pensionskassenansprüchen einen stabilen Beitrag in der Finanzplanung der Österreicher einnehmen. Im ersten Halbjahr 2007 erhöhten sich die Ansprüche um 1,8 Mrd EUR.



Anstieg der Bankeinlagen in allen Einlagekategorien



 
in Mrd EUR2004200520061. HJ 20062.HJ 2006 1. HJ 2007
 
Sichteinlagen2,23,42,11,40,73,4
Termin- und Spareinlagen0,7−0,91,70,41,33,0
kapitalisierte Einlagenzinsen2,32,22,31,11,21,4
 
Summe5,24,86,12,93,27,8
       

Einlagen bei Banken:

  • Der Haushaltssektor legt aktiv 6,4 Mrd EUR in Form von Einlagen an. Zusätzlich erhöhte sich der Vermögensbestand durch kapitalisierte Spareinlagenzinsen um weitere 1,4 Mrd EUR (Volumen der Spareinlagen bei inländischen Banken: 140 Mrd EUR; rund 1/3 des gesamten Geldvermögens)

  • Die Österreicher bevorzugten dabei kurzfristig gebundene Einlagen: täglich fällig oder mit Bindungsfrist bis zu einem Jahr.

  • Bei der Wahl der Kreditinstitute spielten im ersten Semester 2007 Direktbanken eine geringere Rolle als im Vergleichszeitraum 2006: Der Zuwachs halbierte sich  auf 600 Mio EUR.

  • Bausparkassen hatten sogar Rückgänge der Einlagen in Höhe von 410 Mio EUR zu verzeichnen (erstes Halbjahr 2006:  ‑140 Mio EUR).

  • Privatanleger im Euroraum bevorzugten ebenfalls Einlagen in ihren Finanzinvestitionen, der große Zuwachs der in Österreich zu verzeichnen war, ist aber im Euroraum nicht feststellbar.



Zinsanstieg im ersten Halbjahr 2007 unterstützt Einlagenzuwachs der privaten Haushalte



 
in %2004
Q2
2004
Q3
2004
Q4
2005
Q1
2005
Q2
2005
Q3
2005
Q4
2006
Q1
2006
Q2
2006
Q3
2006
Q4
2007
Q1
2007
Q2
 
Bankeinlagen4,13,43,33,43,54,32,92,92,32,53,65,36,4
Zinsen im Neugeschäft:
bis 1 Jahr
1,91,91,91,91,91,92,12,32,62,93,23,43,8
Zinsen im Neugeschäft:
über 2 Jahre
2,82,72,82,82,82,62,62,93,13,43,63,73,9
              

Neugeschäftzinsenanstieg unterstützt die Entwicklung der Bankeinlagen:

  • Die Leitzinserhöhungen der letzten 1 ½ Jahre wurden im Neugeschäft der Banken an die Kunden fast vollständig weitergegeben, wodurch Bankeinlagen attraktiver wurden.

  • Inden letzten Quartalen fiel das Wachstum der Einlagen sehr deutlich aus: Neben den höheren Zinsen dürften daher auch die relativ volatilen Entwicklungen auf den Kapitalmärkten eine Rolle spielen: Insgesamt ist damit – zumindest kurzfristig – eine Renaissance der Einlagen zu beobachten.



Schuldverschreibungen wurden im ersten Halbjahr 2007 wieder mehr gekauft


 

 



 
in Mrd EUR2004200520061. HJ 20062.HJ 20061. HJ 2007
 
Verzinsliche Wertpapiere2,51,51,61,10,51,8
Anteilsrechte1,01,81,81,60,2−0,6
Investmentzertifikate1,13,82,12,10,00,5
 
Summe4,67,15,54,80,71,7
       

Wertpapierinvestitionen:

  • Die österreichischen Privatinvestoren kauften in den ersten sechs Monaten des Jahres 2007 netto Wertpapiere um 1,7 Mrd EUR.

  • Zu den bevorzugten Wertpapieren zählten heuer u. a. inländische Bankanleihen. Sie wurden um 1,5 Mrd EUR erworben. Die Anleger konzentrierten sich dabei entweder auf Geldmarktpapiere mit einer Laufzeit bis zu 2 Jahren oder auf Anleihen im Laufzeitband von 10-15 Jahren (darunter fallen auch von Banken angebotene Garantieanleihen). Insgesamt erwarb der Haushaltssektor festverzinsliche Wertpapiere in der Höhe von 1,8 Mrd EUR.

  • Inländische Aktien wurden hingegen im ersten Halbjahr um 340 Mio EUR per Saldo verkauft. Das Interesse bei Neuemissionen von Immobilienaktien war heuer geringer als im Vorjahr. Privatinvestoren verkauften zudem Boehler-Uddeholm Aktien im Zuge des Übernahmeangebots  durch die Voestalpine AG. Insgesamt dürfte die höhere Volatilität auf den Aktienmärkten tendenziell zu Abgaben von Aktien geführt haben.

  • Investmentzertifikate wurden per Saldo um eine ½ Milliarde EUR erworben. Während Aktien- und Rentenfondsanteile um insgesamt 900 Mio EUR verkauft wurden, erwarben private Anleger Investmentzertifikate von gemischten Fonds (z.T. Garantiefonds) im Ausmaß von 1,2 Mrd EUR und Immobilienfonds (0,2 Mrd EUR).



Komponenten der Geldvermögensbildung privater Haushalte
Komponenten der Geldvermögensbildung privater Haushalte

 


Vergleich mit dem Euroraum:

  • Die Geldvermögensbildung im Euroraum wurde in den vergangen vier Jahren vor allem durch die Erhöhung der Einlagen sowie der Ansprüche gegenüber Lebensversicherungen und Pensionskassen dominiert.

  • In Österreich haben Finanzierungsinstrumente zur privaten Vorsorge zwar eine steigende Bedeutung, die Zuwächse erreichten aber noch nicht die Mittelzuflüsse, wie sie für den Euroraum festzustellen sind.

  • Dafür lag der Anteil der Wertpapierinvestitionen an der gesamten Veranlagung in Österreich deutlich über dem Durchschnitt für den Euroraum. Dafür ist vor allem der höhere Anteil an Aktien und Investmentzertifikaten maßgeblich. Dieser überproportionale Anstieg der handelbaren Wertpapiere an der Gesamtveranlagung ist auch schon in der Struktur des Geldvermögens sichtbar.

  • In den letzten Quartalen investierten österreichische Haushalte wieder wesentlich stärker in Einlagen. Dieser Trend ist im Euroraum nicht in dieser Deutlichkeit zu erkennen, wenngleich auch dort der Anteil steigt.

 



Geldvermögen der privaten Haushalte und privaten Org. ohne Erwerbszweck
Geldvermögen der privaten Haushalte und privaten Org. ohne


 
in Mrd EUR2006 
 
Private Haushalte384,2 
Private Organisationen ohne Erwerbszweck28,7 
 
in % des GesamtvermögensPrivate HaushaltePrivate Organisationen ohne Erwerbszweck
 
Bargeld und Einlagen47,421,8
Verzinsliche Wertpapiere8,713,8
Börsenotierte Aktien8,240,3
Investmentzertifikate12,417,1
Sonstige Anteilsrechte2,36,7
Versicherungs- und Pensionskassenansprüche20,30,0
Sonstige Forderungen0,80,3
 
 100,0100,0
   

Struktur des Geldvermögens privater Haushalte:

  • Das Geldvermögen betrug zum 30.6.2007: 384 Mrd EUR

  • Die Struktur des Geldvermögens wird durch den hohen Anteil (47%) von Bargeld und Einlagen determiniert.

  • Mehr als ¼ des Geldvermögens entfallen auf handelbare Wertpapiere:
    – davon sind 12 Prozentpunkte Investmentzertifikate,
    – 8 Prozentpunkte sind Aktien
    – inländische Aktien des Finanzsektors und von Immobiliengesellschaften
       machten rund 2% des gesamten Finanzvermögens aus

  • 1/5 des Geldvermögens sind Versicherungs- und Pensionskassenansprüche.

  • Das durchschnittliche Geldvermögen pro Person in Österreich betrug per 30.6.2007 rund 46.300 EUR, jenes pro Haushalt rund 109.500 EUR.

 

Struktur des Geldvermögens privater Organisationen ohne Erwerbszweck sowie der Privatstiftungen1)

  • Das Geldvermögen betrug 29 Mrd EUR (7% des gesamten Haushaltssektors)

  • Fast ¾ des gesamten Finanzvermögens entfielen zum Stichtag 30.6.2007 auf handelbare Wertpapiere.

  • Den Löwenanteil (38%) machte der Besitz von inländischen börsennotierten Aktien aus. Dies liegt vor allem an der Auslagerung von strategischen Beteiligungen in Privatstiftungen; nicht zu letzt aufgrund steuerlicher Anreize.

  • Zum Stichtag 30.Juni 2007 gab es rund 3.000 Privatstiftungen.



Kreditaufnahmen schwächen sich ab



 
in Mrd EUR2004200520061. HJ 20062. HJ 2006  1. HJ 2007
 
Wohnbaukredite5,04,74,21,62,62,2
Konsumkredite0,82,20,60,60,0−0,5
Sonstige Kreditfinanzierungen1,81,11,10,50,60,4
 
Summe7,57,95,92,73,22,1
       

Kreditaufnahmen:

  • Der private Haushaltssektor verschuldete sich netto im ersten Halbjahr um rund 2,1 Mrd EUR und damit um rund 600 Mio EUR geringer als im ersten Halbjahr 2006.

  • Die treibende Kraft für die Kreditaufnahmen waren Wohnbaukredite. In den ersten sechs Monaten machte die Neuverschuldung aus diesem Titel 2,2 Mrd EUR aus und zeigte gegenüber dem ersten Halbjahr 2006 sogar einen Zuwachs. Die Entscheidung für eine Kreditausweitung in diesem Segment dürfte daher weniger stark von der Erhöhung der Kapitalkosten abhängen als bei anderen Kreditarten.

  • Österreichische Haushalte nahmen seit Mitte des Jahres 2006 per Saldo weniger Konsumkredite auf als in vorangegangenen Perioden. Im ersten Halbjahr 2007 wurden diese Kredite sogar per Saldo um rund 500 Mio EUR getilgt.

  • Das Kreditwachstum war in Österreich weniger stark als im gesamten Euroraum, wie die folgende Grafik illustriert:



Kreditfinanzierung privater Haushalte: Österreich und Euroraum

Kreditfinanzierung in Österreich und im Euroraum:

  • Das Kreditwachstum in Österreich lag in den vergangenen drei Jahren, zum Teil deutlich, unter dem Wachstum im Euroraum.

  • Ein wesentlicher Grund für den unterschiedlichen Wachstumspfad war die stärkere Immobilienfinanzierung in einer Reihe von Ländern im Euroraum

  • Die Erhöhung der Kreditzinsen, insbesondere der Banken, dürfte im gesamten Euroraum eine bremsende Wirkung auf die Neuverschuldung haben, für Österreich ist dies im Detail in der folgenden Grafik zu sehen:



Zinsanstieg bremst die Kreditnachfrage privater Haushalte im ersten Halbjahr 2007


 

 



 
in %2004
Q2
2004
Q3
2004
Q4
2005
Q1
2005
Q2
2005
Q3
2005
Q4
2006
Q1
2006
Q2
2006
Q3
2006
Q4
2007
Q1
2007
Q2
 
Bankeinlagen4,13,43,33,43,54,32,92,92,32,53,65,36,4
Zinsen im Neugeschäft:
bis 1 Jahr
1,91,91,91,91,91,92,12,32,62,93,23,43,8
Zinsen im Neugeschäft:
über 2 Jahre
2,82,72,82,82,82,62,62,93,13,43,63,73,9
              

Zusammenhang von Neugeschäftszinsen und Krediten:

  • Die Anhebung der Bankzinsen im Neugeschäft seit 1½ Jahren dürfte eine dämpfende Wirkung auf das Kreditwachstum haben.

  • Die Banken erhöhten ihre Neugeschäftszinsen für Konsumkredite schneller als jene für Wohnbaukredite. Die Erhöhung der Zinsen für Wohnbaukredite in Euro denominiert wurde durch ein hohes Ausmaß an Konkurrenz gemildert, weshalb auch die Zinsdifferenz zwischen Konsum- und Wohnbaukrediten im aktuellen Zeitraum höher ausfiel als in vergangenen Zinsanhebungsphasen.



Wohnbaukredite dominieren die Struktur der Kreditverpflichtungen
Wohnbaukredite dominieren die Struktur der Kreditverpflichtungen


 
in Mrd EUR20042005200630.06.2007
 
Wohnbaukredite70,576,382,984,9
Konsumkredite24,027,024,424,8
Sonstige Kreditfinanzierungen24,629,330,331,6
 
EUR-Kredite91,199,8103,7108,3
FW-Kredite28,032,933,933,1
 
Summe119,1132,7137,6141,4
     

Struktur der Kreditverpflichtungen:

  • Die gesamten Verpflichtungen des Haushaltssektors betrugen zum Stichtag Ultimo Juni 2007 141,4 Mrd EUR.

  • 60% aller aushaftenden Kredite wurden für Wohnraumbeschaffung und –adaptierung aufgenommen, ein nicht unwesentlicher Teil davon in Fremdwährung.

  • 23% aller aushaftenden Kredite des Haushaltssektors lauten auf Fremdwährungen, insbesondere auf Schweizer Franken.



Fremdwährungskredite an private Haushalte



 
in Mrd EURendfällig ohne Tilgungsträgerendfällig mit Tilgungsträgerlaufend fällige KrediteFremdwährungskredite in Summe
 
bis 1 Jahr0,70,50,61,7
1−2J0,20,20,30,8
2−3J0,20,30,30,8
3−4J0,10,30,30,8
4−5J0,20,30,30,8
5−7J0,30,90,61,8
7−10J0,51,80,73,0
10−15J0,95,40,97,2
15−20J0,76,30,57,5
über 20J0,58,00,38,8
 
Summe4,323,94,933,1
     

Restlaufzeitstruktur der Fremdwährungsverbindlichkeiten:

 

  • Von den gesamten Fremdwährungskrediten in Höhe von 33 Mrd EUR haben rund 70% (23,5 Mrd EUR) eine Restlaufzeit von 10 oder mehr Jahren.

  • Bei diesen langen Restlaufzeitkategorien spielen Kredite mit Endfälligkeit eine wesentliche Rolle. Dies liegt nicht zuletzt an der „Entdeckung“ der Fremdwährungskredite (insbesondere für langfristige Wohnbaukredite) vor rund 10 Jahren.

  • Bei den Verschuldungen, die heute eine Restlaufzeit von 10 oder mehr Jahren haben, wählten die meisten privaten Kreditnehmer die Rückzahlungsvariante „endfällig“ mit einem Tilgungsträger (z. B. Lebensversicherung). Da der Vermögensaufbau in diese Tilgungsträgern durch laufendes „Ansparen“ erfolgt, hat diese Kreditfinanzierung auch einen Einfluss auf die Struktur und Höhe des Vermögensaufbaus.


Zusammenfassung:


Struktur der Finanzströme aus Sicht des Haushaltssektors
  • Hoher Zuwachs bei Einlagen

  • Lebensversicherungen und Pensionskassenansprüche reflektieren das Vorsorgesparen

  • Wertpapierinvestitionen (direkt) oder über Investmentzertifikate waren sehr selektiv

  • Kreditaufnahmen, vor allem bei Konsumkrediten, leicht rückläufig



Zusammenfassung in Tabellenform:



Finanzvermögen und Verpflichtungen des privaten Haushaltssektors 2007 
in Mio EUR, Anteile in %
 
 Kapital­bewegun­genVermögen / Verpflichtungen 
gesamtgesamthievon
private Haushalte i.e.S.private Organisationen ein­schließ­lich Privatstiftungen
1. Halb­jahr 2007Ultimo Juni 2007
Mio EURMio EURin %Mio EURin %Mio EURin %
 
Geldvermögensbildung
Bargeld−50013.3003,213.3003,500,0
Einlagen7.767182.23544,1175.97345,86.26121,8
Festverzinsliche Wertpapiere1.81035.9378,731.9838,33.95513,8
 inländische Emittenten1.66230.6297,427.8217,22.8089,8
 ausländische Emittenten1485.3091,34.1621,11.1474,0
Börsennotierte Aktien−32633.8558,222.2995,811.55640,3
 inländische Emittenten−34724.5215,913.7423,610.77937,5
 ausländische Emittenten229.3342,38.5572,27772,7
Sonstige Anteilsrechte−2459.5862,37.6722,01.9146,7
Investmentzertifikate48551.10612,446.18612,04.92017,1
 nach Kategorien       
 Geldmarktfonds und Rentenfonds−76516.1963,915.0473,91.1494,0
 Aktienfonds−16611.2882,710.8362,84521,6
 Gemischte Fonds1.23322.0755,318.8994,93.17611,1
 Immobilienfonds und sonstige Fonds1831.5470,41.4040,41430,5
 nach Emittenten       
 inländische Fonds−21346.07411,241.86010,94.21314,7
 ausländische Fonds6985.0321,24.3261,17062,5
Lebensversicherungen1.66759.29814,459.29815,400,0
Pensionskassen­ansprüche15313.7453,313.7453,600,0
Sonstige Finanz­investitionen60813.8413,413.7413,61000,3
Geldvermögens­­bildung / Geldvermögen in Summe11.419412.903100,0384.197100,028.706100,0
 
Verschuldung
Kredite2.112141.371100,0138.930100,02.441100,0
 Wohnbaukredite2.23484.94160,184.94161,1x 
 Konsumkredite−47424.84317,624.84317,9x 
 Sonstige Kredite35231.58722,329.14621,02.441100,0
sonstige Finanzierungen0570,0570,000,0
Finanzierung / Verpflichtungen in Summe2.112141.428100,0138.987100,02.441100,0
 

 

Technische Anmerkung: Der private Haushaltssektor umfasst in Österreich Selbständig Erwerbstätige (auch mit Angestellten), private Haushalte, private Organisationen ohne Erwerbszweck sowie ab dem Berichtsjahr 2006 die Privatstiftungen. Haushalte im engeren Sinn: Selbständig Erwerbstätige auch mit Angestellten und private Haushalte. Das Finanzvermögen der Privatstiftungen umfasst im Wertpapierbereich festverzinsliche Wertpapiere, börsennotierte und nicht börsennotierte Aktien sowie Investmentzertifikate, sofern sie von inländischen Depotbanken gemeldet werden. Nicht erfasst sind sonstige Anteilsrechte.


Verleger, Herausgeber und Hersteller:

Oesterreichische Nationalbank

Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit

Mag. Günther Thonabauer 

Tel.: (+43-1) 404 20-6666

1) Die Daten zum Geldvermögen der Privatstiftungen wurden den Depotmeldungen der inländischen Banken entnommen. Nicht enthalten sind Daten zu Anteilsrechten, die nicht als Aktien emittiert wurden.

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