Es gilt das gesprochene Wort.
Presseaussendung
Die Finanzmarktkrise hinterlässt tiefe Spuren am österreichischen Wertpapiermarkt
Redimensionierung oder (nur) Wachstumspause?
Mag. Dr. Aurel Schubert, Mag. Dr. Michael Pfeiffer
Wien, 3. 6. 2009
Factsheet





Der österreichische Wertpapiermarkt zeigte zwischen 1999 und erstem Halbjahr 2007 eine kontinuierliche Zunahme des Marktwertes sowohl in Absolutbeträgen (von 346 auf 773 Mrd EUR) als auch in Relation zu den Gesamtverbindlichkeiten der österreichischen Volkswirtschaft (enthält neben Wertpapieren i.W. noch Einlagen, Kredite, sonstige Anteilsrechte und versicherungstechnische Rückstellungen). Dies unterstreicht die zunehmende Bedeutung von Wertpapieren neben den traditionellen Refinanzierungsquellen in Form von Einlagen und Krediten.
Seit Mitte 2007 ist allerdings die relative Bedeutung des Wertpapiermarktes in Österreich auf das Niveau von 1999 zurückgegangen (29% der Gesamtverbindlichkeiten, d. s. 667 Mrd EUR Ende 2008). Dies ist vor allem auf – durch Verkaufsdruck entstandene – Kursverluste bei Aktien zurückzuführen.
Auch die österreichischen Investmentfondsgesellschaften mussten seit Mitte 2007 weit mehr Anteile von Investoren zurücknehmen als sie neue Anteile ausgeben konnten, wodurch das Fondsvolumen deutlich zurückging.
Für die gesamte Volkswirtschaft bedeutet dies nach einer Bewegung in Richtung marktbasiertes Finanzsystem spätestens seit Herbst 2008 eine Redimensionierung des österreichischen Kapitalmarktes und eine – zwischenzeitliche – Konzentration auf traditionelle Finanzierungsquellen.
Im Euroraum lag der Anteil der Wertpapiere an den Gesamtverbindlichkeiten seit 2002 bei ähnlichem Verlauf im Durchschnitt um 3 Prozentpunkte unter dem Anteil in Österreich.

In den letzten 10 Jahren hat sich das ausstehende Nominalvolumen an (kurz- und langfristigen) verzinslichen Wertpapieren von Emittenten mit Sitz in Österreich mehr als verdoppelt (von 214 auf 465 Mrd EUR). Die Aufnahmen auf den Kapitalmärkten wuchsen damit um 50 Prozentpunkte schneller als das BIP.
Maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung haben die österreichischen Banken, die ihr Nominalvolumen in den letzten 10 Jahren von 91 auf 265 Mrd EUR annähernd verdreifachten.
Für österreichische nichtfinanzielle Unternehmen spielt die Fremdfinanzierung über verzinsliche Wertpapiere (sog. corporate bonds) eine untergeordnete Rolle (ca. 35 Mrd EUR Nominale Ende 2008); ihre Kreditschulden sind etwa 6mal so hoch.
Für den Staat hat die Finanzierung über verzinsliche Wertpapiere hingegen eine zentrale Bedeutung (160 Mrd EUR Nominale Ende 2008). Rund 85% der Bruttoschulden entfallen auf Wertpapiere.
Mehr als 80% der Verbindlichkeiten aus verzinslichen Wertpapieren sind in Euro denominiert. Den größten Fremdwährungsanteil – vor allem zur Refinanzierung der Fremdwährungskredite – haben die Banken (etwa 21% bzw. 56 Mrd EUR Ende 2008).


Die Refinanzierung über den Kapitalmarkt spielt für Österreichs Banken (ohne OeNB) eine wichtige Rolle. Mit rund einem Viertel der (unkonsolidierten) Gesamtverbindlichkeiten (1.026 Mrd EUR) bilden verzinsliche Wertpapiere Ende 2008 eine ähnlich wichtige Finanzierungsquelle wie die Einlagen von inländischen Nichtbanken (286 Mrd EUR).
Ausländische Investoren sind die wichtigsten Kapitalgeber für Banken in diesem Segment. Dies zeigen sowohl die Nettotransaktionen zwischen erstem Quartal 2006 und drittem Quartal 2008 als auch die Bestandsdaten (zu Marktwerten) vom März 2009; 153 Mrd EUR (d. s. 57%) wurden zu diesem Zeitpunkt von ausländischen Investoren gehalten.
Unter schwierigen Rahmenbedingungen, wie es zu Beginn der Finanzmarktkrise im dritten Quartal 2007 und – seit der Verschärfung nach Lehman Brothers – in den letzten beiden Quartalen der Fall war, ist es für heimische Banken allerdings schwer, auf das Ausland als Finanzierungsquelle zurückzugreifen. In den letzten 5 Jahren traten ausländische Investoren nur in diesen Quartalen als Nettoverkäufer verzinslicher Bankpapiere auf. Vor allem Geldmarktpapiere kamen zuletzt unter Druck (-7 Mrd EUR Nettotransaktionen mit dem Ausland).
Im ersten Quartal 2009 stützten Bankanleihen mit Staatsgarantie die Refinanzierung der Banken (Absatz: 10,8 Mrd EUR Nominale, hv. rund 6,5 Mrd EUR ins Ausland). Der Nettoabsatz von (kurz- und langfristigen) Bankpapieren insgesamt kam im ersten Quartal 2009 dennoch zum Erliegen. In den letzten 5 Jahren war dies nur im dritten Quartal 2007 auch der Fall. Im vierten Quartal 2008 dominierten Liquiditätssicherungsmaßnahmen innerhalb des inländischen Bankensektors.


Nichtfinanzielle Unternehmen hatten zum Ultimo März 2009 rund 35 Mrd EUR (Marktwert) an verzinslichen Wertpapieren (sog. corporate bonds) im Umlauf; das sind rund 7% der Gesamtverpflichtungen bzw. 15% der gesamten Verbindlichkeiten aus Fremdkapital (Kredite + Anleihen). Diese Anteile liegen deutlich über dem jeweiligen Durchschnitt aller Euroraum-Länder.
Dennoch spielt die Finanzierung für ausgewählte Unternehmen eine bedeutende Rolle. Die fünf wichtigsten Emittenten (von insgesamt 320) sind für mehr als 60% des Umlaufvolumens verantwortlich.
Laufzeiten der Unternehmensanleihen: 20% zwischen 1 und 5 Jahren, 60% zwischen 5 bis 15 Jahre. Vom ausstehenden Volumen (Ultimo März 2009) sind mehr als 80% erst ab März 2011 und damit – aus heutiger Sicht – zu einfacheren Refinanzierungsbedingungen fällig.
Der Absatz an Wertpapieren konzentrierte sich in der Vergangenheit tendenziell auf einzelne Emissionen; im Fall großvolumiger Platzierungen, wie z. B. im 4. Quartal 2007 bzw. 2008, wurden vorwiegend ausländische Investoren angesprochen. Anleihen wie jene der Voest und der OMV im März bzw. April dieses Jahres waren jedoch stark von inländischen Investoren, auch privaten Haushalten, gefragt.
Unternehmensanleihen sind zu 62% in ausländischer Hand, gegenüber 22% bei inländischen Banken und nur 3% im Besitz inländischer privater Haushalte.
Neuemissionen konnten seit Ende 2008 meist nur mit höheren Risikoaufschlägen platziert werden.


Für den Staat (in Österreich der größte Anteil über den Bund emittiert) spielt die Finanzierung über verzinsliche Wertpapiere, wie in vielen europäischen Ländern, eine zentrale Rolle. Die bedeutendsten Kapitalgeber kommen aus dem Ausland; sie halten ca. 80% (140 Mrd EUR) des ausstehenden Volumens.
Für die Schwankungen bei den Nettotransaktionen mit dem Ausland sorgte in den letzten Jahren zumeist die kurzfristige Finanzierung über Austrian Treasury Bills (ATBs). Der Bund emittierte diese Geldmarktpapiere großteils in der ersten Jahreshälfte und baute sie am Ende des Jahres wieder ab.
2008 hingegen erweiterte der Bund seine Finanzierungen über den kurzfristigen Geldmarkt am Ende des Jahres.
Aufgrund steigender Zinssätze und höherer Risikobereitschaft waren Besitzer von Staatsanleihen zwischen 2006 und Mitte 2008 mit sinkenden Kursen konfrontiert. Im Spätsommer 2008 drehte sich das Bild und bescherte Anlegern deutliche Kurssteigerungen. Neben sinkenden Renditen war hierfür auch die Rolle des Staates als sicherer Hafen verantwortlich.
Die Suche nach einem sicheren Hafen war es auch, die bei privaten Haushalten im vierten Quartal 2008 zu einem Boom bei „bundesschatz.at“ (großteils kurzfristige Einlagen beim Bund über das Internet) führte. Die Einlagen verdoppelten sich von 1 auf 2 Mrd EUR.
In den ersten vier Monaten 2009, speziell im April, verließen einige Anleger allerdings wieder diesen sicheren Hafen (-300 Mio EUR). Dies kann einerseits auf das im Durchschnitt geringere Zinsniveau gegenüber Bankeneinlagen und andererseits auf die bereits wieder allgemein geringere Bedeutung des sicheren Hafens zurückgeführt werden.

Nach jahrelangem Wachstum (seit 2001) ging die Marktkapitalisierung von österreichischen börsenotierten Aktiengesellschaften 2008 drastisch von 169 auf 60 Mrd EUR (-64%) zurück und fiel sowohl in Absolutbeträgen als auch in Relation zum BIP (21%) unter den Wert von 2004.
Hierfür zeichneten nach Jahren mit außergewöhnlich hohen Kursgewinnen natürlich die Kurseinbrüche im Jahr 2008 hauptverantwortlich. Aber auch die Börsenabgänge der Bank Austria und von Böhler-Uddeholm (Übernahme durch Voestalpine) sorgten für einen Rückgang.
Das schwierige Marktumfeld ließ 2008 keine größeren Börsengänge bzw. Kapitalerhöhungen – abgesehen von jenen der Vienna Insurance Group und der etwas kleineren der UNIQA – zu.
Österreichische börsennotierte Immobilienaktiengesellschaften hatten Ende 2006 noch einen Börsenwert von knapp 15 Mrd EUR (mit Atrium European Real Estate, ehemals Meinl European Land, waren es rund 18,5 Mrd); Ende 2008 waren es aufgrund von Kursverlusten nur noch rund 1,7 Mrd EUR (ca. -90%). 2009 setzte dann wie im Gesamtmarkt (bisher) eine Erholung ein.
Im Euroraum ging der Marktwert der börsennotierten Aktiengesellschaften 2008 um rund 46% zurück. Da im gesamten Euroraum kaum Börsenzu- oder -abgänge getätigt wurden, spiegelt die Veränderung den Rückgang der Aktienkurse wider. Die Marktkapitalisierung in Relation zum BIP lag Ende 2008 mit 38% unter dem Wert von 2002 (43%).

Rund 41% der Marktkapitalisierung österreichischer börsennotierter Aktien (ca. 25 Mrd EUR) können Ende 2008 dem Streubesitz (inkl. Mitarbeiterbeteiligungen) zugerechnet werden. Der Rest fällt auf strategische Beteiligungen, großteils aus dem Inland.
Dieser Streubesitz wird zu zwei Drittel von ausländischen Investoren (16 Mrd EUR) und zu mehr als 20 % (5,5 Mrd EUR) vom inländischen Haushaltssektor (inkl. Mitarbeiterbeteiligungen) gehalten. Der Haushaltssektor besitzt somit im Inland die höchsten Streubesitzanteile.
Während alle Investoren 2008 deutliche Kursverluste erleiden mussten, zeigten sich beim Investitionsverhalten der verschiedenen Anlegergruppen interessante Unterschiede: der inländische Haushaltssektor trat als Stütze des inländischen Aktienmarktes auf und kaufte netto – speziell im vierten Quartal – zu (2008 ca. 1 Mrd EUR). Ausländische Investoren hingegen verkauften österreichische börsennotierte Aktien in signifikantem Ausmaß (ca. -2,5 Mrd EUR).
Auch im ersten Quartal 2009, das Anfang März den niedrigsten ATX-Stand (1412 Punkte) seit Ausbruch der Krise brachte, traten ausländische Investoren wieder als Nettoverkäufer und inländische Privatinvestoren als Nettokäufer auf.
Ab Mitte März war eine deutliche Erholung des Aktienmarktes zu beobachten.

Bei den österreichischen Investmentfonds hat die Finanzkrise ebenfalls deutliche Spuren hinterlassen.
Dem internationalen Trend folgend wurden seit Beginn der Finanzkrise nun schon seit 7 Quartalen in Folge mehr Fondsanteile zurückgegeben als neue ausgegeben (negative Nettomittelveränderung). Neben Marktängsten war dies sicher auch auf Kursgewinnrealisierungen aus den positiven Quartalen davor zurückzuführen. Betroffen von dieser Entwicklung waren alle Fondskategorien.
Auch die Kurswertveränderungen (inkl. Zins- und Dividenden-Erträge) zeigten sich seit Mitte 2007 in der Quartalsbetrachtung im Durchschnitt aller Fonds durchwegs negativ. Damit wurden in etwa die positiven Veränderungen der 2,5 Jahre davor wieder zunichte gemacht.
Insgesamt ging das Netto-Fondsvolumen (d. h. exkl. Investitionen in inländische Investmentzertifikate) zwischen Mitte 2007 und März 2009 von 145 auf 103 Mrd EUR (-30%) zurück (hv. rund -15 Mrd Nettomittelabgänge; -6 Mrd Ausschüttungen, -31 Mrd Kursverluste, +10 Mrd Erträge).
Im ersten Quartal 2009 verlangsamte sich dieser Trend allerdings etwas.
Auf europäischer Ebene zeigt sich ein ganz ähnliches Bild. Die Fondsvolumina fielen bis Ende 2008 auf das Niveau von Mitte 2005 zurück. Fonds aller Anlagekategorien und fast aller Länder wurden seit Mitte 2007 massiv verkauft.

Die wichtigste Investorengruppe ist der inländische Haushaltssektor; Ende März 2009 hielt er knapp ein Drittel (32 Mrd EUR) des Nettovolumens inländischer Investmentfonds, knapp die Hälfte davon wiederum in Renten- und Geldmarktfonds. Immobilienfonds werden zu zwei Drittel (1 Mrd EUR) von privaten Haushalten gehalten.
Der Haushaltssektor trug mit seinen Nettoverkäufen (ebenso wie ausländische Anleger) seit Mitte 2007 erheblich zu den Nettomittelabgängen bei. Teilweise wurden die Gelder in andere Veranlagungsformen, insbesondere in Bankeinlagen, umgeschichtet.
Auch Versicherungen und Pensionskassen sind eine bedeutende Veranlagungsgruppe (zusammen knapp 28% oder 28 Mrd EUR). Für Versicherungen stellen inländische Investmentfonds ca. 20% des Gesamtvermögens dar, bei Pensionskassen sind es etwa 80%. Hinter diesen Investoren steckt indirekt auch das Interesse privater Haushalte.
Insgesamt sind die österreichischen Investmentfonds eher konservativ ausgerichtet: 47% aller Fonds werden von den Fonds selbst als Renten- bzw. Geldmarktfonds klassifiziert, 42% als Mischfonds. Dies lässt sich auch am Vermögensbestand ableiten, der Ende 2008 zu rund 80% aus in- und ausländischen verzinslichen Wertpapieren sowie aus Bankguthaben bestand (der Rest teilt sich hauptsächlich auf Aktien und ausländische Investmentzertifikate auf).
Mit ihrem direkt und indirekt über ausländische Investmentzertifikate gehaltenen Aktienanteil von rund 15% liegen österreichische Fonds deutlich unter dem internationalen Durchschnitt.

Für (den Großteil der) Investoren inländischer Fonds war 2008 ein rabenschwarzes Jahr. Im Durchschnitt musste eine negative Performance von rund -13% in Kauf genommen werden (Publikums- und Spezialfonds).
Schuld waren hier natürlich in erster Linie Aktien (gehalten in Aktien- und Mischfonds), aber auch Renten- sowie Geldmarktfonds performten insgesamt 2008 schwach (-0,5%).
Für die schwache Performance von Renten- und Geldmarktfonds waren Investitionen am Verbriefungsmarkt (Mortgage Backed Securities, Collateralised Debt Obligations, etc.) sowie in Island bzw. im Lehman Brothers Konzern mitverantwortlich. Diese Vermögenswerte in den Portefeuilles der Fonds mussten stark abgewertet werden.
Der insgesamt schwachen Performance der Renten- und Geldmarktfonds standen lediglich einige wenige Fonds mit sehr guter Performance gegenüber. Diese Fonds waren hauptsächlich in Staatsanleihen investiert und konnten vor allem im vierten Quartal außergewöhnlich stark zulegen.
Die von privaten Haushalten gehaltenen Immobilienfonds weisen seit Bestehen eine konstante positive Performance auf. Im Gegensatz zu den an der Wiener Börse notierten Immoaktien konnten sie auch 2007 und 2008 positiv performen (4,6 bzw. 3,6%). Im ersten Quartal 2009 mussten allerdings auch Immofonds (in Summe) leichte Kursrückgänge und Nettomittelabgänge in Kauf nehmen.
Das erste Quartal 2009 bescherte allen Fondskategorien im Durchschnitt eine leicht negative Performance (im Durchschnitt über alle Fonds ca. -1%).
Zusammenfassung
Die Finanzkrise hat seit Mitte 2007 tiefe Spuren am internationalen und damit auch am österreichischen Wertpapiermarkt hinterlassen.
Über alle Kategorien hinweg betrachtet ging der Marktwert der umlaufenden Wertpapiere zwischen Juni 2007 und März 2009 aus Preiseffekten um 126 Mrd EUR zurück, das sind 16% des aushaftenden Volumens Ende Juni 2007.
Für Banken ist die Finanzierung am Kapitalmarkt schwieriger geworden. Insbesondere die in diesem Segment bedeutenden ausländischen Investoren stehen als Finanzierungsquelle in Krisenzeiten weit weniger zur Verfügung.
Staatsgarantierte Bankanleihen haben mit einem Volumen von knapp 11 Mrd EUR im ersten Quartal 2009 einen wichtigen Beitrag zur Refinanzierung der Banken zu vergleichsweise günstigen Konditionen geleistet.
Anleihen nichtfinanzieller Unternehmen (corporate bonds) machen 15% der Fremdkapitalverbindlichkeiten aus. Wie bei Bankanleihen spielt das Ausland als Kapitalgeber eine bedeutende Rolle.
Wenn gleich der Refinanzierungsbedarf aufgrund der langen Restlaufzeiten nicht unmittelbar gegeben ist, so können Neuemissionen seit Ende 2008 nur mit höheren Risikoaufschlägen platziert werden.
Der Staat hat durch seine Maßnahmen im Rahmen des Bankenhilfspakets stabilisierend auf die Märkte gewirkt. Seine Rolle als sicherer Hafen widerspiegelt sich auch in den deutlich gestiegenen Kursen von Staatsanleihen in der zweiten Jahreshälfte 2008.
Unter österreichischen privaten Haushalten boomte aus den gleichen Gründen „bundesschatz.at“ mit einer Verdoppelung der Einlagen von 1 auf 2 Mrd EUR im vierten Quartal 2008; diese wurden allerdings in den ersten Monaten 2009 wieder teilweise abgebaut.
Aufgrund von starken Kursrückgängen, aber auch aufgrund von „Delistings“ und fehlenden Börsengängen ist die Marktkapitalisierung österreichischer börsennotierter Aktiengesellschaften in 2008 von rund 169 auf knapp 60 Mrd EUR zurückgegangen; sie fiel damit unter den Wert von 2004. Ab Mitte März 2009 setzte eine Erholung ein.
Inländische private Haushalte haben in diesen letzten schwierigen Quartalen besonders an die österreichische Wirtschaft geglaubt und sich als bedeutende Nettokäufer („Schnäppchenjäger“) börsennotierter Aktien erwiesen. Wie auch in anderen Bereichen haben sich hingegen ausländische Investoren zurückgezogen.
Die Fondsindustrie in Österreich hat wie auch auf der übrigen Welt bisher besonders stark unter der Finanzkrise gelitten. Sowohl Kursverluste als auch signifikante Nettomittelabgänge führten seit Mitte 2007 zu einer massiven Reduktion der Nettovolumina der Fonds von 145 auf 103 Mrd EUR (-30%).
Sowohl inländische private Haushalte als auch ausländische Investoren erwiesen sich in diesem Segment als Nettoverkäufer. Es wurden Fonds aller Anlagekategorien verkauft.
In dem überwiegend schwachen Umfeld konnten sich 2008 nur Immobilienfonds und Fonds, die zu einem großen Teil in Staatsanleihen investiert waren, behaupten. Staatsanleihenfonds konnten besonders im vierten Quartal punkten.
| Emittenten- und Holderstruktur von inländischen Wertpapieren | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| inländische Emittenten | ||||||||
| Gläubiger bzw. Anteilseigner | ||||||||
| Banken gesamt | Investment- fonds | Versicherungen, Pensionskassen, sonstige Finanzinstitute | Staat | nicht- finanzielle Unternehmen | Haushalts- sektor | Ausland | Gesamt | |
| Marktwert1) zum 31. März 2009 in Mrd EUR | ||||||||
| verzinsliche Wertpapiere | 78,9 | 15,6 | 16,1 | 11,2 | 6,3 | 37,0 | 319,0 | 484,0 |
| Banken | 54,9 | 6,7 | 11,8 | 2,2 | 4,3 | 32,1 | 153,2 | 265,2 |
| sonstige Finanzinvestoren | 1,3 | 0,1 | 1,1 | 0,0 | 0,3 | 0,2 | 4,4 | 7,4 |
| Staat | 14,9 | 7,6 | 1,9 | 8,7 | 0,7 | 2,9 | 140,3 | 177,0 |
| nichtfinanzielle Unternehmen | 7,8 | 1,1 | 1,3 | 0,4 | 1,0 | 1,8 | 21,2 | 34,5 |
| börsennotierte Aktien | 1,7 | 1,4 | 8,6 | 4,7 | 15,4 | 7,5 | 19,2 | 58,6 |
| Banken | 1,2 | 0,2 | 1,7 | 0,0 | 1,1 | 0,7 | 1,8 | 6,6 |
| sonstige Finanzinvestoren | 0,2 | 0,1 | 5,8 | 0,0 | 0,6 | 0,4 | 1,1 | 8,3 |
| nichtfinanzielle Unternehmen | 0,3 | 1,1 | 1,2 | 4,7 | 13,8 | 6,4 | 16,3 | 43,7 |
| Investmentzertifikate | 11,2 | 20,2 | 33,1 | 3,1 | 8,3 | 32,0 | 15,1 | 123,1 |
| Veränderung2) zum 30. Juni 2007 in Mrd EUR | ||||||||
| verzinsliche Wertpapiere | 36,8 | 0,0 | 2,8 | −0,3 | 1,3 | 6,2 | 14,1 | 60,9 |
| Banken | 30,2 | 0,0 | 1,8 | 0,3 | 0,7 | 3,7 | 9,7 | 46,5 |
| sonstige Finanzinvestoren | −0,1 | 0,0 | 0,1 | 0,0 | 0,0 | 0,1 | 0,5 | 0,6 |
| Staat | 5,7 | −0,1 | 0,3 | −0,8 | 0,4 | 1,8 | 0,9 | 8,1 |
| nichtfinanzielle Unternehmen | 1,1 | 0,1 | 0,5 | 0,3 | 0,2 | 0,5 | 2,9 | 5,7 |
| börsennotierte Aktien | −14,7 | −2,8 | −28,1 | −1,8 | −16,8 | −12,1 | −40,7 | −117,0 |
| Banken | −1,0 | −0,3 | −25,2 | 0,0 | −0,3 | −0,9 | −7,9 | −35,6 |
| sonstige Finanzinvestoren | −12,0 | −0,3 | −0,7 | 0,0 | 0,0 | −0,5 | −4,4 | −17,8 |
| nichtfinanzielle Unternehmen | −1,7 | −2,2 | −2,2 | −1,8 | −16,5 | −10,7 | −28,4 | −63,6 |
| Investmentzertifikate | −5,9 | −9,5 | −8,3 | −0,7 | −6,1 | −13,7 | −7,2 | −51,5 |
| Quelle: OeNB. | ||||||||
| 1) Marktwert inklusive aufgelaufener und noch nicht abgedeckter Zinsen. | ||||||||
| 2) Veränderung aus Transaktionen, Preisveränderungen und Reklassifikationen (z. B. Delistings bei Aktien) | ||||||||
Begriffserklärungen
Der österreichische Wertpapiermarkt beschreibt Wertpapiere, die von Emittenten mit Sitz in Österreich begeben worden sind, auch wenn die Wertpapiere selbst im Ausland begeben worden sind bzw. an einer ausländischen Börse notieren. Wertpapiere ausländischer Emittenten, auch wenn sie in Österreich begeben worden sind oder an der Wiener Börse notieren (wie z. B. Atrium Real Estate), zählen bei dieser Betrachtungsweise nicht zum österreichischen Wertpapiermarkt.
Emittenten und Anleger:
Banken: Monetäre Finanzinstitute entsprechend der Definition der EZB (d. h. inklusive Notenbank); alle anderen Banken zählen zu den sonstigen Finanzinstituten
Sonstige finanzielle Emittenten/Investoren:
Investmentfonds: Nationale Abgrenzung; in dieser Präsentation werden Geldmarktfonds (gem. Definition der EZB) als Investmentfonds betrachtet
Versicherungen und Pensionskassen: Nicht-staatliche Versicherungen und Kapital gedeckte betriebliche oder überbetriebliche Pensionskassen
Sonstige Finanzinstitute: Banken, die keine MFI sind, Finanzholdings, Unternehmen, die Hilfstätigkeiten für Banken oder Versicherungen leisten, finanzielle Mantelgesellschaften, Börsen
Nichtfinanzielle Emittenten/Investoren:
Nichtfinanzielle Unternehmen: Unternehmen, die als Marktproduzent Waren und nichtfinanziellen Dienste anbieten (z. B. OMV, Voestalpine); dazu zählen auch nichtfinanzielle Beteiligungsholdings (z. B. ÖIAG), sowie vom Staat ausgegliederte Einheiten (z. B. ASFINAG, ÖBB, Bundesimmobiliengesellschaft).
Staat: Zentralstaat, Länder, Gemeinden, Sozialversicherungen
Haushaltssektor: Private Haushalte, private Organisationen ohne Erwerbszweck einschließlich Privatstiftungen
Private Haushalte: Selbständig Erwerbstätige, Einpersonenfirmen, Konsumentenhaushalte
Private Organisationen ohne Erwerbzweck: Nichtmarktproduzenten im Dienste von Haushalten (z. B. Kirchen, Gewerkschaften).
Privatstiftungen: Stiftungen gemäß Privatstiftungsgesetz
Ausländische Investoren: umfasst alle Investoren, die ihren Sitz nicht in Österreich haben
Wertpapierkategorien:
Verzinsliche Wertpapiere (=Schuldverschreibungen): Wertpapiere mit einer vertraglich vereinbarten Verzinsung; dazu zählen Geldmarktpapiere (wie Commercial Papers), Anleihen (einschließlich Wandelschuldverschreibungen, Aktienanleihen u.ä.), Pfand- und Kommunalbriefe, Asset backed securities und andere Verbriefungsprodukte
Börsennotierte Aktien: Aktien eines Unternehmens, das (teilweise) an einer Börse gehandelt wird; dazu zählen Stammaktien, Vorzugsaktien, die auf einen Inhaber lauten (keine Namensaktien)
Investmentzertifikate: Anteile von Fonds, die als Sondervermögen von Kapitalanlagegesellschaften emittiert werden; Klassifizierung der Fondstypen nach dem Veranlagungsschwerpunkt
Marktwert in Euro: die Bewertung erfolgt zu Marktwerten (Kurs zum jeweiligen Stichtag) einschließlich aufgelaufener und noch nicht bezahlter Zinsen im Falle von verzinslichen Wertpapieren
Nominale in Euro: beschreibt den Nennwert eines verzinslichen Wertpapiers
Nettoabsatz von verzinslichen Wertpapieren: (Platzierte) Neuemissionen minus Tilgungen (am Primärmarkt)
Netto-Fondsvolumen: entspricht der Summe der Volumina aller österreichischen Fonds abzüglich den Investments in inländische Investmentzertifikate (im Falle von Dachfonds)
Rückfragehinweis:
Statistik-Hotline
Tel.: (+43-1) 404 20-5555
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Verleger, Herausgeber und Hersteller:
Oesterreichische Nationalbank
Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Günther Thonabauer
Tel.: (+43-1) 404 20-6666
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