Es gilt das gesprochene Wort.
Presseaussendung
Aktuelle Wertpapierveranlagungen österreichischer Investoren
Investmentfonds als wichtige Player am Kapitalmarkt im Eurozeitalter
Mag. Dr. Peter Zöllner, Direktor
Wien, 5. 6. 2008
Factsheet:











Der Vermögensbestand der institutionellen und privaten Anleger an verzinslichen Wertpapieren und börsennotierten Aktien erreichte zum Ultimo 2007 einen Marktwert von 465 Mrd EUR:
- 68% entfallen auf verzinsliche Wertpapiere
– 75% halten institutionelle AnlegerDas Portfolio an verzinslichen Wertpapieren von institutionellen Anlegern stieg bis 2007 auf 268 Mrd EUR, ein Zuwachs von 120% in den letzten 10 Jahren. Auf 81 Mrd EUR stiegen die Bestände an börsennotierten Aktien ebenfalls deutlich an.
Privatinvestoren steigerten ihren Bestand an verzinslichen Wertpapieren um mehr als 60% auf 47 Mrd EUR; um beinahe das Dreifache auf knapp 69 Mrd EUR wuchs das Aktienportefeuille.
Treibende Kraft hinter dieser Entwicklung war einerseits die höhere Bereitschaft zu Wertpapierinvestitionen gegenüber Einlagen und Krediten und andererseits die anwachsende Bedeutung kapitalgedeckter privater Vorsorge.
Zwischen Ende Juni 2007 und Ende März 2008 ging der Marktwert des Aktienportefeuilles der inländischen Anleger aufgrund von Wertpapierpreiseffekten um rund 20%, das Rentenportefeuille Preis und Wechselkurs bedingt um rund 2% zurück.

- Während institutionelle Anleger einen weitaus höheren Anteil ihres Portefeuilles von 268 Mrd EUR in ausländischen Schuldverschreibungen halten (74%), tendieren Privatinvestoren ganz deutlich zu inländischen Anleihen (79% von 47 Mrd EUR).
Die Streuung insgesamt auf Anleihen des Finanzsektors, Staatsanleihen und Unternehmensanleihen etwa im Verhältnis 6:3:1 entspricht im Wesentlichen dem Angebot auf den internationalen Kapitalmärkten. Inländische Privatinvestoren haben allerdings ein deutliches Übergewicht bei Anleihen des Finanzsektors und investieren weniger in Staatsanleihen.
Während inländische Anleihen des Finanzsektors fast ausschließlich Bankenanleihen sind, spielen in den Portefeuilles von inländischen institutionellen Anlegern bei ausländischen Finanztiteln auch die Emissionen von Zweckgesellschaften (z. B. aus den Offshore-Zentren, den Niederlanden oder Großbritannien) eine bedeutende Rolle.
Privatinvestoren halten ihre Anleihen zu knapp 97% in Euro, institutionelle Anleger zu ca. 87%; hier sind es fast ausschließlich Anleihen ausländischer Emittenten, die in fremden Währungen gehalten werden.

Die institutionellen Anleger hatten zum Ultimo 2007 Wertpapiere in Höhe von 349 Mrd EUR im Portfolio, knapp die Hälfte (158 Mrd EUR) davon entfiel auf Banken.In der Relation von verzinslichen Wertpapieren zu Aktien überwiegen bei Banken die Wertpapieranlagen in Schuldverschreibungen sehr deutlich (93:7).
Eine ähnlich hohe Konzentration auf verzinsliche Wertpapiere ist bei der Investorengruppe „Versicherungen und Pensionskassen“ festzustellen. 35 von 37 Mrd EUR entfielen auf diese Wertpapierart. Diese Investorengruppe veranlagt in lang laufende Wertpapiere, um eine Laufzeitenkongruenz mit den versicherungstechnischen Rückstellungen zu erzielen. Ein sehr wichtiger Teil der Portfolioallokation ist neben der Direktanlage in Wertpapiere auch der Besitz von Investmentzertifikaten (40 Mrd EUR).
Investmentfonds hielten etwa 80% des netto veranlagten Kapitals in Anleihen und Aktien (109 Mrd EUR). Sie sind innerhalb der institutionellen Anleger auch die Hauptinvestoren von im Streubesitz befindlichen in- und ausländischen Aktien (28 Mrd EUR).
Diese Struktur innerhalb der Wertpapieranlagen von Versicherungen, Pensionskassen und Investmentfonds hat auch Konsequenzen für die intermediären Finanzanlagen privater Investoren.
Private Haushalte hatten zum Jahresultimo 2007 verzinsliche Wertpapiere in Höhe von 34 Mrd EUR und börsennotierte Aktien in Höhe von 19 Mrd EUR in ihrem Portefeuille. Sie waren in ihren Direktanlagen sehr stark auf inländische Wertpapiere konzentriert.
Unternehmen bevorzugten, vor allem aus strategischen Überlegungen, börsennotierte Aktien (40 Mrd EUR). Verzinsliche Wertpapiere (10 Mrd EUR) – ähnlich wie Einlagen – dienten eher der kurzfristigen Liquiditätssteuerung.
Dem Wertpapierportfolio der Banken mit einem Marktwert von 158 Mrd EUR standen zum Ultimo 2007 Direktanlagen in Form von Interbankeinlagen und Krediten gegenüber Nichtbanken in Höhe von 660 Mrd EUR gegenüber (Verhältnis 1:4; 1998 betrug das Verhältnis 1:5).
Die Anteile der einzelnen Finanzakteure blieben zwischen 1998 und 2007 relativ konstant, d. h. die Zuwächse bei Banken, Fonds und Versicherungen erfolgten komplementär und es fanden – ausgenommen Einzelfälle – keine Substitutionseffekte statt.

Der Marktwert von verzinslichen Wertpapieren inländischer Emittenten betrug zum Jahresultimo 2007 rund 416 Mrd EUR und hat sich gegenüber vor 10 Jahren mehr als verdoppelt.
Die Banken waren die treibende Kraft bei der Ausweitung der Emissionen des Finanzsektors von verzinslichen Wertpapieren auf 231 Mrd EUR. Maßgeblich für die Erhöhung waren die geänderten Refinanzierungsgegebenheiten (durch den geringen Mittelzufluss aus Einlagen) sowie die Platzierung neuer Produkte (z. B. Garantieanleihen).
Zwischen August 2007 und März 2008 hat die Dynamik der beiden Vorjahre bei den Nettoneuemissionen von Bankanleihen aufgrund der Finanzmarktturbulenzen jedoch deutlich nachgelassen. Im ersten Quartal 2008 lag der Nettoabsatz bei 5,8 Mrd EUR gegenüber 17,4 Mrd EUR im Vergleichszeitraum des Vorjahres und sank damit wieder auf Werte aus dem ersten Quartal von 2004 bzw. 2005.
Die Konsolidierung des Staatsdefizits in den letzten Jahren führte zu einer geringeren Inanspruchnahme des Kapitalmarktes durch den Bund. Das Niveau des aushaftenden Anleihevolumens stagnierte in den letzten drei Jahren in der Höhe von rund 150 Mrd EUR.
Zwischen 1998 und 2007 verfünffachte sich der Marktwert der inländischen börsennotierten Aktien von 35 Mrd EUR auf 168 Mrd EUR. Das Niveau der Marktkapitalisierung (62% des BIP) entspricht damit jenem von Deutschland. Der Wert erhöhte sich vor allem zwischen Ultimo 2003 und Mitte 2007 aufgrund der deutlich gestiegenen Neuemissionen und Kapitalerhöhungen sowie von Kursanstiegen. Zwischen Juni 2007 und März 2008 waren im ATX-Prime Kursverluste von rund 27% zu verzeichnen. Damit war auch das Umfeld für Börsengänge getrübt.
Während Unternehmensanleihen keinen nennenswerten Beitrag zum gesamten Umlaufvolumen von Wertpapieremissionen liefern, spielen Unternehmensaktien eine wichtige Rolle. Der Marktwert erhöhte sich zwischen 2003 und 2007 um 74 auf 103 Mrd EUR. Maßgeblichen Anteil hatten dabei – neben im Durchschnitt starken Kursgewinnen – auch Börsengänge bzw. Kapitalerhöhungen wie jene von z. B. OMV, POST, STRABAG und Immoeast. Die Aktien wurden zu einem nicht unbeträchtlichen Teil für die Akquisition von Beteiligungen emittiert.
Das marktbewertete Umlaufvermögen von inländischen börsennotierten Aktien und verzinslichen Wertpapieren lag Ende 2007, gemessen an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung, mit über 200% des BIP knapp über dem Wert für den gesamten Euroraum.
Der geringere Anteil von börsennotierten Aktien an den gesamten Wertpapieremissionen in Österreich führte in den vergangenen Jahren zu wesentlich geringeren Schwankungen der „Marktkapitalisierung aller Wertpapiere“ als im Euroraum.
Der Finanzsektor hatte aushaftende Emissionen aus Aktien und Anleihen in Höhe von 296 Mrd EUR zum Ultimo 2007. Zusätzlich betrug der Wert der begebenen Investmentzertifikate (exkl. inländische Fonds-in-Fonds Anteile) 137 Mrd EUR. Das waren 46% der aushaftenden Emissionen (und in einer Marktwertbetrachtung der geringste Anteil seit 1998).
Weniger als 10% der Bankenanleihen (nämlich etwa 19 Mrd EUR) entfielen zum Ultimo 2007 auf die Kategorien Hypothekenpfandbriefe, öffentliche Pfandbriefe und fundierte Bankanleihen (Bankanleihen mit Kapitalsicherung durch einen Deckungsstock).
Im Segment der Unternehmensanleihen wird der überwiegende Teil von „staatsnahen“ Unternehmen emittiert (z. B. Asfinag, BIG, OeBB, EVN).

Rund 40% der Marktkapitalisierung österreichischer börsennotierter Aktien (ca. 70 Mrd EUR) können Ende 2007 dem Streubesitz (inkl. Mitarbeiterbeteiligungen) zugerechnet werden. Knapp 60% fallen auf strategische Beteiligungen, großteils aus dem Inland.
Der Streubesitz wird zu mehr als zwei Drittel vom Ausland gehalten und hier großteils von institutionellen Investoren aus den USA und Großbritannien.
Den Großteil des inländischen Streubesitzes hält der Haushaltssektor (inkl. Mitarbeiterbeteiligungen) – ca. 8% des gesamten börsennotierten Aktienvolumens (13,5 Mrd EUR) gegenüber rund 5% von institutionellen Investoren (v.a. Investmentfonds) und nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften.
Im Aktienportefeuille der österreichischen privaten Haushalte sind neben den ATX-Schwergewichten OMV, Erste Bank, Verbund und Voest auch die Immoaktien von Immofinanz, Immoeast und CA Immo stark gewichtet.
Die bedeutendsten Beteiligungen sind jene der UniCredit (über die UniCredit Zweigniederlassung Wien) an der Bank Austria (im Mai 2008 wurde die Aktie von der Börse genommen, womit sich auch der Streubesitzanteil auf über 46% erhöht), der Raiffeisen Zentralbank (über die Cembra Beteiligungs GmbH) an der Raiffeisen International sowie der ÖIAG an der OMV und des Bundes am Verbund.
Mitarbeiterbeteiligungen können sowohl über direkte (meist in Form von Eigenkapital, Aktien; z. B. bei OMV und Erste Bank) als auch über indirekte Modelle (z. B. über Stiftungen wie bei Flughafen Wien und Voest) realisiert sein.
Die Aktien im ATX Prime Segment mit dem – in absoluten Zahlen betrachteten – größten Streubesitzanteil sind OMV, Raiffeisen International, Erste Bank und Telekom.
Bei privaten Haushalten war in den letzten Jahren eine zunehmende Konzentration in Immobilienaktien zu beobachten. Der Anteil aller an der Wiener Börse gelisteten Immobilienaktien (inkl. Meinl European Land Zertifikate) am gesamten Aktienvolumen der privaten Haushalte betrug Ende 2007 immer noch 20% (nach knapp 30% im Jahr 2006).

Der Haushaltssektor mit dem höchsten Nettogeldvermögen aller volkswirtschaftlichen Sektoren hat mit seiner Veranlagungstätigkeit für den Kapitalmarkt eine besondere Bedeutung.
In der Disintermediation zu Bankeinlagen spielen Investmentzertifikate eine große Rolle: Einerseits als direkte Anlageform und andererseits indirekt über Lebensversicherungen und kapitalgedeckte Pensionskassen, die einen hohen Anteil ihres Gesamtportefeuilles in Investmentzertifikaten halten.
Der Haushaltssektor besaß zum Ultimo 2007 über Direktanlagen 66 Mrd EUR an börsennotierten Aktien und verzinslichen Wertpapieren. Etwas höher war der über Investmentzertifikate indirekte Besitz von Aktien und verzinslichen Wertpapieren.
Vom gesamten Volumen in Höhe von rund 139 Mrd EUR entfallen 86% (119 Mrd EUR) auf private Haushalte innerhalb des Haushaltsektors. Die verbleibenden 14% hielten private Organisationen sowie Privatstiftungen.


Zwischen 1998 und 2007 hat sich der Vermögensbestand (inkl. Fonds in Fonds-Veranlagungen im Inland) von allen österreichischen Investmentfonds (Spezial- und Publikumfonds) verdreifacht; das netto veranlagte Kapital (d. h. ohne Veranlagungen in inländische Fonds) hat sich auf das 2,5-fache erhöht und entsprach zum Ultimo 2007 rund 50% des BIP. Im Euroraum-Vergleich liegt damit Österreichs Fondsindustrie über dem Durchschnitt.
Im zweiten Halbjahr 2007 und auch im ersten Quartal 2008 ist der Nettobestand als Reaktion auf die Finanzmarktturbulenzen deutlich zurückgegangen (um 12%).
Der Anteil ausländischer Wertpapiere am Nettobestand der Investmentfonds ist zwischen 1998 und Mitte 2007 kontinuierlich stark gestiegen (von 42% auf 78%). In den letzten 3 Quartalen bis Ende März 2008 hat sich dieser Anteil jedoch leicht auf 75% verringert.
In österreichische börsennotierte Aktien waren per Ende 2007 knapp 3% des veranlagten Kapitals investiert; das waren weniger als 15% des gesamten Aktienvolumens der Fonds und damit deutlich unter dem Euroraum-Durchschnitt. Somit profitierten die österreichischen Aktienfonds auch nur wenig von der außergewöhnlich guten Performance des ATX Prime der letzten Jahre.
Der Vermögensbestand inländischer Fonds (inkl. Fonds in Fonds-Veranlagungen im Inland) ist seit 1998 von 56 Mrd EUR auf knapp 166 Mrd EUR Ende 2007 gestiegen; das netto veranlagte Kapital (exkl. Fonds in Fonds-Veranlagungen) von 54 auf 137 Mrd EUR.
Ende Juni 2007 betrug der Wert des netto veranlagten Kapitals knapp 145 Mrd EUR; danach zeigten die Finanzmarktturbulenzen auch ihre Auswirkung auf die österreichischen Investmentfonds. Bis Ende März 2008 nahm das veranlagte Kapital um ca. 17,3 Mrd EUR ab und fiel damit unter den Wert zum Ultimo Q3/2005.
Während inländische Rentenwerte Ende 1998 noch fast den doppelten Wert von ausländischen Rentenpapieren hatten, wiesen sie Ende 2007 nur mehr knapp ein Viertel auf.
Ausländische Rentenpapiere beanspruchen Ende 2007 knapp die Hälfte des veranlagten Kapitals; 70% dieser Papiere sind aus dem Euroraum, knapp 50% sind Staatsanleihen, mehr als 80% sind in Euro denominiert.
Inländische börsennotierte Aktien sind nicht sehr stark gewichtet im Portefeuille der inländischen Fonds. In den Jahren 2002 und 2003, als der ATX zu seinem Höhenflug ansetzte, hielten österreichische Fonds 1% ihres veranlagten Kapitals in inländischen börsennotierten Aktien, das waren rund 5% des gesamten Aktienvolumens der Fonds. Ende 2007 waren dies – insbesondere auch aufgrund von Wertsteigerungen – knapp 3%, das entspricht 14% am gesamten Aktienvolumen der österreichischen Fonds.
Österreichische Fonds liegen damit deutlich unter dem Euroraum-Durchschnitt, in Deutschland beispielsweise war Ende 2007 der Anteil inländischer Aktien knapp 30% des Aktienvolumens, in Frankreich mehr als die Hälfte. Dies ist natürlich von der Größe des inländischen Aktienmarktes und des gesamten Aktienvolumens der Fonds selbst abhängig. Wird das Volumen inländischer Aktien im Fondsvermögen an der Marktkapitalisierung der inländischen Börse gemessen, liegen die österreichischen Fonds im Durchschnitt.
Insgesamt betrug der Aktienanteil österreichischer Fonds zum Ultimo 2007 20% (hievon mehr als die Hälfte aus dem Extra-Euroraum), weitere 6% waren in ausländische Aktienfonds investiert; mit ihrem Aktienanteil liegen österreichische Fonds deutlich unter dem Euroraum-Durchschnitt.

Österreichische Investmentzertifikate (exkl. Fonds in Fonds-Anteile im Inland) wurden Ende 2007 zu knapp 84% im Inland gehalten, wobei sich der Anteil des Auslands in den letzten Jahren stetig erhöht, jener von inländischen Privatinvestoren verringert hat.
Im Inland hielten aus der Gruppe der institutionellen Anleger Ende 2007 Versicherungen 17% und Pensionskassen knapp 8% der netto begebenen Investmentzertifikate. Während sich der Anteil der Pensionskassen in den letzten Jahren relativ stabil zeigt, ist jener von Versicherungen kontinuierlich von 13% auf 17% gestiegen. Private Haushalte hielten Ende 2007 mehr als ein Viertel der netto verfügbaren Investmentzertifikate.
Seit Ende Juni 2007 haben die meisten Investorengruppen, insbesondere jedoch Privatinvestoren, netto verkauft; Aktienfonds wurden überdurchschnittlich zurückgegeben. Mehr als ein Drittel des Rückgangs des Nettovolumens der letzten drei Quartale ist auf Verkäufe zurückzuführen, der Rest auf Preiseffekte und Ausschüttungen.
Private Haushalte, Pensionskassen und Versicherungen weisen per Ultimo 2007 ein ähnliches inländisches Investmentfonds-Portefeuille auf, nämlich rund 19% an Aktienfonds, 40% an Rentenfonds, 36% an Mischfonds. Ausländer halten etwas mehr an Aktien- und Rentenfonds (22% bzw. 46%), dafür weniger an Mischfonds (28%).

Die Wertentwicklung von Investmentzertifikaten ist nicht nur für Fondssparer, sondern auch für Schuldner endfälliger Kredite, die Investmentzertifikate als Tilgungsträger nützen, von großer Bedeutung.
Bei den volatilen Aktienfonds (und auch bei Mischfonds mit hohem Aktienanteil) spielen Einstiegs- und Ausstiegzeitpunkt für Investoren naturgemäß eine wichtige Rolle. Insbesondere, wer zwischen Ende 1999 und Anfang 2001 in dieses Segment eingestiegen ist – und das waren nicht wenige –, muss heute oft noch Verluste beklagen. Einsteiger zwischen Mitte 2002 und Ende 2003 können sich hingegen heute – trotz Finanzmarktturbulenzen – meist über deutliche Gewinne freuen.
Rentenfonds profitierten zwischen 2000 und 2005 von fallenden Zinsen und der Verunsicherung am Aktienmarkt und hatten im Durchschnitt eine kapitalgewichtete Jahresperformance zwischen 3,4% und 6,7%. 2006, 2007 und auch die ersten Monate von 2008 waren hingegen enttäuschend für Rentenfonds-Investoren.
Im ersten Quartal 2008 verloren die österreichischen Fonds nach vorläufigen Zahlen im Durchschnitt 4,5%, wobei Rentenfonds annähernd gleich blieben, Aktienfonds knapp 19% und Mischfonds knapp 5% verloren. Insbesondere im April konnten Aktien- und Mischfonds wieder Teile dieser Verluste wettmachen.
Zusammenfassung:
Der Vermögensbestand der institutionellen und privaten Anleger an verzinslichen Wertpapieren und börsennotierten Aktien stieg in den letzten 10 Jahren um 150% und erreichte zum Ultimo 2007 einen Marktwert in Höhe von 465 Mrd EUR:
- 68% entfallen auf verzinsliche Wertpapiere
– 75% halten institutionelle AnlegerRund 40% der Marktkapitalisierung österreichischer börsennotierter Aktien können zum Ultimo 2007 dem Streubesitz (inkl. Mitarbeiterbeteiligungen) zugerechnet werden. Der Streubesitz wird zu mehr als zwei Drittel vom Ausland gehalten. Durch das Delisting der Bank Austria im Mai 2008 erhöhen sich die Streubesitzanteile auf etwa 46%.
Zwischen 1998 und 2007 hat sich das netto veranlagte Kapital von inländischen Investmentfonds auf das 2,5-fache erhöht. Der Anteil ausländischer Wertpapiere ist kontinuierlich stark gestiegen (von 42% auf 78%). In österreichische börsennotierte Aktien sind per Ende 2007 knapp 15% des veranlagten Aktienvolumens von österreichischen Investmentfonds investiert gewesen; dies liegt deutlich unter dem Durchschnitt im Euroraum.
Österreichische Investoren reduzierten nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Finanzmarktturbulenzen ihre Wertpapierinvestitionen seit Mitte des Vorjahres. Auch das Umfeld für Emissionen war seither getrübt.
Zwischen Ende Juni 2007 und Ende März 2008 ging der Marktwert des Aktienportefeuilles der inländischen Anleger aufgrund von Wertpapierpreiseffekten um rund 20% zurück; das Rentenportefeuille verringerte sich im gleichen Zeitraum Preis und Wechselkurs bedingt um rund 2%, wovon knapp die Hälfte auf Wechselkurseffekte zurückzuführen ist.
Im zweiten Halbjahr 2007 und auch im ersten Quartal 2008 ist der Netto-Vermögensbestand von inländischen Fonds als Reaktion auf die Finanzmarktturbulenzen deutlich zurückgegangen (um 12%). Mehr als ein Drittel dieser Rückgänge ist auf Verkäufe der Investoren zurückzuführen, der Rest auf Ausschüttungen und Kurswertverluste.
Anhangtabelle:
| 1998 | 2007 | VAE 1998−2007 | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| in Mrd EUR | in % von Gesamt | in Mrd EUR | in % von Gesamt | in Mrd EUR | in % | ||
| Wertpapierveranlagungen | |||||||
| Marktwerte | |||||||
| Institutionelle Anleger | |||||||
| verzinsliche Wertpapiere | 121,5 | 67 | 267,7 | 58 | 146,3 | 120 | |
| börsennotierte Aktien | 14,2 | 8 | 81,1 | 17 | 66,9 | 471 | |
| Gesamt | 135,7 | 74 | 348,8 | 75 | 213,2 | 157 | |
| Privatinvestoren | |||||||
| verzinsliche Wertpapiere | 28,8 | 16 | 47,0 | 10 | 18,3 | 64 | |
| börsennotierte Aktien | 17,8 | 10 | 68,9 | 15 | 51,2 | 288 | |
| Gesamt | 46,5 | 26 | 116,0 | 25 | 69,4 | 149 | |
| Institutionelle und private Investoren in Summe | |||||||
| verzinsliche Wertpapiere | 150,2 | 82 | 314,8 | 68 | 164,5 | 110 | |
| börsennotierte Aktien | 32,0 | 18 | 150,0 | 32 | 118,1 | 369 | |
| Gesamt | 182,2 | 464,8 | 282,6 | 155 | |||
| Wertpapieremissionen (aushaftendes Volumen) | |||||||
| finanzieller Sektor | |||||||
| verzinsliche Wertpapiere | 83,1 | 36 | 231,4 | 40 | 148,3 | 178 | |
| börsennotierte Aktien | 10,7 | 5 | 64,9 | 11 | 54,1 | 504 | |
| Gesamt | 93,8 | 40 | 296,3 | 51 | 202,5 | 216 | |
| Staat | |||||||
| verzinsliche Wertpapiere | 102,5 | 44 | 153,5 | 26 | 51,0 | 50 | |
| nichtfinanzielle Unternehmen | |||||||
| verzinsliche Wertpapiere | 12,6 | 5 | 31,4 | 5 | 18,8 | 149 | |
| börsennotierte Aktien | 24,5 | 11 | 103,1 | 18 | 78,6 | 321 | |
| Gesamt | 37,1 | 16 | 134,5 | 23 | 97,4 | 262 | |
| Emittenten in Summe | |||||||
| verzinsliche Wertpapiere | 198,2 | 85 | 416,3 | 71 | 218,1 | 110 | |
| börsennotierte Aktien | 35,3 | 15 | 168,0 | 29 | 132,8 | 377 | |
| Gesamt | 233,4 | 584,3 | 350,9 | 150 | |||
| Veranlagungsbestand inländischer Investmentfonds | |||||||
| verzinsliche Wertpapiere | |||||||
| inländische Emittenten | 26,3 | 48 | 14,9 | 11 | −11,4 | −43 | |
| ausländische Emittenten | 14,6 | 27 | 66,5 | 48 | 51,9 | 356 | |
| Gesamt | 40,9 | 75 | 81,4 | 59 | 40,5 | 99 | |
| Aktien | |||||||
| inländische Emittenten | 1,2 | 2 | 3,8 | 3 | 2,6 | 213 | |
| ausländische Emittenten | 8,2 | 15 | 23,7 | 17 | 15,5 | 189 | |
| Gesamt | 9,4 | 17 | 27,5 | 20 | 18,1 | 193 | |
| ausländische Investmentzertifikate | 0,2 | 0 | 15,0 | 11 | 14,8 | 6613 | |
| sonstige Vermögensbestände | 3,9 | 7 | 13,1 | 10 | 9,2 | 234 | |
| Gesamt | 54,5 | 137,1 | 82,6 | 152 | |||
| Anteilseigner von Zertifikaten inländischer Investmentfonds | |||||||
| Banken und sonstige Finanzinstitute | 8,1 | 15 | 21,6 | 16 | 13,6 | 168 | |
| Versicherungen und Pensionskassen | 10,9 | 20 | 34,1 | 25 | 23,2 | 213 | |
| Staat | 0,4 | 1 | 3,2 | 2 | 2,8 | 786 | |
| nichtfinanzielle Unternehmen | 8,5 | 16 | 11,9 | 9 | 3,4 | 40 | |
| Haushaltssektor | 22,0 | 40 | 43,8 | 32 | 21,8 | 99 | |
| Ausland | 4,6 | 8 | 22,5 | 16 | 17,9 | 388 | |
| Gesamt | 54,5 | 137,1 | 82,6 | 152 | |||
| Quelle: OeNB. | |||||||
Technische Begriffe für
Volkswirtschaftliche Sektoren:
- Banken: Monetäre Finanzinstitute entsprechend der Definition der EZB; alle anderen Banken zählen zu den sonstigen Finanzinstituten
- Investmentfonds: Nationale Abgrenzung; in dieser Präsentation werden Geldmarktfonds (entsprechend der Definition der EZB) als Investmentfonds betrachtet
- Versicherungen und Pensionskassen: Nicht-staatliche Versicherungen und kapitalgedeckte betriebliche oder überbetriebliche Pensionskassen
- Sonstige Finanzinstitute: Banken, die keine MFI sind, Finanzholdings, Unternehmen, die Hilfstätigkeiten für Banken oder Versicherungen leisten, finanzielle Mantelgesellschaften, Börsen
- Nichtfinanzielle Unternehmen: Unternehmen, die als Marktproduzent Waren und nichtfinanziellen Dienste anbieten; dazu zählen auch nichtfinanzielle Beteiligungsholdings (z. B. ÖIAG), sowie vom Staat ausgegliederte Einheiten.
- Haushaltssektor: Private Haushalte, private Organisationen ohne Erwerbszweck einschließlich Privatstiftungen
- Private Haushalte: Selbständig Erwerbstätige, Einpersonenfirmen, Konsumentenhaushalte
- Private Organisationen ohne Erwerbzweck: Nichtmarktproduzenten im Dienste von Haushalten (z. B. Kirchen, Gewerkschaften).
- Privatstiftungen: Stiftungen gemäß Privatstiftungsgesetz
- Sonstige Privatinvestoren: Private Organisationen ohne Erwerbszweck einschließlich Privatstiftungen
Wertpapierkategorien:
- Verzinsliche Wertpapiere (=Schuldverschreibungen): Wertpapiere mit einer vertraglich vereinbarten Verzinsung; dazu zählen Geldmarktpapiere, Commercial Papers, Anleihen (einschließlich Anleihen mit eingebetteten Finanzderivaten wie z. B. Wandelschuldverschreibungen), Pfandbriefe, Asset backed securities und Garantieanleihen; die Bewertung erfolgt zu Marktwerten (Kurs zum jeweiligen Stichtag) einschließlich aufgelaufener und noch nicht bezahlter Zinsen
- Börsennotierte Aktien: Aktien eines Unternehmens, das (teilweise) an einer Börse gehandelt wird; dazu zählen Stammaktien, Vorzugsaktien, die auf einen Inhaber lauten (keine Namensaktien); die Bewertung erfolgt zu Marktwerten (Kurs zum jeweiligen Stichtag).
Streubesitz inländischer börsennotierter Aktien:
Streubesitz im Inland: Banken und Versicherungen entsprechend der gemeldeten Daten, gesamtes Aktienportefeuille gehalten von Investmentfonds und Pensionskassen; Privatinvestoren, wenn sie weniger als 5% an einzelnen Aktien halten, einschließlich Mitarbeiteranteile gehalten durch Mitarbeiterstiftungen;
Streubesitz im Ausland: Aktienportefeuilles, die nicht als „Direktinvestition“ gehalten werden.
Streubesitzanteil: Anteil des Streubesitzes am gesamten Aktienvolumen inländischer Emittenten, unabhängig an welcher Börse die Aktien notieren. - Investmentzertifikate: Anteile von Fonds, die als Sondervermögen von Kapitalanlagegesellschaften emittiert werden; Klassifizierung der Fondstypen nach dem Veranlagungsschwerpunkt
Rückfragehinweis:
Statistik-Hotline
Tel.: (+43-1) 404 20-5555
E-Mail senden
Verleger, Herausgeber und Hersteller:
Oesterreichische Nationalbank
Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Günther Thonabauer
Tel.: (+43-1) 404 20-6666
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